Depressive Erkrankungen und Depression

Nach den Daten des Robert-Koch-Instituts trat bei etwa 11 Prozent der Frauen und 5 Prozent der Männer im Alter zwischen 18 und 79 Jahren innerhalb der letzten 12 Monate eine unipolare depressive Störung auf. Verglichen mit früheren Zahlen, ergab sich hierbei ein deutlicher Anstieg der Fälle. Bei einer unipolaren Depression handelt es sich um eine Stimmungsstörung. Es zeigt sich beim Betroffenen eine deutlich gedrückte Stimmung über einen längeren Zeitraum.

Frauen sind jedoch insgesamt häufiger von einer Depression betroffen als Männer. Ein höheres Risiko für depressive Erkrankungen haben den Auswertungen nach Arbeitslose und Menschen in unqualifizierten Berufen. Sowohl klinisch wie auch gesundheitspolitisch und gesundheitswirtschaftlich nehmen Depressionen großen Einfluss.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass allein in Deutschland 4,1 Millionen Menschen unter einer Depression leiden. Diese Zahl entspricht 5,2 Prozent der deutschen Bevölkerung. Auch viele Kinder sind bereits von depressiven Erkrankungen betroffen. Den Ergebnissen der KIGGS-Studie zufolge, diagnostizierten Mediziner bei 5 Prozent der Kinder und Jugendlichen depressive Erkrankungen. Unterschiede zwischen Alter und Geschlecht stellten Experten jedoch nicht fest.

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Die Depression hat viele Gesichter

Der Zustand psychischer Niedergeschlagenheit steht im Zentrum. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Depression (lat. deprimere niederdrücken) eine weit verbreitete psychische Störung, die neben Traurigkeit, Interesselosigkeit, Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühlen und geringem Selbstwertgefühl auch durch Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann.

In der Psychiatrie ordnet man die Depression den affektiven Störungen zu. Unter dem Sammelbegriff affektive Störungen werden wiederum die verschiedenen Formen depressiver (unipolarer) und manisch-depressiver Erkrankungen (bipolarer Erkrankungen) zusammengefasst. Diese Störungen sind durch einen Stimmungs- oder Aktivitätswechsel bestimmt, der zur Depression führt oder bei dem eine gehobene Stimmung besteht.

Depressive Störungen können mit oder ohne begleitende Angst auftreten.

Diagnose einer Depression

Die Diagnose einer depressiven Erkrankung ist auch durch den Hausarzt möglich. Doch nicht hinter jeder Verstimmung oder Antriebslosigkeit steckt eine behandlungsbedürftige Depression. Nach den Diagnosekriterien lassen sich Depressionen aber zuverlässig von normalen Stimmungsschwankungen und anderen psychischen Störungen abgrenzen. Behandlungsbedürftig ist ein Betroffener aus Expertensicht dann, wenn charakteristische körperliche, psychische und verhaltensbezogene Beschwerden auftreten, die ihn gravierend und langfristig verändern.

Die Diagnose einer depressiven Erkrankung erfolgt durch das ICD-Klassifizierungssystem und das US-amerikanische Diagnosemanual (DSM-IV-TR). Die Krankheitsbezeichnung im Klassifikationssystem psychischer und anderer Erkrankungen lautet nach ICD-10 depressive Episode oder rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung, während sie nach DSM-IV-TR als major depression bezeichnet wird.

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Viele Hartz-IV-Empfänger haben Depressionen

Viele Hartz-IV-Empfänger haben Depressionen

Eine depressive Episode wird diagnostiziert, wenn die depressiven Kernsymptome mindestens zwei Wochen lang klinisch bedeutsam ausgeprägt vorliegen.

Bereits der Hausarzt soll im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung eine Depression diagnostizieren und therapieren können, so dass spezialisierte Versorgungen erst notwendig werden, wenn Betroffene nicht auf die Behandlung ansprechen. Die Diagnose einer Depression erfolgt anhand der vorliegenden Symptome und ihrem Verlauf.

