Eine Demenzerkrankung konfrontiert sowohl Betroffene als auch Angehörige mit vielen Herausforderungen. Plötzlich ist alles anders – sowohl die betroffene Person selbst als auch dessen soziales Umfeld verändert sich. Häufig werden demenzkranke Menschen von Familienangehörigen wie Partnerinnen, Partnern oder Kindern gepflegt, was auf Dauer sehr an den Kräften zehren kann. Dennoch ist es oft noch möglich, gemeinsam schöne Dinge zu erleben, zu lachen und wertvolle Jahre miteinander zu verbringen. Damit dies gelingt, ist es jedoch wichtig, dass Angehörige sich möglichst umfangreich über das Krankheitsbild informieren und auch das eigene seelische und körperliche Wohl nicht vernachlässigen.

Wie kann ich als Angehöriger helfen?

Je nachdem, wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist, gibt es andere Dinge, die getan werden können. So steht in der Anfangsphase vermutlich hauptsächlich die mentale Unterstützung im Vordergrund – eine solche Diagnose geht oft mit existentiellen Ängsten und Krisen einher. Im späteren Verlauf wird die Hilfe bei Routinen im Alltag wichtiger. So passiert es oft, dass Demenzkranke irgendwann Tag und Nacht nicht mehr gut unterscheiden können sowie ihr Hunger- und Durstgefühl verlieren. Gewichtsverlust, Schlafstörungen und Flüssigkeitsmangel im Alter können die Folge sein. Damit die Betroffenen dennoch ausreichend trinken, hilft es beispielsweise, Trinkgefäße auffällig zu platzieren sowie Mahlzeiten und Getränke gemeinsam einzunehmen. In der Wohnung ist es außerdem wichtig, Rücksicht auf die veränderten Bedürfnisse zu nehmen. Dazu gehört es zum Beispiel, Rauchmelder anzubringen und mögliche Stolperstellen zu beseitigen.

Dokumente wie Pässe und Krankenkassenkarten sollten irgendwo sicher verwahrt werden. Für Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich zu orientieren, kann es außerdem sinnvoll sein, GPS-Ortungsgeräte zu installieren.

Umgang im Alltag

Ein Begleitsymptom der Demenz ist es, dass es häufiger zu Wutausbrüchen und Beschimpfungen kommt. Diese sind Teil des Krankheitsbildes und sie sind für Angehörige meist schwer auszuhalten – vor allem, wenn die Person früher eher friedfertig und liebevoll war. Dennoch sollte man dieses Verhalten nicht zu nah an sich herankommen lassen oder gar persönlich nehmen – es ist die Krankheit, die aus den Menschen spricht. Die Frage nach dem „Warum“ bezüglich bestimmter Tätigkeiten ist mitunter nicht zielführend. Demenzkranke, die ihre eigenen Handlungen manchmal nicht mehr begründen können, werden dadurch bisweilen unnötig irritiert und verunsichert – auch das löst mitunter Wut aus.

Ratsam in der Kommunikation ist es, immer nur eine Sache auf einmal zu sagen und dabei laut und deutlich zu sprechen, um das Verständnis zu erleichtern. Anstatt auf Fehler hinzuweisen, sollte man sich stattdessen auf das fokussieren, was klappt und was gut funktioniert hat. Auch wenn das Kurzzeitgedächtnis ist und Dinge vergessen werden, die vor wenigen Minuten passiert sind, sind weit zurückliegende Erinnerungen oft noch präsent. Schöne gemeinsame Momente schafft man so zum Beispiel, indem man sich alte Fotos oder Videos anschaut, Ausflüge zu Lieblingsorten macht und vertraute Musik hört.

Unterstützungsangebote

Sich um einen Menschen zu kümmern, der an Demenz erkrankt ist, kann auf Dauer eine ziemliche Belastung sein – egal, wie sehr man denjenigen liebt. Umso wichtiger ist es, dass auch Angehörige ihre Bedürfnisse und ihr eigenes Wohl ernst nehmen. Dazu gehört es natürlich, darauf zu achten, dass man selbst ausreichend Zeit für sich hat – zum Entspannen, um Hobbys nachzugehen oder sich mit Freunden zu treffen. Davon abgesehen erleben viele Menschen auch spezielle Gesprächskreise für Angehörige als entlastend. Manchmal hilft es bereits sehr, zu verstehen, dass man mit seinen Sorgen und Problemen nicht allein ist. Auch leicht erlernbare Entspannungstechniken wie etwa die progressive Muskelentspannung oder Yoga können zur besseren Stressbewältigung beitragen.

Außerdem ist es für Angehörige möglich, an Pflegekursen zum Thema Demenz teilzunehmen. In diesen Kursen erhalten Sie Informationen über die Krankheit selbst, aber auch über rechtliche Aspekte und Entlastungsmöglichkeiten. Unterstützungsangebote vermitteln beispielsweise Pflegekassen und Pflegestützpunkte sowie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.

Autor: Marius Schneider
Datum: 20.12.2022
Bildquelle: ©Sabine von Erp@pixabay.com

Quellen und weiterführende Informationen:

  • Gerolsteiner Magazin. Richtig trinken: Tipps gegen Flüssigkeitsmangel im Alter
  • Elisabeth Bräuer. Apotheken Umschau. Pflege zuhause. Menschen mit Demenz per GPS orten. 17.03.2020
  • Bundesgesundheitsministerium. Diagnose Demenz. Krankheitsbild und Verlauf. Stand September 2021
  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.