In jeder Körperzelle ist Alpha Liponsäure

Ihre Eigenschaften sind außergewöhnlich vielseitig

Alpha-Liponsäure (Thioctsäure) ist eine bedeutende schwefelhaltige Substanz, die im menschlichen Körper natürlich vorkommt. Durch ihre besondere Struktur und ihre weitreichenden chemischen Eigenschaften übernimmt Alpha Liponsäure drei wichtige Funktionen. Sie wirkt dabei nicht nur vitaminähnlich, sondern ist ebenso mit den Fettsäuren verwandt und kann komplexe Bindungen mit verschiedenen gesundheitsschädlichen Schwermetallen eingehen.

Vorhanden ist Alpha Liponsäure nahezu in jeder Körperzelle, denn durch ihre spezielle Form ist sie nicht nur wasserlöslich, sondern auch fettlöslich. Sie zeichnet auch dadurch aus, dass sie die für viele Substanzen unüberwindliche Blut-Hirnschranke überwinden kann. Bislang wird diese Säure als nicht-essenziell eingestuft.

Die höchsten Gehalte finden sich in tierischen Lebensmitteln

Zwar kommt die Thioctsäure als natürliche Verbindung nahezu in allen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln vor, doch oft nur in sehr geringen Mengen. Die höchsten Gehalte befinden sich dabei in tierischen Organen wie Herz, Nieren oder Leber. In solchen tierischen Produkten liegt Alpha Liponsäure in Mengen zwischen 5 und 10 mg/100 g vor.

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Neben Pflanzen und Bakterien können auch höhere Organismen Liponsäure selbst herstellen. Der Mensch kann die Säure im Körper aber nur zu einem geringen Teil selbst herstellen und muss weitere Mengen über die Ernährung zuführen. Liponsäure aus Lebensmitteln wird nach der Aufnahme vom Magen Darm-Trakt aus in die Körpergewebe transportiert, wo ihre Umwandlung in Dihydroxyliponsäure stattfindet.

Verwendet wird Alpha Liponsäure in Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke, in Nahrungsergänzungsmitteln und in Arzneimitteln.

Funktionen

Funktion von Alpha Liponsäure im Energiestoffwechsel

Eine bedeutende Funktion kommt Alpha Liponsäure bei der Energiegewinnung als Teil in den Mitochondrien (Kraftwerken) der Zellen und als Coenzym von wichtigen Enzymkomplexen zu. Dadurch wird sie für die Energieproduktion im Körper unentbehrlich. Denn im Energiestoffwechsel ersetzt sie bei der Fettsäureherstellung im Körper zum Teil das Coenzym A. Außerdem bildet die Säure einen Cofaktor für die Enzyme Alpha-Ketoglutaratdehydrogenase und Pyruvatdehydrogenase.

Funktion von Alpha Liponsäure als Radikalfänger und Antioxidans

Als Radikalfänger und äußerst wichtiges Antioxidans im menschlichen Körper bekämpft Alpha Liponsäure verschiedene zellschädigende Freie Radikale und schützt dadurch das Herz- Kreislaufsystem und die Blutgefäße. Dafür wirkt sie in ihrer reduzierten Form als Dehydroliponsäure nicht nur in den Zellmembranen, sondern auch in der Zellflüssigkeit und im wässrigen Raum außerhalb der Zellflüssigkeit sowie im Blutserum und ist fähig, wichtige verbrauchte Antioxidantien zu regenerieren.

Funktion von Alpha Liponsäure bei der Bindung von Schwermetallen

Eine weitere Funktion hat die Säure als Komplexbildner verschiedener Schwermetalle. Durch ihre besondere chemische Form ist die Thioctsäure in der Lage, eine Vielzahl von belastenden Schwermetallen im Körper zu binden und diese über die Gallenwege auszuleiten.

Wirkungen von Alpha Liponsäure

Sie wirkt bei der Energieproduktion und beim Zellschutz

Insbesondere ihre antioxidativen Kapazitäten führen im Körper zu einem breiten Wirkungsfeld:

  • Entzündungshemmend
  • Nervenschützend
  • Erbgutschützend
  • Krebsschutz
  • Anti-Aging
  • Erhöhte Empfindlichkeit gegen Insulin

Während Alpha Liponsäure im Energiestoffwechsel als Coenzym in vielen enzymatischen Reaktionen wirkt, schützen Liponsäure und Dihydroxyliponsäure als starke Antioxidanzien die Körperzellen und die Lipoproteine.

