Magersucht (Anorexia nervosa) – Ursachen – Symptome – Therapie

Magersucht (Anorexia nervosa) – Ursachen – Symptome – Therapie2018-01-24T10:59:02+00:00

Häufigkeit

ÜBERWIEGEND FRAUEN VON ANOREXIA NERVOSA BETROFFEN

Die Magersucht (Anorexia nervosa) entwickelt sich nicht nur bei Teenagern vor Eintritt der Pubertät, sondern genau so auch bei Erwachsenen. Meistens sind jedoch Frauen von der Essstörung betroffen – nur einer von zwölf Erkrankten ist derzeit männlich (Manorexia), aber die Tendenz ist steigend. Daneben gilt jeder fünfte Jugendliche aktuell als gefährdet, an Magersucht zu erkranken.

Die Anorexia nervosa gilt als Tödlichste aller Essstörungen, denn etwa 15% der Betroffenen sterben infolge der körperlichen Beeinträchtigung oder durch Selbstmord. Nur rund die Hälfte der Betroffenen wird vollständig geheilt.

Magersucht – Definition und Beschreibung

SEELISCH BEDINGTE ESSSTÖRUNG

Anorexia nervosa (griech./lat., bed. nervlich bedingte Appetitlosigkeit) ist eine krankhafte Essstörung, die durch einen starken, selbst verursachten Gewichtsverlust gekennzeichnet ist. Gleichzeitig leiden die Betroffenen unter großer Angst vor einer Gewichtszunahme. Die psychogene Krankheit tritt in der Regel in zwei Formen auf und kann schwere körperliche Komplikationen zur Folge haben. Die erste Form ist dabei lediglich durch den Verzicht auf Kalorien (restriktiver Typus) gekennzeichnet, während die zweite Form bereits einen Gewichtsverlust anstrebt, in dem nach der Kalorienaufnahme erbrochen wird (Purging-Typus).

Magersucht stellt für die Betroffenen eine Abwehr von Fremdbestimmung und die Kontrolle über den eigenen Körper dar. Während am Anfang lediglich das Schlankwerden als zentrales Motiv galt, erlebt der Betroffene jedoch das Abnehmen nach jahrelangem Krankheitsverlauf als Sucht.

Mögliche Anzeichen einer Magersucht

STÖRUNG DES KÖRPERSCHEMAS

Manchmal gehen bestimmte Formen von Essstörungen ineinander über oder Anzeichen sind verändert, so dass ein Krankheitsbild nicht selten auch individuell abweichend sein kann.

Viele von Magersucht Betroffene sind sichtlich untergewichtig und nehmen sich trotzdem als zu dick wahr. Ihre Gedanken konzentrieren sich hauptsächlich auf Themen zur Ernährung, zum Gewicht und zum Körperschema, trotzdem sie das Essen eigentlich ablehnen. Ihr Selbstwertgefühl machen sie außerdem stark davon abhängig, ob sie fähig sind, ihr Körpergewicht zu kontrollieren.

Betroffene verzichten zumeist auf Nahrungsmittel, die sie als „Fettmacher“ klassifiziert haben und leben nach strengen Diätplänen.

Der Purging-Typ der Anorexia nervosa beschleunigt die Gewichtsabnahme neben dem Erbrechen oftmals durch die missbräuchliche Einnahme von verschiedenen Medikamenten. Er nimmt z.B. Abführmittel (Laxantien), Appetitzügler oder Diuretika (Entwässerungsmedikamente) oder verwendet Einläufe. Häufig betreibt er mitunter exzessiv Sport.

MÖGLICHE KÖRPERLICHE SYMPTOME

  • Schwindelgefühle
  • Ohnmachtsanfälle
  • Starkes Kälteempfinden durch fehlendes Körperfett
  • Erniedrigte Körpertemperatur
  • Hormonelle Störungen
  • Trockene Haut
  • Ausbleiben der Periode (beinflussbar durch Anti-Babypille)
  • Lanugohaare an Armen, Rücken, Gesicht
  • Vorpubertäre Magersucht: Ausbleibende oder verzögerte Entwicklung der Geschlechtsreife und Geschlechtsorgane

Ursachen von Magersucht

VERSCHIEDENE FAKTOREN KÖNNEN AUSLÖSER SEIN

Neben psychischen oder sozialen Ursachen können auch Rollenerwartungen eine Magersucht auslösen. Zu den möglichen Ursachen zählen beispielsweise:

