Deutschland im Zentrum des Coronavirus

HOHE INFEKTIONSRATEN WEGEN FEHLENDER THERAPIE UND FEHLENDEM IMPFSTOFF MÖGLICH

Das neuartige Coronavirus mit dem offiziellen Namen SARS-CoV-2, das auch als 2019-nCoV bezeichnet wird, bleibt als Überträger der neuen Atemwegskrankheit COVID-19 weltweit in den Schlagzeilen. Inzwischen ist die Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus auch in Deutschland Realität und drastische Massnahmen zur Eindämmung wurden erlassen. Für die meldepflichtige Infektionskrankheit fehlt aktuell immer noch eine spezielle medikamentöse Therapie und auch ein wirksamer Impfstoff ist noch nicht in Sicht. Weltweit wird daran gearbeitet, aber bis zur Verfügbarkeit bleibt die Infektionsrate voraussichtlich hoch.

Die Infektion mit dem Coronavirus verläuft nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 80 Prozent der Fälle nicht schwer und die Betroffenen erholen sich vollständig. Bei etwa 20 Prozent der Infizierten wird dagegen ein schwerer oder tödlicher Krankheitsverlauf verzeichnet. Von den in Krankenhäusern behandelten schweren Fällen, verlaufen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts etwa 2 Prozent tödlich. Ein Teil der Genesenen behält Schädigungen der Lunge zurück.

Vieles ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht über das Virus aus China bekannt. Unter anderem fehlen wesentliche Informationen zum Zeitraum der höchsten Ansteckungsfähigkeit, zum Krankheitsverlauf oder etwa auch darüber, wie lange infektiöse Viren ausgeschieden werden. Die Inkubationszeit konnte nach Angaben des RKI mitterweile auf einen Zeitraum von 5 Tagen eingegrenzt werden. So lange dauert es von der Infektion, bis zum Auftreten von Symptomen.

Symptome & Krankheitsverlauf bei Infektionen mit dem Coronavirus

KRANKHEITSVERLAUF KANN UNTERSCHIEDLICH SEIN 

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts können bei der Atemwegserkrankung COVID-19, die durch das neuartige Coronavirus übertragen wird, neben typischen Symptomen für Atemwegserkrankungen auch verschiedene weitere Symptome auftreten:

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  • Husten
  • Schnupfen
  • Halskratzen
  • Fieber
  • Geschmacksverlust
  • Apathie
  • Gewichtsverlust
  • Schmerzen in Kopf, Rücken und Muskeln
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Atemnot
  • Kurzatmigkeit

Die häufigsten Symptome sind Husten, Schnupfen und Fieber. Ein Teil der positiv getesteten Patienten ist sogar ganz ohne Symptome.

Beim Teil der Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf, verursacht das Virus Atemprobleme und Lungenentzündungen. Todesfälle treten bislang besonders bei älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen auf, aber auch jüngere Menschen ohne Vorerkrankungen starben bislang vereinzelt an COVID-19.

Deutsche Forscher tragen alle Informationen zu bekannten Coronaviren zusammen

LEBENSDAUER, INFEKTIONSWEG UND WIRKSAME DESINFEKTIONSLÖSUNGEN STEHEN IM MITTELPUNKT

Ein Forschungsteam von Wissenschaftlern der Universitäten Bochum und Greifswald hat in einem Fachartikel vor der geplanten Fachbuchveröffentlichung aus 22 Studien alles zusammengefasst, was die Forschung über die Lebensdauer der bisher bekannten unterschiedlichen Coronaviren, ihren Infektionsweg und wirksame Desinfektionslösungen zur Abtötung bislang weiß. Trotzdem bislang viele Eigenschaften des neuartigen Coronavirus noch unbekannt sind, gehen die deutschen Wissenschaftler aber davon aus, dass die bisherigen Forschungsergebnisse ebenfalls auf das neue Coronavirus übertragbar sind, da alle bekannten Coronaviren bislang ähnliche Reaktionen zeigten. Die Erkenntnisse stammen unter anderem auch aus Untersuchungen des SARS-Coronavirus und des MERS-Coronavirus.

