Ist Fluorid gesund oder riskant?

FLUORID STEHT BEI EXPERTEN IN DER DISKUSSION

Fluorid ist ein essentielles Spurenelement, weil es positive Wirkung auf den Zahnschmelz zeigt und in Verbindung mit Zahnmineralisierung, Kariesschutz und dem Schutz vor Zahnbelag (Plaque) steht. Zu wenig Fluorid im Körper begünstigt Karies und ein Fluoridmangel wird mit einem höherem Kariesaufkommen verbunden. Deshalb wird das Spurenelement einigen Zahnpflegeprodukten und auch Lebensmittel beigemischt.

Fluorid beeinflusst außerdem das Knochengewebe bis zu einer bestimmten Menge vorteilhaft, so dass Fluoridpräparate ebenfalls bei Osteoporose gezielt zum Einsatz kommen.

Allerdings steht das Spurenelement Fluorid wegen der Gefahren, die mit einer erhöhten Fluoridaufnahme verbunden sind, in der Kritik. Zwischen den Fachgesellschaften der Kinderärzte und Zahnärzte wird deshalb zum Thema Kariesprophylaxe schon länger ergebnislos diskutiert, ob die täglichen Fluoridgaben besser in Form von Fluoridtabletten oder Zahnpasta erfolgen sollen. Wegen der anhaltenden Diskussionen ist 2018 die gemeinsame medizinische Leitlinie zu den Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe nicht rechtzeitig aktualisiert worden, so dass es derzeit keine einheitliche medizinische Empfehlung gibt.

FLUORID KANN STARK GIFTIG SEIN

Fluorid ist ein Salz der Fluorwasserstoffsäure, das in Form vieler Mineralien in der Natur vorkommt und je nach Art und/oder aufgenommener Menge auch stark giftig für den menschlichen Organismus sein kann. Der Körper speichert es in Knochen und Zähnen. Während Fluorid in bestimmten Mengen vorteilhafte gesundheitliche Wirkung zeigt, kann die übermäßige Fluoridaufnahme zu Schäden an Zähnen und Skelett führen.

Erhöhte Aufnahme und Überdosierung von Fluorid hat Folgen

ÜBERHÖHTE FLUORIDAUFNAHME FÖRDERT KRANKHEITEN

Auch wenn Fluorid in bestimmten Mengen gesundheitsfördernd wirkt, führen zu hohe Aufnahmemengen zur Dentalfluorose und können später zur Skelettfluorose führen. Beide Erkrankungen entstehen durch die Anreicherung des Spurenelementes in dem betroffenen Bereich.

Schon wenn die empfohlene Fluoriddosierung geringfügig überschritten wird, kann eine Dentalfluorose ausgelöst werden und es entstehen bei der milden Ausprägung weißlich-opake Flecken im Zahnschmelz. Mit steigender Fluoridanreicherung geht die Dentalfluorose in ein schweres Stadium über und die Zähne werden nicht nur durch braune Verfärbungen unansehnlicher, sondern es kann auch zu Substanzverlusten kommen, weil der Zahnschmelz weicher wird. Wenn eine hohe Fluoridaufnahme über Jahre anhält, kann sich eine Skelettfluorose entwickeln, die erhöhte Knochenbrüchigkeit und Gelenkveränderungen auslöst.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) kommt es bei Kindern im Alter von bis zu 8 Jahren bei Fluoridzufuhren von mehr als 100 µg/kg Körpergewicht pro Tag zu Zahnschmelzflecken (Zahnfluorose) in den bleibenden Zähnen. Eine weit höhere Zufuhr in diesem Alter führt zu braunen Zahnverfärbungen. Bei langjähriger hoher Fluoridaufnahme zwischen 10-25 mg/Tag über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren, kann eine Skelettfluorose auftreten.

Nach extrem hohen Fluoridaufnahmen von 300-600 mg/Tag über mehrere Monate traten Nierenschäden auf.

Fluorid in der Ernährung

FLUORIDGEHALT IN LEBENSMITTELN

Fluorid ist in vielen Lebensmitteln natürlich enthalten, vor allem findet es sich in Nahrungsmitteln wie Nüssen, tierischen Produkten, Meeresfrüchten, Gemüse oder Pilzen. Es kommt beispielsweise in folgenden Anteilen vor:

Walnüsse (680 µg/100 g) Rindleber (125 µg/100 g), Sardelle (355 µg/100 g), Erdnuss (140 µg/100 g), Buchweizen (170 µg/100 g), Spinat (110 µg/100 g), Radieschen (70 µg/100 g), Steinpilz (60 µg/100 g).

FLUORIDGEHALT IN MINERALWASSER UND TRINKWASSER IST REGLEMENTIERT

Auch Mineralwässer enthalten natürliches Fluorid. Ab 1,5 mg/l muss Mineralwasser auf dem Etikett als fluoridhaltig gekennzeichnet werden. Sobald mehr als 5 mg/l enthalten sind, wird ein Warnhinweis auf der Flasche erforderlich, dass das das Wasser nur in begrenzter Menge getrunken werden darf.

