Häufigkeit

DARMKREBS IST DRITTHÄUFIGSTE KREBSART

Etwa jede siebte Krebserkrankung in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums auf Darmkrebs zurückzuführen. Betroffen sind insgesamt mehr Männer als Frauen von dieser Krebsart. Damit rangiert Darmkrebs unmittelbar hinter Brustkrebs und Prostatakrebs an dritter Stelle der Krebserkrankungen. Über 50% der Patienten erkrankten nach dem 70. Lebensjahr, während nur etwa 10% vor dem 55. Lebensjahr erkrankten. Für das Jahr 2014 rechnet man mit insgesamt 63.900 Neuerkrankungen an Darmkrebs.

Insgesamt ist zwar die Anzahl der Darmkrebsfälle in den letzten 10 Jahren stark angestiegen, jedoch ist die Sterberate bei beiden Geschlechtern stark gesunken. In Entwicklungsländern ist Darmkrebs seltener zu finden.

Im Rahmen der Früherkennung wurden von 2003 bis 2010 ungefähr 100.000 Fälle von Darmkrebs durch Darmspiegelung verhindert und etwa 50.000 weitere in einem frühen, heilbaren Stadium entdeckt.

Definition & Beschreibung

KREBSERKRANKUNGEN VON DICKDARM UND MASTDARM

Unter dem Begriff Darmkrebs werden im allgemeinen Krebserkrankungen des Dickdarms (Kolonkarzinom) und des Mastdarms (Rektumkarzinom) zusammengefasst.

Mögliche Anzeichen

DARMKREBS ENTWICKELT SICH HÄUFIG UNBEMERKT

Regelmäßig entwickeln sich Darmtumoren unbemerkt und zeigen anfangs fast keine Beschwerden, was eine Frühdiagnose erschwert. Erst in späterem Stadium können verschiedene Anzeichen auftreten. Dazu zählen:

Anzeichen von Darmkrebs

Mögliche Ursachen

RISIKOFAKTOREN FÜR DARMKREBSERKRANKUNGEN

Mögliche Folgen

DARMTUMORE SIND HÄUFIG BÖSARTIG

Die Tumore des Magen-Darmtraktes sind meistens bösartig und können im Spätstadium Metastasen (Absiedelungen) bilden, die weitere Symptome hervorrufen können. Tumore können außerdem durch die Darmwand dringen oder in benachbarte Organe eindringen. Im Spätstadium kann der Darmtumor zum Darmverschluss führen.

PROGNOSE

Beim Dickdarmkarzinom ist die Prognose vom Stadium des Tumors abhängig, aber insgesamt gilt sie als relativ gut. Bei Tumoren, die auf die Darmwand beschränkt sind, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei über 90%. Die schlechteste Prognose hat das tief sitzende Rektumkarzinom bei ausgeprägter Bildung von Metastasen. Die 5-Jahres-Überlebensrate aller Fälle von Darmkrebs ist bei 50% angesiedelt. Die meisten Rückfälle nach Operationen entstehen in den ersten zwei Jahren nach dem Eingriff.

Diagnose

MÖGLICHE UNTERSUCHUNGSMETHODEN

Beim Auftreten von Beschwerden des Darmtrakts erfolgen neben der ausführlichen Befragung des Patienten (Anamnese) zu Stuhlgewohnheiten und Gewichtsverlust, eine rektale Untersuchung sowie eine Untersuchung des Stuhls auf Blut. Außerdem wird regelmäßig eine Darmspiegelung (Koloskopie) vorgenommen, um vorhandene Veränderungen in der Schleimhaut ausmachen zu können. Gegebenenfalls werden entnommene Gewebeproben auf gutartige (benigne) oder bösartige (maligne) Veränderungen hin untersucht, um Darmkrebs sicher diagnostizieren zu können. Daneben wird das Blut auf Tumormarker untersucht, die bei Befund den Ausgangswert für spätere Verlaufskontrollen liefern. Falls eine Koloskopie nicht vollständig möglich ist, können weitere Verfahren zu Einsatz kommen:

Weitere mögliche Diagnoseverfahren

  • Kolondoppelkontrasteinlauf
  • Oberbauch- und Endosonographie
  • Spezielle Computer- u. Kernspintomographieverfahren
  • Nachweis von Metastasen: Computertomographie und Röntgen-Thorax

Die Einteilung der Stadien der Tumore des Colons und des Rektums (kolorektale Karzinome) erfolgt entweder nach dem internationalen TNM-System oder nach der Einteilung Dukes:

Dukes

  • Dukes A: Tumor ist auf die Darmwand beschränkt
  • Dukes B: Tumor befällt auch das umliegende Gewebe
  • Dukes C: Mitbefall von Lymphknoten
  • Dukes D: Fernmetastasen

Mögliche Maßnahmen

MÖGLICHE KLASSISCHE THERAPIEN BEI DARMKREBS

In der Regel werden bei Darmkrebs die betroffenen Darmabschnitte unter Einbeziehung der regionalen Lymphstationen chirurgisch entfernt, im Hinblick darauf, das die Fähigkeit zur Ausscheidung von Harn und Stuhl möglichst erhalten bleibt.

Chemotherapien zur Tumorverkleinerung können vor und nach der Operation angewendet werden, bedarfsweise erfolgt bei einem Karzinom des Rektums zusätzlich eine Strahlentherapie.

