Als Blähungen (Flatulenz) bezeichnen Mediziner den vermehrten Abgang von Gasen über den After. Die oft unangenehm riechenden Gase sind meist harmloser Natur, können aber auch ernsthafte Ursachen haben und eine ärztliche Untersuchung notwendig machen. Zu Schmerzen kommt es bei Blähungen dann, wenn sich der Darm stark verkrampft und an seinen Krümmungen links und rechts die Luft eingeklemmt wird.

Die bei Blähungen entweichenden Gase werden Winde genannt. Winde entstehen im Dickdarm durch die bakterielle Spaltung von Kohlenhydraten (Gärung) und Eiweißen (Fäulnis).

Für den Geruch der Darmluft ist ein Gemisch aus Kohlendioxid, Wasserstoff, Stickstoff, Ammoniak, Methan, Schwefel und anderen Gärungsprodukten verantwortlich. Bis die Gase die enge Passage durch den Darm überwunden haben, vergeht etwa eine halbe Stunde.

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Chronische Verstopfung: Anzeichen, Ursachen, Behandlung

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Ursachen für Blähungen

Bei Blähungen sind verschiedene Ursachen möglich. Meistens haben die entweichenden Gase natürliche Ursachen und wenige Blähungen am Tag halten Mediziner durchaus für normal. Harmlose und leichte Winde äußern sich manchmal vorübergehend nach dem Essen oder Trinken in Zusammenhang mit Symptomen wie Bauchkneifen, Völlegefühl oder einem Blähbauch, während starke Blähungen häufig mit einem gewölbten und gespannten Bauch einhergehen.

Für Blähungen kommen sowohl psychische oder ernährungsbedingte sowie körperliche Ursachen in Betracht.

Psychische oder ernährungsbedingte Ursachen für Blähungen

Zu den verschiedenen psychischen und ernährungsbedingten Auslösern bei Blähungen zählen die Verstopfung, der Verzehr fetter Lebensmittel und Durchfall. Blähungen können auch durch das Verschlucken von Luft (Aerophagie) ausgelöst werden, zum Beispiel durch Stress, Nervosität oder Zeitnot.

Eine übermäßige Gasbildung tritt allgemein bei der Verdauung gesunder, ballaststoffreicher und blähend wirkender Nahrungsmittel auf. Zu diesen blähend wirkenden Lebensmitteln gehören zum Beispiel Hülsenfrüchte wie Erbsen oder auch Kohl und Zwiebeln.

Neben Alkohol können kohlensäurehaltige Getränke und Kaffee Blähungen verursachen, aber auch Getränke, die blähungsfördernde Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Fruktose enthalten. Weitere Ursachen für Blähungen sind Aufbau-, Sonden- und Trinknahrungen sowie viele Diätprodukte und Fertiggerichte.

Körperlich bedingte Ursachen für Blähungen

Körperliche Ursachen für Blähungen können in einer Schwangerschaft begründet sein, in der viele Frauen neben der Bauchenge unter einer hormonbedingten Darmträgheit mit verstärkter Gasbildung leiden. Auch im Säuglingsalter kommt es oft zu Überblähungen in den ersten Lebensmonaten. Die Ursachen dafür sind noch ungeklärt.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Fructosemalabsorption, die Lactoseintoleranz oder eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) können ebenfalls Blähungen verursachen.

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Reizdarmsyndrom: Symptome, Ursachen, Behandlung

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Mit Blähungen gehen auch Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom, die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, Meteorismus (Blähbauch) sowie der Befall mit Dünndarmparasiten (Giardia lamblia) und das Blindsacksyndrom einher. Beim Blindsacksyndrom handelt es sich um einen bakterielle Fehlbesiedlung des Darms. Weitere Auslöser können Geschwülste und Darmverengungen sein.

Zur Flatulenz führen außerdem das Kurzdarmsyndrom nach einer Darmresektion sowie Arzneimittel, die Wirkstoffe wie Miglitol oder Acarbose enthalten.

Wann wird bei Blähungen der Besuch beim Arzt empfohlen?

Als Orientierungshilfe gilt, wenn Blähungen häufiger als 24-mal am Tag auftreten, liegt das außerhalb der Norm und eine ärztliche Untersuchung kann Aufschluss geben.

