Hilfe 24/7, sogar bezahlbar. Immer mehr Pflegebedürftige entscheiden sich für die Unterstützung in den eigenen vier Wänden, denn die eigene Kostenbelastung ist geringer als gedacht. Wer die Zuschüsse und Steuervorzüge optimal miteinander kombiniert, kann sich eine 24-Stunden-Pflegekraft schon ab ca. 1.000 Euro/Monat mit der eigenen Rente leisten.

Fürsorgliche Pflege muss die Rentenzahlung nicht auffressen

Häufig kann die eigene Familie den benötigten Pflegeaufwand nicht mehr bewerkstelligen. Vor allem bei Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder einem Schlaganfall fehlt nicht nur die fachliche Expertise, sondern oft auch zusätzliche Hilfsmittel. In Deutschland dürfen Pflegebedürftige in Würde leben und ihren Alltag bestreiten – auf Wunsch auch zu Hause.

Mit der 24/7-Pflege wird durch Fachpersonal die Hilfestellung bereitgestellt, welche notwendig ist. Ein gutes Gefühl, nicht nur für Pflegebedürftige, sondern auch für ihre Angehörigen. Sie wissen ihre Lieben in guten Händen und können sich dennoch auf Wunsch in den Pflegealltag einbringen. Häufig zögern Angehörige jedoch, sich adäquate Hilfe zu suchen. Ursächlich dafür: Die Angst vor einer Kostenbelastung, welche aus Rente und anderen Einkünften nicht realisierbar ist. Abhängig von dem Pflegegrad bzw. den Pflegestufen gibt es monetäre Unterstützung von über 900 Euro.

Eine 24-Stunden-Pflege in den eigenen vier Wänden kann rasch mehr als 3.000 Euro pro Monat betragen. Zur Erleichterung gibt es viele Zuschüsse durch die Pflegeversicherung und Co., abhängig vom Pflegegrad.

Kostenbeispiel für die 24/7-Betreuung durch Fachkräfte

Wie hoch der Eigenanteil bei der 24/7-Pflege tatsächlich ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Pflegegrad, Betreuungskosten, Geltendmachung steuerlicher Ersparnisse usw. Das folgende Beispiel zeigt, wie hoch der verbleibende Eigenanteil bei der Pflege sein könnte. Die zu pflegende Person hat einen Pflegegrad 2. Durch die verringerte Mobilität ist es schwer, anstehende Arbeiten im Haushalt zu verrichten. Deshalb wird die 24/7-Pflege vor allem für Haushaltshilfe benötigt.

Der Betreuungsaufwand liegt in diesem Beispiel bei 2.000 Euro. Das zugesprochene Pflegegeld ist auf 441 Euro festgesetzt. Grundsätzlich kann es bei Pflegegrad zwei bis maximal 698 Euro für die häusliche Pflege ausgezahlt werden. Die Bemessungsgrenzen können sich jederzeit ändern, sodass beim akuten Fall der 24/7-Betreuung eine vorherige Prüfung der aktuellen Rechtslage erforderlich ist.

In diesem Fallbeispiel kommt ein Zuschuss aus der Verhinderungspflege sowie der Anspruch aus Kurzzeitpflege hinzu. Dieser beträgt 202 Euro. Durch die Abgabe der Steuererklärung gibt es noch einmal ein Sparpotenzial von 333 Euro (auch diese Summe kann im Einzelfall variieren). Demnach bleibt von den ursprünglich 2.000 Euro Kosten ein Eigenanteil von 1.024 Euro.

Diese staatlichen Zuschüsse gibt es von der Pflegeversicherung für 24/7-Unterstützung

Seit 2017 gibt es neue Richtlinien für die Pflegegrade. Damit einher geht auch eine Reform der Neueinteilung für die Pflegestufen. Wer einen Pflegegrad 1 besitzt, hat Anspruch auf 125 Euro Betreuung- und Entlastungsleistungen. Beim Pflegegrad sind es 724 Euro Pflegesachleistungen (§ 36 SGB XI), 316 Euro Pflegegeld, 125 Euro Betreuung- und Entlastungsleistungen. Letzter Wert ist in allen Pflegegraden (von 1-5) gleich hoch. Varianten gibt es jedoch in der Höhe der Pflegesachleistungen und des Pflegegeldes.

