Adipositas bezeichnet starkes Übergewicht

FETTSUCHT KANN JEDES ALTER BETREFFEN

Adipositas wird umgangssprachlich als Fettsucht bezeichnet und beschreibt eine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit mit starkem Übergewicht, die oft einer speziellen Therapie bedarf. Adipositas geht mit einer Vermehrung des Körperfetts einher, das über das normale Maß hinausgeht und mit schweren Folgekrankheiten verbunden sein kann. Hohes Körpergewicht bildet die Vorstufe der Fettsucht, die gleichermaßen Kinder, Jugendliche und Erwachsene betreffen kann. Eine Diagnose erfolgt nach dem Diagnoseschlüssel ICD-10 „Adipositas und sonstige Überernährung (E65-E68)“.

Ob jemand adipös ist, entscheidet zu einem erheblichen Teil der Body-Maß-Index (BMI), der aus den Faktoren Körpergröße und Gewicht ermittelt wird. Nach Maßgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt eine Adipositas ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 vor. Mit steigendem BMI-Wert erhöht sich das gesundheitliche Risiko. Neben dem Body Mass Index helfen Verfahren wie die Bioelektrische Impedanzanalyse, persönliche Faktoren bei der Adipositas-Diagnose mit einzubeziehen. Auch die Ergebnisse von Blutuntersuchungen sowie Blutdruckmessungen spielen bei der Diagnosefindung eine Rolle.

LESETIPP

BMI

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Body Mass Index bei Kindern und Erwachsenen

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Je nach Höhe des BMI-Wertes unterscheidet man drei Schweregrade. Der Adipositas Grad I weist einen BMI zwischen 30 und 34.9 auf, während sich Grad II auf einen BMI zwischen 35 und 39.5 bezieht. Grad III betrifft Personen mit einem BMI-Wert ab 40.

Von der Adipositasvorstufe „Präadipositas“ spricht man bei einem BMI zwischen 25 -29.9.

ADIPOSITAS BEI KINDERN

Bei Kindern wird Adipositas nach anderen Kriterien beurteilt als bei Erwachsenen. Hier finden Geschlecht, Alter, Größe und Entwicklungsstand Berücksichtigung. Formeln und Tabellen zur Ermittlung des BMI bei  Erwachsenen und Kindern finden Sie in unserem Bericht zum BMI.

Apfeltyp und Birnentyp

RISIKOGRAD NACH FETTVERTEILUNG

Wie hoch das Risiko für Erkrankungen des Stoffwechsels und des Herz- Kreislaufsystems ist, steht in Abhängigkeit vom gemessenen Taillenumfang und von der Verteilung des Körperfetts. Bei einem gemessenen Taillenumfang besteht für Frauen ab 80 cm und für Männer ab 94 cm ein erhöhtes Risiko. Deutlich erhöht ist das Risiko bei Frauen ab einem BMI von 88, bei Männern ab 102. Man unterscheidet je nach vorliegendem Fettverteilungsmuster zwei Typen, mit denen ein unterschiedlich hohes gesundheitliches Risiko verbunden wird. Jede Form der Fettverteilung kann bei Männern und Frauen auftreten und ist nicht vom Geschlecht abhängig.

Ab einem BMI von 35 ist die Taillenmessung und Form der Fettverteilung nicht mehr aussagekräftig, denn dann haben beide Typen ein gleichermaßen erhöhtes Gesundheitsrisiko.

ApfeltypApfeltyp

Der Apfeltyp gilt als männliche (androide) Form  der Fettverteilung und zeigt insgesamt gleichmäßig rundliche Ausprägungen des Bauchbereichs. Der Apfeltyp birgt das größere Risiko und gilt als Indikator für Erkrankungen wie DiabetesMetabolisches Syndrom und Fettstoffwechselstörungen. Grund dafür ist der hohe Anteil an Bauchfett, das nicht alleine als Fettspeicher fungiert, sondern zu Veränderungen im Hormonhaushalt und im Fettstoffwechsel führt und so den gesamten den Stoffwechsel aktiv beeinflussen kann. Beim adipösen Apfeltyp treten häufiger stoffwechselbedingte Komplikationen wie etwa Insulinresistenz oder koronare Herzerkrankung auf.

Birnentyp

Birnentyp

Der Birnentyp wird der weiblichen (gynoiden) Form der Fettverteilung zugeordnet. Er besitzt ein Fettverteilungsmuster, das sich hauptsächlich an den Hüften und Oberschenkeln abzeichnet. Der Birnentyp gilt als weniger riskobehaftet. Die Fettzellen des gynoiden Typs produzieren weniger entzündungsfördernde Stoffe und Botenstoffe.