Ärztliche Hilfe wird dann empfohlen, wenn keine Erklärung für das vermehrte Auftreten von Blähungen zu finden ist oder die Überblähung ungewohnt stark und schmerzhaft ist.

Begleitende Anzeichen wie Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Blut im Stuhl oder wiederholt auftretende oder anhaltende Brustschmerzen geben ebenfalls Anlass für eine ärztliche Untersuchung.

Bei starken Blähungen treten oft gleichzeitig Symptome wie stechende krampfartige Bauchschmerzen auf, in einigen Fällen zusammen mit Durchfall. Wenn starke Winde häufiger wiederkehren, forschen Ärzte in der Regel nach der Ursache.

Akute Überblähungen mit starken Bauchschmerzen können auch zum Notfall werden

Es kann zu Notfällen im Zusammenhang mit Blähungen kommen, bei denen ein Notarzt erforderlich ist. Insbesondere akute Überblähungen im Zusammenhang mit starken Bauchschmerzen können einen Notarzteinsatz erfordern (Notrufnummer 112), wenn es sich um eine Darmlähmung, eine Magenlähmung oder einen Darmverschluss handelt.

Je nach Art der Bauchschmerzen und der begleitenden Beschwerden können weitere notfallmäßige Ursachen in Betracht kommen. Hinweis auf eine Gallenkolik können rechtsseitig auftretende Bauchschmerzen sein.

Es kann sich aber auch um einen Herzinfarkt handeln, der mit einer Überblähung und linksseitigen krampfartigen Schmerzen auftreten und möglicherweise zudem begleitet sein kann von Atemnot, Schwindel, Herzstolpern, Schweißausbrüchen oder Brustschmerzen.

Wirksame Maßnahmen bei Blähungen

Oft helfen schon verschiedene natürliche Mittel und einfache Gegenmaßnahmen, um Blähungen zu bekämpfen und den Bauch zu entkrampfen.

Wenn keine Erkrankung vorliegt, die eine ärztliche Therapie oder Ernährungstherapie erfordert, helfen bei Blähungen in der Regel schon bestimmte natürliche Mittel, die nachfolgend noch beschrieben werden und einfache Maßnahmen, den Darm wieder zu entspannen

Entlasten lässt sich der Darm bereits durch mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt, da diese schonender sind als weinige, aber dafür große Mahlzeiten.

Bei der Auswahl der Lebensmittel empfehlen Experten auf belastende und aufblähende Speisen zu verzichten. Insbesondere Rohkost sollte wegen der bähnennden Wirkung nach 19.00 Uhr nicht mehr verzehrt werden. Auch auf kohlensäurehaltige udn zuckereiche Getränke sollte man verzichten. Auch der Verzicht auf Alkohol und Rauchen zählt zu den entlastenden Faktoren. Bei der Zusammenstellung von geeigneten Lebensmitteln und Speisen kann eine Ernährungsberatung im Zweifelsfall unterstützen.

Ebenso hilft langsames und gründliches Kauen sowie die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit dabei, den Darm zu entlasten. Wer schnell isst, fördert dadurch Blähungen, denn er schluckt viel Luft dadurch, die wieder aus dem Darm entweichen muss.

Auch regelmäßige Bewegung regt die Darmtätigkeit an und unterstützt die geregelte Verdauung und wirkt der Flatulenz entgegen. Besonders eignet sich das Spazierengehen und andere leichte Bewegung.

Daneben wirkt die sanfte Wärme einer Wärmflasche oder ein warmes Vollbad bei Blähungen entspannend.

Entspannend wirkt außerdem eine Bauchmassage, bei der die Bauchdecke im Uhrzeigersinn sanft mit leichtem Druck in kreisenden Bewegungen massiert wird.

Sofern die Auslöser psychisch sind, bieten sich verschiedene Entspannungsmethoden oder psychologische Therapien an.

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Kräuter und Gewürze

Heilkräuter und Gewürze gegen Blähungen

Wirksame Naturheilmittel

Eine Vielzahl natürlicher Mittel kommt bei Blähungen zum Einsatz. Naturheilmittel haben bei Beschwerden des Verdauungstrakts eine lange Tradition. Günstig bei Blähbauch und starken Blähungen wirken neben warmen Wickeln unter anderem verschiedene Hausmittel als Teezubereitung.

