Die Erektile Dysfunktion (ED) ist im Volksmund auch unter den Namen Impotenz, Potenzstörung, Erektionsstörung oder Potenzproblem bekannt und betrifft nach Studienlage weltweit wohl mehr als 150 Millionen Männer. Doch nicht immer leiden nur Männer in reiferem Alter darunter, auch manche 20- bis 30-Jährigen sind bereits betroffen. Mediziner sprechen von einer Erektilen Dysfunktion, wenn der Mann über einen längeren Zeitraum keine Erektion erreicht, die für einen befriedigenden Intimkontakt ausreicht. Obwohl die Ursachen vielfältig sein können, deuten die auftretenden Symptome oft bereits auf eine bestimmte Ursache hin.
Ursachen für eine Erektile Dysfunktion
Kommt es zu Erektionsproblemen, sind zahlreiche Ursachen dafür möglich. Neben verschiedenen körperlichen und psychischen Erkrankungen oder Verletzungen, sind häufig auch Faktoren des Lebensstils, Medikamente sowie das Alter für die sexuellen Probleme verantwortlich. Die Erkrankung kann sich dann einstellen, wenn die Durchblutung im Penis nicht gesichert ist. Aber auch, wenn es zu Störungen der beteiligten Nervenbahnen kommt, die vom Penis über das Rückenmark bis hin zum Gehirn reichen, kann die Funktionsstörung auftreten,
Abhängig von der Ursache gibt es mittlerweile zahlreiche Optionen zur Behandlung der Erektionsstörung und auch die konsequente Änderung eines lungesunden Lebensstils trägt bei vielen Betroffenen zur Verbesserung oder Wiederherstellung bei.
Welche körperlichen Erkrankungen begünstigen die Erektile Dysfunktion?
Eine Erektile Dysfunktion entsteht bei vielen Männern in Folge einer bereits bestehenden Erkrankung. Die Reihe der in Frage kommenden Erkrankungen ist lang und es bedarf einer eingehenden ärztlichen Untersuchung, um Auslösern erfolgreich auf die Spur zu kommen. Ist die Ursache eingegrenzt, kann mit einer entsprechenden Behandlung die sexuelle Funktion in vielen Fällen verbessert oder wiederhergestellt werden.
Verschiedene Symptome deuten auf eine körperliche Ursache hin. Eine körperliche Ursache könnte dann zugrunde liegen, wenn die normale Erektion im Schlaf oder am Morgen ausbleibt oder sich die Impotenz über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt. Auch, wenn es zu Störungen der Sexualfunktion gleichermaßen beim Geschlechtsverkehr wie auch bei der Selbstbefriedigung kommt, spricht einiges dafür, dass körperliche Ursachen vorliegen.
Herz-Kreislauferkrankungen
Am häufigsten besteht eine Impotenz in Verbindung mit Herz- Kreislauferkrankungen. Als Grund dafür nennen Experten die damit einhergehende eingeschränkte Blutversorgung, die neben anderen Organen auch den Penis betreffen kann. Ausgelöst wird die eingeschränkte Blutversorgung durch Arteriosklerose, die auch unter dem Namen Gefäßverkalkung bekannt ist. Sowohl zu enge Gefäße, wie auch der zu schnelle Abfluss über die Venen können für die ausbleibende Erektion ursächlich sein.
Bluthochdruck
Chronisch erhöhter Blutdruck (Hypertonie), der bei manchen Männern durch Kalkablagerungen in den Gefäßen mit der Arteriosklerose verbunden ist, kann eine weitere Ursache für die Erektile Dysfunktion darstellen, denn er schädigt auch die Blutgefäße, die für Erektion und Potenz von großer Bedeutung sind.
Weitere Auslöser für Bluthochdruck sind neben erblicher Veranlagung zum Beispiel Erkrankungen der Nieren, der Schilddrüsen oder eine bestehende Schlafapnoe.
