Fairer Handel nach ethischen Grundsätzen

Fair Trade ist keine gesetzlich geschützte Bezeichnung. Verstanden wird darunter der möglichst direkte Handel unter ökologischen, nachhaltigen und sozialverträglichen Standards zwischen den erzeugenden Betrieben aus Ländern der Dritten Welt und dem verarbeitenden Handel der Industriestaaten. Hinter den verschiedenen Siegeln, die Fair Trade Produkte auszeichnen, verbergen sich einige Vereinigungen, die entsprechende Kriterien für den fairen Handel festlegen, diesen Handel auch abwickeln und kontrollieren und Fair Trade Produkte auszeichnen. Zu den fair gehandelten Rohstoffen zählen Produkte wie Früchte, Fruchtsäfte, Reis, Gewürze, Kaffee, Kakao, Zucker, Blumen oder Tee.

In Deutschland gibt es einige unterschiedliche Siegel für den fairen Handel, die eine ganze Bandbreite von Produktbereichen abdecken. Einen Überblick bietet die Fair-Trade-Siegel-Liste von Fair Trade Deutschland.

LESETIPP

Kaffee – Was Kaffeetrinker wissen sollten!

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Der faire Handel wird von zahlreichen finanzkräftigen Institutionen unterstützt, darunter auch die Bundesregierung und die Europäische Union.

Wie Fair Trade Deutschland mitteilte, hat 2021 erstmals eine Bundesregierung „weltweit faire und formelle Arbeitsbedingungen sowie existenzsichernde Löhne“ im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Die Bundesregierung unter Olaf Scholz erklärt darin weiter, dass sie „den regelbasierten Freihandel auf Grundlage von fairen, sozialen und ökonomischen Standards stärken“ wollen.

Fair Trade Organisationen

Die Fairtrade Labelling Organisations International (FLO) vereint viele Organisationen unter einem Dach. Gegründet wurde die Fairtrade Labelling Organisations International 1997. Sie bildet die Dachorganisation der regionalen Labelling Organisationen. Unter ihrem Dach sind mittlerweile 20 Labelling Organisationen in 21 Ländern vereint. Die FLO kontrolliert die Einhaltung der Richtlinien bei den Produzenten und legt die Mindestpreise für die Rohstoffe fest.

TransFair e.V.

Der Verein Trans Fair e.V. wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, die Lebensbedingungen der Plantagenarbeiter in Asien, Afrika und Lateinamerika zu verbessern. Trans Fair e.V. versteht sich als Sozialsiegel, das es gegen Lizengebühr an Importeure und Hersteller vergibt. Trans Fair e.V. zählt zur Dachorganisation FLO. Allein Trans Fair e.V. Deutschland vermeldete für 2013 einen geschätzten Umsatz von 654 Millionen Euro mit Fair Trade Produkten.

Weltladen Dachverband

Weltläden findet man in vielen Städten. Sie halten fair gehandelte Waren aller Art bereit.

gepa Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt GmbH

Die gepa Gesellschaft unterhält allein in Deutschland mehr als 10.000 Verkaufsstellen für fair gehandelte Produkte und gilt als Europas größtes Handelsunternehmen für fair gehandelte Produkte. Die Produkte der gepa sind mit dem TransFair Siegel ausgezeichnet und stammen zu großen Teilen aus biologischem Anbau.

El Puente

Die Firma El Puente vertreibt und importiert fair gehandelte Produkte von Kleinbetrieben und Genossenschaften aus der Dritten Welt nach Deutschland.

Fair Trade Bedingungen

Mittelpunkt bilden die Kriterien des fairen Handels.

Für jede Partei legen die Organisationen bestimmte Kriterien fest, die je nach Organisation auch voneinander abweichen können. Im Allgemeinen sind das folgende Kriterien:

Bedingungen für den fairen Handel

  • Die Beziehungen müssen auf eine langfristige Zusammenarbeit ausgelegt sein
  • Zwischenhändler sind auszuschalten
  • Um Verschuldung der Produzenten zu vermeiden, ist ein Teil der Ernte vorzufinanzieren
  • Für die Rohstoffe ist ein fairer Preis über dem Weltmarktniveau zu zahlen

Bedingungen für die produzierenden Bauern oder Genossenschaften

  • Entscheidungsprozesse müssen in den Betrieben demokratisch organisiert sein
  • Sozialverträglicher Anbau ohne Sklaverei, Kinderarbeit und gesundheitsschädliche Arbeitsmethoden. Außerdem angemessene Bezahlung aller Beschäftigten
  • Nachhaltiger, umweltschonender Anbau
  • Bauern und Genossenschaften sollen aus ärmeren Bevölkerungsschichten kommen
  • Weder Frauen noch andere Bevölkerungsgruppen sollen benachteiligt werden

Die Verbraucherzentrale wünscht sich ein gesetzlich definiertes, einheitliches Fair-Tradesiegel, das europaweit gilt und rechtsverbindliche Kriterien vorgibt.

