Adipositas bezeichnet ein behandlungsbedürftiges Übergewicht

VOLKSKRANKHEIT ADIPOSITAS

Adipositas ist eine auch in Deutschland häufig verbreitete Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit. Sie ist mit starkem Übergewicht verbunden und wird mit schweren Folgeerkrankungen in Verbindung gebracht. Adipositas Betroffenen wird mit der Diagnose zu einer Therapie im Kampf gegen die überflüssigen Pfunde geraten. Die Diagnose nehmen Ärzte nach dem Diagnoseschlüssel ICD-10 „Adipositas und sonstige Überernährung (E65-E68)“ vor. In Industrienationen ist Adipositas weit verbreitet und gilt auch hierzulande bereits als Volkskrankheit.

ADIPOITAS BETRIFFT AUCH SCHON VIELE KINDER

Wie die 2017 im Journal of Health Monitoring veröffentlichte RKI Studie GEDA ergab, ist nahezu ein Viertel der deutschen Männer und Frauen adipös. Zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen sind dagegen bereits übergewichtig. Die Experten verzeichnen bei Erwachsenen seit Jahrzehnten steigende Zahlen und bewerten die Situation als alarmierend.

Doch nicht nur Erwachsene sind von der riskanten Erkrankung betroffen, sie betrifft auch immer mehr Kinder und Jugendliche. Bei deutschen Kindern ist die Situation nach Auswertungen der Kiggs Studie ebenfalls besorgniserregend. Danach sind auch unter ihnen bereits 5,9 Prozent adipös und 15,4 Prozent übergewichtig.

Ermittlung von Adipositas mit Hilfe des BMI

Ob jemand adipös ist und welchen Grad die Adipositas hat, bestimmt zum erheblichen Teil der Body-Maß-Index (BMI), der aus den persönlichen Faktoren Körpergröße und Gewicht ermittelt wird. Der Body-Maß-Index ist eine spezielle Tabelle der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die zur Adipositasdiagnose international anerkannt ist.

Danach liegt eine Adipositas ab dem Body-Mass-Index (BMI) von 30 vor. Mit steigendem BMI-Wert erhöht sich gleichzeitig das gesundheitliche Risiko. Neben dem Body Mass Index helfen bei Adipositas Verdacht verschiedene weitere Verfahren bei der Diagnosefindung. Dazu zählt beispielsweise auch die Bioelektrische Impedanzanalyse, die hilft, persönliche Faktoren bei einer Diagnose mit einzubeziehen.

Doch auch Ergebnisse aus Blutuntersuchungen sowie Blutdruckmessungen spielen bei der Diagnosefindung eine Rolle.

SCHWEREGRADE

Der BMI unterscheidet bei Adipositas 3 Schweregrade. Während Adipositas Grad I einen BMI zwischen 30 und 34.9 aufweist, bezieht sich Grad II auf einen BMI zwischen 35 und 39.5. Grad III betrifft Personen mit einem BMI-Wert ab 40.

LESETIPP

Body Mass Index (BMI)

Body Mass Index bei Kindern und Erwachsenen

Von der Adipositasvorstufe Präadipositas spricht man bei einem BMI zwischen 25 und 29.9.

ADIPOSITAS BEI KINDERN

Bei Kindern wird Adipositas nach anderen Kriterien beurteilt als bei Erwachsenen. Während des Wachstums finden Geschlecht, Alter, Größe und Entwicklungsstand Berücksichtigung.

Auch Apfeltyp und Birnentyp spielen eine Rolle beim Krankheitsrisiko

RISIKOGRAD NACH FETTVERTEILUNG

Wie hoch das Risiko für Erkrankungen des Stoffwechsels und des Herz- Kreislaufsystems ist, steht in Abhängigkeit vom gemessenen Taillenumfang und von der Verteilung des Körperfetts. Beim gemessenen Taillenumfang besteht für Frauen ab 80 cm und für Männer ab 94 cm ein erhöhtes Risiko. Deutlich erhöht ist das Risiko bei Frauen allerdings ab einem BMI von 88, bei Männern ab 102.