Eine Diagnose depressiver Störungen ist Ärzten aber oft aus verschiedenen Gründen nicht unbedingt möglich. Denn viele Patienten scheuen sich und stellen körperliche Beschwerden in den Vordergrund, weil sie negative Folgen für ihr Berufs-oder Privatleben befürchten. Nach Angaben von Experten führt dieses Patientenverhalten zusammen mit dem unzureichendem Wissen einiger Allgemeinärzte dazu, dass ein Großteil der Depressionen unerkannt bleibt oder erst verspätet diagnostiziert wird.

Symptome bei depressiven Erkrankungen

Experten unterscheiden depressive Erkrankungen nach Anzahl und Schwere der Symptome verschiedene Episoden voneinander.

Verschiedene Episoden können auftreten. Neben der leichten depressive Episode, kann es zur mittelgradigen depressiven oder zur schweren depressiven Episode kommen.

Zu den typischen Symptomen zählen eine gedrückte Stimmung, die Verminderung von Antrieb und Aktivität oder eine Verminderung der Fähigkeit zur Freude, bis hin zum Verlust der Freude.

Auch kann sich das Interesse oder die Konzentrationsfähigkeit verringern. Sogar ein vollständiger Interessensverlust ist möglich.

Bei Betroffenen kann es zu einer ausgeprägten Müdigkeit nach jeder kleinsten Anstrengung kommen,  bei einigen Betroffenen stellt sich dagegen eine krankhafte Unruhe ein. Schlafstörungen oder ein verminderter Appetit bis hin zum Appetitverlust sind ebenfalls typische Symptome einer Depression.

Die Erkrankung kann außerdem mit einer Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens sowie mit Schuldgefühlen einhergehen. Manche depressive Erkrankungen sind von einem Früherwachen oder Morgentief begleitet.

Auch Anzeichen wie eine deutliche psychomotorische Hemmung, ein Gewichtsverlust oder Libidoverlust können typisch sein.

Klassifikation der Depression nach ICD-Code

F32.0: Leichte depressive Episode: In der Regel treten zwei oder drei Symptome auf. Der Betroffene ist allgemein beeinträchtigt, aber oft fähig die meisten Aktivitäten fortzusetzen

F32.1: Mittelgradige depressive Episode: In der Regel treten vier oder mehr Symptome auf. Der Betroffene hat meist große Schwierigkeiten, die alltäglichen Aktivitäten fortzusetzen

F32.2: Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome: In der Regel treten mehrere quälende Symptome auf. Typisch sind der Verlust des Selbstwertgefühls, Gefühle von Wertlosigkeit und Schuldgefühle. Häufig treten Suizidgedanken und Suizidhandlungen auf. Oft wird diese Form der Depression von körperlichen Beschwerden begleitet, für die keine medizinische Erklärung ermittelt werden kann

F32.3: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen: Zusätzlich zu Symptomen aus F.32.2 können z.B. Halluzinationen, Wahnideen, Verarmungswahn, psychomotorische Hemmung oder ein Starrezustand bei wachem Bewusstsein (Stupor) hinzu kommen und alltägliche soziale Aktivitäten unmöglich machen. Es kann Lebensgefahr durch Suizid oder mangelhafte Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bestehen

F32.8: Sonstige depressive Episoden

F32.9: Depressive Episode nicht näher bezeichnet

Diagnostische Ausschlussregeln

Es handelt sich nicht um eine Depression bei einer einfachen Trauerreaktion. Eine Depression wird auch nicht diagnostiziert, wenn eine Manie und Hypermanie auftritt, die zur den bipolaren Störung F31 zählt. Auch bei einer bestehenden Schizophrenie sowie bei einer schizoaffektiven Psychose oder psychotischen Störung liegt keine Depression vor.

Ausgeschlossen wird sie außerdem bei Süchten wie der Alkoholabhängigkeit. Ebenso führen körperliche Erkrankungen, wie zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen oder Hirntumore zum Ausschluss.

Wenn beim Betroffenen die Kriterien einer depressiven Episode nicht festgestellt werden können, kommen weitere Störungen in Betracht.