Infektionsweg des Coronavirus über Tröpfeninfektion

HOHE ANSTECKUNGSGEFAHR DURCH LEICHTE ÜBERTRAGBARKEIT

Auch das neuartige Coronavirus besitzt hohe Ansteckungsgefahr und kann sich durch Tröpfcheninfektion wie eine Grippe leicht von Mensch zu Mensch verbreiten. Schon Personen, die noch keine oder nur leichte oder unspezifische Symptome zeigen, können Überträger sein.

Durch den Speichel und Schleim aus Mundraum, Rachen oder Atemtrakt wird der Erreger beispielsweise beim Sprechen, Husten oder Niesen abgesondert. Übertragbar ist der Erreger nicht nur über direkte Kontakte mit Patienten und infizierten Personen, sondern das Virus ist ebenfalls durch Hände und Oberflächen übertragbar, die häufig angefasst werden.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind neuartige Coronaviren aber auch in Stuhlproben von Infizierten nachgewiesen worden. Unklar ist aktuell noch, ob sich das Virus auch über den Stuhl ausbreiten kann.

Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus

ZUM SCHUTZ VOR  COVID-19 WERDEN DIE ÜBLICHEN HYGIENEMASSNAHMEN EMPFOHLEN

Die üblichen Hygiene-Massnahmen bei Grippe und anderen Atemwegserkrankungen sind nach Angaben des Robert-Koch-Institutes auch die wichtigsten Massnahmen, um sich allgemein vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Dazu zählt neben der Husten- und Nies-Etikette und der Händehygiene auch der eingehaltene Abstand zu Erkrankten, der 1 bis 2 Meter betragen sollte. Das Bundesgesundheitsministerium hat Informationen zum richtigen Husten und Niesen sowie zur gründlichen Händedesinfektion herausgegeben.

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HÄNDEHYGIENE

Durch gründliche Händehygiene wird der Übertragungsweg von krankmachenden Keimen unterbrochen und Keime, die sonst über die Hände auf die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen gelangen, können dann keine Infektion mehr auslösen.

Wichtig ist, das die Hände ausreichend lange eingeseift werden, besonders auch Handrücken, Daumen und Fingerspitzen. Eine gründliche Handwäsche dauert 20 bis 30 Sekunden. Auch anschließendes sorgfältiges Abtrocknen ist wichtig. In öffentlichen Sanitäranlagen sollte man Hautkontakt vermeiden und Gegenstände wie Türklinken, Wasserhähne, Spülungen etc. am besten nur über Einwegtücher berühren und ansonsten den Ellenbogen benutzen.

Wenn Händewaschen nicht möglich ist, sollte man vermeiden, mit den Händen Mund, Nase oder Augen zu berühren. Auch mit den Händen zu essen, wird nicht empfohlen.

Hände waschen wird regelmäßig empfohlen, bevor man isst oder Medikamente oder Körperpflegeprodukte verwendet. Auch wenn man zu Hause ankommt sowie nach jedem Toilettenbesuch ist Händewaschen angezeigt. Das betrifft auch das Windelwechseln und Toilettengänge, bei denen man anderen Personen hilft.

Händewaschen ist außerdem nicht nur nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten angezeigt, sondern auch nach dem Kontakt mit Abfällen oder mit Tieren, tierischem Abfall oder Tierfutter.

Händewaschen ist zudem vor, nach und auch während verschiedener anderer Tätigkeiten besonders angezeigt. Dazu zählen die Zubereitung von Speisen, besonders rohem Fleisch, der Kontakt mit Kranken und die Behandlung von Wunden.

HUSTEN UND NIES-ETIKETTE BEACHTEN

Beim Husten und Niesen sollte man verhindern, dass ansteckender Speichel, Schleim oder Nasensekret in die Umgebung gelangt und weitere Menschen infiziert. Am besten niest und hustet man deshalb in ein Einwegtaschentuch und dreht sich dabei von anderen Personen weg. Bei richtigem Husten und Niesen sollte der Abstand mindestens einen Meter betragen, besser 2 Meter.

