Blähungen – wenn es im Bauch rumort…

DEFINITION & BESCHREIBUNG

Als Blähungen (Flatulenz) bezeichnet man den vermehrten Abgang von Gasen über den After. Die oft unangenehm riechenden Gase können harmloser Natur sein oder auch ernsthafte Ursachen haben. Zu Schmerzen kann es bei Blähungen dann kommen, wenn sich der Darm stark verkrampft und an seinen Krümmungen links und rechts die Luft eingeklemmt wird. 

Die bei Blähungen entweichenden Gase, auch Winde genannt, entstehen im Dickdarm durch die bakterielle Spaltung von Kohlenhydraten (Gärung) und Eiweißen (Fäulnis). 

Für den Geruch der Darmluft ist ein Gemisch aus Kohlendioxid, Wasserstoff, Stickstoff, Ammoniak, Methan sowie Schwefel und anderen Gärungsprodukten verantwortlich. Bis die Gase die enge Passage durch den Darm überwunden haben, vergeht etwa eine halbe Stunde.

VERSCHIEDENE URSACHEN MÖGLICH

In der Regel haben die entweichenden Gase natürliche Ursachen und wenige Blähungen am Tag sind durchaus normal. Ärztliche Hilfe wird dann empfohlen,  wenn keine Erklärung für das vermehrte Auftreten von Blähungen zu finden ist oder die Überblähung ungewohnt stark und schmerzhaft ist. Auch begleitende Anzeichen wie Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Blut im Stuhl oder wiederholt auftretende oder anhaltende Brustschmerzen geben Anlass zu einer ärztlichen Untersuchung.

Als Orientierungshilfe gilt, wenn Blähungen häufiger als 24 mal am Tag auftreten, könnte das außerhalb der Norm liegen und Grund für eine ärztliche Untersuchung sein.

Psychische oder ernährungsbedingte Ursachen für Blähungen

Harmlose Blähungen äußern sich manchmal vorübergehend nach dem Essen oder Trinken im Zusammenhang mit Symptomen wie Bauchkneifen, Völlegefühl oder einem Blähbauch, während starke Blähungen oft mit einem gewölbten und gespannten Bauch einhergehen. Auch Symptome wie stechende krampfartige Bauchschmerzen treten bei starken Blähungen auf, in einigen Fällen zusammen mit Durchfall. Wenn starke Blähungen häufiger wiederkehren, erkunden Ärzte in der Regel die Ursache.

Verschiedene Auslöser kommen in Frage:

  • Verstopfung
  • Durchfall
  • Verschlucken von Luft (Aerophagie) ausgelöst z.B. durch Stress, Nervosität oder Zeitnot
  • Übermäßige Gasbildung bei der Verdauung gesunder, ballaststoffreicher blähend wirkender Nahrungsmittel, z.B. bei Hülsenfrüchten wie Erbsen, Kohl, Zwiebeln
  • Kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee, Alkohol
  • Fette Lebensmittel
  • Diätprodukte,  Fertiggerichte und Getränke, die oft blähende Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Fruktose enthalten
  • Aufbau-, Sonden- und Trinknahrung

Körperlich bedingte Ursachen für Blähungen

  • In der Schwangerschaft: viele Frauen leiden neben Bauchenge unter hormonbedingter Darmträgheit mit verstärkter Gasbildung
  • Im Säuglingsalter: Ursachen für häufige Überblähungen in den ersten Lebensmonaten noch ungeklärt
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Fructosemalabsorption, Lactoseintoleranz oder Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Reizdarmsyndrom
  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Blindsacksyndrom: Bakterielle Fehlbesiedlung
  • Dünndarmparasiten (Giardia lamblia)
  • Kurzdarmsyndrom nach Darmresektion
  • Geschwülste
  • Darmverengungen
  • Arzneimittel mit Wirkstoffen wie Miglitol, Acarbose
  • Meteorismus (Blähbauch)

Notfälle im Zusammenhang mit Blähungen, in denen ein Notarzt erforderlich ist

Akute Überblähungen in Zusammenhang mit starken Bauchschmerzen können Hinweise auf selten auftretende Notfälle sein, die jedoch einen Notarzt erfordern (Notrufnummer 112):

  • Darmlähmung
  • Magenlähmung
  • Darmverschluss

Je nach Art der Bauchschmerzen und der begleitenden Beschwerden können weitere notfallmäßige Ursachen in Betracht kommen:

  • Gallenkolik (Hinweis: rechtsseitige Bauchschmerzen)
  • Herzinfarkt (Überblähung mit linksseitigen krampfartigen Schmerzen möglicherweise weiter begleitet von Atemnot, Schwindel, Herzstolpern, Schweißausbrüchen oder Brustschmerzen)

Mögliche Maßnahmen bei Blähungen

OFT SCHON NATÜRLICHE MITTEL UND EINFACHE GEGENMASSNAHMEN HILFREICH

Wenn keine ärztliche Therapie oder Ernährungstherapie aufgrund einer Erkrankung notwendig wird, können bei Blähungen einige natürliche Mittel und Maßnahmen helfen, den Darm zu entspannen. Beispielsweise eignen sich mehrere kleinere Mahlzeiten bereits dazu, den Darm zu entlasten.