Therapeutisch relevante Unterformen der Depression

Es gibt noch einige Unterformen der Depression, die von Bedeutung sind. Es handelt sich dabei um Störungen, die mit charakteristischen Merkmalen einhergehen und mehr oder weniger ausgeprägt sein können.

Dysthymie

Der Dysthymie liegt als Hauptmerkmal eine chronisch depressive Verstimmung zugrunde, die aber leichter ausgeprägte Symptome zeigt, als die depressive Episode. Bei einer Dysthymie besteht die Störung bereits über einen längeren Zeitraum, mindestens 2 Jahre.

Neben Traurigkeit und Niedergeschlagenheit treten mindestens zwei weitere der folgenden Symptome auf:

  • Reduzierter oder vermehrter Appetit
  • Schlaflosigkeit
  • Vermehrtes Schlafbedürfnis
  • Energielosigkeit und Erschöpftheit
  • Reduziertes Selbstwertgefühl
  • Konzentrations- und Entscheidungsprobleme
  • Hoffnungslosigkeit

Meist beginnt die Dysthymie im Jugendalter und nimmt einen chronischen Verlauf. 10 bis 25 % der Betroffenen leiden außerdem unter wiederholt auftretenden, voll ausgeprägten depressiven Episoden (double depression).

Bipolare affektive Störungen

Eine bipolare affektive Störung (ICD-10 F31) liegt vor, wenn mindestens 2 Episoden affektiver Syndrome manischer und/oder depressiver Art auftreten, in denen die Stimmung und das Aktivitätsniveau gestört sind.

Sonstige affektive Störungen

Sonstige affektive Störungen betreffen zum Beispiel die rezidivierende kurze depressive Störung (F38.1).

Neurotische Belastungs- und somatoforme Störungen

  • Anpassungsstörungen (F43.2)
  • Gemischte Angst- und depressive Störung (F41.2)
  • Kurze depressive Reaktion

Die Winterdepression ist eine besondere Form der depressiven Störung

Charakteristisch für eine Winterdepression ist das wiederholte und an eine Jahreszeit gebundene Auftreten. Die Winterdepression beginnt am häufigsten im Herbst oder Winter und endet regelmäßig im Frühjahr.

Häufig auftretende Symptome sind neben einem übermäßigem Schlafbedürfnis insbesondere Energielosigkeit und vermehrtes Essen, aber auch Heißhunger auf Süßigkeiten beziehungsweise Kohlenhydrate. Ein Symptom ist dementsprechend auch die Gewichtszunahme.

Oft sind bereits jüngere Menschen von einer Winterdepression betroffen, die in höheren Breitengraden leben.

Verlauf von depressiven Erkrankungen

Depressive Erkrankungen treten meistens als episodische Störungen mit einem phasenhaften Verlauf auf, der auch längere symptomfreie Zeiten beinhalten kann.

Eine voll ausgeprägte Depression kann schleichend (subakut) oder akut beginnen. Der Zeitraum eines akuten Beginns beträgt Tage oder wenige Wochen, der schleichende Beginn dauert Wochen oder Monate.

Depressive Erkrankungen können unterschiedlich lange andauern

Die Dauer einer Depression ist sehr unterschiedlich. Bei unbehandelten depressiven Episoden geht man zumeist von 2 bis 3 Monaten aus, während sich unter Einsatz von Medikamenten und/oder Psychotherapie die Dauer und Schwere erheblich verkürzt.

Bis zu 80 Prozent der Betroffenen erleben in den nachfolgenden Jahren weitere depressive Episoden. Bei 15 bis 30 Prozent der Betroffenen entwickelt sich eine chronische Depression, die 2 Jahre und länger dauert. Man geht davon aus, dass sich mit steigender Episodenzahl die Dauer der symptomfreien Zwischenzeiten verkürzt.

Im Zeitraum von zwanzig Jahren erleiden Betroffene durchschnittlich zwischen 5 bis 6 depressive Episoden. Das Wiedererkrankungsrisiko und die Schwere der depressiven Episode steigen mit zunehmendem Alter.