Bewährt haben sich hierbei neben Artischockenblättern und Kümmel außerdem Kamille und Ingwer. Zu den traditionellen Hausmitteln bei Beschwerden im Verdauungstrakt zählen aber auch Fenchel, Pfefferminze und Anis ebenso wie Petersilienwurzel und Kurkuma.

Manche schwören auf Apfelessig. Hierzu werden 2 Esslöffel Apfelessig in handwarmem Wasser aufgelöst und vor dem Essen getrunken. Auch warmes Zitronenwasser unterstützt die Verdauung, lindert Blähungen und fördert den Abtransport schädlicher Stoffwechselprodukte.

Rollkur ist ein Hausmittel gegen Blähungen

Eine Rollkur kann bei Blähungen helfen, damit sich die Gase im Darm leichter lösen. Bei der Rollkur trinkt man eine Tasse Kamillentee und legt sich anschließend auf den Rücken. In einem Abstand von jeweils 5 Minuten wechselt man erst auf die linke Seite, dann auf den Bauch und die rechte Seite, bis man wieder auf dem Rücken liegt.

Rezeptfreie Mittel bei Blähungen

Erhältlich sind einige Arzneimittel und Medikamente ohne Rezept. Bei gesunden Personen ist eine ärztliche Behandlung bei Blähungen in den meisten Fällen nicht erforderlich und auch Ärzte verweisen in der Regel oft auf bewährte Hausmittel und empfehlen rezeptfreie Arzneimittel. Wenn eine medikamentöse Behandlung bei Blähungen nötig ist, kommen in der Regel krampflösende Mittel oder auch Schmerzmittel zum Einsatz.

Apothekenpflichtige Präparate gegen Blähungen

Daneben können bei krampfartigen Bauchschmerzen nicht verschreibungspflichtige krampflösende Mittel und mit dem Wirkstoff Butylscopolamin eingesetzt werden. Es gibt sie in Form von Tropfen, Tabletten, als Suspension und auch als Zäpfchen.

Sind die durch die Blähungen ausgelösten Schmerzen stärker, eignen sich beispielsweise spezielle rezeptfreie, aber apothekenpflichtige Präparate wie Buscopan Plus in Form von Filmtabletten oder Zäpfchen. Dies Mittel enthält neben dem Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid auch Paracetamol, was zudem schmerzlindernd wirkt. Allerdings empfiehlt der Hersteller, das Präparat nicht länger anzuwenden, als in der Packungsbeilage vorgegeben ist. Gegenanzeigen bestehen unter anderem bei gleichzeitiger Einnahme von verschiedenen Psychopharmaka, Antihistaminika oder Gerinnungshemmern wie Warfarin und Gichtpräparaten wie Probenecid. Vor der Einnahme empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker.

Für Schwangere und Stillende sind in der Apotheke gegen die Winde entschäumende Präparate erhältlich, die auch für Säuglinge geeignet sind. Diese zerstören die Gasblasen im Darm. Eingenommen werden können die rezeptfreien Mittel in Form einer Kautablette oder als Suspension.

Verdauungsenzyme

Bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wird die Einnahme von Verdauungsenzymen in Form von Tabletten nur nach ärztlicher Rücksprache empfohlen.

Probiotika

Bei Blähungen, die auf eine gestörte Darmflora zurückzuführen sind, eignen sich dagegen sogenannte Probiotika. Die rezeptfreien Präparate enthalten Darmbakterien, um die Regeneration der Darmflora zu unterstützen. Sie kommen auch im Rahmen einer Mikrobiologischen Therapie (Darmsanierung) zum Einsatz.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 01/2016 | aktualisiert 09.01.2026
Bildquelle: © Bild von Silvia Pixabay.com

Quellen:

Herold, Gerd. Innere Medizin.2012.Verlag Herold

Biesalski, H.-K. Ernährungsmedizin. 4. Auflage 2010. Verlag Thieme

Harding, Jennie. Die Welt der Kräuter. Kräuter und Heilpflanzen kennen und nutzen lernen. ISBN 1-40545-230-7

Krieger, Susann. Pathologie-Lehrbuch für Heilpraktiker: Nachschlagewerk mit Therapiehinweisen. 6. überarbeitete Auflage 2011. Verlag Haug

Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

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