Menschen mit Stoma können verschiedene Einschränkungen haben

Im Alltag lässt es sich meist nicht erkennen, ob ein Mensch mit einem Stoma – also einer künstlichen Öffnung (zum Beispiel Darmausgang) – lebt. Dennoch verändert sich das Leben der Betroffenen nach einem derartigen Eingriff deutlich. Der Umfang der Einschränkungen kann anfangs nur schwer eingeschätzt werden. Viele Patienten fragen sich, was sie noch können, wie sie sich pflegen und ob sie den Alltag genauso normal wie vorher meistern werden. Die gute Nachricht: Die meisten Betroffenen führen nach einem Eingriff ein weitgehend normales Leben.

Pflege ist von größter Bedeutung

Muss der natürliche Darmausgang aufgrund von Erkrankungen wie Darmkrebs, Morbus Crohn oder angeborenen Fehlbildungen entfernt werden, wird ein künstlicher Darmausgang (Stoma) angelegt. Die Medizin spricht dann von einem Enterostoma. Auch bei Erkrankungen der Blase (Urostoma) oder Speiseröhre (Gastrostoma) kann die Anlage eines künstlichen Ausgangs notwendig sein. Dabei soll eine Stomaversorgung vor allem eine Unterstützung des Patienten beim Aufnehmen oder Ausscheiden sein. Die Pflege der Stomaversorgung spielt im Alltag betroffener Patienten eine besonders wichtige Rolle, denn nur so lässt sich Hygieneproblemen und Infektionen vorbeugen. Üblicherweise erfolgt die Pflege im Stehen oder Sitzen. Bei pflegebedürftigen und bettlägerigen Personen kann dies auch im Liegen stattfinden. Ein gutes Pflegebett erleichtert der pflegenden Person die Aufgabe enorm.

Können Betroffene normal essen?

Neben der Frage nach der richtigen Pflege stellen sich Betroffene noch viele weitere Fragen. Gerade bei einem künstlichen Darmausgang wollen sie wissen, ob sie noch ganz normal essen können.

Grundsätzlich ist eine gesunde Ernährung – wie bei jedem anderen Menschen auch – sehr wichtig. Eine spezielle Diät für Stomapatienten ist nicht erforderlich. Es darf gegessen werden, was schmeckt und guttut. Allerdings können Verdauungsprobleme wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall auftreten. Die Deutsche Krebsgesellschaft gibt Ernährungsempfehlungen für Stomapatienten, außerdem helfen folgende Tipps:

  • mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen
  • Nahrung gut zerkleinern und lange kauen
  • Ernährung möglichst fettarm gestalten
  • Nahrung so schonend wie möglich zubereiten (dünsten, keine scharfen Gewürze verwenden)
  • bei blähenden, abführenden und stopfenden Lebensmitteln vorsichtig sein

Ein Ernährungstagebuch hilft dabei, ein besseres Gefühl für Verträglichkeiten zu bekommen.

Ist Sport mit Stoma möglich?

Generell sind Sport und Bewegung im Allgemeinen für das körperliche Wohlbefinden gut. Auch mit Stoma muss darauf nicht verzichtet werden. Nach Rücksprache mit dem Arzt eignen sich Sportarten, welche keine zu starke Belastung für die Bauchmuskulatur darstellen. Neben Gehen und Schwimmen sind auch Yoga und Pilates möglich, da die Muskulatur hierbei kontrolliert aufgebaut wird. Je nach Sportart schützen Bandagen die Bauchmuskeln, Schwimm- und Badegürtel decken das Stoma beim Schwimmen ab.

Sport mit Stoma

Sportarten wie Yoga sind für Stomaträger kein Problem, denn die Bauchmuskeln werden hier nicht überstrapaziert.

Partnerschaft und Familienplanung

Viele Betroffene machen sich Gedanken, ob sie mit Stoma problemlos eine Partnerschaft führen können. Nicht selten sorgt ein gewisses Schamgefühl dafür, keine Partnerschaft einzugehen. Doch das muss nicht sein. Ein künstlicher Darm- oder Blasenausgang ist kein Hinderungsgrund für Intimität und Sexualität. Aus körperlicher Sicht gilt hierbei wie beim Sport, dass die Bauchmuskeln nicht überanstrengt werden sollten. Gürtel, Minibeutel und Stomakappen können bei Sorge um den Versorgungsbeutel zum Einsatz kommen. Viele Stomapatienten berichten jedoch immer wieder von Sexualstörungen, die entweder körperliche (beispielsweise Schmerzen) oder psychische (zum Beispiel Gefühl von Unattraktivität, Gefühl der körperlichen Entstellung) Ursachen haben. In diesen Fällen sind Gespräche mit dem Partner sehr wichtig, auch ein Stomatherapeut kann helfen.