Bluthochdruck kann nicht nur eine Impotenz auslösen, sondern ist ein bekannter Risikofaktor für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Ein ungünstiger Lebensstil sowie Medikamente führen ebenfalls bei zahlreichen Betroffenen zu Bluthochdruck.
Diabetes mellitus
Auch die Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus gilt bei vielen Betroffenen als Ursache für die Erektile Dysfunktion. Durch den hohen Blutzucker können diabetischer Neuropathie Nerven und Blutgefäße geschädigt werden, was zu den Erektionsproblemen Vorschub leistet.
Neurologische Erkrankungen
Wenn etwa in Folge eines Schlaganfalls oder durch eine neurologische Erkrankung wie Multiple Sklerose die Nervenimpulsweiterleitung zu den Schwellkörpern beeinträchtigt wird, ist das Auftreten von Erektionsproblemen möglich. Zu den weiteren Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft ziehen, zählen die Alzheimer-Demenz oder Morbus Parkinson sowie der chronische Alkoholmissbrauch.
Testosteronmangel
Viele Männer im Alter um die 60 Jahre haben einen nicht diagnostizierten Testosteronmangel. Bei dem einen oder anderen Mann treten Erektionsstörungen auf, wenn das männliche Geschlechtshormon Testosteron nicht in ausreichender Konzentration im Blut vorhanden ist.
Schlafstörungen
Ein weiterer Auslöser der Impotenz sind in manchen Fällen Schlafstörungen wie etwa die Schlafapnoe, bei der es zu Atemaussetzern kommt. Atemaussetzer beeinträchtigen die normale Sauerstoffversorgung des Körpers.
Weitere körperliche Erkrankungen
Krebs sowie Nierenerkrankungen oder Lebererkrankungen können ebenfalls Potenzstörungen verursachen.
Welche psychischen Erkrankungen begünstigen die Erektile Dysfunktion?
Chronischer Stress am Arbeitsplatz und Leistungsangst, wie sie beispielsweise dem Burnout-Syndrom zugrunde liegen, kann zu Impotenz führen. Gleiches gilt für Stress in der Familie und Beziehungsängste. Durch sexuelle Traumata und psychische Erkrankungen, zu denen insbesondere Angststörungen und Depressionen zählen, kann die sexuelle Leistung außerdem beeinträchtigt und eine Erektile Dysfunktion verursacht werden.
Symptome, die auf eine psychische Ursache hindeuten, liegen vor, wenn das Alter des Betroffenen unter 50 Jahre liegt. Auch dafür spricht ein plötzlicher Eintritt der sexuellen Störung, beispielsweise in Folge eines belastenden Ereignisses. Auch, wenn die Erektile Dysfunktion sich hauptsächlich in bestimmten Situationen bemerkbar macht, spricht dies für eine psychische Ursache.
Welche Verletzungen fördern eine Erektile Dysfunktion?
Probleme durch Verletzungen oder Nervenschäden werden als weitere Ursache für die sexuelle Funktionsstörung genannt. Kommt es durch einen Unfall, Bandscheibenvorfall, Bestrahlungen oder medizinische Eingriffe zu Verletzungen des Rückenmarks, kann hierdurch die Nervenimpulsweiterleitung zu den Schwellkörpern gestört sein, wodurch die Erektion beeinträchtigt ist.
Durch Becken-Operationen, wie sie beispielswiese bei Prostatakrebs vorgenommen werden, kann es dagegen zur Schädigung solcher Nervenbahnen kommen, die für die Erektion notwendig sind.
Bei welchen Medikamenten kann Impotenz als Nebenwirkung auftreten?
Bei der Einnahme verschiedener Medikamente ist die Erektile Dysfunktion als Nebenwirkung im Beipackzettel aufgeführt. Nicht nur bei der Einnahme von Betablockern, auch bei Medikamenten zur Blutdrucksenkung oder Lipidsenkern sowie bei Medikamenten zur Entwässerung stellt sich bei manchen Männern eine Impotenz ein.
