Bei vielen Menschen, die seit Jahren verstärkt Alkohol trinken, kommt es zur Alkoholabhängigkeit. Typisch für diese Suchterkrankung sind sechs mögliche Merkmale. Treten mindestens drei der sechs Merkmale gleichzeitig während des letzten Jahres auf, diagnostizieren Ärzte eine Alkoholabhängigkeit.

In Deutschland sind viele Menschen von Alkoholabhängigkeit betroffen

Nach Informationen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS e.V.) zeigte sich im Jahr 2024bei etwa 3.9 Millionen Menschen in Deutschland eine alkoholbezogene Störung und sie tranken mehr, als die Menge, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als risikoarme Menge definiert. Davon litten 2.2 Millionen unter einer Alkoholabhängigkeit.

Die Dunkelziffer schätzen Experten jedoch sehr viel höher ein, denn nicht wenige Betroffene verheimlichen ihre Sucht aus Scham vor ihrer Familie, dem Arbeitsumfeld und ihrem sozialen Umfeld. Auch einem Arzt gegenüber offenbart eine Vielzahl ihre Alkoholabhängigkeit nicht. Jeden Tag sterben in Deutschland nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TKK) 200 Menschen an den Folgen der Alkoholerkrankung.

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Alkohol und Gesundheitsrisiko

Alkohol und das Gesundheitsrisiko: wieviel ist noch gesund?

Mit fachmännischer Hilfe ist die Alkoholsucht gut therapierbar, besonders bei frühzeitiger Therapie und professioneller Begleitung. Jedoch bleibt eine chronisch gewordene Suchterkrankung auch bei Abstinenz ein Leben lang weiter bestehen.

Ein Großteil der Abstinenzler erleidet nach dem Entzug einen Rückfall. Ursache für einen Rückfall ist das Suchtgedächtnis, wie aus einem Bericht der Techniker Krankenkasse hervorgeht. Ein Rückfall bedeutet aber nicht das Ende, sondern wird viel mehr als Teil des steinigen Wegs zur Abstinenz hin gesehen, der zu überwinden ist, wenn er eintritt.

Welche sechs Merkmale weisen auf Alkoholabhängigkeit hin?

Ein mögliches Merkmal dieser Suchterkrankung ist die Toleranzentwicklung. Darunter verstehen Mediziner, dass der Körper fortschreitend größere Mengen an Alkohol benötigt und diese auch vertragen kann. Die Toleranzentwicklung ist nicht nur ein Merkmal, sondern gilt gleichzeitig als Frühwarnzeichen der voralkoholischen Phase.

Eines der weiteren möglichen Merkmale ist das gesteigerte Verlangen nach Alkohol, das fast unbezwingbar ist und von Medizinern als „Craving“ bezeichnet wird.

Weitere Merkmale in der Anfangsphase

Bei Betroffenen kann sich in der Anfangsphase der Alkoholabhängigkeit ein zusätzliches Merkmal dadurch zeigen, dass sie den Alkoholkonsum regelrecht planen. Hierbei kann unter anderem das Anlegen von Alkoholvorräten einen Hinweis liefern. Je nach Lebenssituation geschieht dies auch heimlich.

Eine mit dem vorgenannten Merkmal in Verbindung stehende Ausprägung kann sich dadurch offenbaren, dass Betroffene den Tagesablauf so organisieren, dass ihrem Alkoholverzehr nichts im Wege steht. Im Verlauf kommt es bei Vielen außerdem zur Vernachlässigung von immer mehr Interessen.

Merkmale in der kritischen Phase

Ein weiteres Merkmal geht mit der verminderten Kontrollfähigkeit einher, bei der Betroffene weder den Beginn, noch die Alkoholmenge, noch das Beenden ihres Alkoholverzehrs kontrollieren können. Es treten Probleme im Arbeitsalltag und im sozialen Umfeld auf. Die kritische Phase ist erreicht.

Zu den bei Alkoholabhängigkeit möglichen Merkmalen zählt außerdem das Auftreten körperlicher oder psychischer Entzugssymptome. Diese Anzeichen treten auf, wenn der Alkoholspiegel abfällt, und verflüchtigen sich, sobald wieder Alkohol konsumiert wird. Zu den körperlichen Anzeichen bei abgesunkenem Spiegel zählen etwa Übelkeit und Erbrechen. Damit einhergehende psychische Symptome können in Form innerer Unruhe oder Angst auftreten.

