Apfelallergie – Hoffnung für Apfelallergiker!

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Apfelallergie – Hoffnung für Apfelallergiker!

Apfelallergie – verträglichere Sorten entdeckt

ETWA 4 MILLIONEN DEUTSCHE LEIDEN UNTER EINER APFELALLERGIE

Der Apfel (lat. Malus domestica), der zur Familie der Rosengewächse zählt, stammt zwar ursprünglich aus Italien, aber die knackige Frucht findet sich heute nahezu in jedem europäischen Obstkorb. Nicht nur wegen des aromatischen Geschmacks, sondern auch wegen der gesundheitlich wertvollen Inhaltsstoffe. Doch roh verzehrt führt der Genuss eines Apfels bei immer mehr Menschen zu körperlichen Reaktionen. Allein in Deutschland leiden mittlerweile fast vier Millionen Menschen unter einer Apfelallergie. Neuere Studien konnten nun Ursachen für Überreaktionen ermitteln und bieten Anlass zur Hoffnung für viele Apfelallergiker.

UNTERSCHIEDLICHE REAKTIONEN MÖGLICH

Die Reaktionen nach dem Verzehr verschiedener Apfelsorten fallen bei den Betroffenen unterschiedlich stark aus. Berichtet wird u.a. von folgenden allergieartigen Anzeichen nach dem Verzehr bestimmter Apfelsorten:

Anzeichen einer Apfelallergie

  • Lokales Kribbeln im Mundbereich
  • Juckreiz
  • Brennen und Schwellungen im Bereich von Mund und/oder Rachen
  • Augenjucken
  • Atemwegsbeschwerden
  • Allergieschock
  • Entzündungen im Bereich von Mund und Rachen
  • Entwicklung einer Kombination mit Birkenpollenallergie

Die Symptome treten nach Angaben der Betroffenen etwa 5 – 10 Minuten nach dem Verzehr auf und klingen etwa nach 20 Minuten ab. Einige berichten, dass Symptome sich für die Dauer von einigen Stunden bis hin zu mehreren Tagen halten. Eine Apfelallergie kann sich auch erst nach mehreren Jahren einstellen. Bislang gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten für Apfelallergiker.

APFEL IST NICHT GLEICH APFEL

Durchschnittlich isst der Deutsche im Jahr etwa 25 Kilogramm Äpfel. Allergiker berichteten, dass sie auf verschiedene Apfelsorten reagierten, während sie andere gut vertragen haben. Mehrere Forschungen zum Thema sind mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass verschiedene Faktoren für das Allergiepotential eines Apfels verantwortlich sein können. Besonderen Einfluss nehmen dabei Reifegrad, Apfelsorte und Verarbeitungsstufe.

NEUE APFELSORTEN HABEN WENIG POLYPHENOLE UND HOHES ALLERGIEPOTENTIAL

An der Hochschule Ostwestfalen-Lippe hat Prof. Dr. Jürgen Zapp vom Institut für Lebensmitteltechnologie NRW im Rahmen einer Bachelor-Arbeit Hinweise darauf gefunden, dass der Gehalt an Polyphenolen im Apfel eng mit der Verträglichkeit in Verbindung steht. Polyphenole zählen zur Familie der gesundheitsfördernden Pflanzenstoffe. Große Mengen sind meistens in der Fruchtschale und in den Kernen enthalten, sie beeinflussen auch Farbe und Geschmack von pflanzlichen Lebensmitteln deutlich. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass die traditionellen alten Apfelsorten wesentlich mehr Polyphenole enthielten und besser verträglich waren als moderne Apfelzüchtungen.

MODERNE APFELSORTEN LÖSEN VIEL HÄUFIGER APFELALLERGIEN AUS

Moderne Züchtungen weisen den Untersuchungsergebnissen zufolge nur noch einen mangelnden Gehalt an Polyphenolen auf. Polyphenole zählen zur Familie der sekundären Pflanzenstoffe, von denen sich einige etwa auch gegen Krebs und Herz- Kreiskauferkrankungen als wirksam erwiesen haben. Eine Pflanze benötigt sekundäre Pflanzenstoffe für Ihre Abwehrkraft und zum Schutz vor verschiedenen Schädlingen.

Im Rahmen der modernen Züchtung ist man allerdings  dazu übergegangen, diese speziellen Polyphenole aus alten traditionellen Apfelsorten herauszuzüchten. Und das nicht nur, um eine schönere Optik zu erhalten und das schnelle Bräunen nach dem Anschneiden zu verhindern, sondern auch, um die Säure zu entfernen.

Gerade deshalb schmecken moderne allergene Apfelsorten nämlich oft süß und säurearm.