Mögliche Ursachen einer Depression

Zur genauen Entstehung gibt es bislang noch keine einheitliche Theorie. Meist liegen einer Depression mehrere Ursachen zugrunde. Neben genetischen Ursachen wirken dabei psychische und soziale Faktoren zusammen. Einer einzelnen depressiven Episode geht jedoch oft ein belastendes Ereignis oder eine belastende Situation voraus.

Experten gehen davon aus, dass depressive Störungen durch die Wechselwirkung aktueller und chronischer Belastungen entstehen. Mehrere Faktoren können an der Entstehung einer depressiven Störung beteiligt sein:

Psychosoziale Aspekte

Ein psychosozialer Auslöser ist zum Beispiel Stress oder eine andere psychosoziale Belastung. Ebenso Verwundbarkeit (Vulnerabilität), etwa durch eine negative Lebenserfahrung kann ein Auslöser sein. Eine weitere mögliche Ursache liegt in einem depressiven Zustand, der beispielsweise bei einer depressiven Symptomatik in die Depression führt.

Neurobiologische Aspekte

Ein neurobiologischer Auslöser liegt zum Beispiel in einer Überaktivität der Stresshormone begründet. Aber auch genetische Faktoren können ursächlich sein. Außerdem kann ein depressiver Zustand beispielsweise durch neurochemische Dysfunktionen ausgelöst werden, die etwa in Bezug zu Serotonin oder Neuroadrenalin stehen.

Hinsichtlich ihrer Schwere wird die Depression häufig unterschätzt, doch bei frühzeitiger Diagnose ist eine Depression in den meisten Fällen gut therapierbar.

Die Therapie psychosozialer Faktoren erfolgt in der Regel durch psychotherapeutische Maßnahmen, während neurobiologische Faktoren im Rahmen einer Pharmakotherapie behandelt werden.

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Lithium und Lithiummangel

Lithium und Lithiummangel

Auch der Lithiumgehalt im Wasser steht im Zusammenhang mit Depression

Diverse Studien ergaben, dass lithiumreiches Wasser für mehr seelisches Wohlbefinden verantwortlich ist und gleichzeitig auch das Auftreten von Depressionen mindert und die Suizidrate reduziert. Das Ultraspurenelement, dass in Form von Lithiumsalzen auch gezielt zur Therapie von Depressionen eingesetzt wird, befindet sich regional in unterschiedlich hoher Konzentration in der Nahrung und im Wasser. Einige Mineralwässer und Heilwässer enthalten dabei besonders hohe Anteile an Lithium.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle bei Depressionen

Neben lithiumreichem Wasser können auch einige Lebensmittel die Depression positiv oder negativ beeinflussen.

Positiven Einfluss nimmt etwa grünes, stark folsäurehaltiges Gemüse wie Spinat, Petersilie oder Brokkoli. Aber auch tierische Lebensmittel wie Milch und Eier wirken sich günstig aus. Außerdem werden Lebensmittel, die viel Magnesium und den Stimmungsaufheller Tryptophan enthalten, empfohlen. Hierzu zählen unter anderem manche Trockenfrüchte, beispielsweise Feigen und auch einige Nüsse.

Depressionsfördernd wirken dagegen besonders Lebensmittel, die viele entzündungsfördernde Substanzen enthalten. Experten nennen hier neben Schweinfleisch auch roten Aufschnitt wie Salami. Entzündungsfördernd wirken zudem Lebensmittel mit vielen Histaminen, darunter etwa reifer Käse.

Mögliche Folgen einer depressiven Erkrankung

Es sind unterschiedliche Auswirkungen möglich. Eine Depression kann wiederkehrend auftreten oder über einen längeren Zeitraum auftreten. Betroffene können außerdem in ihrer Fähigkeit beeinträchtigt werden zu arbeiten, zu lernen oder zu leben. Im schlimmsten Fall begehen Betroffene Suizid.