Anschließend sollte das Taschentuch in einem Mülleimer mit Deckel entsorgt werden. Bei Stofftaschentüchern wird empfohlen, diese mindestens bei 60 °C zu waschen. Wichtig ist auch gründliches Händewaschen nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen. Wenn kein Taschentuch vorhanden ist, sollte man nicht in die Hände niesen oder husten, sondern von anderen Personen Abstand nehmen, sich abwenden und die Armbeuge vor Mund und Nase halten.

EINFACHER MUND-NASEN-SCHUTZ SCHÜTZT TRÄGER NICHT VOR DER INFEKTION

Ein mehrschichtiger Mund-Nasen-Schutz, auch als Mundschutz bekannt, verhindert die Übertragung von Keimen und Sekreten aus Mund und Nase in die Umgebung. Bei hochinfektiösen Erkrankungen wie COVID-19, bietet der einfache Mund-Nasen-Schutz aber keinen sicheren Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus.

Er verhindert auch, dass man selbst mit den Händen Keime in die Schleimhäute von Mund und Nase einträgt. Dazu muss der Mund-Nasen-Schutz aber eng anliegen und bei Durchfeuchtung gewechselt werden. Ein Verschieben mit den Händen während des Tragens sollte man vermeiden. Beim Auf- und Absetzen wird empfohlen, die Mund-Nasen-Bedeckung nur an den Befestigungsbereichen mit den Händen zu berühren.

Handelt es sich um mehrfach verwendbare Stoffmasken ist es wichtig, diese durch entsprechende Reinigung keimfrei zu halten. Mögliche Hygiene-Methoden sind

  • Waschen bei mindestens 60°C
  • heißes Bügeln
  • Erhitzen im Backofen

Coronavirus bleibt bis zu 9 Tage auf Oberflächen ansteckend

ERREGER MÖGEN KÄLTE UND HOHE LUFTFEUCHTIGKEIT

Auf Oberflächen kann das Coronavirus nach Auswertungen der deutschen Forscher bei Raumtemperatur bis zu 9 Tage lang ansteckend bleiben. Durchschnittlich überleben die Viren zwischen 4 bis 5 Tage, wobei Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit ihre Lebensdauer noch steigern.

Wie Professor Dr. Günter Kampf vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Greifswald erklärt, können solche Oberflächen im Krankenhaus zum Beispiel Türklinken sein, aber auch Klingeln, Nachttische, Bettgestelle und andere Gegenstände im direkten Umfeld von Patienten, die oft aus Metall oder Kunststoff sind.

Wegen der hohen Infektionsgefahr empfiehlt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) den Personen, die in direktem Kontakt zu Menschen mit Verdacht auf eine 2019-CoV-Infektion stehen oder im Fall einer bestätigten Infektion, bestimmte Schutzmaßnahmen. Die minimal empfohlenen persönlichen Schutzmassnahmen (Personal protective equipment (PPE)) gegen das Coronavirus, sollten für Kontaktpersonen demnach aus einem Atemschutz der Klasse FFP2 oder FFP3 in Kombination mit Einmalhandschuhen und einer Schutzbrille beziehungsweise mit einem Gesichtsschutz bestehen. Schutzbrillen verhindern eine mögliche Übertragung des Coronavirus über die Augenschleimhaut. Zusätzlich empfiehlt das ECDC langärmelige wasserdichte Schutzkleidung und Schutzanzüge. Diese Empfehlungen entsprechen auch dem deutschen Hygieneplan bei Infektionserkrankungen.

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Forscher halten verschiedene Desinfektionsmittel für wirksam

MEHRERE SUBSTANZEN TÖTEN CORONAVIRUS WEITGEHEND AB

Gegen Coronaviren erwiesen sich nach Angaben der deutschen Forscher in Tests verschiedenste Desinfektionslösungen als gut wirksam.

Desinfektionsmittel auf Basis von Ethanol, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit töteten die Erreger zum Großteil ab. Bei entsprechender Konzentration der Hauptsubstanzen senkten solche Desinfektionsmittel die infektiösen Keime innerhalb einer Minute um vier Iog-Stufen. Das entspricht einer Reduzierung von einer Million Partikel auf 100 Partikel.

