Heliotherapie & Phototherapie – Heilen mit Licht

Heliotherapie & Phototherapie – Heilen mit Licht

Therapeutische Anwendung der Sonnenstahlen

KLASSISCHES NATURHEILVERFAHREN

Die Heliotherapie (griech. helios = Sonne) zählt zu den wissenschaftlich anerkannten Naturheilverfahren. Die Heliotherapie nutzt das Sonnenlicht medizinisch. Anwendung findet sie bei verschiedenen akuten und chronischen Erkrankungen. Schon im alten Ägypten und bei Griechen, Römern und Asiaten war die Heilwirkung der Sonne bekannt und wurde therapeutisch genutzt. Die Heliotherapie mit natürlichem Sonnenlicht wird heute kurmäßig im Rahmen der Balneotherapie und der Klimatherapie angewendet.

In der praktischen Anwendung der Heliotehrapie wirken in der Regel künstlich hergestellte Sonnenstrahlen über spezielle Lampen gezielt in verschiedenen Wellenlängen. Grundlage ist das Spektrum aus ultravioletter, sichtbarer und infraroter Strahlung. Künstliche Sonnenstrahlen stehen unabhängig von Jahreszeiten, örtlichen und natürlichen Beeinflussungen zur Verfügung und können nach Bedarf dosiert werden.

Man unterscheidet die Lichtspektren, die für das Auge sichtbar sind, von denen, die das menschliche Auge nicht wahrnehmen kann. Das sichtbare Spektrum wird in der Lichttherapie angewendet, die gegen saisonale Depressionen und Schlafstörungen eingesetzt wird. Sichtbar ist das Spektrum im Bereich von 400 nm – 700 nm. Die unsichtbaren Spektren des UV-und Infrarotlichts verfügen über medizinische Wirkungen.

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UV-STRAHLEN

Als UV-Strahlung wird der Spektralbereich der elektromagnetischen Wellen bezeichnet, der auf den blau-violetten Bereich des sichtbaren Lichts folgt und sich an den hochfrequenten Bereich anschließt.

UV-Strahlen bestehen aus höherer Energie und sind für das Auge als Licht nicht mehr sichtbar. Diese Strahlung ist biologisch und medizinisch wirksam.

UV-Strahlen können Veränderungen im Körper auslösen – auch schädigende, denn zu intensive Sonneneinstrahlung unterdrückt die Immunreaktion des Körpers. Die UV-Strahlung lässt sich in verschiedene Bereiche unterteilen, die jeweils eine andere Wirkung ausüben:

  • UV-A Strahlung im Bereich von 315 nm-400 nm: Bräunungsstrahlen. Einsatz der Bestrahlung überwiegend in der Dermatologie, z.B. bei Schuppenflechte, Neurodermitis
  • UV-B Strahlung im Bereich von 215 nm-315 nm: Strahlung bewirkt Hautrötung und die Photosynthese von Vitamin D (kurzwelliges Spektrum). Sie aktiviert  das Provitamin D in der oberen Hautschicht zur Bildung von Vitamin D. Einsatz der Bestrahlung überwiegend in der Dermatologie
  • UV-C Strahlung im Bereich von 200 nm-280 nm: Strahlung wird zum großen Teil aus der Atmosphäre aufgenommen und bewirkt Hautrötung (Erythem) und Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Vitamin D – Bedeutung und Versorgung

Vitamin D übt u.a. Wirkung auf folgende Bereiche im Körper aus:

Weltweit wird ein teilweise erheblicher Mangel an Vitamin D festgestellt. In Deutschland betrifft  der Mangel in Abhängigkeit von der Jahreszeit und dem Lebensalter etwa zwischen 40% bis 90% der Bevölkerung. 5-10 Minuten Sonneneinstrahlung täglich im Bereich des Gesichts und der Hände gelten als ausreichend.

Therapeutische Anwendung der UV-Strahlen

Die UV-Strahlung kommt in Form der Höhensonne bei der Heliotherapie zum Einsatz. Bei der Höhensonne handelt es sich um eine Quecksilberhochdrucklampe. Ihre gasgefüllten Leuchtstoffröhren erzeugen sichtbares Licht, Infrarotstrahlen und UV-Strahlen aus dem Bereich A,B und C. Gesundheitsschädliche UV-C Strahlen werden durch den Glasmantel herausgefiltert.

Therapie und Durchführung

Die Bestrahlungszeit beträgt höchstens bis zu 20 Minuten pro Körperseite. Während der Bestrahlung ist eine Schutzbrille notwendig und im Anschluss an die Bestrahlung sollte die Haut eingefettet werden.

