Indisches Lebenskonzept Ayurveda

KRANKHEITSVORBEUGENDE LEBENSWEISE

Ernährung, Yoga und reinigende Massagen bilden die Grundpfeiler des Ayurveda und spezielle Ayurveda-Methoden aktivieren die Selbstheilungskräfte des Körpers. Das Lebenskonzept Ayurveda lässt sich in vier einfachen Worten beschreiben „Gesund leben und sanft heilen“. Ayurveda, auch als traditionell indische Heilkunst bezeichnet, wird bereits seit über 5000 Jahren erfolgreich angewendet. Inzwischen ist diese fernöstliche Lebensart auch im Westen populär geworden.

Ayurvedische Ernährung

ERNÄHRUNG IM AYURVEDA IST VIELSEITIG 

Die Ernährungslehre der ayurvedischen Heilkunde basiert auf sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen, die möglichst alle innerhalb der Mahlzeiten abzudecken sind.

SECHS AYURVEDISCHE GESCHMACKSRICHTUNGEN

Ayurvedische Geschmacksrichtung Süss

Die ayurvedische Geschmacksrichtung Süss besteht aus den

Yoga

Yoga im Ayurveda

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Elementen Wasser und Erde. Sie nährt alle Gewebe und besitzt eine kühlende Energetik. Ein Übermaß kann zu Fettleibigkeit, Diabetes, Lungenproblemen, Lethargie oder übermäßigem Schlaf führen.

Zugeordnete Lebensmittel: z.B. Datteln, Cashewkerne, Sesam, Kokosnuss

Ayurvedische Geschmacksrichtung Salzig

Die Geschmacksrichtung Salzig besteht aus den Elementen Feuer und Wasser. Sie wirkt erhitzend und fördert die Verdauung. Im Übermaß kann sie Entzündungen, Hauterkrankungen, Störungen des Blutes, Hautunreinheiten oder Magengeschwüre hervorrufen.

Zugeordnete Lebensmittel: z.B. alle Salze, Meeresalgen

Ayurvedische Geschmacksrichtung Sauer

Die Geschmacksrichtung Sauer beinhaltet die Elemente Feuer und Erde. Sie fördert den Gewebeaufbau und besitzt eine erhitzende Energetik. im Übermaß kann sie zu Sodbrennen, Geschwüren oder Ödemen führen.

Zugeordnete Lebensmittel: z.B. Zitronen, Tomaten, Käse, Joghurt

Ayurvedische Geschmacksrichtung Scharf

Die Geschmacksrichtung Scharf besteht aus den Elementen Feuer und Luft. Sie gilt als verdauungsfördernd und besitzt eine erhitzende Energetik. Sie kann helfen, Blutgerinnsel aufzulösen. Übermäßiger Konsum kann Magengeschwüre verursachen, Hitzegefühle verstärken, Schwindel oder Ohnmacht verursachen. Zugeordnete Lebensmittel: z.B. Pfeffer, Nelken, Ingwer, Knoblauch

Ayurvedische Geschmacksrichtung Bitter

Die Geschmacksrichtung Bitter besteht aus Luft und Äther. Sie kann entgiftend und keimtötend wirken und hat eine kühlende Energetik. Ein Übermaß kann Trockenheit und Kälte im Körper fördern.

Zugeordnete Lebensmittel: z.B. Kürbiskerne, Rharbarber, Kümmel

Ayurvedische Geschmacksrichtung Herb

Die Geschmacksrichtung Herb besteht aus den Elementen Luft und Erde. Sie hat eine blutstillende, beruhigende Wirkung und besitzt eine kühlende Energetik. Übermäßiger Genuss kann zu Herzproblemen, Trockenheit oder Verstopfung führen.

Zugeordnete Lebensmittel: z.B. Salat, Koriander, Ziegenmilch, Linsen

Typbestimmung – welcher Ayurveda-Typ?

DIE DREI DOSHAS

Nach der Lehre gibt es im Ayurveda drei verschiedene Arten von Bioenergien (Doshas), die in unterschiedlich starker Ausprägung jedem Menschen innewohnen.

  • Dosha Vata – das Bewegungsprinzip
  • Dosha Pitta – das Feuer- oder Stoffwechselprinzip
  • Dosha Kapha – das Strukturprinzip

Das Vata Dosha beinhaltet zudem die Elemente Luft und Äther, während dem Pitta Dosha Feuer und zum kleinen Teil Wasser zugeordnet werden. Das Kapha Dosha enthält die Elemente Erde und Wasser. Vata Dosha ist verantwortlich für Wachheit, Beweglichkeit, Trennung von Nähr- und Abfallstoffen, Ausscheidung und Atmung. Pitta Dosha regelt Verdauung, Sehkraft, Wärmeproduktion, Hunger, Durst, Intellekt und Elastizität. Das Kapha Dosha verleiht Stabilität, Kraft, Potenz, Geschmeidigkeit und macht nachsichtig, mutig oder großzügig.

