Jahr für Jahr erkranken rund eine halbe Million Menschen in Deutschland an einer Pneumonie. Auch Lungenentzündungen sind nicht so selten wie landläufig gemeint wird. Diese Erkrankungen zählen damit nicht nur zu den häufigsten Krankheitsbildern in Deutschland und damit zu den größten Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch ihre Folgeerscheinungen bzw. Folgeerkrankungen, die diese auslösen können. Eine davon ist die Ateminsuffizienz, die selbst im medizinischen Bereich noch nicht die Aufmerksamkeit genießt, die sie innehaben sollte. Denn Ateminsuffizienz wie sie durch chronische Pneumonie oder Lungenentzündung ausgelöst werden kann, wird häufig über lange Zeit von den Patienten ignoriert und kleingeredet – und in der Folge auch oft nicht ärztlich untersucht.

Was versteht man unter Ateminsuffizienz?

Bei einer Ateminsuffizienz wurden die Atemwege und Organe durch die ursächliche Erkrankung so schwer beeinträchtigt, dass diese nicht mehr wie erforderlich funktionieren können. In der Folge gelingt es der Lunge nicht mehr, ausreichend Sauerstoff zuzuführen. Die pulmonale Sauerstoffaufnahme ist nur mehr in unzureichendem Ausmaß möglich. Dadurch entsteht das Risiko einer arteriellen Hypoxämie und das Absinken des Sauerstoffpartialdrucks (PaO2). Grundsätzlich lässt sich des Weiteren zwischen der Erkrankungen des ventilierenden Systems und Komplikationen im gasaustauschenden System unterscheiden. Während bei Ventilationsstörungen vor allem die Interkostalnerven, der knöcherne Thoras und die Interkostalmuskeln, somit das Atemzentrum, betroffen sind, handelt es sich bei Ventilationsstörungen um eine nicht einwandfrei arbeitende Lunge bzw. Probleme des Lungenparenchyms.

Hinderliche Faktoren der Diagnostik und Anzeichen

Eine weitere Erschwernis in der Diagnostik von Ateminsuffizienz liegt in der häufig bereits vorliegenden Multimorbidität der Patienten. Nicht selten werden die Symptome anderen bereits diagnostizierten Erkrankungen zugeordnet, weshalb die Ateminsuffizienz als eigenständiges Krankheitsbild nicht oder erst zu spät erkannt wird, was mit schweren Folgen für die Patienten verbunden sein kann.

Anzeichen für eine chronische respiratorische Insuffizienz können Husten und Luftnot sein, aber auch ein generell wahrgenommener Leistungsabfall sowie in einigen Fällen auch Zyanose. Speziell dann, wenn das Krankheitsbild länger andauert, lassen sich auch Uhrglasnägel und Trommelschlägerfinger feststellen. Die Diagnostik der Ateminsuffizienz bedient sich daher neben anamnestischen Angaben und klinischen Untersuchungen vor allem Methoden, bei denen Parameter der Lungenfunktion gemessen werden. Neben Ganzkörperplethysmographie und Spirometrie wird vor allem eine Blutgasanalyse zur Diagnose herangezogen. Letztere dient bei der respiratorischen Insuffizienz vor allem auch der Einteilung anhand der Blutgaswerte. Denn es gilt zu unterscheiden zwischen Krankheitsbildern, bei denen lediglich der Sauerstoffpartialdruck (PaO2) im arteriellen Blut unter den Sollwerten liegt, die Kohlendioxidpartialdruck (PaCO2) allerdings dem Normalwert entspricht und der zweiten Variante, bei denen sowohl der Sauerstoffpartialdruck als auch der Kohlendioxidpartialdruck deutlich erniedrigt ausfallen. Zu beachten ist dabei jeweils, dass der Wert für den Kohlendioxidpartialdruck in Abhängigkeit vom Alter des Patienten jeweils unterschiedliche Normwerte vorgibt, diese also immer in Relation gesetzt werden müssen.

Chronisch oder akut?

