Häufigkeit in Industrieländern

DIABETES MELLITUS VIERTHÄUFIGSTE TODESURSACHE

Die Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus steht an vierter Stelle der Todesursachenstatistik der Industrieländer. Allein in Deutschland sind sechs Millionen Menschen von der chronischen Krankheit betroffen. Diabetes mellitus liefert hierzulande jedes Jahr die Ursache für 2000 Neuerblindungen und verursacht darüberhinaus 40.000 Amputationen. Jede Stunde sterben drei Erkrankte an Diabetes. Man geht davon aus, dass sich die Zahl der Erkrankten innerhalb der nächsten 10 Jahre um mehr als 40% erhöhen wird.

Definition und Beschreibung

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bezeichnet eine chronische Erhöhung des Blutzuckers, die mit einem hohen Risiko für schwere Folge- und Begleiterkrankungen verbunden ist.

ZWEI UNTERSCHIEDLICHE TYPEN VON DIABETES

Man unterscheidet hauptsächlich zwischen zwei großen Formen der Diabetes mellitus. Als vorübergehende Form der Diabetes gilt die Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes.

DIABETES MELLITUS TYP 1

Früher wurde Diabetes mellitus Typ 1 auch als jugendlicher Diabetes bezeichnet. Er entsteht zumeist im Kindes- und Jugendalter und entwickelt sich bis zum 25. Lebensjahr, wobei Jungen häufiger betroffen sind, als Mädchen. Typ 1 macht etwa 5% der Fälle aus.

Ursächlich für die Entstehung ist das Zusammenkommen mehrerer Faktoren, wie erbliche Veranlagung, Fehlfunktion des Immunsystems und äußere Faktoren, wie z.B. bestimmte Virusinfektionen. Unter diesen Bedingungen zerstören bestimmte weiße Blutkörperchen die insulinproduzierenden Zellen (Beta-Zellen) und es entsteht in der Folge ein absoluter Insulinmangel, der verhindert, dass die Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen und verwertet werden kann. Der Blutzuckerspiegel steigt an und der Körper verzehrt zur Deckung des Energiebedarfs das Fettgewebe.

DIABETES MELLITUS TYP 2

Typ 2 Diabetes wurde früher auch als Alterszucker bezeichnet. Er kommt mit 90% aller Fälle am häufigsten vor und tritt hauptsächlich bei Erwachsenen ab dem 40. Lebensjahr erstmals auf. Gefährdet sind besonders Personen mit großem Bauchumfang und deutlichem Übergewicht. Etwa 50% der betroffenen Personen wissen nichts von ihrer Krankheit, da sie schleichend und mit unspezifischen Symptomen voran schreitet. Mit zunehmendem Alter ist das Risiko der Erkrankung deutlich erhöht.

Beim Typ 2 Diabetes sprechen die Körperzellen vermindert auf Insulin an. Als auslösende Faktoren gelten fettreiche Kost, Bewegungsmangel und Übergewicht.  Der Nahrungszucker verbleibt im Blut, da das Hormon Insulin fehlt und ihn nicht an die Körperzellen abgeben kann. Beim gesunden Menschen sinkt der Blutzuckerspiegel nach der Abgabe des Blutzuckers in die Zellen wieder auf ein konstantes Niveau von 80-120 Milligramm/ Deziliter ab.

UNTERSTÜTZUNG ZUR REGULATION DES BLUTZUCKERSPIEGELS

Um den zu hohen Blutzuckerspiegel regulieren zu können, benötigen Menschen mit Diabetes Unterstützung durch Ernährungsberatung und eine Insulin- und/ oder Tablettentherapie.

EMPFOHLENES THERAPIEZIEL BEI DIABETES MELLITUS TYP 1

Nach Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG) sollten sich 50% der Blutzuckerwerte im Zielbereich von 80-140 mg/dl befinden.

EMPFOHLENES THERAPIEZIEL BEI DIABETES MELLITUS TYP 2

Nach Empfehlungen der DDG sollte sich der Blutzucker nüchtern und präprandial (vor dem Essen) zwischen 90-120 mg/dl befinden.

Mögliche Anzeichen für Diabetes mellitus

ENTGLEISUNG DES STOFFWECHSELS

Wenn der Blutzucker permanent oder über einen längeren Zeitraum deutlich oberhalb der von der DDG empfohlenen Grenzen liegt, kommt es zu einer Stoffwechselentgleisung mit folgenden Anzeichen:

  • sehr starker Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • Müdigkeit
  • unerklärlicher Gewichtsverlust

DIABETES MELLITUS TYP 2 OFT VON TESTOSTERONMANGEL BEGLEITET

Häufig weisen Männer mit Typ-2-Diabetes niedrige Testosteronwerte im Blutserum auf und es wird eine Messung des Gesamttestosteronwerts empfohlen, wenn bei ihnen Symptome von Testosteronmangel auftreten. Zwar kann bislang noch keine Testosterontherapie zur Kontrolle des Blutzuckers empfohlen werden, aber die enge Beziehung zwischen vielen Komponenten des metabolischen Syndroms gelten als wissenschaftlich gesichert.

