Viele Krankheiten, welche durch die Arbeitsbedingungen bei einem Bürojob entstehen, können präventiv verhindert werden.

LANGES SITZEN GEFÄHRDET DIE GESUNDHEIT

Schätzungsweise jeder zweite Berufstätige in Deutschland verbringt seinen Arbeitstag größtenteils oder vollständig vor dem Computer. Dadurch sitzen Erwachsene sowohl während der Arbeit als auch nach Feierabend durchschnittlich 9,3 Stunden pro Tag. Hinzu kommen durchschnittliche 7,7 Stunden Schlaf in der Nacht. Für Bewegung bleibt dabei nur wenig Zeit und genau das wird immer häufiger zur Gefahr für die Gesundheit. Wie die Wissenschaft mittlerweile weiß, ist langes Sitzen sogar ein größeres Gesundheitsrisiko als Stress und kann damit zu einem vorzeitigen Tod führen:

Schätzungsweise fünf Millionen Menschen sterben weltweit pro Jahr an Bewegungsmangel – Tendenz steigend. Damit geht etwa jeder zehnte Todesfall auf das lange Sitzen im (Büro-) Alltag zurück. Es fördert also typische Erkrankungen, die deshalb als Bürokrankheiten bezeichnet werden und die zum Tod führen können. Dazu gehören vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes sowie Krebserkrankungen. Aber auch andere Krankheiten, die zwar nicht tödlich sind, aber die Lebensqualität stark einschränken können, zählen zu dieser Liste, zum Beispiel Rücken- oder Augenbeschwerden.

WEITERE RISIKEN AM BÜROARBEITSPLATZ

Die Entstehung solcher Bürokrankheiten wird nicht nur durch das lange Sitzen am Arbeitsplatz gefördert. Auch weitere Faktoren können dabei eine Rolle spielen. Denn die typische Umgebung bei einem Bürojob birgt noch weitere Risiken. Dazu gehört Stress in Form von Zeit- oder Leistungsdruck bei der Arbeit. Hinzu kommen eventuell schlechte Lichtverhältnisse, eine fehlende Ergonomie am Büroarbeitsplatz oder eine falsche Ernährung, die wiederum zu Übergewicht oder anderen Folgeproblemen führen kann. Jedoch lassen sich viele dieser Bürokrankheiten präventiv verhindern, wenn die Arbeitsumgebung im Büro richtig gestaltet wird.

DIE HÄUFIGSTEN BÜROKRANKHEITEN IM ÜBERBLICK

Es lohnt sich daher, sich einmal intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn wer die typischen Risiken kennt und auf entsprechende Warnsignale des Körpers achtet, kann diese frühzeitig erkennen und behandeln – oder, besser noch, deren Entstehung von Vornherein verhindern. Zu diesen häufigen Bürokrankheiten gehören zum Beispiel:

  • Magen-Darm-Beschwerden

Bewegungsmangel, eine schlechte Ernährung und die Einschränkung der Durchblutung von Magen und Darm durch das Sitzen führen immer häufiger zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Verstopfung oder Durchfällen. Auch Stress spielt dabei in vielen Fällen eine Rolle. Der Darm wird durch das Sitzen zudem „eingequetscht“, sodass seine natürlichen Bewegungen eingeschränkt sind, was ebenfalls solche Beschwerden hervorrufen oder fördern kann. Wichtig ist deshalb, auf eine gesunde sowie ausgewogene Ernährung und eine aufrechte Körperhaltung bei der Arbeit zu achten. Wann immer möglich, sollte zudem
Bewegung in den Büroalltag gebracht werden, beispielsweise durch das Treppensteigen anstelle des Aufzugs.

Büro schmerzen

  • Kopfschmerzen / Migräne

Kopfschmerzen gehören zu den Beschwerden, die während oder nach der Büroarbeit vergleichsweise häufig auftreten. Sie machen sich durch einen Schmerz im Kopf bemerkbar, beispielsweise stechend oder pochend. Insgesamt werden 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen unterschieden. Sie treten entweder plötzlich auf oder entwickeln sich langsam. Gehen diese Kopfschmerzen mit weiteren Symptomen wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit oder Benommenheit einher, kann es sich um eine Migräneattacke handeln. Aber auch schlimmere Auslöser wie eine Gehirnblutung können dahinterstecken. Treten Kopfschmerzen also schlagartig und heftig auf, liegt ein Notfall vor.

Häufiger sind im beruflichen Kontext jedoch Kopfschmerzen, welche durch Stress, Muskelverspannungen oder eine Überlastung der Augen aufgrund der Bildschirmarbeit hervorgerufen werden. Präventiv sollte deshalb auf einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz geachtet werden, damit keine Verspannungen im Hals-Nacken-Bereich entstehen. Auch regelmäßige Lockerungsübungen zwischendurch sind hilfreich. Wer im Büro arbeitet, sollte zudem darauf achten, ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen, und zwar ohne Zucker oder künstliche Zusätze. Zusätzlich zum Kaffee, den viele Menschen bei der Arbeit konsumieren, empfehlen sich dafür Wasser oder Tee. Sollten die Kopfschmerzen dennoch sowie regelmäßig auftreten, könnte das ein Zeichen für Stress sein. Ein aktiver Stressabbau ist in solchen Fällen wichtig.

