Apfelallergie – Hoffnung für Allergiker!

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Apfelallergie – Hoffnung für Allergiker!

Apfelallergie – verträglichere Sorten entdeckt

BEDEUTENDSTE FRUCHT EUROPAS

Der Apfel (lat. Malus domestica), der zur Familie der Rosengewächse zählt, stammt zwar ursprünglich aus Italien, aber die knackige Frucht wird schon lange in ganz Europa geschätzt. Nicht nur wegen des aromatischen Geschmacks, sondern auch wegen der gesundheitlich wertvollen Inhaltsstoffe. Doch roh verzehrt führt der Genuss eines Apfels bei immer mehr Menschen zu körperlichen Reaktionen, den Anzeichen einer Apfelallergie. Allein in Deutschland sollen mittlerweile etwa vier Millionen Menschen unter dieser > Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden. Unter ihnen befindet sich eine Vielzahl von Birkenpollen-Allergikern, die in Form einer  > Kreuzallergie gleichzeitig auch allergisch auf Äpfel reagieren.

UNTERSCHIEDLICHE REAKTIONEN MÖGLICH

Die Reaktionen nach dem Verzehr verschiedener Apfelsorten fallen bei den Betroffenen unterschiedlich stark aus. Berichtet wird u.a. von folgenden allergieartigen Anzeichen nach dem Verzehr bestimmter Apfelsorten:

  • Lokales Kribbeln
  • Juckreiz
  • Schwellungen der Schleimhaut
  • Augenjucken
  • Atemwegsbeschwerden
  • Entzündungen im Bereich von Mund und Rachen
  • Entwicklung einer Kombination mit Birkenpollenallergie

Die Symptome treten nach Angaben der Betroffenen für die Dauer von einigen Stunden bis hin zu mehreren Tagen auf. Eine Apfelallergie kann sich auch erst nach mehreren Jahren einstellen.

APFEL IST NICHT GLEICH APFEL

Allergiker berichteten, dass sie auf verschiedene Apfelsorten reagierten, während sie andere gut vertragen haben. Verschiedene Forschungen zum Thema Apfelallergie sind mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass mehrere Faktoren für das Allergiepotential eines Apfels verantwortlich sein können. Besonderen Einfluss nehmen Reifegrad, Apfelsorte und Verarbeitungsstufe.

ALLERGIEPOTENTIAL VOM GEHALT AN POLYPHENOLEN ABHÄNGIG

An der Hochschule Ostwestfalen-Lippe hat Prof. Dr. Jürgen Zapp vom Institut für Lebensmitteltechnologie NRW im Rahmen einer Bachelor-Arbeit Hinweise darauf gefunden, dass der Gehalt an Polyphenolen im Apfel eng mit der Verträglichkeit in Verbindung steht. Polyphenole zählen zur Familie der gesundheitsfördernden Pflanzenstoffe, die auch Farbe und Geschmack von pflanzlichen Lebensmitteln deutlich beeinflussen. Im Ergebnis enthielten dabei die traditionellen, alten Apfelsorten deutlich mehr Polyphenole und waren besser verträglich als moderne Apfelzüchtungen. Moderne Züchtungen wiesen dagegen  nur noch einen mangelnden Gehalt an Polyphenolen auf. Polyphenole sind demnach fähig, das Apfelallergen zu deaktivieren und verhindern so, dass die > Allergene überhaupt erst vom Körper aufgenommen werden.  Neben dieser Fähigkeit weist der Professor gleichzeitig auf den hohen Anteil gesundheitsfördernder > Antioxidantien hin, der offensichtlich speziell in den Traditionssorten nach wie vor noch enthalten ist.

Polyphenole zählen zu den > sekundären Pflanzenstoffen, die eine Pflanze für Ihre Abwehrkraft und zum Schutz vor verschiedenen Schädlingen benötigt. Sekundäre Pflanzenstoffe haben sich aber auch bei verschiedenen menschlichen Krankheiten als wirksam erwiesen. Im Rahmen der modernen Züchtung hat man spezielle Polyphenole aus alten traditionellen Apfelsorten herausgezüchtet. Und das nicht nur, um eine schönere Optik zu erhalten und das schnelle Bräunen nach dem Anschneiden zu verhindern, sondern auch, um die Säure zu entfernen. Gerade deshalb schmecken moderne allergene Apfelsorten oft süß und säurearm.

Alternative Apfelsorten

BUND LEMGO BIETET VERTRÄGLICHKEITSLISTEN 

Der BUND in Lemgo ist aktiv im Bereich alte Apfelsorten und Streuobstwiesen unterwegs. Er stellt Allergikern eine Liste alter und neuer Apfelsorten zur Verfügung, in der sie die Verträglichkeit bewerten können. Die Ergebnisse dieser Verträglichkeitsliste wurden auch von den Forschungsergebnissen von Prof. Dr. Jürgen Zapp gestützt. Sie geben eindeutige Hinweise darauf, welche Sorten die geringsten allergenen Potentiale bergen. Demnach stellten sich vorwiegend moderne Sorten als nicht gut verträglich heraus. Eine Ausnahme unter den modernen Züchtungen bildeten allerdings die beiden Apfelsorten Rubinette und Santana, die auch bei Allergikern allgemein gut verträglich waren. Zur Orientierung sind hier auszugsweise aus der Verträglichkeitsliste des BUND Lemgo einige Bewertungen aufgeführt:

Schlechter verträgliche Neuzüchtung

  • Braeburn
  • Elstar
  • Jonagold
  • Gala
  • Golden Deliciuos
  • Granny Smith u.a.

