Studienlage zur Giftigkeit von Bor widersprüchlich

KEINE DEFINITION BEI BOR ZUM SICHERHEITSBEREICH

Zur Überdosierung von Bor in Form von Borax und Borsäure gibt es bislang mehrere Untersuchungen, die zum Teil unterschiedliche Ergebnisse zeigten. Einige Ergebnisse beziehen sich auf negative Wirkungen bei verschiedenen Tierarten. Allerdings halten Forscher es aktuell nicht für gesichert, dass sich die negativen Wirkungen bei zu hohen Gaben von Bor im Ganzen so auf den Menschen übertragen lassen.

Als gesichert gilt bislang, dass überschüssige Borgehalte im Körper viele wichtige Enzymaktivitäten hemmen und weiterer Forschungsbedarf besteht, um den Sicherheitsbereich von Borgaben genau bestimmen zu können.

Auch bei Menschen kam es nach Borgaben schon zu körperlichen Reaktionen, die unterschiedlich ausfielen. In dem Zusammenhang wird von einem Todesfall berichtet, bei dem ein Kind nach der Aufnahme von 1 g Bor starb. Berichtet wird dagegen aber von Erwachsenen, die eine Vergiftung, bzw. Überdosierung von 300 g Bor ohne das Auftreten von Spätschäden überlebten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft eine tägliche Boraufnahme zwischen 1 und 13 mg als sicher ein.

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TIERSTUDIEN STELLTEN NEGATIVEN EINFLUSS AUF FRUCHTBARKEIT UND ENTWICKLUNG DES FÖTUS FEST

Studien an Kaninchen, Mäusen und Ratten hatten ergeben, dass hohe Borgaben negative Wirkungen auf die Fortpflanzung und Entwicklung eines Fötus ausüben können. Hochkonzentriert führte Bor nicht nur zu einer verminderten Beweglichkeit der Spermien, sondern auch zur Rückbildung von Gewebe und Zellschäden an den Hoden. Je nach Höhe der verabreichten Dosis kam es bei einigen Tieren zu Skelettveränderungen und zur Gewichtsabnahme bei Feten.

Untersuchungen an Menschen bei zu niedriger und erhöhter Boraufnahme ergaben in Bezug auf die Fruchtbarkeit bislang jedoch keine negativen Einflüsse.

Kühe reagierten auf eine langfristige Borgabe von 150-400 mg/Liter im Trinkwasser mit reduzierter Futteraufnahme, Wachstumsdefiziten und verringerten Hämoglobinwerten.

VERGIFTUNGEN DURCH BORWASSER

Nach der Verwendung von Borwasser in den Augen wurden immer wieder Bor-Vergiftungen gemeldet. Die Borsäure im Borwasser wirkt antiseptisch und adstringierend und wurde deshalb früher als Wirkstoff in der Augenheilkunde eingesetzt. Heute ist Borsäure immer noch in Augensalben und Augentropfen enthalten, sie dient allerdings nur noch als Isotonisierung und zur Pufferung, nicht mehr als Wirkstoff. Borsäure ist außerdem Bestandteil verschiedener homöopathischer Mittel.

BORSÄURE UND BORAX ALS KONSERVIERUNGSSTOFF IN LEBENSMITTELN

Bis zum Jahr 1981 mass man dem Element Bor keine Bedeutung in der Ernährung bei. Heute wird synthetisch hergestellte Borsäure in der Lebensmittelindustrie unter der Bezeichnung E 284 als Konservierungsstoff eingesetzt, der ausschließlich in echtem Kaviar eingesetzt werden darf. Borax, das unter der E-Nummer 285 ebenfalls nur für Kaviar zugelassen ist, wird aus natürlichem Material hergestellt.

IN TRINKWASSER GILT GERINGERER BORGEHALT ALS IN MINERALWASSER

Während nach der Trinkwasserverordnung vom 21.05.2001 in Deutschland ein Grenzwert von 1 mg Bor pro Liter Trinkwasser einzuhalten ist, liegt der höchste bekannte Borgehalt im Trinkwasser bei 4,35 mg pro Liter. Mineralwasser enthält durchschnittlich 0,75 mg pro Liter, während im Trinkwasser selten mehr als 0,3 mg Borgehalt pro Liter gemessen werden.