ALTE APFELSORTEN OHNE APFELALLERGEN – MIT MEHR ANTIOXIDANTIEN

Die heute oftmals herausgezüchteten Polyphenole sind fähig, das Apfelallergen zu deaktivieren und so verhindern sie, dass die > Allergene überhaupt erst vom Körper aufgenommen werden.  Neben dieser besonderen Fähigkeit der alten Apfelsorten weist Prof. Dr. Jürgen Zapp gleichzeitig auch auf ihren hohen Anteil gesundheitsfördernder > Antioxidantien hin, der offensichtlich speziell in den Traditionssorten nach wie vor noch enthalten ist. Antioxidantien sind für das menschliche Immunsystem äußerst wichtig, wenn es um die Bekämpfung > von Freien Radikalen im Körper geht.

POLYPHENOLE AUS ÄPFELN MILDERN ALLERGISCHE SYMPTOME

Wie japanische Forscher feststellten konnten, mildern oral eingenommene Polyphenole aus Äpfeln den Schnupfen, der als Symptom der allergischen Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut) auftritt.

Eine Beobachtungsstudie am Allergie-Centrum-Charité in Berlin fand 2016 heraus, dass sich durch das regelmäßige Essen allergenarmer Apfelsorten die Beschwerden bei Apfelallergikern deutlich verringern. Nach Angaben des Studienleiters Prof. Dr. med. Karl-Christian Bergmann kann die Apfelallergie zwar nicht komplett beseitigt werden, dennoch lohnt es sich für Apfelallergiker, nach alten Apfelsorten wie Eifeler Rambur, Alkmene, Goldparmäne Gravensteiner, Boskoop und auch Jonathan zu suchen.

Alternative Apfelsorten

BUND LEMGO BIETET VERTRÄGLICHKEITSLISTEN 

Der BUND in Lemgo ist aktiv im Bereich alte Apfelsorten und Streuobstwiesen unterwegs. Er stellt Allergikern eine Liste alter und neuer Apfelsorten zur Verfügung, in der sie die Verträglichkeit bewerten können. Die Ergebnisse dieser Verträglichkeitsliste werden von den Forschungsergebnissen von Prof. Dr. Jürgen Zapp gestützt und geben eindeutige Hinweise darauf, welche Sorten die geringsten allergenen Potentiale bergen. Demnach stellten sich vorwiegend moderne Sorten als nicht gut verträglich heraus. Eine Ausnahme unter den modernen Züchtungen bildeten allerdings die beiden Apfelsorten Rubinette und Santana, die auch bei Allergikern allgemein gut verträglich waren. Zur Orientierung sind hier auszugsweise aus der Verträglichkeitsliste des BUND Lemgo einige Bewertungen aufgeführt:

Schlechter verträgliche Neuzüchtung

  • Braeburn
  • Elstar
  • Jonagold
  • Gala
  • Golden Deliciuos
  • Granny Smith
  • Pink Lady
  • Roter Delicious

Besser verträgliche Neuzüchtung

  • Rubinette
  • Santana

Gut verträgliche Traditionszüchtung

  • Alkmene
  • Altländer Pfannenkuchenapfel
  • Ananasrenette
  • Berlepsch, Goldrennette von Freiherr
  • Biesterfelder Renette
  • Champagnerrenette
  • Danziger Kantapfel
  • Eifeler Rambur
  • Finkenwerder Herbstprinz
  • Goldparmäne
  • Goldrenette aus Blenheim
  • Gravensteiner
  • Holsteiner Cox
  • Kaiser Wilhelm
  • Ontario
  • Prinz Albrecht von Preußen
  • Roter Boskoop
  • Schöner Boskoop
  • Weißer Klarapfel
  • Weißer Winterglockenapfel
  • Wöbers Rambur

Verträgliche Apfelsorten für Diabetiker

  • Alkmene
  • Champagner Renette
  • Gehers Rambur
  • Gelber Edelapfel
  • Idared
  • Johannes Böttner
  • Lanes Prinz Albert
  • Ontario
  • Ulhorns Augustkalvill u.a.
Ausführliche Informationen mit aktuellen Zahlen zur Verträglichkeit und Unverträglichkeit erhalten Sie für viele Apfelsorten auf der Website des BUND Lemgo. Den Link finden Sie hier gleich am Seitenende unter Weiterführende Informationen.

NEUE VERSUCHE WAGEN?

Die Apfelallergie zählt zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Unter den Apfelallergikern befindet sich eine Vielzahl von Heuschnupfenpatienten, die in Form einer  Kreuzallergie gleichzeitig auch allergisch auf Äpfel reagieren. Grund dafür ist, dass Allergene in Baumpollen von Birke, Hasel oder Erle den Proteinstrukturen von Äpfeln ähnlich sind.