Zu den Komponenten des metabolischen Syndroms zählen:

  • Übergewicht
  • erhöhter Blutdruck
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Insulinresistenz
  • verschlechterte Glukosetoleranz

Mögliche Folgen

UNENTDECKTE DIABETES MELLITUS KANN KRITISCH WERDEN

Wenn Diabetes mellitus langjährig bei hohen Blutzuckerwerten unentdeckt bleibt, kann es zu möglichen Folgeerkrankungen im Körper kommen, die sich auf folgende Bereiche auswirken können:

  • Herz
  • Gehirn
  • Gefäße
  • Nieren
  • Augen

MÖGLICHE SPÄTFOLGEN & KOMPLIKATIONEN VON DIABETES MELLITUS

Das Diabetische Fußsyndrom (DFS) tritt am häufigsten bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 auf und ist für zwei Drittel aller jährlich in Deutschland durchgeführten 40.000 Amputationen verantwortlich. Ursächlich sind oft Wunden am Unterschenkel oder Fuß, die aufgrund einer Durchblutungsstörung oder einer diabetesbedingten Nervenschädigung (Polyneuropathie) nicht innerhalb von zwei bis drei Wochen abheilen. Kleine Wunden, wie sie durch Anstoßen oder unsachgemäße Fußpflege entstehen, können sich zu tiefreichenden Geschwüren entwickeln, die zudem verkeimen können und eine normale Wundversorgung und Wundheilung verhindern.

Die Polyneuropathie, die ein Schmerzempfinden des Patienten komplett unterdrücken kann, kann auch zum Charcotfuß führen, bei dem die Knochen und Gelenke des Fußes zerstört werden. Manche Patienten schonen auch einen gebrochenen Fuß nicht, weil er nicht schmerzt. Oft geben erst auftretende Geschwüre oder auffällige Deformationen am Fuß einen Anlass zur ärztlichen Untersuchung. In der Regel müssen Betroffene nach langer Entlastungsruhe orthopädische Maßschuhe tragen.

Auf Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen können z.B. folgende Anzeichen hindeuten:

Nervenschäden

  • Gelenkschwellungen
  • Starke Neigung zu Nagelpilz oder Verhornung
  • Verminderung oder Verlust von Schmerzempfinden oder Temperaturempfinden
  • Schmerzende Füße in Ruhephasen, Linderung durch Kühlen oder Bewegung
  • Taubheitsgefühl, Brennen oder Kribbeln in Zehen und Füßen

Durchblutungsstörungen

  • Kalte Füße
  • Druckstellen, z.B. rötliche Hautflecken, die sich nicht wegstreichen lassen
  • Wadenschmerzen, Wadenkrämpfe beim Gehen. Besserung durch Stehenbleiben (Schaufensterkrankheit)
  • Dünne, pergamentartige, bläulich blasse Haut

Maßnahmen

DIABETES MELLITUS TYP 2 OFT DURCH UNGESUNDE ERNÄHRUNG MITBEDINGT

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) gehört auch Diabetes mellitus Typ 2 zu den ernährungsmitbedingten Volkskrankheiten. Das Risiko, an Folgekrankheiten zu erkranken, kann lt. DGE durch eine gesunde, ausgewogene Mischkost mit viel Obst und Gemüse und gesunden Fetten deutlich reduziert werden.

Nach Studienlage ist der tägliche Konsum von Obst und Gemüse in Deutschland häufig unzureichend. Diese Situation soll die DGE-Kampagne „5 am Tag“ verbessern, die empfiehlt, mindestens 250 g Obst und 400  g Gemüse zu verzehren.

BEI DIABETES MELLITUS VERÄNDERUNG DER LEBENSGEWOHNHEITEN 

Diabetiker können die Stoffwechselerkrankung gut in den Griff bekommen, wenn sie durch den Arzt und ein Diabetes-Team richtig eingestellt werden. Mit Medikamenten und/oder Ernährungsumstellung und gesunder Bewegung können viele Diabetiker ein normales aktives Leben führen.

Gesunde Bewegung hält nicht nur fit, sondern senkt auch den Zuckergehalt im Blut. So kann der Diabetiker Folgeschäden vorbeugen und im Idealfall läßt sich bei Diabetes mellitus Typ 2 die Medikamentendosis senken. Regelmäßige gesunde Bewegung, wie beispielsweise Wandern, Joggen oder Nordic Walking mehrmals die Woche ist hilfreich. Art und Intensität der Bewegung sollte in Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Nach Studien wirken sich Flohsamenschalen bei Diabetes mellitus Typ 2 äußerst günstig aus. Mehr Informationen und Quellenangaben hier.

