Diese Form des Haarausfalls ist vererbbar

Anlagebedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie) ist bei Männern und Frauen zu 95 Prozent die häufigste Form des Haarausfalls. Oft sind mehrere Familienmitglieder davon betroffen. Anlagebedingter Haarausfall ist genetisch vorbestimmt und beruht auf der erhöhten Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber den männlichen Sexualhormonen, die als Androgene bezeichnet werden.

Etwa 75 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen leiden unter dieser Form von Haarausfall. Abhängig von Typ und Veranlagung nimmt der Grad der Alopezie aber auch mit dem Alter zu. Die Veränderung beginnt bei Männern und Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Männliche Glatzen können sich teilweise sogar schon in der Pubertät entwickeln.

Entstehung beim erblich bedingten Haarausfall

Durch die entwickelte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem Hormon Dehydrotestosteron (DHT) verkleinert sich der Haarfollikel. DHT ist ein biologisch aktiver Metabolit von Testosteron, der auch zu den männlichen Sexualhormonen zählt. Durch die Verkleinerung der Haarfollikel fallen die Haare schneller aus. Zunächst verkürzt sich die Wachstumsphase des Follikels. Die Ruhephase verlängert sich stetig, bis das Wachstum schließlich komplett eingestellt wird und das Haar ausfällt. Im Verlauf werden die Haare immer kürzer und dünner, weil sie sich wegen der verminderten Wachstumsphase nicht mehr vollständig entwickeln können. Der Haarverlust kann auch schubweise erfolgen, so dass es Zeiträume ohne vermehrten Haarausfall gibt.

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Es ist in Fachkreisen bislang nicht klar, ob auch beim Mann von einem „Klimakterium“ gesprochen werden kann, denn bei Männern vermindert sich mit dem Alter die Produktion des männlichen Sexualhormon Testosteron. Die Verminderung verläuft aber langsamer als bei den Frauen. Der anlagebedingte Haarausfall tritt bei Männern letztlich durch eine Verminderung der Testosteronproduktion auf, während bei den Frauen ein vermehrter Anteil von männlichen Geschlechtshormonen den Haarverlust auslöst.

Der androgenetische Haarausfall tritt bei Frauen erst mit den Wechseljahren ein. Die Ursache dafür ist eine verminderte Produktion des weiblichen Sexualhormons Östrogen.

Bei Frauen verläuft anlagebedingter Haarausfall nicht gleich wie beim Mann. Meist kommt es beim weiblichen Geschlecht zu einer mehr oder weniger gleichmäßigen Ausdünnung im Scheitelbereich. Aber auch bei Frauen kann der Haaransatz an der Stirn zurückweichen. Frauen bekommen aber nur sehr selten eine Stirnglatze, wie sie bei vielen Männern üblich ist. Der Anteil der betroffenen Frauen über 40 Jahre, die die Hälfte der Kopfbehaarung verloren haben, beträgt etwa 30 Prozent. Im Alter von 50 Jahren haben dagegen schon etwa 50 Prozent der betroffenen Frauen die Hälfte ihrer Haare verloren.

Hervorgerufen werden kann ein massiver Haarverlust bei Frauen daneben auch durch eine androgenhaltige „Pille“. Der Haarverlust tritt unter Umständen erst verzögert auf und hält auch nach Absetzen der „Pille“ möglicherweise noch länger an.

Verlauf und Folgen beim genetisch bedingten Haarausfall

Bei Männern beginnt anlagebedingter Haarausfall im Alter zwischen 18 und 20 Jahren. Etwa ab dem 25. Lebensjahr sorgt sie für gesteigertes Bartwachstum und eine Vermehrung der Talgdrüsen auf dem Kopf, die wiederum zum Haarausfall führen. Ab dem 40. Lebensjahr verläuft der Verlust der Haare dann nur noch langsam. Der genetisch bedingte Haarausfall wird beim männlichen Geschlecht in vier Stadien unterteilt. Meist verläuft er stärker, wenn er schon frühzeitig auftritt.

Im ersten Stadium weicht beim Mann der Haaransatz zurück und es bilden sich Geheimratsecken. Im zweiten Stadium lichtet sich das Haar am Hinterkopf (Tonsur) und im Scheitelbereich, während im dritten Stadium Geheimratsecken mit der Tonsur zusammenlaufen können. Im vierten Stadium bildet sich im Laufe der Zeit der Oberkopf zu einer Glatze aus. Zum vollständigen Haarverlust kommt es meist nie und die Haare an Schläfen und dem unterem Bereich vom Hinterkopf bleiben erhalten.

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Während es bei Männern im vierten Stadium zur Glatzenbildung kommen kann, lichtet sich bei Frauen oft nur das Haupthaar. Frauen mit androgenetischer Alopezie entsprechen häufig dem männlichen Behaarungstyp mit Haaren an Unterschenkeln, Zehen und im Gesichtsbereich.

Der weibliche anlagebedingte Haarausfall verläuft in drei Stadien nach Ludwig.

