Wie Betroffene Anzeichen erkennen und gegensteuern

Ursache für Burnout ist der Alltagsstress im Berufsleben. Überfordert mit den Aufgaben im Büro, zu viele Anrufe vom Chef nach Feierabend und Kollegen, die hinter vorgehaltener Hand tuscheln – eine explosive Mischung. Auf lange Sicht können das Warnsignale für einen Burnout sein. Das Burnout-Syndrom ist seit Jahren immer wieder Thema. Anfangs sahen sich Patienten selbst beim Arzt skeptischen Blicken gegenüber.

Inzwischen ist die Gesellschaft dem Thema gegenüber offener geworden. Denn zunehmend mehr Beschäftigte spüren den Druck im Job. Unternehmen, die international agieren und sich an Deadlines halten müssen, egal, wie hoch der Krankenstand ist. Burnout ist eine Erkrankung, deren Ursachen im stressigen Alltag ruhen. Dessen Folgen belasten am Ende nicht nur die Psyche. Betroffene beginnen irgendwann auch physisch zu leiden.

Burnout: Weitere Verbreitung als angenommen

Der Dauerpower am Arbeitsplatz birgt Gefahren. Stress im Job ist phasenweise nicht ungewöhnlich. In der Gaming-Branche wird gern von der berüchtigten Crunchtime gesprochen, wenn kurz vorm Release eines Spiels die Überstunden scheinbar kein Ende nehmen. Das Problem: In den zurückliegenden Jahren hat sich die Arbeitswelt im Takt beschleunigt. Konzerne und Mittelständler arbeiten international, Mitarbeiter sind per E-Mail und Handy immer erreichbar. Selbst im öffentlichen Dienst erhöht die Digitalisierung die Schlagzahl.

Problematisch ist auch ein zunehmender Fachkräftemangel. Inzwischen klagen nicht nur Technologieunternehmen über zu wenige Spezialisten. Auch im Handwerk oder der Gastronomie stehen alle Ampeln in einigen Unternehmen auf Rot. Die Folge ist, dass Stress zum Dauerzustand wird. Arbeitnehmer sind irgendwann überfordert, der Burnout droht.

Wie weit ist der Burnout eigentlich verbreitet? Ende Mai 2019 wurde bekannt, dass Burnout seitens der WHO als eigenständiges Syndrom klassifiziert wurde  und damit in den ICD-Katalog aufgenommen wird. Burnout ist allerdings nicht als medizinischer Zustand eingestuft. Aktuell gibt es allerdings noch keine allgemeingültigen Standards in der Diagnose, was eine Bewertung der Häufigkeit des Krankheitsbildes erschwert. Ein Mangel, den laufende Studien wie die Dresdener Burnout Studie beheben wollen.

Wie wird Burnout offiziell definiert und eingestuft?

„Burn-out ist ein Syndrom, das als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz konzipiert wurde, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es zeichnet sich durch drei Dimensionen aus:

  • Gefühle von Energiemangel oder Erschöpfung;
  • erhöhte mentale Distanz zur eigenen Arbeit oder Gefühle von Negativität oder Zynismus in Bezug auf die eigene Arbeit; und
  • verminderte berufliche Wirksamkeit.“ (WHO Definition)

Symptome und Ursachen im Zusammenhang mit Burnout

Stress und Burnout hängen eng zusammen. Eine Ahnung davon, wie sehr Stress am Arbeitsplatz inzwischen belastet, vermittelt eine Umfrage der pronova BKK. Die Ergebnisse, unter anderem im Ärzteblatt veröffentlicht, belegen die hohen Belastungen im Job. Etwa zwei Drittel der Umfrageteilnehmer hätten Symptome geäußert, die auch im Zusammenhang mit Burnout auftreten.

  • Rückenschmerzen und/oder Erschöpfung: 61 Prozent
  • innere Anspannung: 59 Prozent
  • Schlafstörungen: 53 Prozent

Etwa die Hälfte der Befragten äußerte zudem die persönliche Einschätzung, von einem Burnout bedroht zu sein bzw. in eine Risikogruppe zu gehören.

Als Ursachen für die Probleme gelten von der im Ärzteblatt zitierten Umfrage:

  • Termindruck
  • Kundenstress
  • Mehrarbeit
  • Arbeitsklima

Anzeichen für Burnout erkennen: Worauf ist zu achten?