Um die Gefahr einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus deutlich zu reduzieren, können nach Einschätzung von Günter Kampf auch Desinfektionsmittel auf anderer Basis verwendet werden, wenn sie mindestens eine Wirksamkeit gegenüber behüllten Viren nachweisen. Die Mittel sollten dann zumindest den Wirksamkeitsnachweis „begrenzt viruzid“ führen.

Eine amtliche Liste mit geprüften und anerkannten Desinfektionsmaßnahmen und Desinfektionsmitteln ist Bestandteil des Infektionsschutzgesetzes.

Was tun, wenn der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht?

IMMER ERST TELEFONISCH KONTAKT AUFNEHMEN

Möglich ist nach Angaben des RKI um diese Jahreszeit aber auch, dass die typischen Krankheitssymptome durch eine Grippe oder Erkältung verursacht wurden.

Wenn der Verdacht einer Infektion mit dem Coronavirus besteht, sollte man nicht ohne vorherigen telefonischen Kontakt persönlich einen Hausarzt oder die Ambulanz eines Krankenhauses aufsuchen. Falls später eine Infektion mit dem Coronavirus bestätigt wird, lassen sich so im Vorwege Ansteckungen vermeiden. Ansprechpartner sind bei Verdacht neben dem Hausarzt auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 sowie das örtliche Gesundheitsamt.

Untersuchen lassen sollten sich unbedingt Personen, die

  • Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labortest nachgewiesen wurde
  • kürzlich aus Risikogebieten zurückgekehrt sind

Hinweise für Personen aus Risikogebieten und bei Kontakt zu einem Infizierten

BESONDERE REGELN FÜR RÜCKKEHRER AUS RISIKOGEBIETEN UND PERSONEN MIT KONTAKT ZU BETROFFENEN

Jede Person, die Kontakt mit einem Betroffenen hatte, der positiv auf das neuartige Coronavirus getetest wurde, sollte sich umgehend an das zuständige Gesundheitsamt wenden, auch dann, wenn keine Krankheitsanzeichen bemerkt werden.

Das Robert-Koch-Institut hat in Zusammenhang mit dem Coronavirus verschiedene Risikogebiete ausgewiesen. Es sind einzelne Gebiete, aber auch ganze Länder betroffen. Aktuelle sind folgende Länder betroffen: Ägypten, China, Frankreich, Österreich, Iran, Italien, Spanien, USA und Südkorea ausgewiesen.

Rückkehrer aus einem der ausgewiesenen Risikogebiete sollten auch ohne Krankheitssymptome aktuell unnötige Kontakte vermeiden und möglichst zu Hause bleiben. Sobald innerhalb von 14 Tagen die Symptome Fieber, Husten oder Atemnot auftreten, sollten sie die Hygienemassnahmen beachten und telefonisch mit Hinweis auf die Reise einen Arzt kontaktieren.

Alle Flugreisenden aus China müssen sich seit dem 15.02.2020 einem besonderen Verfahren unterziehen. Neben einer Befragung zum Aufenthalt in Risikogebieten und zum Kontalt mit Infizierten werden alle Personen mit Krankheitssymptomen oder einen ansteckenden Krankheit gemeldet.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Günter Kampf, Daniel Todt, Stephanie Pfaender, Eike Steinmann: Persistence of coronaviruses on inanimate surfaces and its inactivation with biocidal agents, in: Journal of Hospital infection 2020, DOI:10.1016/j.jhin.2020.01.022, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195670120300463?via%3Dih

Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC)

Liste der vom Robert-Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren. Stand 31.10.2017 (17. Ausgabe)

RKI. COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2)

RKI. Krankenhaushygiene. Übersicht der Infektionserkrankungen und erforderliche Maßnahmen als Grundlage für Festlegungen im Hygieneplan. (PDF)

Bundesgesundheitsministerium. Hygieneverhalten. Richtig Husten Niesen. (PDF)

Kassenärztliche Bundesvereinigung 116 117/ Coronavirus: https://www.116117.de/de/coronavirus.php

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 02/2020 | aktualisiert 04/2020

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