Merkmale in der chronischen Phase

Das letzte der sechs möglichen Merkmale bezieht sich auf die Fortsetzung des Konsums in dem vollem Bewusstsein, dass hiermit körperliche und soziale Schäden einhergehen oder es zu psychischen Veränderungen kommt. Typische körperliche Folgen sind beispielsweise das Auftreten von Leberzirrhose, Herz-Kreislauferkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt, Impotenz oder Nervenschäden. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TKK) fördert Alkohol die Entstehung von über 200 Erkrankungen. Es kann im Verlauf der chronsichen Phase zu Zusammenbrüchen und Klinikaufenthalten kommen. Auch Persönlichkeitsveränderungen, ein Abbau der Gedächtnisleistung sowie der Kritik- und Urteilsfähigkeit geht mit dem fortgesetzten Konsum oft einher. Depressionen und Angsterkrankungen können psychische Folgen sein.

Dieses letzte Merkmal ordnen Experten der chronischen Phase der Alkoholerkrankung zu.

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Welche Symptome können beim Alkoholentzug auftreten?

Zu den häufigsten Entzugserscheinungen bei Alkoholabhängigkeit zählen körperliche Beschwerden wie Zittern, Übelkeit, Schwindel oder Schweißausbrüche. Diese Symptome setzen oft schon wenige Stunden nach dem letzten Glas Alkohol ein, nachts können Schlafstörungen hinzukommen.

Nicht selten treten außerdem psychische Symptome auf. Hier nennen Experten Beschwerden wie Depressionen, Angstattacken oder Panikattacken. Hinzu kommt noch, dass die Gedanken stetig um das nächste Glas Alkohol kreisen.

Wie erfolgt die Diagnose bei Alkoholabhängigkeit?

Nach Angaben der Bundesärztekammer kann die Alkoholerkrankung neben einer ausführlichen und konsumbezogenen Anamnese und körperlichen Untersuchung auch mittels alkoholspezifischer Fragebögen (PDF der Bundesärztekammer) und der Ermittlung der relevanten Laborparameter diagnostiziert werden. Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt.

Im ersten Schritt kann mit dem Hausarzt geklärt werden, ob ein Behandlungsbedarf besteht und die medizinische Notwendigkeit gegeben ist. Wenn dies der Fall ist, ist zu klären, welcher Kostenträger zuständig ist. Erst wenn der Träger feststeht, kann die entsprechende Antragsstellung bei dem zuständigen Träger erfolgen, um die Kostenübernahme abzusichern.

Auch Suchtberatungsstellen wie die DHS in der örtlichen Umgebung helfen kostenlos bei der Organisation.

Lässt sich ein Entzug zu Hause durchführen?

Betroffene, die der Abhängigkeit entkommen möchten, stehen vor einem Entzug. Ein Entzug zu Hause in Eigenregie ist für Viele ein erster Versuch. Ein Alkoholentzug in Eigenregie zu Hause ist mit größeren Hindernissen und Risiken verbunden als in der Klinik und nach Expertenangaben auch nur selten erfolgreich.

Der Abbruch erfolgt in vielen Fällen schon nach kurzer Zeit und Betroffene erleiden einen Rückfall. Manchmal dauert der Entzug nur wenige Stunden an. Grund für den Rückfall ist oft, dass sich der Körper an den jahrelangen Alkoholkonsum gewöhnt hat und mit teilweise heftigen Entzugserscheinungen reagiert, sobald die gewohnte Alkoholzufuhr ausbleibt.

Der erfolglose Entzug verstärkt bei vielen Betroffenen die Gefühle von Minderwertigkeit und Versagen, unter denen sie ohnehin schon leiden. Auch um diesen belastenden Gefühlen zu entkommen und sich zu betäuben, greifen manche wieder zur Flasche.

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Ein ärztlich begleiteter Alkoholentzug zu Hause kann unter bestimmten Bedingungen erfolgreich sein

Unter bestimmten Bedingungen halten Experten einen Entzug zu Hause für durchführbar. In Frage kommt diese Form des Entzugs für Betroffene, die sich noch in einem frühen Stadium der Sucht befinden und entsprechend ambulant behandelbar sind. Eine ambulante Behandlung der Alkoholsucht halten Experten in der Regel nur für vertretbar, wenn geringfügige körperliche Entzugssymptome zu erwarten sind.