Je nach dem, welche Ausprägung überwiegt, unterscheidet man drei Ayurveda-Typen:

VATA TYP

Der Vata Typ verfügt über einen leichten Körperbau und nimmt nur schwer zu. Er ist flexibel,kreativ und besitzt einen wachen Verstand. Wenn seine Doshas aus dem Gleichgewicht geraten, neigt er dazu, viele Dinge anzufangen, ohne sie zu beenden. Neben Zerstreutheit und unruhigem Schlaf, leidet er unter Durchblutungstörungen in Händen und Füßen. Hilfreich und wohltuend ist für den Vata-Typ viel Entspannung und Schlaf, warme Bäder und Massagen mit Sesamöl.

PITTA TYP

Der Pitta Typ verfügt über eine mittlere, sportliche Statur, seine Gelenke sind warm, geschmeidig und gut dehnbar. Er liebt zwar sportliche Aktivitäten, eignet sich aber weniger für den intensiven Wettkampf, denn er ist kein guter Verlierer. Ihm ordnet man aus dem Feuerelement abgeleitete Eigenschaften, wie etwa „leicht“, „heiß“, „scharf“, „flüssig“, „beweglich“, „etwas schmierig“ und „sauer“ zu. Dementsprechend werden ihm Erkrankungen zugeordnet, die mit Hitze und Wärme zu tun haben, wie etwa Gelenkentzündungen, Schleimhautentzündungen oder Augenentzündungen. Oft führt der Pitta-Typ einen unausgewogenen Lebensrhythmus, der seinen Körper beeinträchtigt. Er sollte daher auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung achten.

KAPHA TYP

Der Kapha Typ besitzt einen stabilen, schweren Körperbau. Durch seine ausgeglichene Persönlichkeit wirkt er auf viele Mitmenschen, wie „der Fels in der Brandung“. Er ist geduldig und organisiert gerne. Wenn seine Doshas in Ungleichgewicht geraten, leidet er unter Gewichtszunahme und Verdauungsproblemen. Der Kampf gegen das Übergewicht läßt ihn oft langsam und lethargisch werden. Empfehlenswert sind anregende Sportarten und der Verzicht auf Süßspeisen und Milchprodukte.

Harmonisch ausgerichtete Lebensphilosophie

AYURVEDA – DAS WISSEN VOM LEBEN

Übersetzt bedeutet Ayurveda „Das Wissen vom Leben„. Ayurveda soll dem Menschen nicht nur ein Bewusstsein über die individuelle Beschaffenheit seines Körpers und der göttlichen Natur der Seele vermitteln, sondern ihm gleichzeitig dazu verhelfen, sein Potenzial auszuschöpfen und sein Leben in Frieden und Freude gestalten zu können. 

Die indisch, philosophische Lehre des Yoga ist fest verwurzelter Bestandteil der ayurvedischen Lebensrichtung. Modernes Yoga wird seit vielen Jahren bereits in der westlichen Welt praktiziert und Yogakurse werden wegen ihrer nachweislich positiven Wirkung auf die psychsische und physische Gesundheit von vielen Krankenkassen im Rahmen der Vorsorge gefördert.

Die ayurvedische Medizin

DIE KUNST, DAS GLEICHGEWICHT ZU HALTEN

Nach der ayurvedischen Lehre verfügt jeder Mensch über ein individuelles Gleichgewicht von Vata, Pitta und Kapha und wenn die Verhältnisse aus dem Gleichgewicht geraten sind, kann der Mensch erkranken.

DIAGNOSE ANHAND VON PULS UND AUGEN

Anhand von Puls- und Augendiagnostik stellt der ayurvedische Arzt die Konstitution fest. Zur Behandlung stehen dem ayurvedischen Arzt rund 1500 unterschiedliche pflanzliche Mittel zur Verfügung, die je nach Bedarf begleitend zu verschiedenen Reinigungstechniken und Massagen der Panchakarma-Kur eingesetzt werden können.

AYURVEDISCHE KRÄUTERMEDIZIN NACH GEHEIMEN REZEPTUREN 

Die Rezepturen sind von alters her streng geheim und werden nur an Ayurveda Schüler und in der Tradition stehende Familienmitglieder weitergegeben. Die ayurvedische Kräutermedizin wird individuell auf jeden Patienten abgestimmt und für ihn hergestellt. Bei der Zusammensetzung eines Medikamentes spielen die fünf Elemente eine bedeutende Rolle. Darüber, wie eine Pflanze eingesetzt wird, entscheiden ihre verschiedenen Wirkungsweisen.

Wirkungsweisen von Pflanzen im Ayurveda

  • Heilwirkung (prabhava)
  • Geschmack (rasa)
  • Eigenschaften (guna)
  • Thermik (virja)
  • Effekt nach der Verdauung (vipaka)

Neben der Kräutermedizin verordnen ayurvedische Ärzte regelmäßig die Panchakarma-Kur, die als reinigendes Element gilt.

Hinweis zum Heilmittel- Werbegesetz

Viele Methoden der Naturheilkunde sind im streng naturwissenschaftlichen Sinne noch nicht bewiesen sind und werden deshalb von der Schulmedizin abgelehnt, auch wenn sie sich in der Praxis bewährt haben. Aussagen zu den Methoden beruhen daher vorwiegend auf Erfahrungen der Therapeuten.

Dr. Hans H. Rhyner: Das Praxis-Handbuch Ayurveda: Gesund leben, sanft heilen. 1997. 4. Auflage. Verlag Königsfurt-Urania
Praxis:Natur, Gesundheitsmagazin der Heilpraktikerpraxis 2/2013

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 11/2016

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