Experten unterscheiden insbesondere je nach vorliegendem Fettverteilungsmuster 2 Typen, mit denen ein unterschiedlich hohes gesundheitliches Risiko verbunden wird. Jede Form der Fettverteilung kann bei Männern und Frauen auftreten und ist nicht vom Geschlecht abhängig.

Ab einem BMI von 35 ist die Taillenmessung und Form der Fettverteilung nicht mehr aussagekräftig, denn dann haben beide Typen ein gleichermaßen erhöhtes Gesundheitsrisiko.

Apfeltyp Apfeltyp trägt ein höheres Risiko

Ein Apfeltyp entspricht der männlichen (androiden) Form der Fettverteilung und weist insgesamt gleichmäßig rundliche Ausprägungen des Bauchbereichs auf. Der Apfeltyp birgt das größere Risiko und gilt als Indikator für Erkrankungen wie Diabetes, Metabolisches Syndrom und Fettstoffwechselstörungen. Verantwortlich dafür ist der hohe Anteil am Bauchfett, das nicht alleine als Fettspeicher fungiert, sondern zu Veränderungen im Hormonhaushalt und im Fettstoffwechsel führt und so den gesamten den Stoffwechsel aktiv beeinflussen kann. Beim adipösen Apfeltyp treten häufiger stoffwechselbedingte Komplikationen wie etwa Insulinresistenz oder koronare Herzerkrankung auf.

Birnentyp

Birnentyp hat ein geringeres Risiko

Der Birnentyp wird der weiblichen (gynoiden) Form der Fettverteilung zugeordnet. Die weibliche Form zeigt ein Fettverteilungsmuster auf, das sich hauptsächlich an den Hüften und Oberschenkeln abzeichnet. Der Birnentyp gilt aber als weniger riskobehaftet, denn die Fettzellen des gynoiden Typs produzieren weniger entzündungsfördernde Stoffe und Botenstoffe als die des Apfeltyps. Der Birnentyp hat demnach z.B. ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2.

Ursachen von Adipositas

UNGESUNDE ERNÄHRUNG UND WENIG BEWEGUNG

Übergewicht und Adipositas treten vorwiegend in solchen Nationen auf, in denen bei gleichzeitigem Bewegungsmangel eine einseitige Ernährung im Überfluss an der Tagesordnung ist. Die Ernährungsweise wird dabei durch einen hohen Energiegehalt mit niedriger Sättigung bestimmt. Als hauptsächliche Ursachen geben Experten an:

Untersuchungen nach sind Menschen aus unteren sozialen Schichten häufiger von Adipositas betroffen.

Adipositas Symptome

BEGLEITENDE ANZEICHEN

  • Steigendes Übergewicht
  • Steigender Blutdruck
  • Steigender Cholesterinspiegel
  • Steigender Blutzuckerspiegel
  • Mögliche psychosoziale Ausgrenzung

Verlauf und Folgen von Adipositas

ADIPOSITAS KANN GRAVIERENDE AUSWIRKUNGEN HABEN

De Krankheit Adipositas steht in direktem Zusammenhang mit einigen weiteren Volkskrankheiten und kann nicht nur zu einer verminderten Lebensqualität führen, sondern auch die Lebenserwartung verkürzen. Es besteht im Krankheitsverlauf bei Adipositas das erhöhte Risiko für verschiedene weitere Folgeerkrankungen, die den Betroffenen stark einschränken können:

Erhöhtes Krankheitsrisiko

Risiko für Spätfolgen

  • Herzinfarkt
  • Arterienverkalkung
  • Metabolisches Syndrom
  • Schlaganfall
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Gicht
  • Erkrankungen der Gallenblase
  • Brustkrebs
  • Demenzerkrankungen, z.B. Alzheimer

Die allgemeine Lebenserwartung ist verringert, Studien belegten jedoch, dass die Überlebenschancen von adipösen Patienten bei Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, chronischem Nierenversagen oder Diabetes mellitus Typ 2 höher sind, als bei Normalgewichtigen.

In Verbindung mit ausgeprägter Adipositas besteht bei Operationen außerdem das zusätzliche Risiko von Wundheilungsstörungen.

