Häufigkeit

DOPPELT SO VIELE FRAUEN VON CHRONISCHER VERSTOPFUNG BETROFFEN

Die chronische Verstopfung betrifft in Deutschland etwa 5%-15% der Erwachsenen, wobei Frauen zweimal häufiger betroffenen sind als Männer. Das Auftreten nimmt mit dem Alter zu. Viele Frauen haben auch zyklusabhängig mit Veränderungen des Stuhls zu tun.

Definition & Beschreibung

UNBEFRIEGENDE STUHLENTLEERUNGEN BEI CHRONISCHER VERSTOPFUNG

Von einer chronischen Verstopfung spricht man nach aktueller Definition der deutschen Fachgesellschaften von 2013, wenn über unbefriedigende Stuhlentlehrungen berichtet wird, die seit mindestens 3 Monaten bestehen und mindestens zwei der folgenden Leitsymptome vorliegen:

  • Starkes Pressen
  • Klumpiger harter Stuhl
  • Subjektiv unvollständige Entleerung
  • Subjektive vollständige Verstopfung
  • Manuelle Manöver zur Erleichterung der Stuhlentleerung
  • Weniger als 3 Stühle pro Woche

NORMALE STUHLEIGENSCHAFTEN IM VERGLEICH

Bei normaler ballaststoffhaltiger Vollwert-Ernährung von bis zu 1000 Gramm pro Tag ist eine tägliche Stuhlmenge von 100 bis 500 Gramm täglich zu erwarten. Die Häufigkeit kann zwischen 3 mal täglich bis zu 3 bis 4 mal wöchentlich variieren. Der normale Stuhl ist von hellbrauner bis dunkelbrauner Farbe – er ist nicht besonders übelriechend und weist eine homogene Masse auf, die weich bis fest sein kann. Nach der Bristol-Stuhlformen-Skala ist ein wurstartiger Stuhl mit rissiger oder glatter Oberfläche ideal.

STÖRUNGEN INNERHALB DES TRANSPORTWEGES

Der Nahrungsbrei wird bei der Verdauung auf seinem Weg durch den Darmkanal wellenförmig durch die Darmmuskulatur weiterbefördert – dazu benötigt es ein laufendes Zusammenspiel von Kontraktion und Entspannung der Darmmuskulatur. Mehr als einhundert Millionen Nervenzellen sind daran beteiligt, diese Bewegungen der Muskelzellen und die Ausschüttung der Verdauungssäfte genau zu organisieren. Wenn jedoch diese wellenförmigen Bewegungen gestört werden, kann der Nahrungsbrei nicht zügig genug den Dickdarm passieren und es kommt zum vermehrten Wasserentzug durch die Darmschleimhaut. In der Folge kann der Stuhl fester werden und so den Transport und die Ausscheidung erschweren.

Daneben kann ein gestörter Entleerungsreflex im Enddarm und Analbereich ebenfalls zu Transportverzögerungen führen. Die normale Sensibilität des Entleerungsreflexes kann beeinträchtigt werden, wenn der Stuhlgang häufiger unterdrückt wird. Der Entleerungsreflex sollte so kurz wie möglich unterdrückt werden.

Mögliche Anzeichen

CHRONISCHE VERSTOPFUNG KANN WEITERE ANZEICHEN HABEN

Neben den möglichen Symptomen aus der Definition, können für den Betroffenen weitere Begleiterscheinungen mit einer chronischen Verstopfung verbunden sein:

  • Völlegefühl
  • Unwohlsein
  • Blähungen
  • Bauchkrämpfe
  • Schmerzen beim Stuhlgang

FOLGEN DER UNBEHANDELTEN VERSTOPFUNG

Unbehandelte chronische Verstopfungen können mitunter nicht nur das Befinden stark beeinträchtigen, sie können auch zur Entstehung von Analfissuren, Hämorrhoiden oder Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulose) beitragen.

Mögliche Ursachen

INNERE UND ÄUSSERE EINFLÜSSE BEI VERSTOPFUNG MÖGLICH

Zwar steuern die Nervenzellen des Darms die Vorgänge während der Verdauung eigenständig, dennoch unterliegen sie auch einigen äußeren Einflüssen, die sich negativ auswirken können:

Diagnose

DIAGNOSTISCHE MASSNAHMEN

Folgende Punkte werden regelmäßig im Rahmen einer Diagnose abgeklärt:

  • Lebensstil
  • Vorerkrankungen
  • Erfassungen der Stuhlbeschaffenheit, z.B. anhand Bristol Stool Form Scale
  • Nebenwirkungen aus Arzneimitteleinnahme
  • Untersuchung des Bauchraums durch Abklopfen, Abhören
  • Ultraschall

In vielen Fällen liefern die abgeklärten Punkte bereits ausreichende Informationen für den Therapiebeginn. Bei Unklarheiten oder der Möglichkeit, dass die chronische Verstopfung in Zusammenhang mit anderen Beschwerden wie dem Reizdarmsyndrom auftritt, können sich darüber hinaus weitere Untersuchungen anschließen wie etwa:

  • Bluttest
  • Stuhlanalyse bzgl. Entzündungen
  • Röntgen
  • Sonographie
  • Gynäkologische Untersuchung
  • Computertomographie (CT)
  • Darmspiegelung (Endoskopie) u.a.

Mögliche Maßnahmen

ERNÄHRUNGSFEHLER BESEITIGEN

Ernährungswissenschaftler sehen in vielen Fällen die Ursache für die chronische Verstopfung in Ernährungsfehlern in Zusammenhang mit einem ungesunden Lebensstil begründet, die es zu beseitigen gilt. Die Therapie erfolgt im Anschluss an die Basisdiagnose nach einem Stufenschema. Nur bei unzureichender Wirksamkeit einer Stufe sollen die Therapieformen der nächsten Stufe eingesetzt werden. Die Stufen beinhalten Therapieformen wie:

  1. Anpassung des Lebensstils durch ballaststoffreiche Ernährung, Probiotika, Sauermilchprodukte, ausreichende Trinkmenge, regelmäßige Bewegung
  2. Einnahme von Ballaststoffpräparaten wie Weizenkleie und Flohsamenschalen
  3. Bei ausbleibendem Erfolg kommen weitere Untersuchungen in Betracht, die körperliche Ursachen wie etwa eine Beckenbodensenkung u.a. ausschließen. Nach Ausschluss erfolgen medikamentöse Therapien z.B. mit nicht verschreibungspflichtigen Abführmitteln (Laxanzien) oder osmotisch wirkende Zucker wie Lactose, Sorbit oder Anthrachinone (pflanzl. Inhaltsstoffe) eingesetzt. Bei unzureichendem Erfolg folgen bei Bedarf verschreibungspflichtige Abführmitteln. Je nach Entwicklung können im Verlauf chirurgische Maßnahmen angezeigt sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt, die Ernährungsumstellung durch eine geeignete Fachkraft begleiten zu lassen.

MEDIKAMENTÖSE URSACHEN BESEITIGEN

Falls bei einem Betroffenen die Beschwerden durch Nebenwirkungen eines regelmäßig einzunehmenden Medikamentes entstanden sein können, werden besser verträgliche Alternativen gesucht.

FUNKTION DER BALLASTSTOFFE

Ballaststoffe sind pflanzliche Nahrungsfasern, die bedeutenden Einfluss auf die Verdauung ausüben und viele gesundheitsfördernde Funktionen haben. Oft ist eine ballaststoffarme Ernährung die Hauptursache für die chronische Verstopfung.

Ernährungswissenschaftlich gilt eine erhöhte Ballaststoffzufuhr nicht nur als erste Maßnahme bei Verstopfungen sondern auch als wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung. Ballaststoffe unterscheidet man in lösliche und unlösliche Ballaststoffe. Lösliche Ballaststoffe, auch Gelbildner genannt, befinden sich Obst, Gemüse, Hafer oder Flohsamenschalen (Psyllium) und sorgen durch die Fähigkeit Wasser zu binden, für einen weichen, gleitfähigen Stuhl. Unlösliche Ballaststoffe wie sie in Getreide, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten, Wurzelgemüse oder Blattgemüse vorkommen, erhöhen das Volumen des Speisebreis und das Gewicht des Stuhls. Sie werden weitgehend unverdaut ausgeschieden.

Die Verträglichkeit ist individuell unterschiedlich. Es können Nebenwirkungen wie Blähungen, Druckgefühl oder Völlegefühl auftreten, die nach der Umgewöhnungszeit oft nachlassen. Geeignet ist für Menschen mit niedrigem Ballaststoffverzehr die schrittweise Gewöhnung. Die gleichzeitige Aufnahme von geeigneten Probiotika und Sauermilch kann sich zusätzlich positiv auswirken und sollte mit dem Arzt, bzw. der Ernährungsfachkraft abgesprochen werden. Der Verzehr von Weizenkleie kann bei bestimmten Erkrankungen kontraproduktiv sein und sollte nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt eine tägliche Ballaststoffzufuhr von 30 Gramm als Richtwert. Erreicht werden soll die Ballaststoffmenge durch vermehrten Verzehr von Vollkornprodukten, Obst, Gemüse sowie Kartoffeln.

Weitere wichtige Informationen zu Ballaststoffen finden Sie hier

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Hick, C.: Intensivkurs Physiologie. 5.Auflage 2006. Verlag Urban & Fischer.

DGE-Infothek: Essen und Trinken bei chronischer Verstopfung. 9.vollständig überarbeitete Auflage 2014.

S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) et al. 2013

Lewis SJ, Heaton KW: Stool form scale as a usefull guide to intestinal transit time. Scandinavian Journal Gastroenterol. 32,Nr.9, 1997, S. 920-4

Bildquelle im Impressum
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 03/2016

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