  • Ungünstiger Einfluss der Familie, z.B. Harmoniestreben, mangelnde Konfliktlösungen, mangelnde Privatsphäre
  • Unterdrückung negativer Gefühle
  • Genetische Ursachen
  • Persönliche Faktoren, wie Mangel an Selbstwertgefühl
  • Gesellschaftliche Faktoren, z.B. Rollenerwartung
  • Berufliche Anforderungen, z.B. als Model, Schauspieler etc.
  • Sportliche Anforderung in Bezug auf das Gewicht
  • Schlankheitsideale durch Medien und Werbung
  • Kulturelle Faktoren, z.B. Kritik Anderer
  • Sexueller Missbrauch
  • Misshandlung

Abgrenzung von Magersucht zu Bulimie

UNTERSCHEIDUNGSMERKMAL KÖRPERGEWICHT

Maßgeblich wird Anorexia nervosa von der Ess-Brech-Sucht Bulimia nervosa durch das Körpergewicht abgegrenzt. Eine Anorexia nervosa liegt vor, wenn der  Body-Mass-Index unter 17,5 liegt und das Untergewicht selbst herbei geführt wird.

Ähnlichkeiten mit Essstörung Biggerexie

KRANKHAFTER MUSKELWAHN BEI MÄNNERN

Biggerexie, auch (Muskeldysmorphie) genannt, ist eine typisch männliche Essstörung. Die Betroffenen glauben, dass sie nicht muskulös und athletisch genug sind. Die Krankheit Biggerexie weist Symptome auf, die einer Magersucht ähnlich sind.

Körperliche Folgen der Magersucht

MAGERSUCHT KANN GEFÄHRLICHE AUSWIRKUNGEN HABEN

Die dauerhafte Unterernährung kann sich folgenschwer auf viele Körperbereiche auswirken und in einigen Fällen einen tödlichen Verlauf nehmen. Ein Teil der Überlebenden leidet dauerhaft an Langzeitfolgen, wie Osteoporose oder Niereninsuffizienz. Mögliche Folgen:

  • Herz-Kreislaufsystem: niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen verlangsamter Herzschlag, plötzlicher Herztod
  • Organe: Darmträgheit, chron. Verstopfung, Magenkrämpfe, Übelkeit, Blasenschwäche, Nierenversagen
  • Blut: Unterzuckerung, Blutarmut, Hypokaliämie mit Herzrhythmusstörungen, Thrombozytopenie, Leukozytopenie
  • Zähne bei häufigem Erbrechen: Karies, Erosionen infolge Magensäure
  • Hormone: Potenzstörungen, Unfruchtbarkeit, niedrige Hormonkonzentrationen, erhöhte Konzentration von Glukokortikoiden

Mögliche Maßnahmen bei Magersucht

HÄUFIG LANGWIERIGE THERAPIEMASSNAHMEN NÖTIG

Nur selten reicht es aus, die Symptome mit entsprechenden Pharmazeutika zu behandeln. In vielen Fällen scheitert eine Heilung an der Einsicht des Betroffenen und oft wird der Betroffene für längere Zeit aus seinem belastenden Umfeld herausgenommen, um eine umfassende, stationäre Therapie durchzuführen.

SPEZIALISIERTE KLINIKEN

 Das komplexe Krankheitsbild erfordert eine Vielzahl von Maßnahmen, auf die sich einige Kliniken spezialisiert haben:

  • Körpermedizinische Behandlung
  • Psychotherapeutische Behandlung
  • Systemisch-familientherapeutische Behandlung
  • Tiefenpsychologische Behandlung
  • Therapie zur Selbsthilfe
  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung

KOMBINIERTE THERAPIEN

Essstörungen werden häufig auch mit einer Kombination aus ambulanter Therapie am Wohnort und phasenweiser stationärer Therapie behandelt, in die die gesamte Familie einbezogen wird. Die Familie soll lernen, durch Regeln mit Gefühlen und Konflikten kommunikativ umzugehen.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/StatistischesJahrbuch.html

Horst-Reinhard Nitz: Anorexia bei Jugendlichen. Kontext der Störung und Ergebnisse familientherapeutischer Behandlungen. Springer, Berlin 1987

G. Schmidt: Familientherapie bei Patienten mit Essstörungen, insbesondere bei Anorexia nervosa. In: Jutta Brakhoff (Hrsg.): Essstörungen. Ambulante und stationäre Behandlung. Lambertus, Freiburg 1985

Michael Schulte-Markwort, Sabine Zahn: Magersucht. Effektive Hilfe für Betroffene und Angehörige. Patmos Verlag, Ostfildern 2011

http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=9

Bildquelle im Impressum
Text: Katja Schulte Redaktion
Datum: 12/2016

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