Mit dem Pflegegrad 3 werden 1.363 Euro Pflegesachleistungen und 545 Euro Pflegegeld gezahlt. Bei Pflegegrad 4 sind es 1.693 Euro Pflegesachleistungen und 728 Euro Pflegegeld; bei Pflegegrad 5 sind es 2.095 Euro Pflegesachleistungen und 901 Euro Pflegegeld.

Ab dem 2. Pflegegrad unterstützt die Pflegekasse mit jährlich maximal 1.774 Euro für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Bei der Kostenentlastung für die 24/7-Betreuung können auch kleine erstattungsfähige Pauschalen weiterhelfen. Ab dem Pflegegrad 2 gibt es beispielsweise eine Pauschale von 40 Euro für Pflegehilfsmittel pro Monat. Müssen für die Betreuung bauliche Anpassungen in der Wohnung vorgenommen werden, stehen Bedürftigen 4.000 Euro pro Umbauphase zu. Wer alle Unterstützungen optimal miteinander kombiniert, kann die Kosten 24/7- Betreuung deutlich reduzieren, sodass diese auch mit der eigenen Rentenzahlung realisierbar sind.

Pflege zu Hause immer beliebter, da Pflegeheime deutlich kostenintensiver
sind

Wie das Statistische Bundesamt in seinen Zahlen deutlich macht, wird die Pflege zu Hause immer beliebter. Mittlerweile sind über drei Viertel aller Pflegebedürftigen in Deutschland in den eigenen vier Wänden und möchten dort auch bleiben. Ein Grund dafür: der Kostenfaktor. Die Unterbringung in einem Pflegeheim kostet deutlich mehr als die 24/7-Betreuung zu Hause. In dem vorangegangenen Beispiel würde der Eigenanteil bei Pflegegrad 2 ca. 1.000 Euro kosten. Die Unterbringung und Betreuung in einem Pflegeheim kostet deutlich mehr, was sich nur wenige  Pflegebedürftige und ihre Angehörigen tatsächlich leisten können. Statistiken zeigen, dass ein Heimplatz in Deutschland ca. 3.500 Euro/Monat beträgt. Der Eigenanteil ist abhängig von der Unterstützung durch Pflegekasse bzw. Rentenhöhe.

Auch mit geringer Rente lässt sich die Unterstützung im Haushalt bei fehlender Mobilität sichern. Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege oder Steuerersparnis – sie reduzieren den Kostenanteil deutlich.

Tipp: Pflegekosten bei der Steuer absetzen: bis 4.000 Euro vom Staat zurück

Viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wissen diesen einfachen und Kosten reduzierenden Trick gar nicht: Der Staat unterstützt mit bis zu 4.000 Euro Steuerentlastung bei der 24/7-Pflege. Für die Erbringung von haushaltsnahen Dienstleistungen/außergewöhnlichen Belastungen lässt sich die Einkommensteuer reduzieren. Dafür kann ein Betrag von maximal 4.000 Euro angerechnet werden. Das macht monatlich eine Reduktion von über 333 Euro.

Wer sich diesen Sparvorteil sichern möchte, muss jedoch seine Jahressteuererklärung unbedingt fristgerecht abgeben. Außerdem ist es ratsam, die Rechnungen für die 24/7-Pflege aufzubewahren, denn das Finanzamt darf sie als Nachweis verlangen.

Autor: Andreas Huber
Datum: 22.04.2022

Bildquellen:

  • Abbildung 1: Pixabay.com©Geralt CCO Public Domain
  • Abbildung 2: Pixabay.com©Alexas-Fotos CCO Public Domain

Quellen und weiterführende Links:

  • Destatis. Zahl der Woche Nr. 36 vom 03. September 2019: Drei Viertel der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt.
  • Pflegezuhause.info

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