FUSSPFLEGE ZUR VERMEIDUNG DES DIABETISCHEN FUSSSYNDROMS

Vorbeugend wird Diabetikern zu verschiedenen Maßnahmen geraten, die die Gesundheit der Beine und Füße fördern und erhalten. Neben der Beobachtung gefährdeter Hautstellen zählen dazu z.B.:

  • Tägliches Waschen und Eincremen der Füße. Sorgfältig abtrocknen, besonders in den Zehenzwischenräumen
  • Hautpflege von Fußsohle und Fußrücken mit harnstoffhaltigen Cremes. Rückstandsfrei einmassieren, keine Salben in Zehenzwischenräume geben
  • Konsequente Behandlung von Fußpilz
  • Keine Hühneraugenpflaster oder -tinkturen wegen ätzender Stoffe verwenden
  • Keine Verwendung scharfer Gegenstände wie Nagelscheren, Raspeln, Nagelzwicker etc., nur Nagelfeilen und Bimstein verwenden
  • Nägel nie schneiden, sondern mit der Feile spatenförmig formen
  • Bequemes, weites, weiches Schuhwerk möglichst aus Leder tragen
  • Gummischuhe und Turnschuhe vermeiden
  • Schuhe auf Unebenheiten oder Steinchen kontrollieren
  • Barfusslaufen erhöht die Gefahr von Verletzungen und Fußpilz
  • Baumwollstrümpfe tragen, täglich wechseln, drückende Nähte vermeiden
  • Große Hitze und Sonneneinstrahlung an Füßen vermeiden

Bei Fußproblemen können Diabetiker bei Podologen, die sich auf die Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms spezialisiert haben, Hilfe finden. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen gesetzliche Krankenkassen die podologische Behandlung auf ärztliche Verordnung hin. Eine Rücksprache mit der Krankenkasse kann sich lohnen.

DIABETIKERN WIRD VON HOHEM FRUKTOSEKONSUM ABGERATEN

Fruchtzucker (Fruktose) findet sich natürlich im Verband mit Traubenzucker (Glukose) in Obst und Gemüse, aber auch als isolierter Zucker in vielen industriell gefertigten Produkten. Fruktose wird in industriell hergestellten Produkten regelmäßig auf der Zutatenliste ausgewiesen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kommt nach verschiedenen neuen Studienergebnissen zu dem Schluß, das Diabetiker durch fruktosehaltige Industrieprodukte, die in hohen Mengen aufgenommen werden, ihre Gesundheit gefährden können. Fruktose kann unter anderem Adipositas, Metabolisches Syndrom oder eine Fettleber fördern.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/stellungnahme/DGE-Stellungnahme-Gemuese-Obst-2012.pdf

https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/ll-kh/04-Diabetes-DGE-Leitlinie-KH.pdf

http://www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/wasistdiabetes/grundlagen/index.html?TextID=19 – Prof. Dr. med. Werner Scherbaum, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf, Deutsche Diabetes-Klinik

http://menschen-mit-diabetes.de/pressemitteilung/20130305/politische-kampagne-diabetes-stoppen-jetzt-gestartet

Gesellschaft für Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V. (Hrsg.): Diabetes-Lesebuch. Wissenswertes für den Alltag mit Diabetes. Pabst Science Publishers Lengerich 2011

Burkhard Göke/Klaus G. Parhofer/Carsten Otto: Das Praxisbuch Diabetes mellitus. Urban & Fischer, München u. a. 2002
Helmut Schatz (Hrsg.): Diabetologie kompakt. Grundlagen und Praxis. 4. erweiterte und aktualisierte Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2006

Nationale Versorgungs-Leitlinie Typ-2-Diabetes: Schulung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). In: AWMF online (Stand 2013)

S3-Leitlinie Therapie des Diabetes mellitus Typ 1 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). In: AWMF online (Stand 2011)

S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). In: AWMF online (Stand 2009)

S2-Leitlinie Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). In: AWMF online (Stand 2010)

S3-Leitlinie Körperliche Aktivität und Diabetes mellitus der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). In: AWMF online (Stand 2008)

http://www.bfr.bund.de/cm/343/erhoehte_aufnahme_von_fruktose_ist_fuer_diabetiker_nicht_empfehlenswert.pdf

C. Wang, E. Nieschlag, R. Swerdloff et al. Untersuchung, Behandlung und Überwachung des Altershypogonadismus (Late-onset-hypogonadism) des Mannes: ISA-, ISSAM-, EAU-, und ASA-Empfehlungen. J. Reproduktionsmed. Endokrinol 2010;7 (2), 60-66

Text: Katja Redaktion
Datum: 10/2016

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