Sofern bei früheren Entgiftungsversuchen schon starke ​Symptome wie beispielsweise Zittern, Unruhe, Herzrasen, oder Herzrasen aufgetreten sind, wird zumeist abgeraten, denn diese Symptome können auf ein drohendes Delirium tremens hindeuten.

Auch muss zwischen Arzt und Patient ein entsprechendes Vertrauensverhältnis bestehen und der Wille und die Motivation des Betroffenen, die Alkoholabhängigkeit bewältigen zu wollen, muss stark ausgeprägt sein.

Daneben spielt das soziale Umfeld eine wichtige Rolle beim Entzug zu Hause. Das Umfeld des Betroffenen sollte stabil sein und Angehörige müssen über den Entzug und die Konflikte und Krisen, die im Verlauf des körperlichen und psychischen Entzugs auf alle zukommen können, Bescheid wissen. Damit alle Beteiligten den Belastungen standhalten können, halten Experten eine vollständige Aufklärung vor dem Beginn des Entzugs für unverzichtbar.

Experten schließen in aller Regel einen Entzug zu Hause aus, wenn der Betroffene neben Alkohol noch andere suchtauslösende Substanzen zu sich nimmt. Hierzu zählen Cannabis und andere Substanzen.

Falls Begleiterkrankungen vorliegen oder bereits zuvor Krampfanfälle oder epileptische Anfälle auftraten, kommt ein begleiteter Entzug zu Hause in der Regel ebenfalls nicht in Frage, weil damit das Risiko für weitere Komplikationen steigt.

Liegen Bedingungen vor, die einen ambulanten Alkoholentzug zu Hause nicht ermöglichen, bieten Entzugskliniken in vielen Fällen eine Alternative durch stationäre Behandlung.

Auch der ambulant begleitete Alkoholentzug zu Hause besteht aus mehreren Phasen

Bei der Alkoholsucht kommt es zu einer körperlichen Abhängigkeit. Zur Beseitigung der körperlichen Symptome, die als Entgiftung bezeichnet wird und ärztlich begleitet wird, setzen Experten etwa eine Woche an, dann sind bei den meisten Patienten die heftigsten Entzugssymptome überwunden.

Auf die Entgiftung erfolgt die Entwöhnung, die bei einem Entzug zu Hause einige Monate andauern kann. Hierbei werden unter professioneller psychologischer Betreuung und Therapie ambulant die Ursachen für die Sucht aufgespürt und andere Verhaltensstrategien als der Alkoholkonsum für die Bewältigung der Ursachen gefunden und erlernt als der Griff zur Flasche. Die erarbeiteten Strategien sollen nach dem Entzug einen Rückfall vermeiden. Auch Angehörige, Sozialarbeiter, Sporttherapeuten und Ergotherapeuten können gegebenenfalls in die Therapie einbezogen werden.

Während der Entwöhnungsphase bleibt das psychisch bedingte Verlangen in der Regel nach dem körperlichen Entzug noch bestehen. Wenn in dieser Zeit im direkten Umfeld Umstände herrschen, die einer Sucht Vorschub leisten, wird es Betroffenen beim Entzug zu Hause schwer gemacht, dem Alkohol zu widerstehen und abstinent zu bleiben.

Ein Tropfen Alkohol verursacht einen Rückfall

Die Alkoholsucht, selbst wenn sie durch Entgiftung und Entwöhnung erfolgreich bewältigt wurde, wird nicht überwunden, weil sie dauerhaft im Suchtgedächtnis gespeichert bleibt. Das bedeutet für Betroffene, dass sie lebenslang auf jeden Tropfen Alkohol verzichten müssen, wenn sie abstinent bleiben wollen.

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Für wen ist ein Entzug in Eigenregie besonders riskant?

Ein hohes Risiko stellen beim Entzug zu Hause körperliche Reaktionen wie beispielsweise epileptische Anfälle oder Krämpfe dar, wenn dieser in Eigenregie durchgeführt wird und in der kritischen Situation keine medizinische Unterstützung gewährleistet werden kann.

Besonders hoch ist das Risiko für Betroffene mit einem langjährigen und hohen Alkoholkonsum.

Bei diesen kann es im schlimmsten Fall zu einem Delirium tremens kommen. Dabei setzen Halluzinationen ein, die bis hin zur Orientierungslosigkeit führen können. Das Gehirn wird von Ängsten und eingebildeten Dingen überflutet.