Adipositas-Therapie

THERAPEUTISCHE MASSNAHMEN BEI ADIPOSITAS

Eine Adipositas-Therapie hat verschiedene Therapieziele. Neben einer Gewichtsabnahme, die das ungesunde Fettgewebe vermindern soll, werden gleichzeitig die mit der Adipositas verbundenen Gesundheitsrisiken und Begleiterkrankungen behandelt und die Lebensqualität erhöht. Parallel werden übergewichtige Patienten im Rahmen der Adipositas-Therapie über die Gesundheitsrisiken aufgeklärt. Mit der Gewichtsreduzierung soll möglichst frühzeitig begonnen werden und sie wird dringlicher, je höher das Körpergewicht ist und je mehr schwere Begleiterkrankungen vorliegen. Die Adipositas gilt als chronische Krankheit, die lebenslang behandelt werden muss.

Eine Adipositas-Therapie soll gleichzeitig helfen, die persönliche Lebenseinstellung positiv auszurichten, einen gesunden Lebensstil zu erlernen und soziale Isolation abzubauen. Beeinflusst wird der Therapieerfolg von Faktoren wie der eigenen Motivation und Zielgerichtetheit, der Stärke begleitender Beschwerden oder auch von dem Vorliegen einer Essstörung.

Teilbereiche der Adipositas-Therapie

  • Nachhaltige Veränderung des Essverhaltens
  • Nachhaltige Veränderung des Bewegungsverhaltens
  • Psychotherapie

Am Anfang der Therapie steht eine Umstellung des Ernährungsverhaltens, die am besten durch eine Ernährungsfachkraft betreut wird. Neben fettarmer und energiearmer Ernährung liegt ein Focus auch auf der Steigerung körperlicher Aktivität. Zu Therapiebeginn setzen Experten bei Adipositaspatienten teilweise auch Formuladiäten oder gewichtssenkende Medikamenten ein, mit denen schnellere Erfolge erzielt werden können.

BEHANDLUNGSZIELE

  • Adipositas Grad I: 5-10 % Gewichtsreduktion
  • Adipositas Grad II: 10-20 % Gewichtsreduktion
  • Adipositas Grad III: 20-30 % Gewichtsreduktion

CHIRURGIE MASSNAHMEN BEI ADIPOSITAS

Beim Adipositas Grad III liegt der BMI über 40 und es sind im Rahmen der Adipositas-Chirurgie verschiedene Maßnahmen möglich, die eine schnelle Gewichtsabnahme bewirken. Zu den chirurgischen Maßnahmen bei krankhaftem Übergewicht zählen die Magenverkleinerung oder auch die Teilentfernung des Dünndarms. So können Betroffene weniger Nährstoffe aufnehmen, was zum Gewichtsverlust führt.

Auch beim Grad II können chirurgische Maßnahmen angezeigt sein, wenn der BMI zwischen 35 und 40 liegt und Begleiterkrankungen bestehen wie etwa Diabetes, Herzerkrankungen oder Schlafapnoe.

Verfahren der Adipositas-Chirurgie

Operationen im Rahmen der Adipositas-Chirurgie sollten nur Chirurgen mit Expertise und in Krankenhäusern mit entsprechender Erfahrung in der Adipositas-Chirurgie durchgeführt werden.

  • Magenband
  • Magenballon
  • Magen-Bypass
  • Schlauchmagen
  • Biliopankreatische Diversion (BPD)
  • Biliopankreatische Teilung mit Duodenal-Switch (BDP/DS)

Die Verfahren der Adipositas-Chirurgie gelten als ein Baustein der Adipositas-Therapie in Kombination mit den konservativen Maßnahmen Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie. Chirurgische Methoden allein führen dauerhaft nicht zum Erfolg. Sie sind dazu geeignet, um innerhalb von ein bis zwei Jahren das Gewicht erheblich zu senken.

Therapiekosten bei Adipositas: Übernahme durch gesetzliche Krankenkassen

KOSTENÜBERNAHME BEI ADIPOSITAS IN BEGRÜNDETEN FÄLLEN

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in Deutschland derzeit eine Adipositas-Therapie in begründeten Fällen. Nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst werden die Kosten für einen chirurgischen Eingriff in einigen Fällen übernommen.