Was für fair gehandelte Produkte gibt es?

Fair gehandelte Produkte können sowohl Mischprodukte wie auch Monoprodukte sein. Monoprodukte sind beispielsweise Kaffee, Kakao, Zucker, Tee oder Gewürze, Gemüse und Früchte. Diese stammen dann zu 100 Prozent aus dem Fairen Handel.

Daneben werden auch Mischprodukte unter dem Fair Trade Siegel vertrieben, die aus mehreren Zutaten bestehen wie z.B. Säfte oder Schokoladen. Die Anteile der enthaltenen fairtrade-zertifizierten Zutaten werden auf der Produktverpackung ausgewiesen. Für diese Zutaten gelten verschiedene Regelungen in Bezug auf den enthaltenen Fairtrade-Handelsanteil. Demnach müssen Mischprodukte mindestens einen Anteil von 20 Prozent fairtrade-gehandelten Bestandteilen aufweisen. Dieser Anteil bezieht sich auf das Gewicht oder auf das Ausgangsvolumen sämtlicher Inhaltsstoffe, die vor der Verarbeitung gemessen werden. Sofern zugegebenes Wasser oder Milchprodukte einen Anteil von mehr als 50 Prozent aufweisen, fließen sie nicht in die Berechnung ein. Bei Mischprodukten des Fair Trade Handels wird gefordert, dass sie die höchste Menge an handelsmäßig verfügbaren Fair Trade Zutaten beinhalten.

Unter den Produkten sind ebenso fair gehandeltes Gold oder fair gehandelte Baumwolle.

Ziele von Fair Trade

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Förderung von Projekten und Erzeugern. Der Faire Handel soll dazu beitragen das Existenzminimum von Kleinbauern und Plantagenarbeitern zu sichern, um so ihre Lebenssituation schrittweise zu verbessern. Die angeschlossenen Bauern erhalten von den Kooperativen einen höheren Preis für ihre Ernte, als lokale Zwischenhändler ihnen zahlen würden. Ein Teil des Mehrerlöses wird verwendet, um Gemeinschaftsprojekte wie Schulen, Straßenbau, Gesundheitsversorgung oder Trinkwasserversorgungen zu finanzieren.

Auch Deutsche unterstützen lange schon den Fairen Handel

Unterstützung erhält der faire Handel seit langem auch durch die Bunderegierung und die deutschen Verbraucher, bei denen die fair gehandelten Waren gut ankommen. Nach Großbritannien galt Deutschland bereits 2013 als Marktführer bei den fair gehandelten Produkten. Rund 4000 Produkte mit einem Fair Trade Siegel waren damals in Deutschland erhältlich, im Jahre 2021 hatte sich die Zahl schon nahezu auf 7.800 Produkte verdoppelt. Trotz Pandemie gaben die Deutschen nach Angaben von Fair Trade Deutschland im Jahr 2021 um die 2,1 Milliarden Euro für fair gehandelte Produkte aus. Kakao und Schokoladenprodukte waren die Umsatzstärksten.

Die Bundesregierung begrüßt nach wie vor, dass Verbraucher mit ihrer Kaufentscheidung für Fair Trade Ware gezielt etwa bessere Arbeitsbedingungen oder nachhaltige Umweltaspekte beeinflussen können und förderte das Siegel des Vereins TransFair. e.V., indem es die Aktion Faire Woche, die einmal im Jahr stattfindet, unterstützt. Auch das Fair Trade Siegel hat die Bundesregierung im maßgebenden Portal Siegelklarheit aufgeführt.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016 | aktualisiert 29.01.2023
Bildquelle: ©Susanne Jutzeler@pixabay.com (CCO Creative Commons Lizenz)

Quellen und weiterführende Informationen:

Bundesregierung. Fair kaufen für eine bessere Welt

Fairtrade Deutschland

GEPA

El Puente

Lebensmittelklarheit

Fairtrade Deutschland. Koalitionsvertrag legt Basis für fairen Aufbruch. 24.November 2021 (abgerufen 29.01.2023)

Fairtrade Deutschland. Liste der Fair Trade Siegel