Betroffene können in solchen Situationen etwa Tote laufen sehen oder glauben, von Tieren angegriffen zu werden und vieles mehr. Sie sehen sich direkt in dem eingebildeten Szenario und reagieren oft körperlich und psychisch entsprechend. Der Körper gerät in einen Alarmzustand. Das Delirium birgt ein sehr hohes Risiko, denn es kann zur Bewusstseinstrübung führen, in einem Koma enden und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtete, tritt bei einem sogenannten kalten Entzug in 5 bis 15 Prozent der Fälle ein Delirium tremens auf. Fehlt eine ärztliche und oft auch intensivmedizinische Behandlung liegt die Sterberate beim Delirium tremens, das nicht behandelt wird, bei 20 Prozent angegeben.

Qualifizierter Alkoholentzug in der Klinik

Wenn Gründe oder Umstände vorliegen, die zu Hause keinen ambulant begleiteten Alkoholentzug ermöglichen, raten Experten Betroffenen, die ihre Sucht bewältigen möchten, meist zur stationären Behandlung in einer Klinik. In der Regel erfolgt bei Alkoholabhängigkeit zuerst ein qualifizierter Entzug, bevor sich eine Reha anschließt.

Der qualifizierte Entzug besteht aus einer Phase der Entgiftung und einer Phase der Entwöhnung:

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Ordnungstherapie und Mind-Body-Medizin

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Körperliche Entgiftung bei Alkoholabhängigkeit

Die Behandlung beginnt nach der Aufnahme in eine Klinik im ersten Schritt mit der Entgiftung des Körpers. Nach einer umfassenden Diagnostik, die sich nicht nur auf die Krankheitsursache, sondern auch die individuelle psychische und soziale Lage des Patienten abklärt, werden die körperlichen Entzugserscheinungen und bereits bestehende Vorerkrankungen medizinisch überwacht und behandelt, um Komplikationen während der Entgiftung zu vermeiden.

Damit körperliche Symptome und auch psychisches Verlangen beim Suchtpatienten gelindert werden können, kommen bei Bedarf unterschiedliche Substanzen, beziehungsweise Medikamente zur Anwendung. Die Phase der körperlichen Entgiftung dauert je nach Schwere der Abhängigkeit meistens fünf Tage, kann sich aber im Einzelfall bis zu 14 Tagen erstrecken.

Psychische Entwöhnung und Nachsorge bei Alkoholabhängigkeit

Beim qualifizierten Entzug schließt sich an die körperliche Entgiftung unmittelbar die begleitete Entwöhnung an. In dieser Phase behandeln zusätzlich Psychologen, Sozialarbeiter sowie Sporttherapeuten und Ergotherapeuten den Patienten in Therapiegruppen und gegebenenfalls in Einzelgesprächen. Angehörige können oft auf Patientenwunsch in die Therapie miteinbezogen werden. In dieser Phase werden die individuellen Auslöser für die Alkoholsucht behandelt, Entspannungstechniken geschult und Strategien zur Bewältigung von möglichen späteren Krisen trainiert. Eine Rückfallprophylaxe und die Motivation zu einer ambulanten Nachsorge sind Teil der Behandlung zur langfristigen Stabilisierung. Hierzu zählt unter anderem auch die Motivation zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe sowie die Nutzung digitaler Mittel wie beispielsweise Apps.

Rehabilitation

In der Rehaklinik wird auf Basis eines ausführlichen Arztgesprächs der Therapieplan erstellt, der sich abhängig von der Entwicklung ändern kann. Die Behandlung erfolgt in Einzeln oder in der Gruppe und umfasst viele Bereiche, darunter:

  • Gespräche mit Therapeuten und Sozialarbeitern
  • Infos zum Bereich Sucht und Alltagsbewältigung
  • Bewegungsangebote
  • Kreative Therapien (Kunst, Musik)
  • Entspannungsmethoden wie PME oder Autogenes Training
  • Bedarfsweise weitere Therapien wie Biofeedback

Dauer der Gesamtbehandlung bei Alkoholabhängigkeit

Wie lange die Behandlung insgesamt dauert, legen die behandelnden Experten individuell fest und dies hängt auch von der Klinik ab. Ausschlaggebend hierfür ist neben der Dauer der Entgiftung außerdem die Schwere der zugrundeliegenden Erkrankung. Neben dem Körper müssen sich die zudem die psychische Stabilität und die kognitiven Fähigkeiten wieder erholen. Für die Dauer der Gesamtbehandlung setzen Experten mindestens vier Wochen an, sie dauert in der Regel aber wesentlich länger und je nach Einzelfall auch mehrere Monate.

