Der diffuse Haarausfall kommt häufiger bei Frauen vor

Der diffuse Haarausfall, auch diffuse Alopezie oder diffuses Effluvium genannt, betrifft jede Form des Haarausfalls, die nicht mit einer Entzündung der Kopfhaut einhergeht und bei der keine Haare abbrechen und nicht nur eine einzelne Kahlstelle auf dem Kopf vorliegt. Bei dieser Form des Haarausfalls darf auch kein hormonbedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie) als Ursache vorliegen. Der diffuse Haarausfall ist besonders dadurch gekennzeichnet, dass die Haardichte beständig abnimmt und die Haare über den Kopf verteilt ausfallen.

Oft ist zwar die Kopfhaut zu sehen, dennoch führt diese Form des Haarausfalls nicht zur Bildung einer Glatze, weil einzelne Haare erhalten bleiben.

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Diffuser Haarausfall betrifft häufiger Frauen als Männer und kann praktisch in jedem Alter entstehen.

Ursachen bei diffusem Haarausfall

Am schwierigsten ist es, beim diffusem Haarausfall die Ursache dafür herauszufinden. Es kommt eine Vielzahl von Auslösern in Frage, die für eine erfolgreiche Therapie eindeutig identifiziert werden sollten.

Ohne die Ursache zu kennen, ist eine Therapie nicht unbedingt erfolgreich und in einigen Fällen können auch gleich mehrere Ursachen zugrunde liegen.

Zu den häufigen Ursachen des diffusen Haarausfalls zählen:

Der diffuse Haarausfall kann durch Chemikalien entstehen

Bei einigen Betroffenen reagiert der Körper auf spezielle Inhaltsstoffe in Haarpflegeprodukten allergisch. Die Reaktion beschleunigt den normalen Haarausfall. Die Verwendung natürlicher Produkte wird von Experten empfohlen.

Auch einseitige Ernährung kann diffusen Haarausfall verursachen

Wer längerfristig Diät hält oder sich regelmäßig einseitig ernährt, läuft Gefahr zu wenig Vitamine aufzunehmen. Besonders ein Mangel an Vitamin A, Vitamin K, den Vitaminen der B-Gruppe und Biotin führen zu Haarausfall.

Doch auch zu viele Vitamine begünstigen Haarausfall, etwa durch eine hohe Überdosierung von Vitamin A, Vitamin C und Folsäure.

Haarverlust kann ebenso durch eine starken Mangel verschiedener Spurenelemente, Schwefel und essentiellen ungesättigten Fettsäuren ausgelöst werden. Dabei spielen die Spurenelemente Silizium, Zink, Kupfer und Selen eine große Rolle.

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Einige Schwermetalle können diffusen Haarausfall auslösen

Wer regelmäßig in höheren Mengen Schwermetallen wie Blei oder Cadmium aufnimmt kann diffusen Haarausfall auslösen.

Mittels Haaranalyse lassen sich Schwermetallgehalte im Körper feststellen.  Bei chronischen Schwermetallbelastungen können die Schadstoffe durch spezielle Verfahren ausgeleitet werden.

Auch Krankheiten können Ursache für diffusen Haarausfall sein

Neben Infektionserkrankungen und psychischen Erkrankungen führen auch Stoffwechselerkrankungen und Essstörungen bei vielen Betroffenen durch die reduzierte Nahrungsaufnahme oder mangelnde Verwertungsmöglichkeit zu Nährstoffmängeln, die auch einen diffusen Haarausfall verursachen können.

Dazu zählen besonders folgende Erkrankungen:

Doch auch Geschlechtskrankheiten wie Syphilis in fortgeschrittenem Stadium können zu Haarverlust führen.

Daneben werden auch Unterfunktionen oder Fehlfunktionen wie Traumata mit psychischer Ursache mit Haarausfall in Verbindung gebracht. Ebenso können Haare aber auch durch eine Fehlfunktion des sympathischen Nervensystems oder durch eine verminderte Funktion der Hirnanhangdrüse verloren gehen.

Wenn eine Nierenfunktionsstörung oder eine vorgeschädigte Leber vorhanden ist, begünstigt das den Haarausfall ebenfalls.

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Der diffuse Haarausfall ist nicht immer leicht zu diagnostizieren

Speziell bei Frauen sind Fehldiagnosen durch Verwechselung mit genetisch bedingtem Haarausfall leicht möglich. Meist sind im Rahmen der Diagnose umfangreiche Untersuchungen notwendig.

Es kann bei diffusem Haarausfall auch zu einer Mischform kommen, so dass eine Diagnose sich besonders auch deshalb schwierig gestalten kann.

In einigen Fällen wird ein hormonell bedingter Haarausfall von einem diffusen Haarausfall überlagert. Ebenso kann es zu einem kreisrunden Haarausfall kommen, der durch eine diffuse Alopezie ausgelöst wurde.

Neben den Fragen des Arztes zu Krankengeschichte kommt es oft zu einer allgemeinen Untersuchung. Von Interesse sind dabei besonders ein kleines Blutbild, der Eisenwert (Ferritin), der Entzündungsparameter (CRP-Wert), der Vitamin-B12-Wert sowie die Schilddrüsenfunktion (TSH-Wert).

Zur Untersuchung können außerdem z.B. die Hormone Testosteron, Östradiol, Prolaktin, Progesteron, Dehydroepiandrosteron (DHEA), das luteinisierende Hormon LH bzw. ICSH, das follikelstimmulierende FSH oder das sexualhormon-bindende Globulin (SHGB) und Kortisol kommen.

Gegebenenfalls kommen beim Labor-Check auch weitere essentielle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in Verbindung mit dem Haarausfall zur Untersuchung. Auch Biotin zählt zu den Vitaminen, die bei einem Mangel Haarausfall verursachen können.

Der diffuse Haarausfall in der Therapie

Der diffuse Haarausfall ist dadurch gekennzeichnet, dass das Wachstum in den Haarfollikeln gestört ist, aber die Haarfollikel dennoch weiter funktionsfähig bleiben.

Welche Therapie der Arzt bei diffusem Haarausfall wählt, hängt in erster Linie von der ermittelten Ursache ab. Wenn die Ursache ermittelt wurde und sie umgehend behandelt wird, bestehen bei vielen Betroffenen sehr gute Heilungsaussichten.

Der Heilungsprozess hängt davon ab, wie lange der diffuse Haarausfall beriets aktiv gewesen ist. Je länger die Aktivität, desto länger auch der Heilungsprozess. Stellt sich heraus, dass die diffuse Alopezie durch eine Erkrankung ausgelöst wurde, hängt die Therapiedauer entsprechend auch von der Therapie der Erkrankung ab.

Besteht der diffuse Haarausfall erst seit kurzem und ist er schnell vorangeschritten, ist es möglich, dass der Haarwuchs schneller wieder einsetzt als bei einem diffusem Haarausfall, der schon länger aktiv ist.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 04.07.2022

Quellen und weiterführende Links:

  • Latz. Wirksame Hilfe bei Haarausfall. Verlag Trias. 2007
  • Handbuch Nährstoffe. Verlag Haug. 11. Auflage. 2007
  • Reuter. Springer Lexikon Medizin. Verlag Berlin Heidelberg, New York. 2004
  • David R. Goldmann. Praxishandbuch Medizin & Gesundheit. Verlag Dorling Kinderley. London, New York, München, Melbourne, Delhi. 2002
  • DGE. Ausgewählte Fragen und Antworten zu Biotin (November 2020)