Ursachen von Adipositas

UNGESUNDE ERNÄHRUNG UND WENIG BEWEGUNG

Übergewicht, das ab einem BMI von 30 zu Adipositas wird, tritt vorwiegend dort auf, wo bei gleichzeitigem Bewegungsmangel einseitige Lebensmittel im Überfluss konsumiert werden. Die Ernährungsweise wird durch einen hohen Energiegehalt mit niedriger Sättigung bestimmt. Hauptsächliche Ursachen können sein:

Insgesamt sind Menschen aus unteren sozialen Schichten häufiger von Adipositas betroffen, darunter Frauen wiederum häufiger als Männer.

Adipositas Symptome

BEGLEITENDE ANZEICHEN

  • Steigender Blutzuckerspiegel
  • Mögliche psychosoziale Ausgrenzung

Verlauf und Folgen von Adipositas

ADIPOSITAS KANN GRAVIERENDE AUSWIRKUNGEN HABEN 

Viele Volkskrankheiten stehen in direktem Zusammenhang mit Adipositas. Mehr als früher, leiden heute auch schon Kinder und Jugendliche unter den Folgen des starken Übergewichts. Adipositas kann zu einer verminderten Lebensqualität führen und auch die Lebenserwartung verkürzen. In Verbindung mit Adipositas besteht beispielsweise das erhöhte Risiko für folgende Krankheiten, die Betroffenen stark einschränken können:

Erhöhtes Risiko für Krankheiten

Risiko möglicher Spätfolgen

Die allgemeine Lebenserwartung ist verringert, Studien belegten jedoch, das die Überlebenschancen von adipösen Patienten bei Krankheiten, wie Herzinsuffizienz, chronischem Nierenversagen oder Diabetes mellitus Typ 2 höher sind, als bei Normalgewichtigen. Bei Operationen besteht in Verbindung mit ausgeprägter Adipositas das zusätzliche Risiko von Wundheilungsstörungen.

Therapie

THERAPEUTISCHE MASSNAHMEN BEI ADIPOSITAS

Eine Adipositas-Therapie hat verschiedene Therapieziele. Neben der Gewichtsreduktion, die das ungesunde Fettgewebe vermindern soll, werden gleichzeitig mit der Adipositas verbundene Gesundheitsrisiken und Begleiterkrankungen behandelt und die Lebensqualität erhöht. Auch eine Aufklärung des übergewichtigen Patienten über die Gesundheitsrisiken soll im Rahmen der Therapie erfolgen. Mit der Gewichtsreduzierung soll möglichst frühzeitig begonnen werden und sie wird dringlicher, je höher das Körpergewicht ist und je mehr schwere Begleiterkrankungen vorliegen. Adipositas gilt als chronische Krankheit, die lebenslang behandelt werden muss.

Die Adipositas-Therapie soll gleichzeitig helfen, die persönliche Lebenseinstellung positiv auszurichten, einen gesunden Lebensstil zu erlernen und soziale Isolation abzubauen. Beeinflusst wird der Therapieerfolg von Faktoren wie der eigenen Motivation und Zielgerichtetheit, der Stärke begleitender Beschwerden oder auch von dem Vorliegen einer Essstörung.

Teilbereiche der Adipositas-Therapie

  • Nachhaltige Veränderung des Essverhaltens
  • Nachhaltige Veränderung des Bewegungsverhaltens
  • Psychotherapie

Am Anfang der Therapie steht eine Umstellung des Ernährungsverhaltens, die am besten durch eine Ernährungsfachkraft betreut wird. Neben fettarmer und energiearmer Ernährung liegt ein Focus auch auf der Steigerung körperlicher Aktivität. Bei Therapiebeginn können Adipositaspatienten von Formuladiäten oder auch gewichtssenkenden Medikamenten profitieren, mit denen schnellere Erfolge erzielt werden können.

BEHANDLUNGSZIELE

  • Adipositas Grad I: 5-10% Gewichtsreduktion
  • Adipositas Grad II: 10-20% Gewichtsreduktion
  • Adipositas Grad III: 20-30% Gewichtsreduktion

CHIRURGIE DER ADIPOSITAS

Bei Adipositas Grad III liegt der BMI über 40 und es sind im Rahmen der Adipositas-Chirurgie verschiedene Massnahmen möglich, die eine schnelle Gewichtsabnahme bewirken. Zu den chirurgischen Maßnahmen bei krankhaftem Übergewicht zählen die Magenverkleinerung oder auch die Teilentfernung des Dünndarms, durch die der Betroffene weniger Nährstoffe aufnehmen kann, was zu einem Gewichtsverlust führt.

Auch bei Grad II können chirurgische Massnahmen angezeigt sein, wenn der BMI zwischen 35 und 40 liegt und Begleiterkrankungen bestehen, zu den etwa Diabetes, Herzerkrankungen oder Schlafapnoe zählen.

Verfahren der Adipositas-Chirurgie

Operationen im Rahmen der Adipositas-Chirurgie sollten nur Chirurgen mit Expertise und in Krankenhäusern mit entsprechender Erfahrung in der Adipositas-Chirurgie durchgeführt werden.