Einige Mediziner befürworten selbst im fortgeschrittenen Stadium ausgeprägter Metastasenabsiedelung eine Palliativoperation, die sich ihrer Meinung nach nicht nur lebensverlängernd auswirken kann, sondern für den Patienten auch zur Besserung der Lebensqualität führen kann.

Im Rahmen der strukturierten Nachsorge sollen mögliche Rückfälle von Darmkrebs frühzeitig erkannt werden. Hierzu werden in regelmäßigen Abständen Untersuchungen durchgeführt wie Blutuntersuchungen, Darmspiegelungen Ultraschall, Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztherapie (MRT).

MODERNE THERAPIEN

In fortgeschrittenen Stadien kommen bei Darmkrebs in Verbindung mit der Chemotherapie verschiedene Antikörper zum Einsatz, die das Tumorwachstum hemmen können und so die Lebenserwartung statistisch um mehrere Monate erhöhen können.

KLINISCHE STUDIEN ZU NEUEN VERFAHREN

In der Erprobung befinden sich einige neue Verfahren zur Bekämpfung von Darmkrebs. Dazu zählt etwa eine Immuntherapie, die zum Absterben des Tumors führt und gleichzeitig die körpereigene Immunabwehr begünstigt.

Ein weiteres Verfahren, das sich in der Entwicklung befindet, ist die onkolytische Virustherapie. Dabei werden die Krebszellen von Viren befallen und zum Absterben gebracht.

VORBEUGENDE MASSNAHMEN

Früherkennung: Das Früherkennungsprogramm von Darmkrebs ist in Deutschland gesetzlich verankert. Im Anfangsstadium sind die Heilungssaussichten günstig, deshalb sollten folgende Maßnahmen unbedingt auch bei Beschwerdefreiheit regelmäßig wahrgenommen werden:

  • Jährliche Stuhluntersuchungen auf Blut
  • Ab 55 Jahre Darmspiegelung alle 10 Jahre
  • Regelmäßige altersunabhängige Darmspiegelung bei Risikopatienten, z.B. Colitis ulcerosa, familiäre Polyposis (vererbliche Bildung von Polypen in Hohlorganen)
  • Entfernung von Darmpolypen

ERNÄHRUNG

Nach dem Report des amerikanischen Instituts World Cancer Research Fund (WCRF) kamen sämtliche relevante Studienergebnisse zu dem Fazit, dass ballaststoffhaltige Lebensmittel wahrscheinlich das Risiko für Darmkrebs senken. Insgesamt wurde festgestellt, dass mit zunehmender Menge verzehrter Ballaststoffe das Risiko für Darmkrebs sank.

Bezugnehmend auf den Report des WCRF und unter Berücksichtigung ernährungswissenschaftlicher Erhebungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) aus der Verzehrsstudie II, kommt der ballaststoffreichen Ernährung nicht nur bei der Entwicklung Darmkrebs, sondern auch bei der Entwicklung von Diabetes mellitus und Herz-Kreislauferkrankungen wie Arteriosklerose eine besondere Bedeutung zu. Dennoch weisen die Ergebnisse nach Angaben der DGE in Deutschland darauf hin, dass die tägliche Ballaststoff-Aufnahme der deutschen Bundesbürger in allen Altersgruppen deutlich unterhalb der Empfehlungen liegen, denn etwa 75% der weiblichen Bevölkerung und 68% der männlichen Bevölkerung erreichen die Richtwerte nicht.

Die DGE empfiehlt als Richtwert für die tägliche Ernährung mindestens 30 Gramm Ballaststoffe für Erwachsene. Zur Deckung des Tagesbedarfs dienen demnach im Rahmen der vollwertigen Ernährung z.B. folgende ballaststoffreiche Lebensmittel:

  • 3 Scheiben Vollkornbrot
  • 3 Kartoffeln
  • 3 handgroße Portionen Gemüse roh und gekocht (z.B. Tomaten, Möhren, Blumenkohl, Blattsalat, Paprika, Brokkoli, Blumenkohl etc.)
  • 2 handgroße Portionen Obst (z.B. Äpfel, Beeren, Aprikosen, Pflaumen u.a.).

Neben Ballaststoffen haben sich außerdem komplexe Kohlenhydrate (Stärke) sowie einige Vitamine und Mineralstoffe als günstig in Bezug auf das Darmkrebsrisiko erwiesen. Auch diese Substanzen finden sich natürlich in Obst und Gemüse.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/dkfz-pm-18-14-Darmkrebs-Kombinierte-Analyse-verbessert-Risikovorhersage.php

https://www.mri.bund.de/NationaleVerzehrsstudie

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2 Auflage 2015. Bonn

World Cancer Research Fund. American Institute for Cancer Research. Food, Nutrition, Physical Activity and the Prevention of Cancer: A Global Perspective. Washington, DC: AICR. 2007

Eiter Josefa, Eder Gerlinde, Mair, Maria: Ernährungslehre und Diätetik. 8.Auflage. 2008. Trauner Verlag.

Innere Medizin. 7. Auflage. Weisse Reihe Band 4. 2004. Elsevier GmbH. Urban & Fischer Verlag.

Biesalski, H.K.: Ernährungsmedizin: Nach dem Curriculum der Bundesärztekammer und der DGE. 2010. Verlag Thieme

Pox C., Aretz S., Bischoff S.C: et al.: S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und Deutschen Krebshilfe e.V. Version 1.1. August 2014 AWMF-Registernummer: 021/007OL

Bildquelle im Impressum
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016