Die Anzeichen können sich körperlich oder psychisch äußern. Angesichts der bereits erwähnten Umfrageergebnisse lässt sich erahnen, welche Tragweite das Thema Burnout hat. Die Schwierigkeit besteht im Alltag darin, zwischen Überforderung allein aufgrund der beruflichen Situation und einer Kombination aus Beruf und Familie zu unterscheiden. Hintergrund: Viele Menschen kennen Phasen, in denen nicht nur der Beruf Tribut fordert. Spannungen mit dem Partner oder die Pflege eines nahen Familienangehörigen belasten Betroffene zusätzlich.

Es ist in dieser Konstellation sehr schwierig zu trennen. Das Problem: Burnout im eigentlichen Sinn, also nach der erwähnten ICD-Klassifikation, steht ausschließlich mit beruflich bedingtem Stress in Verbindung.

Die Anzeichen für einen Burnout können vielschichtig sein. Ein Teil der Symptome äußert sich körperlich, etwa durch Schlafmangel. Burnout wirkt sich aber auch auf die Psyche aus. Psychologen sprechen im Zusammenhang mit Burnout von der sogenannten Depersonalisierung.

Beispiel: Mitarbeiter mit sehr viel Kundenkontakt haben zunehmend stärkere Schwierigkeiten, sich in die Position von Mandanten und Kunden hineinzuversetzen. Dieser Aufbau einer wachsenden Distanz äußert sich in:

  1. Gleichgültigkeit
  2. Zynismus

Bei anderen Betroffenen wächst im zeitlichen Verlauf die innere Anspannung, sie werden zunehmend reizbar und leiden unter einer sich verstärkenden Antriebsschwäche. Eine sehr starke psychische Komponente beim Burnout ist das zunehmende Überwiegen von Misserfolgen. Betroffene haben das Gefühl, im Job auf der Stelle zu treten und nichts mehr zu erreichen. Fehlende Erfolgserlebnisse setzen einen Kreislauf in Gang.

In Bezug auf die körperlichen Anzeichen macht sich Burnout durch eine breite Palette verschiedener Symptome bemerkbar. Und solche Anzeichen lassen sich mitunter schon sehr früh erkennen.

Zu typischen Symptomen zählen unter anderem:

  • Schlafstörungen (können sich als Ein- und Durchschlafstörung äußern)
  • Muskelschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Blutdruckveränderungen (Bluthochdruck)
  • Verdauungsbeschwerden
  • Infektanfälligkeit

Stresshormone beeinflussen die körperlichen Abläufe

Ihre Ursache haben diese körperlichen Symptome im emotionalen Stress. Hintergrund is, dass der Körper in Stresssituationen verschiedene Hormone ausschüttet. Hierzu gehören unter anderem:

  1. Adrenalin
  2. Noradrenalin
  3. Glukokortikoide wie Cortisol

Dabei spielen die Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin vor allem in der Kurzzeitstressregulation eine Rolle. Bleibt über einen längeren Zeitraum das Stresslevel hoch, werden vermehrt die Glukokortikoide gebildet.

Was bedeutet es, wenn die Konzentration der Stresshormone langfristig erhöht ist? Beispiel Cortisol: Das Glukokortikoid wirkt sich auf den Kohlenhydratstoffwechsel und den Blutdruck aus. Setzt die CRH-induzierte (Corticotropin-Releasing Hormone) ein, droht bei Langzeitwirkung eine Gewichtsveränderung sowie die Anhebung des Blutdrucks. Ein dauerhaft zu hoher Blutdruck führt letztlich aber dazu, dass die Gefäßgesundheit nachlässt, was wiederum neue Probleme verursacht. Hingewiesen sei hier auf Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Ebenfalls eine blutdruckerhöhende Wirkung hat das Stresshormon Noradrenalin. Hierbei handelt es sich um einen Stoff, welcher in der Vermittlung des Fluchtreflexes eine wichtige Rolle spielt. Das Stresshormon steuert die Engstellung der Blutgefäße und erreicht damit die blutdrucksenkende Wirkung.

Wie sich Burnout frühzeitig verhindern lässt

Auch für Unternehmen wird Burnout zum Problem. Burnout war lange eine Diagnose, die nur in Einzelfällen gestellt wurde. Doch seit einigen Jahren dringt das Phänomen immer weiter in die Gesellschaft vor. Mittlerweile erkennen nicht nur Fachärzte die zunehmende Inzidenz. Auch Unternehmen beginnen langsam damit, die Probleme in Verbindung mit Burnout ernst zu nehmen.

Ein Grund: Burnout zieht lange Behandlungen nach sich. Dies bedeutet für Unternehmen hohe Kosten und erhebliche Schwierigkeiten, etwa in Bezug auf die Probleme einer Nachbesetzung oder Interimslösung.