Etwa 15 Prozent der Patienten mit schweren depressiven Erkrankungen versterben durch Suizid. Bei 40 bis 70 Prozent aller Suizide liegt eine Depression zugrunde.

Mit der Zahl der Rückfälle wächst auch die Gefahr, die allerdings heute durch den Einsatz verschiedener Medikamente verringert werden kann.

Mögliche Therapiemaßnahmen bei depressiven Erkrankungen

Bei depressiven Erkrankungen können verschiedene Therapiemaßnahmen zum Einsatz kommen. Die Therapie einer Depression erfolgt in Abhängigkeit von der Form der vorliegenden depressiven Erkrankung. Während milde Formen nicht medikamentös behandelt werden, setzt man bei mittleren bis schweren Fällen häufig verschiedene Therapieverfahren in Kombination ein.

Neben einer medikamentösen Therapie mit Antidepressiva kommen dann oft tiefenpsychologische Verfahren sowie verhaltenstherapeutische Verfahren zum Einsatz.

Die medikamentöse Therapie bei depressiven Erkrankungen

Zur Verhütung von Rückfällen bei depressiven Erkrankungen wie der Depression, manischer Hochstimmung oder schizoaffektiver Psychose setzt man therapeutisch verschiedene Arzneimittel ein. In der Regel schlägt man Patienten eine rückfall-vorbeugende medikamentöse Therapie vor, wenn sie zwei bis drei Episoden manischer und/oder depressiver Phasen erlitten haben, die innerhalb der vergangenen zwei bis drei Jahre auftraten.

Verordnete Arzneimittel müssen täglich über lange Zeiträume eingenommen werden, manchmal auch lebenslang. Zwar verhindern Betroffene damit einen erneuten Rückfall, dennoch bringen diese Medikamente neben Möglichkeiten auch Grenzen und Gefahren mit sich, über die Anwender informiert sein müssen.

Therapieerfolg bei depressiven Erkrankungen

Der Therapieerfolg bei depressiven Erkrankungen ist von vielen Faktoren abhängig. Bei etwa einem Drittel der Patienten, die auf Lithium eingestellt sind und zuverlässig mitarbeiten, kommt es zu keinem weiteren Rückfall mehr.

Bei etwa fünfzig Prozent der Patienten wird eine deutliche Verminderung der Leidensintensität festgestellt und die Häufigkeit der depressiven und manischen Phasen nimmt ab.

Dagegen erfährt jeder fünfte Kranke keine Besserung. Nicht selten ist ein Teil des Misserfolgs auf die mangelhafte Einnahme der verordneten Medikamente zurückzuführen. Man geht davon aus, dass völlige Unterbrechungen der Einnahme den Wirkungsgrad der Medikamente mindern, so dass eine Behandlungsunterbrechung gut abgewogen werden sollte.

Bei Unverträglichkeit oder Wirkungslosigkeit lässt sich die Behandlung beenden. Auch nach mehrjähriger erfolgreicher Einnahme kann ein Absetzversuch mit dem behandelnden Arzt diskutiert und begleitet werden.

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Lithiumtherapie und Lithiumsalze

Lithiumtherapie und Lithiumsalze

Der Wirkungseintritt ist meist verzögert

In der Regel greifen die Wirkungen nach Beginn der Therapie nicht sofort. Während der Therapieerfolg bei akuter Manie mit krankhafter Hochstimmung erst nach einer Woche oder später eintritt, kann die vorbeugende Wirkung bis zum vollen Rückfallschutz ein halbes Jahr und länger dauern.

Medikamente

Bei den stimmungsstabilsierenden Medikamenten können beispielsweise Lithium, Anticonvulsiva (Antiepileptika) sowie Valproat, Carbamazepin oder Lamotrigin zur Verordnung kommen.

Werden atypische Neuroleptika verordnet, kommen insbesondere Olanzapin (Zyprexa), Risperidon (Risperdal) oder Quietiapin (Seroquel) zur Anwendung.