Regional bedingt, sollen einige Fluoridwerte im Trinkwasser sehr hoch ausfallen, so dass diese Werte bei der täglichen Ernährung in Bezug auf die Grenzwerte zu berücksichtigen sind. Auskunft darüber geben die örtlichen Wasserwerke.

Ernährungsempfehlungen zur Kariesprophylaxe

EMPFEHLUNGEN ZUM SCHUTZ VOR KARIES

Neben Empfehlungen zu einer guten Zahnhygiene gibt es einige offizielle Ernährungsempfehlungen, um die Zähne vor Karies zu schützen.

  • Kohlenhydrate bei den Hauptmahlzeiten verzehren
  • Bei Zwischenmahlzeiten Zucker durch Süßstoffe ersetzen, z.B. zuckerfreie Kaugummis oder Süßungsmittel in Getränken
  • Mit Fluorid angereichertes Speisesalz verwenden
  • Bei Kleinkindern Dauernuckeln aus Saugerflaschen vermeiden
  • Besonders bei Kindern Fluoridtabletten mit exakter und sicherer Dosis einsetzen

Tagesbedarf und Referenzwerte von Fluorid

EMPFOHLENE FLUORIDAUFNAHMEMENGE

Der tägliche Bedarf an Fluorid beträgt nach Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE):

  • Säuglinge bis 4 Monate/0,25 mg
  • Kinder 4-12 Monate/0,5 mg
  • Kinder 1-4 Jahre/0,7 mg
  • Kinder 4-10 Jahre/1,1 mg
  • Kinder 10-13 Jahre/2,0 mg
  • Jungen 13-19 Jahre/3,2 mg
  • Mädchen 13-19 Jahre/2,9 mg
  • Männer ab 19 Jahre/3,8 mg
  • Frauen ab 19 Jahre/3,1 mg

Fluorid wird in Deutschland einigen Sorten von Speisesalz und auch fertigen Säuglingsnahrungen zugesetzt. Ebenfalls ist es in vielen Zahnpflege-Produkten enthalten.

Ursachen, Symptome und Folgen bei Fluoridmangel

ZU GERINGE FLUORIDAUFNAHME IN DEUTSCHLAND

In Deutschland wird die Aufnahme von Fluorid über die normale Nahrung generell als zu niedrig eingeschätzt, deshalb besteht ein hohes Risiko für Fluoridmangel. Experten raten deshalb zur regelmäßigen Verwendung von fluoriertem Speisesalz, fluoridhaltigen Lebensmitteln und/oder Fluoridtabletten in Form von einem Nahrungsergänzungsmittel. Durch einen Mangel an Fluorid entsteht Karies. Ursache für Karies ist die Säure vom Mikroorganismen im Zahnbelag, die die Zahnhartsubstanzen angreift und sie langsam und tiefgehend abbaut. Fluorid wirkt Karies hauptsächlich entgegen, indem es die Remineralisierung von Zahnschmelz fördert und den Plaque-Stoffwechsel hemmt.

MÖGLICHE URSACHEN VON FLUORIDMANGEL

  • Fluoridarme Ernährung

SYMPTOME BEI FLUORIDMANGEL

  • Hohe Anfälligkeit für Karies

MÖGLICHE FOLGEN VOB FLUORIDMANGEL

Fluoridmangel feststellen

ÄRZTLICHE UNTERSUCHUNG

Ob ein Fluoridmangel vorliegt, kann der Hausarzt im Urin oder Blut überprüfen. Oftmals kann jedoch eine Untersuchung der Zähne schon Aufschluss geben.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016 | aktualisiert 26.04.2022

Quellen und weiterführende Links:

  • BfR. Verwendung fluoridierter Lebensmittel und die Auswirkung vonFluorid auf die Gesundheit.pdf
  • WHO: Fluoride in Drinking-water. Background document for development of WHO Guidelines for Drinking-water Quality.
  • WHO/SDE/WSH/03.04/96, World Health Organisation 2004
  • MRI. Nationale Verzehrsstudie II
  • https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/5-am-tag/
  • Gemüse und Obst in der Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten (PDF)
  • H.K. Biesalski, S. Bischoff, C. Puchstein. Ernährungsmedizin. 4 vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Thieme. 2011
  • W. Forth, D. Henschler, W. Rummel, K. Starke. Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 8. Auflage, Urban & Fischer, München 2001
  • L. Stösser, R. Heinrich-Weltzien. Kariesprävention mit Fluoriden, In Oralprophylaxe und Kinderzahnheilkunde. 29, 2007
  • Cem Ekmekcioglu, Wolfgang Marktl. Essentielle Spurenelemente. Klinik und Ernährungsmedizin. Springer, 2006
  • Die Nährstoffe-Bausteine für Ihre Gesundheit. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn 2015
  • Siegfried Hoc. Osteoporose. Stellenwert der Fluorid-Therapie. Deutsches Ärzteblatt 1998; 95(12);A-681 /B571 /C-544

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