Bor ist Bestandteil wichtiger Stoffwechselprozesse

Bor ist ein seltenes Halbmetall, das auch im menschlichen Körper verschiedene Funktionen übernimmt. Bislang zählt es nicht zu den lebensnotwendigen Ultraspurenelementen. Bor gelangt sowohl über die Verdauungsorgane wie auch über die Haut in den menschlichen Körper. Die größten Borquellen sind Lebensmittel und Haushaltsprodukte. Das Element kommt im Körper in Form von Borsäure vor und spielt auch nur in dieser chemischen Form eine Rolle bei verschiedenen wichtigen Stoffwechselprozessen. Nachweisbar ist das Ultraspurenelement in Knochen, Fingernägeln und Haaren, ausgeschieden wird es hauptsächlich über die Nieren.

Bor ist für Tiere lebensnotwendig und könnte es auch für den Menschen sein

Trotzdem Bor beim Menschen aktuell als nicht lebensnotwendig eingestuft wurde, haben verschiedene neuere Tierstudien ergeben, dass es jedoch für Tiere essentiell ist. Derzeit diskutieren Forscher auf dieser Basis, ob Bor möglicherweise ebenfalls für den Menschen lebensnotwendig sein kann.

Aktuell ist die Studienlage zur Wirkung und Funktion von Bor beim Menschen nicht eindeutig geklärt und nur wenige körperliche Zusammenhänge wurden bislang wissenschaftlich nachgewiesen. Der Nachweis, dass Bor lebensnotwendig sein könnte, ist durch den geringen Körperanteil des Elements erschwert. Und nach Auffassung der Forscher ist der aktuelle Forschungsstand aus den Tierstudien nicht unbedingt genauso auf den Menschen übertragbar. Hinzu kommt, dass verschiedene Studienergebnisse, die zunächst eine essenzielle Wirkung und Funktion von Bor beim Menschen zeigten, sich in nachfolgenden Studien nicht mit eindeutigen Effekten wiederholen ließen.

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Anzeichen von Bormangel

Von Bormangel sprechen die Experten aktuell nur in Verbindung mit Tieren. Beim Menschen könnte es erst zu einem Bormangel kommen, wenn Bor auch für den Menschen als essentielles Ultraspurenelement eingestuft würde.

Kommt es beim Menschen zu Anzeichen aufgrund zu geringer Borversorgung, handelt es sich begrifflich daher nicht um einen Bormangel, sondern um eine Borunterversorgung.

Auf eine Unterversorgung mit Bor kann der menschliche Körper mit verschiedenen Anzeichen und Beschwerden reagieren. Eine Unterversorgung mit Bor wird für den Menschen mit verschiedenen Beschwerden in Zusammenhang gebracht.

Anzeichen der Unterversorgung mit Bor

In diesem Zusammenhang wiesen Forscher auch nach, dass eine borarme Ernährung beim Menschen den Vitamin-D-Spiegel im Blut senkt.

Zu niedrige Boraufnahme fördert Arthritis

Zudem wurde ein Zusammenhang zwischen niedriger Boraufnahme im Körper und häufigem Arthritis-Aufkommen hergestellt. Den Untersuchungen nach, nehmen Menschen in Ländern mit hohem Arthritis-Anteil nur etwa 1-2 mg Bor über die tägliche Ernährung auf, während in Ländern mit niedrigen Arthritis-Aufkommen etwa 5-10 mg täglich mit der Ernährung zugeführt werden.

Bor schützt vor Mineralstoffverlust nach Menopause

Eine weitere Untersuchung ergab, dass die Gabe von 3 mg Bor bei Frauen nach der Menopause dazu führte, dass über den Urin weniger essenzielle Nährstoffe verloren gingen, die für die Knochengesundheit wichtig sind. Die untersuchten Frauen schieden etwa 40% weniger Kalzium, 33 % weniger Magnesium und etwas weniger Phosphor aus.

Borgabe steigert Hormonspiegel nach Menopause

Außerdem ergab sich bei den Frauen nach Borgabe von 3 mg ein doppelt so hoher Blutspiegel mit dem aktivsten Östrogen 17-Beta-Östradiol, vergleichbar mit dem Wert, wie er während einer Östrogentherapie gefunden wird. Auch das männliche Hormon Testosteron und Östradiolvorstufen ergaben im Blut doppelt so hohe Konzentrationen.