Weitere atypische Neuroleptika sind neben Ziprasidon (Zeldox) und Aripiprazol (Abilify) auchAmisulpirid.

Tiefenpsychologische Verfahren bei Depression

Es können zwei unterschiedliche tiefenpsychologische Verfahren zur Anwendung kommen.

Tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie

Eine Depression, die auf einem unbewussten inneren Konflikt beruht, der durch negative Erlebnisse in der Vergangenheit entstanden ist, soll durch die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie bewusst gemacht werden. Wiederholtes Erinnern und Durchleben soll die Symptome auflösen und die Depression heilen.

Gesprächspsychotherapie

Die Gesprächspsychotherapie konzentriert sich darauf, psychische Störungen und ein negatives Selbstbild auszumachen, die entstehen, wenn Menschen Akzeptanz und emotionale Zuwendung nur unter bestimmten Bedingungen erfahren. Psychische Störungen unterdrücken natürliche Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung und Wachstum. Der Patient soll lernen, sich seine Bedürfnisse bewusst zu machen und wahrzunehmen.

Psychotherapeutische Verfahren bei depressiven Erkrankungen

Bei depressiven Erkrankungen werden fünf verschiedene Formen der Psychotherapie angewendet. Das Ziel besteht darin, dem Patienten Strategien zur Konfliktbewältigung aufzuzeigen, Handlungskompetenz zu vermitteln und Selbstvertrauen aufzubauen. Betroffene sollen erfahren, dass es sich um eine Krankheit handelt und sie keine Schuld daran trifft.

Verhaltenstherapie bei Depression

Die Verhaltenstherapie, die auf den modernen Erkenntnissen der Lerntheorie beruht, geht davon aus, dass depressive Störungen, wie sie etwa durch Partnerkonflikte oder Konflikte am Arbeitsplatz entstehen, auf einem Mangel an positiven Verstärkern zurückzuführen sind. Positive Verstärker sind beispielsweise erhaltenes Lob und Zuwendungen für soziales Verhalten. Im Rahmen der Therapie soll der Patient umlernen und aktive positive Verhaltensweisen aufbauen. Häufig werden Entspannungstechniken wie die leicht erlernbare progressive Muskelrelaxation mit einbezogen.

Kognitive Therapie bei Depression

Die kognitive Therapie, die häufig mit der Verhaltenstherapie kombiniert wird, soll dem Patienten helfen, eigene Denk- und Verhaltensweisen zu erkennen. Das Therapieziel ist es, Selbstkontrolle zu erlangen, soziale Bindungen zu erneuern oder aufzubauen und seine Aktivitäten zu planen. Auch die Fähigkeit mit Rückschlägen umzugehen und vorzubeugen, ist Teil der Therapie.

Interpersonelle Therapie bei Depression

Bei der interpersonellen Therapie (IPT) geht es um die zwischenmenschlichen Beziehungen des Patienten. Es geht darum, innere oder soziale Konflikte in kritischen Lebenssituationen auszumachen, sie zu verdeutlichen und zu lösen. Aus insgesamt vier Bereichen wählt der Patient in der Regel die zwei, die für ihn am bedeutungsvollsten sind.

Ein Bereich kann der Verlust von geliebten Menschen und Trauer sein, ein anderer der Abschluss von Lebensabschnitten oder sozialen Rollenveränderungen. Weitere Bereiche beziehen sich auf zwischenmenschliche Konflikte sowie Kontaktschwierigkeiten, die auch in soziale Isolierung begründet sein können.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 02/2017 | zuletzt aktualisiert 27.03.2024
Bildquelle: © Cottonbro Studio bei Pexels.com

Quellen und weiterführende Informationen:

WHO Definition Depression 2012

ICD-Code

Nationale Versorgungsleitlinie. Unipolare Depression

RKI Daten Fakten Depressionen

RKI. Depressive Erkrankungen Heft 51. 2010

Deutsche-Depressionshilfe.

Dr. med. Volker Faust. Psychosoziale Gesundheit. Lithiumsalze

ICD-Code F 32.0.

Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

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