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) setzt folgende Dauer an:

  • 15 Wochen für eine vollstationäre Standardtherapie
  • 14 Wochen für eine ganztägige ambulante Therapie
  • 8 Wochen für eine Kurztherapie

Einige spezialisierte Kliniken bieten Intensivbehandlungen an, die die übliche Therapiedauer deutlich verkürzen können.

Allerdings sollten gesetzlich Versicherte neben der Behandlungsdauer auch eine mehrwöchige Wartezeit zwischen Krankenhausaufenthalt und dem Beginn der Rehabilitation einkalkulieren, wenn der Entzug nicht in einer spezialisierten Klinik, die beides unmittelbar nacheinander leisten kann, erfolgt.

Welche Formen von Kliniken gibt es für den Entzug bei Alkoholabhängigkeit?

Unterschieden wird hinsichtlich der Kliniken, in denen sich ein Alkoholentzug durchführen lässt zwischen unterschiedlichen Angeboten. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Allgemeinkrankenhäuser, Tageskliniken, spezialisierte Fachkliniken und auch Privatklinken. Welche Therapie und welche Klinikform individuell in Frage kommt, klärt der Patient in der Regel mit dem Arzt, der die medizinische Notwendigkeit für den Entzug bescheinigt, mit seiner Krankenkasse oder dem sonstigen Kostenträger. Wenn es keine ärztliche Empfehlung oder eine Vorgabe des Kostenträgers gibt, ist die Klinik frei wählbar und auch örtliche Suchtberatungsstellen können bei der Kliniksuche und Organisation der Behandlung unterstützen.

Eine Form bieten Allgemeinkrankenhäuser, in denen mit einem etwa fünftägigen bis vierzehntägigen, ärztlich begleiteten Aufenthalt lediglich die körperliche Entgiftung vollstationär erfolgt. Daneben bieten einige Allgemeinkrankenhäuser mit entsprechenden psychiatrischen Abteilungen, beziehungsweise speziellen Abteilungen für Suchtmedizin, eine umfassende (qualifizierte) Suchttherapie bei Alkoholabhängigkeit, bei der sich an die ärztlich begleitete körperliche Entgiftung direkt eine Entwöhnung anschließt. Nach diesen Phasen steht eine stationäre oder teilstationäre Entwöhnungsbehandlung an, die anschließend in einer Rehaklinik durchgeführt wird.

Eine weitere Form bieten spezielle Tageskliniken mit einem teilstationären Entzug. Diese Einrichtungen kommen für Patienten mit einer noch nicht so stark ausgeprägten Alkoholsucht in Frage.

Eine besondere Form bieten spezialisierte Suchtkliniken an. Dabei handelt es sich um Fachkliniken, die bei Alkoholabhängigkeit sowohl die Behandlungen im Krankenhaus wie auch die anschließende Rehabilitation durchführen.

Darunter gibt es auch einige Privatkliniken mit hochspezialisierten Leistungen. Jedoch ermöglichen diese meist nicht die übliche volle Abrechnung über die gesetzlichen Krankenkassen und Kostenträger. Privatkliniken sind auf Privatzahler, beziehungsweise Selbstzahler ausgerichtet. Da sich einige gesetzliche Krankenkassen an den Kosten für Entgiftungsbehandlungen beteiligen, können Interessierte diesen Punkt im Vorfeld mit Ihrer Krankenkasse abklären.

In einer Klinik profitieren Betroffene beim stationären Entzug von mehreren Vorteilen

Ein großer Vorteil ist sicherlich, dass in der Klinik rund um die Uhr fachkompetente Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte bereitstehen, wenn es darum geht, auftretende körperliche und psychische Beschwerden zu behandeln. Auch Patienten mit Begleiterkrankungen finden beim stationären Aufenthalt die besten Voraussetzungen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Betroffene sich durch den Klinikaufenthalt ihrer gewohnten Umgebung und den Auslösern, durch die sie in die Abhängigkeit geraten sind, entziehen können. Auf diese Weise können sie Abstand gewinnen und sich ganz auf ihr Ziel konzentrieren.