Viele Menschen verzichten teilweise seit Jahrzehnten auf das leckere und gesunde Obst und leiden still unter der Unverträglichkeit. Ob man es als Allergiker wagen soll, sich mit dem Probieren alter Apfelsorten ein Stück Lebensqualität zurück zu erobern, muss man für sich selbst entscheiden. Denn jeder Genuss bleibt schließlich immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Nach Angaben des BUND teilten aber bislang schon einige Apfelallergiker mit, dass sie nach regelmäßigem Konsum verträglicher Apfelsorten eine Desensibilisierung erreichen konnten.

Hochgradig allergischen Personen wird geraten, nur mit Zustimmung und unter Betreuung ihres Facharztes einen Versuch zu wagen, denn es können starke Symptome auftreten, bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Tipps für Apfelallergiker

APFELALLERGIKER SOLLTEN AUF REIFEGRAD UND LAGERZEIT ACHTEN

Es gibt Hinweise darauf, dass sich allergenes Potential während der Lagerung aufbauen kann. Einige Apfelallergiker können bestimmte Apfelsorten frisch vom Baum gut vertragen, reagieren aber auf dieselbe Apfelsorte allergisch, wenn sie länger gelagert war.

VERARBEITETE ÄPFEL FÜR APFELALLERGIKER MEISTENS UNPROBLEMATISCH

Nach Ausführungen von Prof. Hans Steinhardt von der Universität Hamburg ist eine ganz bestimmte Anordnung von Aminosäuren in einem Lebensmittel für eine Allergie verantwortlich. Sobald jedoch das Lebensmittel während der Produktion oder auch in der  Küche verändert wird, verliert es das allergene Potential.  Beim Kochvorgang ändert sich beispielsweise die Anordnung der Aminosäure derart, dass der Apfel nach dem Erhitzen auch für Allergiker gut verträglich ist.

Ernährungswissenschaftler raten Allergikern regelmäßig dazu, den Apfel vor dem Genuß zu schälen, kleinzuschneiden und ihn für kurze Zeit an der Luft stehen zu lassen. Äpfel in Form von Kompott, Saft, Bratapfel, Gelee oder im Obstkuchen sind für > Allergiker meistens kein Problem.

AUCH PESTIZIDE KÖNNEN ALLERGIEN AUSLÖSEN

Der BUND Lemgo weist darauf hin, dass nach diversen Publikationen auch Pestizide, die wir unwissentlich mit dem Obst zu uns nehmen, zu weiteren Belastungen des inneren Milieus führen können. Die Wirkungen der körperfremden Chemikalien und ihr Zusammenspiel im Körper seien zwar noch größtenteils ungeklärt, dennoch könnten auch Pestizide als Allergieauslöser in Frage kommen. Der BUND empfiehlt daher den Kauf von Produkten aus ökologischen Anbau.

Projektteilnahme für Apfelallergiker

BUND LEMGO – PROJEKT-TEILNAME FÜR APFELALLERGIKER

Sie sind Allergiker und haben eigene Testerfahrungen zu verträglichen und/oder unverträglichen Apfelsorten gesammelt?

Dann nehmen Sie doch einfach am Projekt Apfelallergie teil, dass der BUND Lemgo ausrichtet. Die Teilnahme ist unkompliziert. Senden Sie ihre Erfahrungen formlos per E-Mail an den BUND oder nutzen Sie die Download-Meldeliste, die Sie per Post oder per E-Mail an den Bund für Naturschutz und Landwirtschaft in Lemgo senden. Schon wird Ihr Ergebnis in die aktuelle Liste aufgenommen und Sie haben einen wertvollen Beitrag für die betroffenen Allergiker geleistet – denn jede Stimme hilft!

Teilnahmebedingung: Es muss sich bei den getesteten Apfelsorten um unbehandelte Apfelsorten handeln, damit eine Reaktion aufgrund von Spritzmitteln ausgeschlossenen werden kann.

Weiterführende Informationen für Apfelallergiker > Bund Lemgo – Infos-für-Apfelallergiker

Projekt für Apfelallergiker – Meldeliste
WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Informationssystem genetische Sorten: http://www.genres.de/ausgewaehlte-themen/sortenabhaengigkeit-der-apfelallergie/
T. Enomoto et al.Clinical Effects of Apple Polyphenols on Persistent Allergic Rhinitis: A Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Parallel Arm Study. J Investig Allergol Clin Immunol 2006; Vol. 16(5): 283-289.
https://www.hs-owl.de/hsnews/news/newdetail/news/hochschule-owl-untersucht-alte-apfelsorten.html
Brandt Eckhardt, Brandt Judith: Natürlich Obst: Sorten Rezepte und Wissenswertes aus Norddeutschland. 2011. Verlag Wachtholz.
http://www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html
http://www.aid.de/presse/aktuell.php?mode=beitrag&id=5864
Robert-Koch-Institut: Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland. DEGS1. 2008-2011
ECARF Studie: Alte Apfelsorten lindern Allergie.  http://www.ecarf.org/presse/studie-alte-apfelsorten-lindern-allergie/
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 02/2017 | aktualisiert 25.11.2017

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