Im Zusammenhang mit dem Thema Partnerschaft kommt oft auch das Thema Familienplanung auf. Hier gilt, dass eine Schwangerschaft mit Stoma durchaus möglich ist, aber gute Planung erfordert. Frauen mit Stoma sollten bestenfalls nicht innerhalb der ersten beiden Jahre nach dem Eingriff schwanger werden.

Sind unangenehme oder gar peinliche Gerüche und Geräusche zu erwarten?

Egal ob künstlicher Darm- oder Blasenausgang: Die Stomaversorgung verfügt über einen dichten Verschluss. Somit müssen Patienten keine unangenehmen Gerüche befürchten. Der Stomabeutel sollte allerdings nicht zu lange getragen und bei einer äußerlichen Verschmutzung sofort gewechselt werden.

Beim Wechseln der Stomaversorgung können Gerüche auftreten, die als unangenehm empfunden werden. In diesem Fall empfiehlt sich die Anpassung der Ernährung – sinnvoll sind weniger gerucherzeugende Lebensmittel (Knoblauch, Käse, Eier) und mehr geruchhemmende Lebensmittel (grüne Gemüsesorten, Petersilie).​

Bei Blähungen oder dünnflüssigem Stuhl kann es zu blubbernden Geräuschen kommen. Diese müssen Stomapatienten nicht peinlich sein, denn alle Menschen entwickeln Verdauungsgeräusche.

Sind Ausflüge oder gar Reisen noch möglich?

Mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang sind Ausflüge und auch Reisen kein Problem. Entscheidend ist, alle notwendigen Pflegeutensilien für die Stomaversorgung in ausreichender Menge mitzunehmen.

Unter Umständen kann es – je nach Lage des Stomas – beim Autofahren durch den Gurt zu einem unangenehmen Druck auf Stoma oder Stomabeutel kommen. Dies ist generell nicht gefährlich, kann aber Undichtigkeit verursachen. Gurthalter zur Lageveränderung des Anschnallgurts oder Gurtbrücken schaffen hier Abhilfe.

Urlaub mit Stoma

Auf Ausflüge oder gar Urlaub müssen Stomaträger nicht verzichten.

So reagieren Stomapatienten am besten auf Fragen

Ein Stoma kann bei anderen Menschen zu Fragen führen. Sei es aus reiner Neugier oder von Kindern, die sehr direkt sind. Gerade bei Kindern sollte die Reaktion auf Alter und Reife des Kindes angepasst werden. Betroffene können sich – wenn sie auch vor dem Eingriff Kontakt mit Kindern hatten – kindgerechte Erklärungen überlegen. Diese können mit Angehörigen oder Freunden geübt werden, um nicht in Verlegenheit zu geraten, wenn tatsächlich Fragen aufkommen.

Doch nicht nur Kinder sind direkt. Auch Erwachsene stellen oft direkte Fragen. Sind diese zu persönlich, können Betroffene höflich, aber bestimmt darauf hinweisen, niemandem Erklärungen zu​ ihrer Erkrankung schuldig zu sein. Patienten können auch ganz unbesorgt sein – die Beziehung zu Angehörigen und Freunden erfährt durch den künstlichen Darm- oder Blasenausgang keine Belastung. Im Gegenteil: Familie und Freunde verstehen alles, was damit zu tun hat, und sind in der Regel eine gute Unterstützung.

Selbsthilfegruppen für den Austausch mit anderen Betroffenen

Wenn es um die Gewöhnung an das Leben mit künstlichem Darm- oder Blasenausgang geht, ist Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen enorm wichtig. In Selbsthilfegruppen ist dies möglich.

Autor: Stefan Hartung
Datum: 24.01.2022 | aktualisiert 13.04.2022

Bildquellen:

  • Abb. 1: pixabay.com @ lograstudio (CCO Creative Commons)
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  • Abb. 3: pixabay.com @ Takmeomeo (CCO Creative Commons)

Quellen und weiterführende Links:

  • Deutsche Krebsgesellschaft
  • Stefanie Hachenberger. Ratgeber für Stomapatientinnen mit Kinderwunsch und in der Schwangerschaft. MagSi Aktuell Nr. 58 04/2012 S. 26-29. (PDF)