Mangel an Bor: Unterversorgung feststellen

Eine ärztliche Untersuchung kann bei Verdacht auf Borunterversorgung Klarheit bringen. Ob eine Unterversorgung mit Bor besteht, wird in der Regel durch einen Blutest ermittelt.

Auch Selbsttests mit Laborauswertung können einen ersten Hinweis auf Borunterversorgung geben.

Folgen zu hoher Boraufnahme

Hohe Bormengen können schädlich sein. In sehr hohen Mengen kann Bor giftig wirken und neben anderen Störungen auch Enzymaktivitäten hemmen. Bei der erhöhten Boraufnahme wurden Kopfschmerzen, Durchfälle oder Nierenschäden beobachtet.

Boraufnahme

Die Versorgung mit Bor gilt generell als ausreichend. In Deutschland wird die Aufnahme von Bor über die normale Nahrung und das Wasser generell als ausreichend eingeschätzt. Veganer und Vegetarier versorgen sich wegen des hohen Gemüsekonsums nach geltender Experteneinschätzung ausreichend mit dem Spurenelement.

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Funktionen und Wirkungen im Körper

Bor hemmt den wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge den vorzeitigen Abbau von Testosteron und anderen Steroidhormonen im Körper. Es gibt zudem Hinweise, dass Bor, bzw. Borverbindungen an der Bildung von körpereigenen Steroidhormonen wie Östrogen, Testosteron und Vitamin D beteiligt sind.

Ein Mangel des Geschlechtshormons Testosteron wird nicht nur mit verringerter Muskelmasse, sondern außerdem mit erhöhter Fetteinlagerung und einem erhöhtem Risiko für Tumorerkrankungen und Herzerkrankungen verbunden.

Auch Frauen können von Testosteronmangel betroffen sein.

Zu weiteren Funktionen und Wirkungsweisen von Bor im menschlichen Körper äußern Forscher verschiedene Vermutungen. Bor könnte demnach nicht nur für die Hirnfunktion von Bedeutung sein, sondern auch Einfluss auf Motorik und Aufmerksamkeit nehmen.

Wissenschaftler vermuten außerdem, dass Bor daran beteiligt ist, den Abbau der schützenden Hyaluronsäure zu hemmen und auch eine Beteiligung des Halbmetalls an Transportprozessen in den Zellen schließen sie nicht aus. Weiter gibt es Hinweise darauf, dass Bor die Knochengesundheit beeinflussen und vor Kalziumverlust schützen könnte. Auch eine Rolle an der Funktion des Immunsystems wird angenommen.

Wirkung von Bor ist in Salbe bei Neurodermitis wissenschaftlich anerkannt

Wissenschaftlich anerkannt ist aktuell die Wirkung von Bor in einer Salbe gegen milde bis mittelschwere Neurodermitis, die in den USA bereits zugelassen ist. Die Salbe mit dem Wirkstoff Bor brachte die Neurodermitis in Studien besser und schneller zur Abheilung, als Salben ohne Wirkstoff. Das Element war bei vielen Studienteilnehmern fähig, den pathogenen Kreislauf durchbrechen, indem es an die metallenen Elemente Zink und Magnesium andocken konnte, die sich im Zentrum des Enzyms Phosphodiesterase befanden.

So hob Bor die Wirkung von Phosphodiesterase auf. Die borhaltige Salbe gilt gleichzeitig besonders bei Kindern mit Neurodermitis als Alternative, weil sie in den Untersuchungen bei längerer Anwendung mit wesentlich weniger Nebenwirkungen verbunden war, als die sonst eingesetzten Kortikoide oder Calcineurinhemmer.

Als häufigste Nebenwirkung nannten die Teilnehmer bei der Borsalbe stechende und brennende Schmerzen am Anwendungsort.