Borverbindungen mit vielen Wirkungen

ULTRASPURENELEMENTE KOMMEN NATÜRLICH VOR

Borax kommt als anorganische Borverbindung in Konzentrationen von 10 ppm bis 8000 ppm in der Erdkruste vor. Aus dem Süßwasser treten jährlich schätzungsweise bis zu 4 Millionen Tonnen flüchtige Borsäure in die Atmosphäre aus. Bor findet sich als Ultraspurenelement mit einer Konzentration von durchschnittlich 4.6 ppm unter den ozeanischen Salzen als zehnthäufigstes Element. Durchschnittlich enthalten Ackerböden zwischen 10 ppm und 20 ppm, wobei jedoch im Mittelmeergebiet und im Westen der USA ein wesentlich geringerer Borgehalt gemessen wird.

Borax (Dinatriumtetraborat-Decahydrat) ist auch unter dem Namen Natriumborat oder Tinkal bekannt und tritt in konzentrierter Form als natürliche Ablagerung in ausgetrockneten Salzseen (Boraxseen) und vulkanischen Schloten auf. Kommerzieller Abbau erfolgt etwa in indischen und kalifornischen Wüstengebieten. Verwendet wird Borax in Waschmittel und Seife sowie als Schmelzmittel in der Emailleverarbeitung, bei der Herstellung von hitzebeständigem Glas und als Glasur bei Porzellan und Steingut. Borax dient auch als Rohstoff zur Herstellung von Borsäure.

BORSÄURE IN KÖRPERFLÜSSIGKEITEN UND GEWEBEN

Im lebenden Organismus geht besonders die Borsäure mit den Hydroxylgruppen (-OH) unterschiedlicher Subszanzen, z.B. Zuckern, Coenzym B6, Vitamin B2 und Glycoproteinen beständige Verbindungen ein. Solche Borverbindungen dienen dem Körper nicht nur als Grundlage zur Produktion von Vitamin D, Testosteron und Östrogen, sondern sie wirken sich auch positiv auf Hirnstoffwechsel, Zellschutz und vermutlich auch auf die Knochengesundheit in Bezug auf Arthrose und Osteoporose aus.

Vermutet wird außerdem, dass Borverbindungen die Geschlechtshormone vor dem vorzeitigen Abbau im Stoffwechsel schützen. Beobachtungen ergaben, dass eine zu geringe Borzufuhr zu verminderter Aufmerksamkeit und verschlechterter Motorik führten. Bor unterstützt als „Wächter“ in Zellen Reparaturprozesse und verhindert zusammen mit Vitamin C und Bioflavonoiden den Abbau der schützenden Hyaluronsäure.

Während Wissenschaftler sich einig sind, dass Bor für verschiedene Tiere ein lebensnotwendiges Element ist, gilt es für den Menschen bis dato wegen ausstehender Beweise nicht als essentiell.

Borverbindungen können auch durch äußeren Kontakt in den Körper gelangen und sie reichern sich in menschlichem und tierischem Geweben an. Zu hohe Bormengen können dem Körper schaden.

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Chemische Unterschiede

BORVERBINDUNGEN MIT SAUERSTOFF SICHERN WICHTIGE KÖRPERFUNKTIONEN

Bor besitzt als 3-wertiges Element die Eigenschaft, komplexe Bindungen einzugehen, die je nach Bindungspartner neutral, positiv oder negativ geladen sein können. Je nach Art der Sauerstoffverbindung liegt Bor auch in Form von Borax oder Borsäure vor.

Borax mit der chemischen Formel Na2B4O5(OH)4 – 8H2O weist verschiedene Sauerstoffverbindungen auf. Einfache Borsäure besitzt die chemische Formel H3BO3. Bor bildet trigonale planare Verbindungen. Die trigonal planare Borsäure hat die chemische Formel B(OH)3.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Dr. Lothar Burgerstein et al. Burgersteins Handbuch Nährstoffe. Verlag Haug. 11 überarbeitete Auflage. 2007

Hans Konrad Biesalski, Josef Köhrle, Klaus Schürmann. Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Prävention und Therapie mit Mikronährstoffen. Verlag Thieme. Stuttgart. 2002.

BfR. https://mobil.bfr.bund.de/cm/343/zusatz_von_borsaeure_oder_borax_in_nahrungsergaenzungsmitt.pdf 

BfR: https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengen_fuer_bor_und_fluorid_in_natuerlichen_mineralwaessern_sollten_sich_an_trinkwasserregelungen_orientieren.pdf

A. Schobert. Zusatzstoffampel. Verlag Knaur. 2007

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 09/2018 | aktualisiert 05/2019

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