Die Gewöhnung an die Höhensonne erfolgt stufenweise und wird gesteigert. Eine Bestrahlung erfolgt jeweils mit einem Tag Pause zwischen zwei Anwendungen. Die Bestrahlung beginnt mit der Dauer von einer Minute. Die Dauer wird bei der nächsten Bestrahlung um eine Minute erhöht, solange, bis die verordnete Bestrahlungsdauer erreicht ist.

Anwendungsgebiete

  • Hautkrankheiten, z.B. Schuppenflechte
  • Rachitis – Vitamin D-Bildung für den Knochenaufbau
  • Tuberkulöses Augenleiden
  • Rauminfektion, OP-Schleuse

Kontraindikationen

Nicht angewendet werden soll diese Form der Lichttherapie in folgenden Fällen:

  • Schockzustände und Erregungszustände
  • Alle akuten Stadien von Infektionskrankheiten
  • verschiedene Stoffwechselerkrankungen

Nebenwirkungen

Es besteht die Gefahr von Sonnenbrand und Bindehautentzündung.

INFRAROTSTRAHLUNG

Die Infrarotstrahlen schließen an den roten Bereich des sichtbaren Lichts an. Infrarot-Strahlung liegt in dem Frequenzbereich der elektromagnetischen Wellen, den das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmen kann. Die Strahlen werden lediglich als Wärme wahrgenommen.

Zum Einsatz kommen Infrarot-Strahler, in denen die intensive Infrarotstrahlung künstlich erzeugt wird. Dazu wird Wolfrahmdraht auf 2700 °C erhitzt. Infrarot-Strahler sind separat oder in Verbindung mit UV-Strahlern anwendbar.

Anwendung und Wirkung

Infrarotstrahlen wirken durch Wärme. blutungsfördernd und muskelentspannend. Sie kommen auf folgenden Gebieten zum Einsatz:

  • Entzündliche Erkrankungen im Bereich von Hals, Nase und Ohren (HNO)
  • Rheumatologische Erkrankungen

BLAULICHT

Der Bereich des Blaulichts befindet etwa zwischen 425 nm und 475 nm innerhalb des sichtbaren Lichtspektrums.

Anwendung

Das Blaulicht kommt bei Neugeborenen mit Gelbsucht zum Einsatz (Neugeborenenikterus, Icterus neonatorum). Das für die Gelbfärbung verantwortliche Billirubin absorbiert das Blaulicht bei der Bestrahlung. Die elektromagnetische Strahlungsenergie des Blaulichts leitet die Spaltung und Zerstörung des Billirubins ein, so dass fettlösliches Billirubin im Körper in wasserlösliche Verbindungen aufgespalten wird und schneller über die Leber und den Darm zur Ausscheidung kommt (Kindspech, Mekonium).

Die Dauer und Intensität der Phototherapie richtet sich nach dem Verlauf. Die Bindehaut der Augen wird durch ein Pflaster vor der Strahlung geschützt. Je nach Art der eingesetzten Therapie kann ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf erforderlich sein. Die Behandlung kann sich auf den Kreislauf auswirken.

KOSTENÜBERNAHME 

Im Rahmen einer Kur werden die Kosten nach entsprechender ärztlicher Verordnung und bei Feststellung der medizinischen Notwendigkeit von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel übernommen. Auskünfte geben Ärzte, Krankenversicherungen oder der zuständige Kostenträger.

Einzelne Therapien übernehmen nicht alle Krankenkassen. Unter welchen Voraussetzungen eine Kostenübernahme oder eine teilweise Erstattung erfolgt, ergibt sich in der Regel aus den Versicherungsbedingungen, bzw. aus dem Wahltarif. Entsprechende Auskunft kann die zuständige Krankenkasse erteilen. Allgemeine Information zu  Kostenübernahmen und Zuzahlungen im Bereich Reha und Alternative Heilbehandlungen erhalten Sie hier.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Karin Kraft, Rainer Stange: Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates Verlag. 2010

R. Krause, R. Stange: Lichttherapie. Springer Verlag. 2012

Hans Konrad Biesalski, Stephan C. Bischoff, Christoph Puchstein: Ernährungsmedizin: Nach dem neuen Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. 4. Auflage. Verlag Thieme. 2010

BGM. Präventionsgesetz: http://www.bmg.bund.de/themen/praevention/praeventionsgesetz.html

BGM. Rehabilitation: http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/leistungen/rehabilitation.html

Text: Katja Schulte Redaktion
Datum: 11/2016

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