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Außerdem regenerieren sie andere verbrauchte Antioxidantien, zu denen neben Gluthation auch Coenzym Q10 und die beiden Vitamine E und C gehören. Die in den Stoffwechselprozessen entstehenden beiden Substanzen Bisnor-Lipoat und Tetranor-Lipoat haben ebenfalls antioxidative Wirkung.

Da Alpha Liponsäure die Blut-Hirnschranke überwindet, kann die Säure ebenfalls bei der Bindung und Ausscheidung verschiedener Schwermetalle Wirkung entfalten.

Anwendungen von Alpha Liponsäure

Präventiver und therapeutischer Einsatz

Alpha Liponsäure hat zahlreiche Anwendungsgebiete, darunter:

  • Lebererkrankungen
  • Diabetes
  • Polyneuropathie
  • Schwermetallentgiftung
  • Pilzvergiftung mit Wulstlingen
  • Multiple Sklerose
  • Grauer Star
  • Sporternährung
  • Nahrungsergänzung zur Vorbeugung

Anwendung bei Lebererkrankungen und Vergiftungen

Alpha Liponsäure wird als Arzneimittel bei Lebererkrankungen eingesetzt, da es die Leber schützt, ihre Funktion bei der Entgiftung unterstützt und so die Leberfunktionswerte verbessern kann.

Außerdem kommt sie als Gegenmittel bei der Vergiftung mit Amanita Pilzen (Wulstlinge) zur Anwendung, zu denen der hochgiftige Knollenblätterpilz zählt.

In Verbindung mit dem Metabolischen Syndrom und der Insulinresistenz wirkte die Gabe einer Nahrungsergänzung von täglich 200 mg Alpha Liponsäure in einer Studie über 24 Wochen der nicht alkoholischen Leberverfettung entgegen. Sie wirkte auch der Leberfibrose und der Leberzirrhose entgegen.

Eine weitere Anwendung kommt der Alpha Liponsäure in der Chelat Therapie bei Vergiftungen mit anorganischem Quecksilber zu. Neben Quecksilber kann sie aber auch komplexe Bindungen mit Schwermetallen wie Cadmium und Blei und Metallen wie Kupfer, Zink, Mangan und Eisen eingehen und diese aus den Zellmembranen und Körpergeweben lösen. Schwermetalle können so zur Ausleitung kommen. Zusätzlich geht auch die Dihydroliponsäure komplexe Bindungen mit Quecksilber und Blei ein und darüber hinaus ebenso mit Nickel, Kobalt und Kupfer. Nach Erfahrungen von Orthomolekularmedizinern scheint Alpha Liponsäure im Vergleich mit anderen bei Schwermetallvergiftung eingesetzten Komplexbildnern, zu denen BCA oder Penicillamin zählen, besser verträglich zu sein. Zudem kann sie oral verabreicht werden und nicht per Infusion oder Injektion.

Anwendung bei Diabetes Typ1 und Typ 2 und dem Metabolischen Syndrom

Insbesondere kommt sie außerdem vorbeugend und therapeutisch bei Diabetes Typ 1 und Typ 2 zum Einsatz, weil sie verschiedene Fehlsteuerungen im diabetischen regulieren und die Symptome positiv beeinflussen kann. Sie senkt dabei den Blutzuckerspiegel,  verbessert die Fettverbrennung sowie den Fettstoffwechsel und schützt Organe und Körpergewebe vor dem Angriff Freier Radikaler. Außerdem wirkt sie günstig auf die erhöhte Neubildung von Glukose und auch die verminderte Verwertung von Glukose. Sie soll dabei eine insulin-ähnliche Wirkung entfalten können.

Daneben kommt Alpha Liponsäure vorbeugend und therapeutisch ebenfalls bei der Diabetischen Polyneuropathie zur Anwendung, die nach Expertenangaben langfristig etwa bei der Hälfte der Diabetiker auftritt, nachdem das zentrale Nervensystem mit seinen Reizweiterleitungen zu den Sinnesorganen, Muskeln und Drüsen  durch die Angriffe der Freien Radikalen geschädigt wurde. In der Folge können vielfache Beschwerden auftreten, darunter Schmerzen und gestörte Bewegungsabläufe und Ausfallerscheinungen durch Gefühlsminderungen oder gestörte Nervenleitungen zu lebenswichtigen Organen. Durch die Säure kann unter anderem bei Diabetikern nicht nur die Schmerzintensität nach möglichst früh begonnener, 4-monatiger Behandlungsdauer deutlich vermindert werden.