  • Magenband
  • Magenballon
  • Magen-Bypass
  • Schlauchmagen
  • Biliopankreatische Diversion (BPD)
  • Biliopankreatische Teilung mit Duodenal-Switch (BDP/DS)

Die Verfahren der Adipositas-Chirurgie gelten als ein Baustein der Adipositas-Therapie in Kombination mit den konservativen Massnahmen Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie. Chirurgische Methoden allein führen dauerhaft nicht zum Erfolg. Sie sind dazu geeignet, um innerhalb von ein bis zwei Jahren das Gewicht erheblich zu senken.

Therapiekostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen

KOSTENÜBERNAHME BEI ADIPOSITAS IN BEGRÜNDETEN FÄLLEN

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in Deutschland derzeit eine Adipositas-Therapie in begründeten Fällen. Nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst werden die Kosten für einen chirurgischen Eingriff in einigen Fällen übernommen.

Während Medikamente zur Unterstützung der Gewichtsreduktion selbst vom Versicherten zu tragen sind, leistet die Krankenkasse für die Teilnahme an bestimmten Programmen oft einen Zuschuss. Im Rahmen der Vorsorge beteiligen sich gesetzliche Krankenkassen an zertifizierten Gesundheitskursen zur Ernährung, Bewegung und zum Stressmanagement. Eine Absprache mit der Krankenkasse ist vor jedem Kursbeginn empfehlenswert, sofern man eine Bezuschussung wünscht. Mehr Informationen hier.

Kostenübernahme Adipositas-Chirurgie

Kosten für Operationen im Rahmen einer Adipositaschirurgie können die Krankenkassen grundsätzlich übernehmen. In der Regel sind diese Kosten genehmigungspflichtig. Voraussetzung für die Genehmigung  ist ein gemeinsamer Antrag mit dem behandelnden Arzt, der auch ein entsprechendes Attest beinhaltet. Zu den weiteren Voraussetzungen zählen:

  • Medizinische Notwendigkeit
  • Alternative Behandlungen waren nicht erfolgreich
  • Es liegen keine behandelbaren Erkrankungen vor, die zu starkem Übergewicht führen
  • Es liegen keine Kontraindikationen vor, wie z.B. gesundheitliche Probleme, Schwangerschaft oder Drogenmissbrauch vor, die das Risiko erhöhen

Erforderlich ist außerdem der Nachweis über die Teilnahme an einer entsprechenden Ernährungsberatung oder Abnehmkursen und Sportkursen sowie das Führen eines Ernährungstagebuchs, das dem Antrag auf Kostenübernahme zusammen mit einem Schreiben vorliegt und die Bereitschaft ausdrückt, sich auch nach der Operation gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen.

Häufigkeit von Adipositas

ÜBERGEWICHT IST GESUNDHEITSPOLITISCHE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE EUROPÄISCHE UNION

Im Jahr 2013 war nach Auswertungen des Robert-Koch-Instituts bereits mehr als jeder zweite Deutsche übergewichtig. Auch der Anteil von Kindern und Jugendlichen in der Statistik steigt tendenziell. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in der europäischen Region zwischen 30% bis 80% der Erwachsenen und bis zu ein Drittel der Kinder von Übergewicht betroffen. Fettsucht und ihre Folgeerkrankungen, verursachen vergleichbar viele Gesundheitsprobleme und Frühsterbefälle wie das Rauchen.

Nach Expertenschätzungen belastet die Fettsucht zusammen mit den damit verbundenen Gesundheitsproblemen das Gesundheitssystem mit einem Anteil in Höhe von bis zu 6% der Gesamtkosten. Der dadurch bedingte Produktivitätsausfall wird zusätzlich mit Kosten in gleicher Höhe angesetzt. Damit gilt die Adipositasprävention als dringendes gesundheitspolitisches Ziel.

POLITISCHE MASSNAHMEN 

Mit dem Ziel, Übergewicht und Adipositas in Deutschland zu bekämpfen, verabschiedete das Bundeskabinett 2008 einen nationalen Aktionsplan namens IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Die Laufzeit ist bis zum Jahr 2020 festgesetzt.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

WHO Europa – Die Herausforderung Adipositas und Strategien zu ihrer Bekämpfung: http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0003/98247/E89858G.pdf

Robert-Koch-Institut: Übergewicht und Adipositas in Deutschland: http://edoc.rki.de/oa/articles/rec5I0tIFMfd2/PDF/23JuqX9byg62Q.pdf

Hans K. Biesalski, Stephan C. Bischoff, Christoph Puchstein (Hrsg.) Ernährungsmedizin: Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer und der DGE 4. Auflage 2010 (1995). Verlag Thieme Stuttgart

https://www.gkv-spitzenverband.de

S3-Leitlinie Chirurgie der Adipositas. Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapue (CA-ADIP) in Zusammenarbeit mit Deutsche Adiposiats-Gesellscchaft (DAG) – Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie – Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Juni 2010

Bildquelle im Impressum
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016 | aktualisiert 05/2019