Studienergebnisse, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zum Thema veröffentlicht wurden, sollen dazu beitragen, Arbeitgebern zu helfen, Depressivität und Burnout frühzeitig bei Arbeitnehmern auszumachen.

Möglich wird dieses durch komplexe Leistungstests in Verbindung mit EEG-basierten Methoden. Dadurch lassen sich frühzeitig betriebliche Maßnahmen ergreifen oder Therapien einleiten. Ein Ziel ist es auch, Arbeitsfaktoren die zu Burnout oder Depressivität führen, zu entdecken und zu verändern. Auch kognitive Defizite können mit solchen Leistungstests ausgemacht werden.

Eine Münchener Klinik hat einen Burnout-Selbsttest entwickelt, der das Burnout-Risiko schnell und kostenlos anhand von 21 abgefragten Indikatoren bestimmen kann und so eine erste grobe Orientierung schafft. Ausgewertet wird dabei der körperliche und emotionale Zustand. Das Ergebnis zeigt, ob möglicherweise eine Untersuchung und Behandlung anzuraten ist. In dem Fall wird darüber informiert, wo man als Betroffener Hilfe finden kann.

Die Prävention gewinnt damit zunehmend an Bedeutung. Wie kann die Entstehung von Burnout vermieden werden? Hier müssen letztlich verschiedene Bereiche ineinandergreifen. Auf der einen Seite sind Arbeitgeber gefragt. Das Lösen von der Vorstellung, Beschäftigte sind immer erreichbar, ist ein Schritt. Aber das Aufgaben- und Projektmanagement sind wichtige Stellgrößen, um belastende Mehrarbeit zu verhindern. Auf der anderen Seite muss jeder Arbeitnehmer selbstständig gegensteuern.

1. Nicht überall erreichbar sein

Zu den Auslösern für Burnout gehört der eigene Anspruch, immer erreichbar zu sein. Kopf und Körper brauchen Abstand vom Büro. Das Diensthandy bleibt abends aus.

2. Entspannungstechniken und Zeit für Freunde nehmen

Jeder, der sich vom Job unter Druck gesetzt fühlt sollte nach Inseln für Ruhe und Entspannung suchen. Diese können oft ganz unterschiedlich und vielschichtig ausfallen. Meditation, Massagen oder Yoga sind klassische Entspannungstechniken. Soziale Kontakte, wie das Treffen mit Freunden können genauso wirksam sein. Auch ein schönes und aktives Hobby ist als Ausgleich eine große Hilfe.

3. Prioritäten setzen

Wer das Gefühl hat, in Arbeit zu versinken, sollte nicht automatisch dem Chef die Schuld geben. Mitunter ist der springende Punkt auch eine fehlende Priorisierung anstehender Aufgaben. Um Druck abzubauen ist es hilfreich, Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit zu ordnen. Was nicht weiterbringt, steht hintenan, wichtige Tasks wandern nach vorn.

4. Kein Multitasking

Multitasking schafft viel in kurzer Zeit. Eine falsche Annahme. Multitasking erreicht oft eher das Gegenteil. Die einzelnen Aufgaben werden meist schlechter erledigt. Es bringt oft mehr, sich voll auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Fazit: Burnout keine Randerscheinung mehr

Arbeitnehmer und Unternehmen sind in der Verantwortung. Burnout und Boreout – beide Begriffe sind in den letzten Jahren häufiger zu hören. Es handelt sich dabei um Probleme im Job. Besonders der Burnout wird mit Stress und Überforderung in Verbindung gebracht. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer, zumindest, wenn Umfragen herangezogen werden, sehen sich als gefährdet. Es muss aber nicht soweit kommen. Burnout lässt sich präventiv verhindern. Damit dies in der Praxis funktionieren kann, sind Arbeitnehmer und Unternehmen gefragt. Denn bei beiden liegt ein Teil der Verantwortung.

Autor: Richard Sanders | aktualisiert durch die Redaktion
Datum: 08/2019 | 26.01.2023
Bild: ©Andrea Piacquadio@pexels.com (CCO Creative Commons Lizenz)

Quellen und weiterführende Informationen:

WHO – Mental Health Evidence – Burn Out

Dresdener Burnout-Studie

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua). Depressive Symptomatik, Burnout, arbeitsbezogene Faktoren und zentralnervöse Informationsverarbeitung

München Klinik. Selbsttest Burnout. Wie hoch ist Ihr Burnout-Risiko?

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