Im Tierversuch zu Diabetes mellitus schützte Alpha Liponsäure wesentlich deutlicher vor der Schädigung der Nierenkörperchen und somit vor dem diabetesbedingten chronischem Nierenversagen (Diabetische Nephropathie) als vergleichsweise Vitamin E oder Vitamin C.

Auch bei Augenerkrankungen mit Grauem Star und diabetischer Retinopathie, für die das Risiko bei Diabetikern ansteigt, wirkte Alpha Liponsäure im Tierversuch wegen ihrer starken antioxidativen Aktivität hemmend. Bei diabetischer Retinopathie konnte die Entwicklung verzögert werden.

Anwendung bei Multiplere Sklerose 

Bei Multipler Sklerose kann Alpha Liponsäure den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen, in dem sie belastende Schwermetalle zur Ausscheidung bringt und die Aktivität der Abwehrzellen im Immunsystem anregt.

Anwendung bei Sportlern

Anwendung findet die Säure außerdem in der Sportlerernährung, insbesondere bei Ausdauersportlern sowie bei Leistungssportlern für die Regenerationszeit. Bei Ausdauersportlern sorgt die Säure dafür, dass die Energiegewinnung sich auf die Fettverbrennung richten kann. Im Leistungssport kann durch alpha-liponsäurereiche Ernährung auch das bedeutende Antioxidans Gluthation gefördert werden, wodurch sich schützende Effekte ergeben, aber gleichzeitig auch die Regenerationszeit verkürzt werden kann.

Mögliche weitere Anwendungsgebiete für Alpha Liponsäure

Es wird außerdem in verschiedenen Laborstudien, Tierstudien und präklinischen Studien sowie in Experimenten geforscht, um mögliche weitere Anwendungsgebiete für die Säure zu finden. Viele bisherige Ergebnisse geben erste Hinweise auf positive Wirkungen bei bestimmten Erkrankungne, darunter besonders viele Erkrankungen, bei denen sich  entsprechende Entzündungen erfolgreich hemmen ließen.

Weitere Studien zu den Erkrankungen:

  • Asthma
  • HIV-Infektion
  • Migräne
  • Mukoviszidose
  • Offenwinkelglaukom
  • Osteoporose
  • Osteoarthritis
  • Rheumatoide Arthritis
  • Sichelzellenanämie
  • Zungenbrennen

Darüber hinaus wurde mit ersten positiven Ergebnissen geforscht zum Thema:

  • Arzneimittel Nebenwirkungen
  • Gewichtszunahme durch atypische Antipsychotika
  • Schutz bei Bestrahlung
  • Schutz bei Rauchern

Therapeutische Dosierungen

Orale oder intravenöse Verabreichungsform

Therapeutisch empfohlene Tagesdosierungen bei entsprechenden Erkrankungen betragen bei oraler Aufnahme zwischen 600 und 1.800 mg. Erhaltungsdosierungen werden mit 100 g pro Tag angegeben.

Alpha Liponsäure kann auch intravenös verabreicht werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Nebenwirkungen können bei intravenöser Gabe deutlich schwerer sein

Bei hohen Überdosierungen treten bei manchen Anwendern Nebenwirkungen auf. Betroffene berichten dann meistens über Schwindel und Übelkeit. Je nach Art der Verabreichung können sich die möglichen Nebenwirkungen unterscheiden.

Während bei oraler Aufnahme in seltenen Fällen außerdem Nebenwirkungen wie Geschmacksstörungen, Sehstörungen, Schwitzen, Erbrechen, Durchfall, Nesselsucht und Juckreiz auftreten können, sind nach intravenöser Aufnahme in seltenen Fällen weitaus stärkere Nebenwirkungen möglich. Dazu zählen Blutgerinnungsstörungen, Atemnot und allergische Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen allergischen Schock. Nach intravenöser Gabe traten außerdem in Einzelfällen auch Kopfschmerzen, Juckreiz und Hautrötungen auf.