Gleiches gilt für manche Psychopharmaka, insbesondere Antidepressiva. Ärzte und Apotheken raten Betroffenen dazu, ihren Arzt zu informieren, wenn die Vermutung besteht, dass ein eingenommenes Medikament die Ursache von Störungen der sexuellen Funktion ist. In einigen Fällen können Ärzte ein Alternativpräparat verschreiben.
Welche Faktoren des Lebensstils tragen zur Entstehung der Erektionsprobleme bei?
Die Palette der Lebensstilfaktoren, die Erektionsprobleme verursachen und von Medizinern auch als Auslöser für verschiedene Erkrankungen genannt werden, ist, wie zuvor dargelegt, breit.
Als typische Faktoren eines ungünstigen Lebensstils sehen Experten den Bewegungsmangel, unausgewogene Ernährung, Übergewicht, Rauchen sowie einen hohen Alkoholkonsum. Männer, die viel Stress in ihrem Alltag zu bewältigen haben, zählen ebenfalls zu der Personengruppe, die häufiger von einer Erektilen Dysfunktion betroffen sind.
Diagnose
Bei der Erektilen Dysfunktion kommt es nicht zur Erektion oder die Erektion kann nicht gehalten werden. Die Funktionsstörung liegt vor, wenn die sexuellen Probleme mindestens 6 Monate andauern und sich in über zwei Drittel der Geschlechtsverkehrsversuche zeigen.
Bedarfsweise kann der Hausarzt den Patienten an Spezialisten wie beispielsweise einen Urologen, Neurologen, Psychotherapeuten, Psychologen oder Andrologen überweisen.
Außerhalb des Arztgesprächs und der üblichen Standardfragebögen stehen auf der Suche nach dem Auslöser für die Potenzstörung verschiedene körperliche Untersuchungen zur Verfügung.
- Blutdruckmessung
- Blutuntersuchung
- Hormonspiegelmessung
- Nervenuntersuchung
- Seltener: Ultraschalluntersuchung (Dopplersonographie)
- Seltener: Messungen im Schlaflabor
Behandlung der Erektilen Dysfunktion
Erektile Dysfunktion ist eine Erkrankung, die abhängig von der Ursache und nach ärztlicher Beratung unter Abwägung möglicher Risiken und Nebenwirkungen behandelt werden sollte.
Medikamentöse Behandlungsoptionen
Bei einem diagnostizierten Testosteronmangel mit Erektionsproblemen kann eine Hormongabe über spezielle Hautgels oder intramuskuläre Injektionen erfolgen.
Sogenannte PDE-5-Hemmer wie zum Beispiel die Präparate Vardenafil, Sildenafil oder Tadalafil unterstützen dagegen bei sexueller Erregung die Erektion. Die verschreibungspflichtigen Tabletten zeigen beim Hauptteil der Betroffenen eine Wirkung, die jedoch maßgeblich vom Präparat und der Dosierung abhängt. Nur Tadalafil zeigt eine Langzeitwirkung und hält zwischen 24 und 36 Stunden an.
Bei psychisch bedingten Potenzstörungen kann der Wirkstoff Yohimbin zu Einsatz kommen.
Eine weitere medikamentöse Therapiemöglichkeit bei erektiler Dysfunktion sind Harnröhren-Zäpfchen. Mit Hilfe eines Applikators (MUSE) lassen sich die Mini-Zäpfchen vom Mann in die Harnröhre einführen und erhöhen den Blutfluss im Penis. Die Erektion setzt nach ungefähr 10 bis 15 Minuten einhält zwischen 30 und 60 Minuten an.
Bestehen Nervenschäden und in Fällen, wo keine PDE-5-Hemmer angewendet werden dürfen, haben Männer die Möglichkeit, sich mit einer sehr dünnen Nadel Schwellkörper in den Penis zu injizieren. Die Wirkung der schmerzfreien Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) setzt nach etwa 10 bis 15 Minuten ein und hält etwa eine Stunde an.