Für den Entzug in einer spezialisierten Klinik, spricht außerdem der mögliche Kontakt und Austausch mit anderen Betroffenen. Viele erleben dabei das Gefühl, dass sie mit ihren Suchtproblemen nicht allein sind und, dass ihnen Verständnis entgegengebracht wird. Sie können auch an positiven Erfolgen anderer teilhaben, die ihre Sucht bewältigen konnten und dadurch gleichzeitig die eigene Zuversicht, Motivation und Kraft steigern.

Insbesondere für Betroffene, die ihre Alkoholabhängigkeit aus unterschiedlichen Gründen für sich behalten möchten, bietet sich der Entzug in einer spezialisierten Privatklinik, die entsprechende Anonymität und Diskretion gewährleistet, an. Hinzu kommt, dass der Entzug in einer Privatklinik oft schon nach viel früher abgeschlossen werden kann.

Wie findet man bei Alkoholsucht die passende Entzugsklinik?

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von allgemeinen Krankenhäusern und spezialisierten Entzugskliniken für Versicherte sowie einige Privatkliniken. Entgiftungen

Allgemeine Krankenhäuser und spezialisierte Kliniken in Deutschland, die einen qualifizierten Alkoholentzug leisten, können in dieser Auflistung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG e.V.) (PDF) gefunden werden. Die Anbieter sind nach Bundesland sortiert.

Auch Suchtberatungsstellen wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS e. V.) geben Auskünfte zum stationären Entzug und helfen bei der Kliniksuche.

Welche Kosten übernehmen Krankenkassen beim Alkoholentzug?

Bei medizinischer Notwendigkeit übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel die Kosten für den stationären Entzug in Bezug auf die Entgiftung unter ärztlicher Betreuung direkt oder in Übereinkunft mit der Deutschen Rentenversicherung. Es wird zwischen Kurztherapien und Standardtherapien unterschieden.

Die sich an die Entgiftung anschließende Entwöhnung fällt in den Bereich der Rehabilitation, so dass für deren Kostenübernahme die Deutsche Rentenversicherung zuständig sein kann. Eine Kostenübernahme für eine Entwöhnung ist jedoch nur möglich, wenn die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Hierzu zählt eine vorausgegangene Entgiftung.

Die Klinik muss eine entsprechende Zulassung haben, um mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen zu können. Findet der Entzug in einer Privatklinik statt, übernehmen auf Voranfrage einige gesetzliche Kassen die Kosten in der Höhe, wie sie in einer öffentlichen Klinik anfallen. Mehrkosten sind in dem Fall von Patienten als Selbstzahler zu tragen.

Kostenübernahme bei Privatversicherten

Für privatversicherte Patienten richtet sich die Höhe der Erstattung bei Entziehungsmaßnahmen regelmäßig nach den mit dem Privatversicherer vereinbarten Vertragsklauseln und dem vereinbarten Tarif. Abhängig davon, können die Kosten entweder vollständig auch für Privatkliniken übernommen werden oder es kann ein Eigenanteil für den Privatversicherten anfallen. Möglich ist auch, dass es bei der Inanspruchnahme zu höheren Beiträgen kommt.

Nicht wenige Privatversicherte haben jedoch in ihrem Vertrag eine Suchtklausel vereinbart, so dass in dem Fall eine Kostenübernahme durch die Kasse nicht erfolgt und die Kosten vom Versicherten selbst zu tragen sind. Nach Angaben der dieser Erkrankung zugrunde liegenden Leitlinie S3 erkennen private Kassen eine Alkoholabhängigkeit in der Regel nicht als Krankheit an, sondern sehen darin ein Lifestyle Problem, in dessen Zuge höchstens die Kosten für Akutbehandlungen übernommen werden können.

Gesetzliche Zuzahlungspflicht

Es können 10 Euro gesetzliche Zuzahlung pro Tag für den Betroffenen anfallen. Ob eine Befreiung möglich ist, sollte im Einzelfall geprüft werden.

Kostenübernahme im Vorwege abklären

Experten raten dazu, vor Beginn die Kostenübernahme mit dem zuständigen Träger abzuklären und eine mögliche Befreiung von der Zuzahlungspflicht zu prüfen und gegebenenfalls zu beantragen.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 23.01.2026
Bildquelle Titelbild © Bild phideg auf Pixabay

Quellen und weiterführende Informationen:

Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

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