Nahrungsergänzungsmittel mit Alpha Liponsäure

Qualitätsunterschiede bei der Auswahl berücksichtigen

Bei zu geringer Aufnahme über die Ernährung oder auch, um Defiziten vorzubeugen, gibt es eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln mit Alpha Liponsäure. Diese Präparate sind in der Regel frei verkäuflich. Erhältlich sind sie etwa bei einigen Apotheken, Reformhäusern und speziellen Anbietern im Internet. Die Bioverfügbarkeit bei oraler Aufnahme ist mit 70 % relativ hoch. Zur Vorbeugung empfohlene Tagesdosen bei Supplementierungen liegen häufig zwischen 0,1 g bis 0,3 g.

Bei der Zusammensetzung von Alpha-Liposäure-Präparaten soll es  allerdings große Unterschiede nicht nur im Preis, sondern auch bei der Wirksamkeit geben. Nach Expertenangaben enthalten nämlich preiswertere Präparate oft nur zur Hälfte die gesundheitsfördernde natürliche und körpereigene Form R (+) Alpha Liponsäure, während die andere Hälfte aus der unwirksameren und synthetisch hergestellten Form S (-) Alpha Liponsäure besteht. Diese besitzt eine spiegelbildliche Struktur und soll dadurch nicht nur funktionslos und belastend sein, sondern auch noch der natürlichen R-Form entgegenwirken. Es wird außerdem beschrieben, dass die synthetische Form die Resistenz gegen Insulin fördern soll.

Empfohlen werden von Experten Nahrungsergänzungspräparate mit 100 Prozent Alpha Liponsäure in Form von Natriumsalz.

Verbindliche Höchstmengen fehlen

Zu den empfohlenen Höchstmengen, Überdosierungen und Nebenwirkungen findet man unter den Experten allerdings uneinheitliche Angaben. Verbindliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel mit Alpha Liponsäure gibt es bislang nicht.

Stark abweichende Dosierungsempfehlungen

Während orthomolekularmedizinischen Quellen zufolge eine Langzeitzufuhr mit Tagesdosierungen von 200 mg bis 1000 mg als sicher beschrieben wird und keine Nebenwirkungen zu erwarten sein sollen, können anderen Berichten zufolge, Nebenwirkungen bereits bei täglichen Dosierungen zwischen 150 und 250 mg auftreten.

Nach derzeitiger Auffassung der Bayrischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen kann eine lebenslange tägliche Dosis von 0,6 mg pro/kg Körpergewicht unbedenklich eingenommen werden. Das entspricht bei einer Person mit 70 kg Körpergewicht einer Tagesdosis von 42 mg Alpha Liponsäure. Diese Angabe wurde von zwei Tierversuchsstudien abgeleitet.

Nahrungsergänzungsmittelhersteller, die Präparate mit weitaus höheren Tagesdosierungen anbieten, stützen sich dagegen auf eine andere Studie, die im Jahr 2020 in der Zeitschrift Antioxidans erschienen ist.

Sicherheitsbewertung für sehr hohen Dosierungen von Alpha Liponsäure steht aus

Um den geäußerten Sicherheitsbedenken nachzugehen, wurde im Juni 2020 ein Verfahren bei der Europäischen Kommission zur Sicherheitsbewertung von Alpha Liponsäure eröffnet, zu dem jedoch seit Fristablauf im April 2021 noch kein Ergebnis veröffentlicht wurde.

Sicherheitsbewertung für das Risiko des Insulin Autosyndroms 2021 abgeschlossen

Die Sicherheit von Alpha Liponsäure in Nahrungsergänzungsmitteln wurde zudem im Jahr 2021 auf Antrag bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit begutachtet, um einen Zusammenhang und das Risiko des Insulin Autosyndroms (IAS) zu überprüfen. Danach besteht nach Einschätzung des Expertengremiums wahrscheinlich nur für genetisch speziell vorbelastete Personen, die Alpha Liponsäure entweder aus Lebensmitteln oder aus Nahrungsergänzungsmitteln aufnehmen, ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, die aber nach dem Absetzten der Substanz nach einigen Wochen bis Monaten bislang wieder verschwanden. Eindeutige Ergebnisse konnten wegen der unzureichenden Datenlage nicht ermittelt werden.

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