Betroffene können einiges gegen ihre Potenzprobleme tun, wenn sie die ungünstigen Faktoren in ihrem Lebensstil abstellen und auch regelmäßig Körperfunktionen wie Blutzucker, Blutfette und den Blutdruck kontrollieren und bei Auffälligkeiten entsprechend ärztlich therapieren lassen.
Implantate
In einigen Fällen ist die Potenzstörung nur durch ein Silikon-Implantat behandelbar, das operativ eingesetzt wird. Die Wahl besteht zwischen immer steifen und biegsamen Implantaten und auffüllbaren Implantaten, die auf Knopfdruck eine Erektion durch das Einströmen von Kochsalzlösung entstehen lassen.
Saugpumpe
Die Vakuumtherapie funktioniert mittels durchsichtigem Plastikzylinder, der einen Unterdruck erzeugt und mit einem Gummiring auf den Penis gesetzt wird. Der gesteigerte Blutfluss führt zur Erektion.
Stoßwellentherapie
Eine weitere Behandlungsoption bietet die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) (Link zum Bericht des Urolgenzentrums AT), bei der sich beeinträchtigte Blutgefäße durch Ausschüttung eines Wachstumsstoffes nachhaltig regenerieren sollen.
Naturheilkundliche Behandlungsoptionen
Bei Störungen der männlichen Potenz kommen in der Naturheilkunde einige Pflanzendrogen zur Anwendung, die jedoch ebenfalls nur unter ärztlicher Begleitung angewendet werden sollten. Naturheilkundlich bewährt haben sich bei Potenzproblemen zur Basisbehandlung die Ginsengwurzel und die Taigawurzel. Stimmungsaufhellend wirkt das Johanniskraut, während Ginkoblätter die Durchblutung fördern.
In der Aromatherapie haben sich bei sexuellen Störungen unterstützend entkrampfende und lustfördernde Massagegele bewährt, die eine sinnliche Atmosphäre schaffen und auf den Solarplexus aufgetragen werden. Dieser befindet sich in der Mitte unterhalb des Rippenbogens. Auch die Verwendung im Intimbereich ist in der Literatur beschrieben. Eine Mischung der Trägeröle Kokosfett und Jojobaöl mit den ätherischen Ölen Rosengeranie, Yling Ylang, Muskatellersalbei und Atlaszeder soll im Gehirn Lust entstehen lassen.
Besonders stimulierend wirkt in einer balsamischen Mischung wohl das teure ätherische Öl des Adlerbaums (Oud), das als arabisches Viagra bekannt ist und lange vor den synthetischen Mitteln schon eingesetzt wurde.
Psychotherapie
Bei vielen Menschen Alter unter 50 Jahre gelten psychische Probleme wie depressive Störungen, aber auch Antidepressiva als mögliche Auslöser für die Potenzprobleme. Eine Psychotherapie kann bei der Bewältigung helfen.
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 11.08.2025
Bildquelle Titelbild © un-perfekt auf Pixabay
Quellen und weiterführende Informationen:
- Kästner, Dr. A Baum. Erektile Dysfunktion: Wenn kein erfülltes Sexualleben möglich ist. Apotheken-Umschau. 07.08.2024 (Abgerufen am 11.08.2025)
- Wiesenauer. Phyto Praxis. 4. Auflage. Verlag Springer. 2010.
- Zimmermann. Aromatherapie für Sie. Verlag Trias. 2012/2013
- Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 267. Auflage Verlag De Gruyter. 2017 S.525
- Erektionsstörung: Wenn die erektile Dysfunktion die Sexualität hemmt. AOK 05.11.2021
- Stoßwellentherapie bei Erektionsproblemen. urologenzentrum.at
- Sperling, U. Hartmann, W. Weidner et al. Erektile Dysfunktion: Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie Dtsch Arztebl 2005; 102: A 1664–1669 [Heft23]
Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen
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