Besser verträgliche Neuzüchtung

  • Rubinette
  • Santana

Gut verträgliche Traditionszüchtung

  • Alkmene
  • Ananasrenette
  • Berlepsch
  • Biesterfelder Renette
  • Finkenwerder Herbstprinz
  • Goldparmäne
  • Gravensteiner
  • Ontario
  • Prinz Albrecht von Preußen
  • Schöner Boskoop
  • Winterglockenapfel u.a.

Verträgliche Apfelsorten für Diabetiker

  • Alkmene
  • Champagner Renette
  • Gehers Rambur
  • Gelber Edelapfel
  • Idared
  • Johannes Böttner
  • Lanes Prinz Albert
  • Ontario
  • Ulhorns Augustkalvill u.a.
Ausführliche Informationen mit aktuellen Zahlen zur Verträglichkeit und Unverträglichkeit erhalten Sie für viele Apfelsorten auf der Website des BUND Lemgo. Den Link finden Sie hier gleich am Seitenende unter Weiterführende Informationen.

NEUE VERSUCHE WAGEN?

Viele Menschen verzichten teilweise seit Jahrzehnten auf das leckere und gesunde Obst und leiden still unter der Unverträglichkeit. Ob man es als Allergiker wagen soll, sich mit dem Probieren alter Apfelsorten ein Stück Lebensqualität zurück zu erobern, muss man mit sich selbst ausmachen. Denn jeder Genuss bleibt schließlich immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Nach Angaben des BUND teilten aber bislang schon einige Allergiker mit, dass sie nach regelmäßigem Konsum verträglicher Apfelsorten eine Desensibilisierung erreichen konnten. Hochgradig allergische Personen sollten allerdings auf jeden Fall dazu den Arzt befragen.

Tipps für Apfelallergiker

AUF REIFEGRAD UND LAGERZEIT ACHTEN

Es gibt Hinweise darauf, dass sich allergenes Potential während der Lagerung aufbauen kann. Einige Apfelallergiker können bestimmte Apfelsorten frisch vom Baum gut vertragen, reagieren aber auf dieselbe Apfelsorte allergisch, wenn sie länger gelagert war.

VERARBEITETE ÄPFEL MEISTENS UNPROBLEMATISCH

Nach Ausführungen von Prof. Hans Steinhardt von der Universität Hamburg ist eine ganz bestimmte Anordnung von Aminosäuren in einem Lebensmittel für eine Allergie verantwortlich. Sobald jedoch das Lebensmittel während der Produktion oder auch in der  Küche verändert wird, verliert es das allergene Potential.  Beim Kochvorgang ändert sich beispielsweise die Anordnung der Aminosäure derart, dass der Apfel nach dem Erhitzen auch für Allergiker gut verträglich ist.

Ernährungswissenschaftler raten Allergikern regelmäßig dazu, den Apfel vor dem Genuß zu schälen, kleinzuschneiden und ihn für kurze Zeit an der Luft stehen zu lassen. Auch Äpfel in Form von Kompott, Saft, Bratapfel, Gelee oder im Obstkuchen sind auch für Allergiker meistens kein Problem.

AUCH PESTIZIDE KÖNNEN ALLERGIEN AUSLÖSEN

Der BUND Lemgo weist darauf hin, dass nach diversen Publikationen auch Pestizide, die wir unwissentlich mit dem Obst zu uns nehmen, zu weiteren Belastungen des inneren Milieus führen können. Die Wirkungen der körperfremden Chemikalien und ihr Zusammenspiel im Körper seien zwar noch größtenteils ungeklärt, dennoch könnten auch Pestizide als Allergieauslöser in Frage kommen. Der BUND empfiehlt daher den Kauf von Produkten aus > ökologischen Anbau.

Projektteilnahme für Apfelallergiker

BUND LEMGO – PROJEKT-TEILNAME FÜR APFELALLERGIKER

Sie sind Allergiker und haben eigene Testerfahrungen zu verträglichen und/oder unverträglichen Apfelsorten gesammelt?

Dann nehmen Sie doch einfach am Projekt Apfelallergie teil, dass der BUND Lemgo ausrichtet. Die Teilnahme ist unkompliziert. Senden Sie ihre Erfahrungen formlos per E-Mail an den BUND oder nutzen Sie die Download-Meldeliste, die Sie per Post oder per E-Mail an den Bund für Naturschutz und Landwirtschaft in Lemgo senden. Schon wird Ihr Ergebnis in die aktuelle Liste aufgenommen und Sie haben einen wertvollen Beitrag für die betroffenen Allergiker geleistet – denn jede Stimme hilft!

Teilnahmebedingung: Es muss sich bei den getesteten Apfelsorten um unbehandelte Apfelsorten handeln, damit eine Reaktion aufgrund von Spritzmitteln ausgeschlossenen werden kann.

Projekt für Apfelallergiker – Meldeliste
WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Informationssystem genetische Sorten: http://www.genres.de/ausgewaehlte-themen/sortenabhaengigkeit-der-apfelallergie/
https://www.hs-owl.de/hsnews/news/newdetail/news/hochschule-owl-untersucht-alte-apfelsorten.html
Brandt Eckhardt, Brandt Judith: Natürlich Obst: Sorten Rezepte und Wissenswertes aus Norddeutschland. 2011. Verlag Wachtholz.
http://www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html
http://www.aid.de/presse/aktuell.php?mode=beitrag&id=5864
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 02/2017

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2017-10-17T19:05:56+00:00