Bei der Auswahl der Lebensmittel kann man auf belastende und aufblähende Speisen verzichten. Rohkost sollte man 19.00 Uhr nicht mehr verzehren – eine Ernährungsberatung kann im Zweifelsfall unterstützen.

Ebenso hilft langsames und gründliches Kauen und die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit, den Darm zu entlasten. Wer schnell isst, schluckt viel Luft, die wieder aus dem Darm entweichen muss.

Regelmäßige Bewegung regt die Darmtätigkeit an und unterstützt die Verdauung.

Auch sanfte Wärme in Form einer Wärmflasche oder eine warmes Vollbad kann bei Blähungen entspannend wirken.

Entspannend wirken kann außerdem eine Bauchmassage, bei der die Bauchdecke im Uhrzeigersinn sanft mit leichtem Druck in kreisenden Bewegungen massiert wird.

Sofern die Auslöser psychisch sind, bieten sich verschiedene Entspannungsmethoden oder psychologische Therapien an. Auch der Verzicht auf Alkohol und Rauchen zählen zu den entlastenden Faktoren.

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Natürliche Mittel bei Blähungen

Naturheilmittel haben bei Beschwerden des Verdauungstrakts Tradition. Als günstig beim Blähbauch und starken Blähungen haben sich neben warmen Wickeln u.a. verschiedene Hausmittel als Teezubereitung erwiesen:

  • Artischockenblätter
  • Kümmel
  • Kamille
  • Ingwer
  • Fenchel
  • Pfefferminz
  • Anis
  • Petersilienwurzel
  • Kurkuma

HAUSMITTEL ROLLKUR

Eine Rollkur kann dabei helfen, dass sich bei Blähungen die Gase im Darm leichter lösen. Bei der Rollkur trinkt man eine Tasse Kamilletee und legt sich im Anschluss auf den Rücken. In einem Abstand von jeweils 5 Minuten wechselt man erst auf die linke Seite, dann auf den Bauch und auf die rechte Seite, bis man wieder auf dem Rücken liegt.

REZEPTFREIE ARZNEIMITTEL UND MEDIKAMENTE

Eine ärztliche Behandlung wird bei Blähungen in den meisten Fällen bei gesunden Personen nicht erforderlich und auch die Ärzte verweisen in der Regel oft auf bewährte Hausmittel. Bei einer medikamentösen Behandlung kommen  krampflösende Mittel oder auch Schmerzmittel zur Anwendung.

In der Apotheke gibt es bei Blähungen entschäumende Präparate, die für Schwangere, Stillende oder Säuglinge geeignet sind und die Gasblasen im Darm zerstören. Eingenommen werden die rezeptfreien Mittel als Kautablette oder Suspension.

Daneben können bei krampfartigen Bauchschmerzen nicht verschreibungspflichtige krampflösende Mittel und krampflösende Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Butylscopolamin eingesetzt werden. Es gibt sie in Form Tropfen, Tabletten und auch als Zäpfchen.

Besonders bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wird die Einnahme von Verdauungsenzymen in Form von Tabletten nur nach ärztlicher Rücksprache empfohlen.

Bei Blähungen, die auf eine gestörte Darmflora zurückzuführen sind, eignen sich sogenannte Probiotika. Die rezeptfreien Präparate enthalten Darmbakterien, um die Regeneration der Darmflora zu unterstützen. Sie kommen etwa auch im Rahmen einer Mikrobilogischen Therapie (Darmsanierung) zum Einsatz.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Herold, Gerd: Innere Medizin.2012.Verlag Herold

Biesalski, H.-K.: Ernährungsmedizin. 4. Auflage 2010. Verlag Thieme.

Harding, Jennie: Die Welt der Kräuter. Kräuter und Heilpflanzen kennen und nutzen lernen. ISBN 1-40545-230-7

Krieger, Susann: Pathologie-Lehrbuch für Heilpraktiker: Nachschlagewerk mit Therapiehinweisen. 6. überarbeitete Auflage 2011. Verlag Haug.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 01/2016  aktualisiert 5/2018

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