Während Medikamente zur Unterstützung der Gewichtsreduktion selbst vom Versicherten zu tragen sind, leistet die Krankenkasse für die Teilnahme an bestimmten Programmen oft einen Zuschuss. Im Rahmen der Vorsorge beteiligen sich gesetzliche Krankenkassen an zertifizierten Gesundheitskursen zur Ernährung, Bewegung und zum Stressmanagement. Eine Absprache mit der Krankenkasse ist vor jedem Kursbeginn empfehlenswert, sofern man eine Bezuschussung wünscht. Mehr Informationen hier.

Kostenübernahme Adipositaschirurgie

Kosten für Operationen im Rahmen einer Adipositaschirurgie können die Krankenkassen grundsätzlich übernehmen. In der Regel sind diese Kosten genehmigungspflichtig. Voraussetzung für die Genehmigung ist ein gemeinsamer Antrag mit dem behandelnden Arzt, der auch ein entsprechendes Attest beinhaltet. Zu den weiteren Voraussetzungen zählen:

  • Medizinische Notwendigkeit
  • Alternative Behandlungen waren nicht erfolgreich
  • Es liegen keine behandelbaren Erkrankungen vor, die zu starkem Übergewicht führen
  • Es liegen keine Kontraindikationen vor, wie z.B. gesundheitliche Probleme, Schwangerschaft oder Drogenmissbrauch vor, die das Risiko erhöhen

Erforderlich ist außerdem der Nachweis über die Teilnahme an einer entsprechenden Ernährungsberatung oder Abnehmkursen und Sportkursen sowie das Führen eines Ernährungstagebuchs, das dem Antrag auf Kostenübernahme zusammen mit einem Schreiben vorliegt und die Bereitschaft ausdrückt, sich auch nach der Operation gesund zu ernähren und ausreichend zu bewegen.

Häufigkeit von Adipositas

ÜBERGEWICHT IST GESUNDHEITSPOLITISCHE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE EUROPÄISCHE UNION

Im Jahr 2013 war nach Auswertungen des Robert-Koch-Instituts bereits mehr als jeder zweite Deutsche übergewichtig. Auch der Anteil von Kindern und Jugendlichen in der Statistik steigt tendenziell. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in der europäischen Region zwischen 30-80 % der Erwachsenen und bis zu ein Drittel der Kinder von Übergewicht betroffen. Fettsucht und ihre Folgeerkrankungen, verursachen vergleichbar viele Gesundheitsprobleme und Frühsterbefälle wie das Rauchen.

Nach Expertenschätzungen belastet die Fettsucht zusammen mit den damit verbundenen Gesundheitsproblemen das Gesundheitssystem mit einem Anteil in Höhe von bis zu 6 % der Gesamtkosten. Der dadurch bedingte Produktivitätsausfall wird zusätzlich mit Kosten in gleicher Höhe angesetzt. Damit gilt die Adipositasprävention als dringendes gesundheitspolitisches Ziel.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016 | aktualisiert 13.02.2022

Bildquellen:

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Quellen und weiterführende Links:

  • WHO Europa – Die Herausforderung Adipositas und Strategien zu ihrer Bekämpfung. https://www.euro.who.int/data/assets/pdffile/0003/98247/E89858G.pdf
  • Robert-Koch-Institut. Übergewicht und Adipositas in Deutschland. https://edoc.rki.de/oa/articles/rec5I0tIFMfd2/PDF/23JuqX9byg62Q.pdf
  • Hans K. Biesalski, Stephan C. Bischoff, Christoph Puchstein (Hrsg.) Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer und der DGE 4. Auflage 2010 (1995). Verlag Thieme Stuttgart
  • GEDA Studie RKI
  • GKV Spitzenverband
  • S3-Leitlinie Chirurgie der Adipositas. Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapue (CA-ADIP) in Zusammenarbeit mit Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG). Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.  Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Juni 2010
  • Kiggs Studie

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