  • „Büroaugen-Syndrom“

Auch Bildschirmarbeit kann eine der vielen Bürokrankheiten auslösen. Die Arbeit am Bildschirm ist für die Augen eine große Anstrengung. Zusätzlich herrscht in vielen Büroräumen eine falsche Beleuchtung oder ein schlechtes Raumklima. Dadurch trocknen die Augen aus und sie beginnen zu brennen, zu jucken oder zu schmerzen. Solche​ Beschwerden werden als „Büroaugen-Syndrom“ bezeichnet. Ein ergonomischer Bildschirm in der richtigen Entfernung zu den Augen und eine gute Beleuchtung sind daher als Prävention wichtig. Zudem sollten bewusste Bildschirmpausen eingelegt werden, um Augenübungen durchzuführen und dadurch die Entstehung einer Fehlsichtigkeit zu verhindern.

  • Rückenbeschwerden

Es sind vor allem Stress und eine falsche Haltung am Büroarbeitsplatz, welche zu Muskelverspannungen und damit zu Rückenschmerzen führen können. Aber auch weitere Rückenbeschwerden wie ein Bandscheibenvorfall werden durch das lange Sitzen gefördert. Solche Erkrankungen am Rücken äußern sich meist durch Schmerzen direkt im Rücken, im Halsbereich oder in den Extremitäten, beispielsweise in den Armen oder Beinen. Denn eingeklemmte Nerven können eine Ausstrahlung der Schmerzen in den ganzen Körper hervorrufen, ebenso wie weitere Begleitsymptome, zum Beispiel Missempfindungen oder Taubheitsgefühle.

Frühzeitiges Handeln ist bei Rückenschmerzen wichtig, um eine unumkehrbare Schädigung von Nerven zu verhindern. Durch einfache Maßnahmen lassen sich Rückenbeschwerden durch die Büroarbeit nämlich in vielen Fällen verhindern. Dazu gehört ein ergonomischer Arbeitsplatz für eine gute Haltung am Schreibtisch. Gleichzeitig sollte die Position regelmäßig verändert werden, beispielsweise durch dynamisches Sitzen oder den Wechsel zwischen Sitz- und Steharbeitsplatz. Zudem ist es wichtig, möglichst viel Bewegung in den Arbeitsalltag einzubauen und beispielsweise die Pausen für schnelle Lockerungsübungen zu nutzen. Aber auch in der Freizeit können simple Verhaltensregeln dabei helfen, die Rückengesundheit zu fördern und dadurch die nachteiligen Effekte der Büroarbeit auszugleichen. Sollten dennoch regelmäßig Rückenschmerzen auftreten, kann Stress eine (weitere) Ursache sein.

  • Schmerzen in den Armen/Händen

Bei der Arbeit am Computer werden die Arme und Hände übermäßig sowie auf unnatürliche Weise belastet. Das kann zu Folgeproblemen wie einem Karpaltunnelsyndrom oder RSI-Syndrom führen. Sie äußern sich durch Schmerzen in den Armen oder Händen, die bis in den Schulter- oder Nackenbereich ausstrahlen können. Kam es bereits zu einer Nervenschädigung, sind auch Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle mögliche Symptome. Wichtig ist deshalb, mit einer ergonomischen Maus sowie Tastatur zu arbeiten und regelmäßige Pausen einzulegen.

Büro psychische Erkrankungen

  • Psychische Erkrankungen

Stress kann somit neben dem langen Sitzen ein Auslöser für Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, aber auch Magen-Darm-Probleme oder sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Er sollte daher ebenfalls als Risikofaktor bei der Büroarbeit wahrgenommen und behandelt werden. Erreicht der Stress nämlich ein zu hohes Level oder hält über einen zu langen Zeitraum an, kann er psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Abhängigkeiten oder ein Burnout-Syndrom fördern. Je nach Grunderkrankung, können die Symptome beispielsweise übermäßige Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Panikattacken oder Suizidgedanken sein – um nur einige von vielen möglichen Warnzeichen zu nennen.

Stressprävention und Stressabbau sind deshalb wichtige Themen für alle Menschen, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben. Wichtig ist es, entsprechende Alarmsignale zu erkennen und frühzeitig zu handeln, um die Entstehung solcher Folgekrankheiten präventiv zu verhindern. Dabei gilt es, sowohl im Inneren als auch im Außen anzusetzen. Ein gutes Stressmanagement hilft dabei , ist aber nicht in allen Fällen ausreichend. Auch eine Psychotherapie kann unterstützend wirken. Es empfiehlt sich zudem das Vieraugengespräch mit Kollegen oder Vorgesetzten, um eine belastende Situation zu ändern, sei es durch Leistungsdruck, Mobbing oder andere Ursachen. Als letzte Maßnahme kann ein interner oder externer Jobwechsel notwendig werden.

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten und zugleich gefährlichsten Bürokrankheiten. Sie können in einem Herzinfarkt oder Schlaganfall münden und damit zum Tod führen. Dabei kommen verschiedene Auslöser infrage. Neben​ dem langen Sitzen und dem Bewegungsmangel ist das ebenfalls übermäßiger Stress oder eine schlechte Ernährung. In vielen Fällen führt eine Kombination dieser Faktoren zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dementsprechend müssen auch mehrere Maßnahmen ergriffen werden, um diese präventiv zu verhindern.

Sollten jedoch bereits erste Symptome wie Bluthochdruck auftreten, müssen diese als Warnzeichen gewertet werden. Eine frühzeitige ärztliche Behandlung ist dann wichtig, um schlimmere Folgen zu verhindern. Sei es präventiv oder im Akutfall: Eine gesunde Ernährung, aktiver Stressabbau und möglichst viel Bewegung sind simple, aber wirksame Maßnahmen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Büroarbeit und potenzielle Folgen zu verhindern. Auch hier kann im Extremfall ein Jobwechsel notwendig werden – der eigenen Gesundheit zuliebe.

Autor: Renée Reismann
Datum: 24.09.2021

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