Gehalte von Bor in der Ernährung

Bor kommt nicht in allen Lebensmitteln vor. Vorwiegend ist Bor in Obst und Gemüse enthalten. Auch Milch, Milchprodukte, Mineralwasser und Trinkwasser enthalten Bormengen. Es kommt beispielsweise in Lebensmitteln in folgenden Mengen vor:

Pfirsich (7 mg/100 g), Gurke (3,6 mg/100 g), Trockenpflaume (2,7 mg/100 g), Nüsse (2 mg/100 g), Sellerie (1,1 mg/100 g), Avocado (1 mg/100 g), Rotwein (0,9 mg/100 g), Tomate 0,1 mg/100 g), Rettich (2,1 mg/100 g), Getreide (0,6 mg/100 g)

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Natürlich kommt Bor häufig in Lebensmitteln in Form von komplexen Verbindungen mit Zuckern, Vitamin B2, B6 und Vitamin C vor.

Weitere Einsatzgebiete

Das Element Bor zeigt viele positive Eigenschaften und wird deshalb auch in der Industrie gerne eingesetzt. Es wirkt nicht nur antiseptisch und flammenhemmend, sondern dient gleichzeitig in vielen Produkten des täglichen Lebens als Konservierungsmittel und Weichmacher. Besonders häufig kommt das Metall in Produkten vor, die mit Lebensmitteln in direkter Verbindung stehen.

Boraufnahme aus anderen Quellen

Aufgenommen wird das Element Bor vom Körper aber nicht nur über die tägliche Ernährung, Trinkwasser und Mineralwasser, sondern es kann ebenso direkt über die Haut in den Körper gelangen. Häufig ist das Metall auch Bestandteil von Arzneimitteln, Kosmetika, Spielzeug, Waschmitteln, Klebstoffen oder Teppichen.

Tagesbedarf und Aufnahmemenge von Bor

Aktuell liegt kein Referenzwert für Bor. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) hat keinen Referenzwert für die tägliche Borzufuhr festgelegt, da es sich bei dem Element bislang nicht um ein essentielles Spurenelement handelt.

Die tägliche Boraufnahme beträgt ungefähr 1-3 mg.

Folgende Stoffe können wahrscheinlich Aufnahme und Wirkung ungünstig beeinträchtigen:

  • Gechlortes Wasser
  • Alkohol
  • Chlorhaltige Antibiotika
  • Halogenisierte Kohlenwasserstoffe

Bor in Nahrungsergänzungsmitteln

Ein Zusatz von Borsäure oder Borax in Nahrungsergänzung ist hierzulande wieder erlaubt. Nahrungsergänzungsmittel zählen zu den Lebensmitteln und bieten Nährstoffe in konzentrierter Form. Erhältlich sind sie häufig in verschiedenen Formen, etwa als Tropfen, Tablette oder Kapseln. Die Höchst- und Mindestmengen der Vitamine und/oder Mineralstoffe, die darin enthalten sein dürfen, legt für jeden einzelnen Bestandteil die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit fest (EFSA) fest.

Bis vor einigen Jahren war in Deutschland die Zugabe in Form von Borsäure oder Borax in Nahrungsergänzungsmitteln verboten. Seitdem die Europäischen Richtlinien gelten, ist das Element in Nahrungsergänzungsmitteln wieder erlaubt. Zugelassene Substanzen sind Borsäure und Natriumborat.

Borhaltige Nahrungsergänzungsmittel gelten nur in bestimmter Höhe als sicher

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schätzt aufgrund einer gesundheitlichen Bewertung, dass die Boraufnahme von 1 mg täglich über Nahrungsergänzungsmittel nicht gesundheitsschädlich sein dürfte.

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Nahrungsergänzungsmittel mit Bor für einige Gruppen nicht empfohlen

Nicht sicher ist, ob hohe Überdosierungen ein Gesundheitsrisiko darstellen. Hier besteht nach Ansicht des BfR noch Forschungsbedarf.

Eine zu hohe Borzufuhr zeigte im Tierversuch reproduktionstoxische und hormonbeeinflussende Wirkung.

Daher empfiehlt der BfR derzeit verschiedenen Bevölkerungsgruppen eine zusätzliche Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel mit Bor zu vermeiden.

Diese Bevölkerungsgruppen sind:

  • Kinder
  • Schwangere
  • Stillende Frauen
  • Frauen in den Wechseljahren, die keine Menstruation mehr haben und eine Hormontherapie durchführen
  • Männern mit verminderter Fruchtbarkeit

Bor wird auch in homöopathischen Mitteln eingesetzt.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016 | aktualisiert 18.12.2022

Quellen und weiterführende Informationen:

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