Im Stadium I nach Ludwig lichtet sich das Haupthaar vom Mittelscheitel aus mäßig, so dass die Kopfhaut durchschimmert. Im Stadium II nach Ludwig nimmt der Haarverlust um den Scheitelpunkt weiter zu, so das die Kopfhaut deutlich zu sehen ist, während im Stadium III nach Ludwig kein Scheitel mehr zu sehen ist und im Bereich des Oberkopfes die Kopfhaut nur noch mit wenigen dünnen und kurzen Haaren besetzt ist.

Anlagebedingter Haarausfall kann in frühem Stadium erfolgreicher behandelt werden

Je früher anlagebedingter Haarausfall erkannt wird, desto erfolgreicher kann seine Behandlung sein. Bis der Erfolg sichtbar wird, vergehen nicht selten 3 Monate. Nur teilweise wachsen an kahlen Stellen wieder Haare, denn eine Verkleinerung der Haarfollikel ist in aller Regel nicht umkehrbar.

Bislang ist nicht ausreichend belegt, dass sich der anlagebedingte Haarausfall durch übliche Produkte zur Haarreinigung, Haarpflege oder kosmetische Haarwuchsmittel wirksam beeinflussen lässt.

Wirksame Medikamente und Haarwasser bei genetischem Haarausfall

Neue Medikamente können den anlagebedingten Haarausfall stoppen. Bei Frauen kommen häufig Hormonpräparate in Form von z.B. hormonhaltigen Verhütungsmitteln oder östrogenhaltige Mittel zum Auftragen zur Anwendung.

Bei Männern kommen oft Medikamente mit dem Wirkstoff Finasterid zum Einsatz, während bei Frauen der Einsatz des Wirkstoffs dagegen nicht erlaubt ist. Finasterid ist in der Lage, DHT zu blockieren und soll bei über 90 Prozent der Anwender erfolgreich den anlagebedingten Haarausfall stoppen. Allerdings traten nach der Markteinführung Nebenwirkungen wie sexuelle Dysfunktion einschließlich erektiler Dysfunktion, Ejakulationsstörung und verminderte Libido sowie psychische Störungen auf. In einzelnen Fällen können die Nebenwirkungen auch länger als 10 Jahre nach Absetzen der Therapie mit Finasterid bestehen bleiben. Daneben berichteten behandelte Patienten über Depressionen, depressive Verstimmungen und Suizidgedanken. Auch Angst wurde als neue Nebenwirkung nach Risikoinformationen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in die Gebrauchsinformation von Finasterid aufgenommen.

Östrogenhaltige Haarwässer stoppen ebenfalls relativ zuverlässig den Haarverlust. Die enthaltenen Östrogene neutralisieren die Wirkung von DHT im Haarboden solange, wie die Haarwässer angewendet werden. Ohne Anwendung verliert man die Haare allerdings weiter.

Auch eine hormonfreie Lösung mit dem rezeptpflichtigen Wirkstoff Minoxidil wird gegen die erblich bedingte Form der Alopezie eingesetzt und regt das Haarwachstum zeitweilig wieder an. Auch hier fallen die Haare aber wieder aus, wenn das Produkt abgesetzt wird. Für Frauen gibt es eine Lösung mit geringerer Konzentration.

Anlagebedingter Haarausfall: Haarersatz und Haartransplantationen

Neben Perücken und Toupets bieten Haartransplantationen eine dauerhafte Lösung bei kahlen Stellen auf der Kopfhaut. Bei der Haartransplantation gibt es verschiedene Techniken.

Bei der autologen Haartransplantation wird nach der Verabreichung eines Betäubungsmittels unter örtlicher Betäubung aus dem Nacken oder hinter den Ohren ein Hautstreifen mit Haaren und Haarfollikeln entfernt und an der Empfängerstelle wieder eingesetzt. An der Empfängerstelle werden die Haare der Spenderstelle mit einer Pinzette in viele kleine Hauteinschnitte eingefügt, die zuvor mit dem Skalpell gemacht wurden.

Kurz nach der Transplantation fallen die Haare aus und die Follikel bilden im Zeitraum zwischen 3 Wochen und 3 Monaten neue Haare aus. Eine autologe Transplantation dauert etwa 1 Stunde. Nach 5 Tagen ist die Wundheilung abgeschlossen.

Autor: Katja Schulte (Redaktion)
Datum: 13.03.2022 | aktualisiert 14.01.2023
Bildquelle: ©Cottonbro Studio@pexels.com (Creative Commons CCO Lizenz)

Quellen und weiterführende Informationen:

  • Dr. David R. Goldmann. Praxishandbuch Medizin & Gesundheit. Verlag Dorling Kinderley. London, New York, München, Melbourne, Dehli. 2002
  • J.J. Latz. Wirksame Hilfe bei Haarausfall. Verlag Trias. 2007
  • P. Reuter. Springer Lexikon Medizin. Verlag Springer Berlin Heidelberg, New York. 2004

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