Wird eine respiratorische Ateminsuffizienz festgestellt und klar diagnostiziert, ist zu unterscheiden, ob es sich dabei um ein akutes Krankheitsbild oder aber um chronische Beschwerden handelt. Beim Vorliegen einer akuten respiratorischen Insuffizienz ist zu beachten, dass diese lebensbedrohlich sein kann. Hier gilt es daher, schnell zu handeln und den Patienten einer adäquaten Therapie zuzuführen. Im Akutfall geht es vor allem darum, die Insuffizienz als solche schnell zu diagnostizieren und andere möglicherweise vorliegende Komplikationen auszuschließen und den Patienten so gut wie möglich zu stabilisieren. Beim Vorliegen einer chronischen Ateminsuffizienz ist beim Patienten häufig bereits ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten, weshalb hier die Gefahr besteht, dass dieser die Symptome auch übergeht und ignoriert. Die Diagnostik zielt hier vor allem darauf ab, die Insuffizienz qualitativ einzuordnen und auch die Häufigkeit der Einschränkung zu bestimmen. Darüber hinaus hat die Therapie bei einem chronischen Verlauf die Aufgabe, die Situation für den Patienten stabil zu halten und wenn möglich auch zu verbessern.

Häufigkeit und typische Symptome

Die Häufigkeit von Ateminsuffizienzen bei Patienten mit entsprechenden Erkrankungen wie etwa Lungenentzündung oder Pneumonie, die als Ursache dafür gelten, liegt bei rund 0,02% bei akutem Verlauf und 0,04% bei chronischem Verlauf. Insbesondere hinsichtlich der lebensbedrohlichen Folgen, die dieses Krankheitsbild für die Patienten bedeuten kann, ist diese allerdings nicht zu unterschätzen.
Symptome, die auch Patienten selbst erkennen können bzw. Ersthelfer und die auf eine akute Ateminsuffizienz hindeuten, sind schwere Atemnot und eine daraus resultierende intensivere Atmung. Der Patient geht dabei häufig in eine nach vorne gebeugte Haltung, um die Atmung zu unterstützen. Schleimhäute wie auch die Haut können sich blau färben. Kalter Schweiß und auch ein verwirrter Eindruck des Betroffenen können auftreten. In einem solchen akuten Fall gilt es, unverzüglich den Notruf zu wählen und Stabilisierungsmaßnahmen einzuleiten.

Bei einer chronischen Ateminsuffizienz werden die Beschwerden vom Patienten noch als erträglich erachtet. Die Atmung wird verändert, um sich an die erschwerte Sauerstoffzufuhr anzupassen. Die Atemfrequenz wird in der Regel beschleunigt. Je nach Schwere können sich aber auch hier Haut und Schleimhäute bläulich färben. Als Anzeichen kann auch ein Zittern der Hände gedeutet werden, das jedoch nicht immer auftritt sowie ein allgemeines Unruhegefühl oder womöglich auch ein verwirrter Zustand. Die größte Gefahr für den Patienten liegt bei dieser Ausformung darin, dass er sich mit der Zeit an die verminderte Sauerstoffzufuhr gewöhnt, sich aber gleichzeitig die Blutgaswerte nahezu unbemerkt nach und nach verschlechtern. Dadurch tritt wiederum eine Situation ein, die im schlimmsten Fall tödlich enden
kann.

Behandlungsmöglichkeiten von Ateminsuffizienz

Die schlechte Nachricht beim Vorliegen einer Ateminsuffizienz ist, dass diese nicht vollständig heilbar ist. Die Therapieformen stellen daher vor allem auf die Stabilisierung der gesundheitlichen Situation und der Verbesserung der Lebensqualität der Patienten ab. Je nach Ursache und Ausformung der Erkrankung gestalten sich die therapeutischen Formen unterschiedlich. Während bei der ventilatorischen Störung der Atemwege in der Regel eine Beatmung angewendet wird, kommt bei der pulmonalen Insuffizienz in der Regel eine Sauerstoffgabe zum Einsatz, um den durch die Erkrankung erzeugen Sauerstoffmangel wieder auszugleichen.

Nicht zu unterschätzende Erkrankung: Ateminsuffizienz

Während eine akute Ateminsuffizienz schnell als Notfall erkannt wird, bei der schnell entsprechende Gegenmaßnahmen eingesetzt werden müssen, ist die chronische Ateminsuffizienz weit schwerer zu diagnostizieren. Insbesondere bei Vorliegen von Pneumonien oder Lungenentzündungen sollten Ärzte wie Betroffene diese Erkrankung allerdings nicht ausschließen und einer genauen medizinischen Untersuchung unterziehen. Denn wird diese Erkrankung übergangen, kann sie mitunter tödlich enden. Durch entsprechende Einleitung von therapeutischen Methoden lässt sich die Lebensqualität für die Patienten hingegen deutlich verbessern.

Resmed Healthcare

Bild: © mockupgraphics | unsplash.com (Creative Commons CC0)
Gastautor: Annette Markle
Datum: 20.04.2021

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen