Coenzym Q10 ist ein körpereigener Nährstoff, der eine wichtige Rolle bei der Energiegewinnung spielt und nahezu in jeder Körperzelle vorhanden ist. Die höchsten Gehalte sind in besonders aktivem Gewebe nachweisbar. Dazu zählen neben den Muskeln stark beanspruchte Organe wie Herz, Leber und Nieren.

Neben seiner bedeutenden Funktion im Energiestoffwechsel schützt die Substanz außerdem vor oxidativen Schäden in den Zellen. Bekannt ist Coenzym Q10 sonst auch unter den Namen Ubichinon-10 oder Ubidecarenon.

Der Gehalt an Coenzym Q10 im Körper verringert sich mit dem Alter

Bei ausreichendem Verzehr von Coenzym-Q10-reichen Lebensmitteln kann der Körper von gesunden Menschen den Nährstoff in der Leber selbst herstellen, deshalb gilt er bei Gesunden und ausreichend Versorgten nicht als lebensnotwendig.

Wissenschaftlich gesichert ist jedoch, dass sich mit fortschreitendem Alter auch bei gesunden Menschen der Coenzym-Q10-Gehalt in den Muskeln und Organen stark verringert. Dadurch kann es insbesondere bei älteren Gesunden trotz normaler Ernährung zur Unterversorgung mit dem Nährstoff kommen. Vergleichsweise besteht bei einem 80-jährigen ein um circa 40 Prozent geringerer Q10-Gehalt im Herzen, als bei einem 20-jährigen.

So wundert es nicht, dass es zahlreiche Coenzym-Q10-Präparate auf dem Markt gibt, die die Substanz als „Jungbrunnen“, Anti-Aging-Mittel oder Energie-Mittel beschreiben.

Forscher gehen davon aus, dass die Ursache in einem Rückgang der Mitochondrien-Masse liegt und keine eingeschränkte körpereigene Bildung besteht.

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Funktion als Antioxidans

Coenzym Q10 zählt neben Vitamin C, Vitamin E, Vitamin A und den Carotinoiden zu den Haupt-Antioxidantien im Körper.

Auch Glutathion und die Aminosäure Cystein gehören zu dieser Gruppe, die im Kampf gegen zellschädigende Sauerstoffverbindungen zusammenwirkt, um Körperstrukturen zu schützen.

Q10 ist genau wie Vitamin C fähig, Vitamin E zu regenerieren, das in den antioxidativen Prozessen reduziert wurde. So sorgt das Coenzym dafür, dass „aufgefrischtes“ Vitamin E dem System als Antioxidans wiederholt zur Verfügung stehen kann.

Während das fettlösliche Coenzym neben Vitamin A und Vitamin E speziell in solchen Fettverbindungen wie Zellwänden, Lipoproteinen im Blut und Nervenscheiden wirkt, wirkt das wasserlösliche Vitamin C im Blut, in Körperflüssigkeiten und im Zellkern.

Die Antioxidantien Glutathion und Cystein sowie der natürliche Farbstoff Betacarotin aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe verfügen dagegen sowohl über fettlösliche wie auch wasserlösliche Eigenschaften und können deshalb ihre zellschützende Wirkung in beiden Gewebeumgebungen entfalten.

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Funktion im Energiestoffwechsel

In den Kraftwerken der Zellen, den sogenannten Mitochondrien, übernimmt Coenzym Q10 eine lebenswichtige Aufgabe, bei der es um die sauerstoffabhängige Energieproduktion in der Atmungskette geht.

Es dient als Elektronenüberträger, damit Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) gebildet werden kann. ATP wird von vielen Experten auch als „Treibstoff für die Muskeln“ bezeichnet.

Die Wirksamkeit sowie die Geschwindigkeit des Atemzyklus für die Mitochondrien hängt hauptsächlich von einem ausreichenden Coenzym-Q10-Spiegel ab.

Wie hoch ist der Bedarf an Coenzym Q10 in der Ernährung?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) hat für das Coenzym Q10 keinen empfohlenen Bedarf festgelegt, weil der Nährstoff nicht als essenziell eingestuft ist.

In der Literatur empfehlen manche Experten einen Tagesbedarf von 30 bis 60 Milligramm, der über dem Verzehr Coenzym-Q10-haltiger Lebensmittel erfolgen soll, um die normalen Funktionen aufrecht zu erhalten.

Einige Sportler haben einen erhöhten Bedarf

Insbesondere Ausdauersportler haben nach Expertenangabe einen deutlich erhöhten Coenzym-Q10-Bedarf. Das Coenzym kann bei Leistungssportlern vor Muskelschädigung schützen und Muskelschmerzen reduzieren.

Coenzym Q10 in Lebensmitteln

In den meisten tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln ist das Coenzym in geringen Mengen enthalten. Der Körper kann es gut aufnehmen, weil es sich durch die Magensäure nicht inaktivieren lässt. Jedoch kommt es durch längere Lagerung der Lebensmittel zu Verlusten beim Coenzym-Q10-Gehalt.

Vorwiegend pflanzliche Lebensmittel wie Walnüsse, Mandeln, Weizenkeime und Sojabohnen sowie ihre Öle enthalten Q10, aber auch einige Gemüsearten, darunter grüne Bohnen, Spinat, Knoblauch und Kohl.

Zu den besten tierischen Quellen zählen Makrelen und Sardinen. Es ist aber auch in Hühnerfleisch, Lammfleisch oder Schaffleisch sowie in Eiern vorhanden. Um am Tag 50 Milligramm Coenzym Q10 über die Ernährung aufnehmen zu können, müssten allerdings 800 Gramm Sardinien verzehrt werden.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) schätzen Experten die tägliche Aufnahmemenge, die über die normale Ernährung zugeführt wird, zwischen 2 bis 20 Milligramm ein. Neben der Zufuhr aus der Ernährung kann er in einem gesunden Körper selbst in ausreichendem Maße aus den beiden Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin produziert werden. Gebildet werden kann er außerdem aus der pflanzlichen Mevalonsäure sowie anderen Ubichinonen wie Q 8 oder Q9.

Um vom Körper gebildet werden zu können, muss ein ausreichender Status von Vitamin E und Vitaminen der B-Gruppe im Körper vorhanden sein.

Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10

Coenzym Q10 wird in Nahrungsergänzungsmitteln nicht nur als Einzelnährstoff angeboten, sondern ist auch in Multinährstoffpräparaten zu finden, in denen er oft mit Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Pflanzenstoffen kombiniert wird. Die Darreichungsformen sind unterschiedlich und reichen von Kapselprodukten über Tabletten bis hin zu Pulvern, die zum Beispiel in Flüssigkeiten oder Joghurts eingerührt werden können.

Verfügbar ist Q10 häufig als kristallines Pulver oder in Öl gelöst, aber auch einige neue Darreichungsformen, die die Bioverfügbarkeit erhöhen sollen, sind unter den Q10-Nahrungsergänzungen. Beispielsweise in Form von Nanoemulsionen oder in Cyclodextrin-Komplexen.

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Nach Angaben des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV) sehen Wissenschaftler aktuell für Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10 bei der Einhaltung von Verzehrmengen zwischen 10 bis 30 Milligramm pro Tag keine gesundheitlichen Risiken.

Eine Sondererlaubnis erteilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auch für Coenzym-Q10-Nahrungsergänzungen, die mit höheren Tagesdosierungen von bis zu 100 Milligramm freiverkäuflich angeboten werden, wenn diese einen Warnhinweis tragen.

Der Warnhinweis bezieht sich darauf, dass das betreffende Präparat für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht zum Verzehr geeignet ist.

In Verbindung mit dem Nährstoff Coenzym Q10 gestattet die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Anbietern von Nahrungsergänzungsmitteln aktuell keine Aussagen zu Wirkungen oder krankheitsbezogene Werbeaussagen.

Therapeutische Anwendung von Coenzym Q10

Coenzym Q10 kam bislang in Studien auf unterschiedlichen Anwendungsgebieten therapeutisch zum Einsatz und wird auch in einigen Fällen therapeutisch eingesetzt.

  • Therapeutische Anwendung findet hochdosiertes Q10 bei Herzerkrankungen.
  • Mediziner empfehlen beispielsweise Personen, die mit HMG-CoA-Reduktasehemmern zur Senkung des Cholesterinspiegels behandelt werden, entsprechende Coenzym-Q10-Mittel, weil diese Präparate neben der Hemmung der Cholesterinproduktion auch die Q10-Produktion im Körper hemmen.
  • Bei Erkrankungen wie AIDS oder Diabetes, die bei vielen Patienten mit niedrigen Coenzym-Q10-Spiegeln einhergehen, kann der Nährstoff therapeutisch zur Anwendung kommen. Beispielsweise kann er bei AIDS-Patienten das Immunsystem unterstützen und Infektionen verringern. Bei Diabetes kann Q10 dagegen die Insulinwirkung unterstützen und trägt so zur Kontrolle des Blutzuckerspeigels bei.
  • Der Nährstoff kommt auch bei den Formen der Muskelschwäche (Muskeldystrophie) zur Anwendung, bei denen die sauerstoffabhängige Energiegewinnung in den Mitochondrien beeinträchtigt ist.

Coenzym Q10 bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Nach einem Cochrane Review, bei dem die Forscher 11 randomisierte Studien mit insgesamt 1.573 Teilnehmern auswerteten, um Aussagen zur Wirkung von Coenzym Q10 bei Herzinsuffizienz treffen zu können, stellte sich heraus, dass Q10 wahrscheinlich das allgemeine Sterblichkeitsrisiko bei den Betroffenen senkt und Krankenhausaufenthalte verringert.

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Den Schweregrad der Herzschwäche konnten die Forscher mit der Konzentration von Coenzym Q10 im Körper in Verbindung bringen, so dass die Herzschwäche umso schwerer war, je weniger Coenzym Q10 vorhanden war.

Beim Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt ergab sich dagegen kein eindeutiger Zusammenhang. Demnach wurde sowohl ein erhöhtes Risiko wie auch ein vermindertes Risiko festgestellt. In einigen Fällen ergab sich dagegen kein Unterschied durch die Anwendung.

Nicht klar ergab sich aus diesen Studien, ob Q10 eine Wirkung auf die Herzfunktion hat oder ob es Symptome verbessern kann.

Studie ergab verbesserte Blutzuckerwerte bei metabolischem Syndrom

Eine achtwöchige Studie mit 60 Männern und Frauen kam nach der täglichen Einnahme von Coenzym Q10 zu dem Schluss, dass der Nährstoff das Blutzuckermanagement beim metabolischen Syndrom verbessern konnte. Im Vergleich zur Placebogruppe verbesserten sich neben dem Serum-Insulin-Spiegel auch die Insulinresistenz sowie die Betazellfunktion.

Zufuhren bei therapeutischer Supplementierung

Den normalen therapeutischen Bedarf geben Mediziner zwischen 30 bis 120 mg pro Tag an. Die Aufnahme erfolgt oral. Bei einer Erhöhung der täglichen Zufuhr auf 60 bis 100 Milligramm, die über Supplemente oral eingenommen werden, steigt der Coenzym-Q10-Spiegel um 100 Prozent an. Die übliche körperliche Produktion des Coenzyms, die in der Leber stattfindet, wird nach Expertenangaben durch die Anwendung nicht beeinträchtigt.

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen

Bei täglichen Dosierungen von 50 bis 300 Milligramm traten in klinischen Studien nach mehrwöchiger Anwendung Unverträglichkeiten im Magen- und Darmtrakt, Übelkeit, Durchfall, Appetitverlust sowie allgemeines Unwohlsein auf, doch stuften Experten diese nicht als schwerwiegend ein.

Es kann zu Wechselwirkungen mit verschiedenen Arzneimitteln kommen, insbesondere bei der Einnahme von Asthmapräparaten mit dem Wirkstoff Theophyllin, und speziellen blutgerinnungshemmenden Mitteln. Auch bei einer Strahlentherapie sind Wechselwirkungen mit Q10 möglich.

Langzeitstudien zu chronischen Effekten von Coenzym Q10 bestehen nicht und gelten daher bislang als nicht ausreichend untersucht.

Kosmetischer Einsatz von Coenzym Q10

Das Coenzym Q10 ist ein häufig verwendeter Inhaltstoff in vielen Anti-Aging Cremes und Körperlotionen. Der Inhaltsstoff hält in der Haut freie Radikale auf, die die Zellerneuerung behindern. Gleichzeitig fördert er die Neubildung von Hautzellen.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 11.03.2023
Bildquelle: © Katja Schulte Redaktion

Quellen und weiterführende Informationen:

Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen

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