Folat ist essentielles Vitamin

NÄHRSTOFF AUS GRÜNEM BLATTGEMÜSE

Folat ist ein unverzichtbares Vitamin und kann vom menschlichen Körper selbst nicht hergestellt werden. Sein Name wird vom lateinischen Begriff folium (Blatt) abgeleitet, weil sich das Vitamin in grünem Blattgemüse findet. Die synthetisch hergestellte Form von Folat bezeichnet man als Folsäure. Ferner ist sie unter dem Namen Vitamin B9 bekannt. Folsäure wird in Deutschland u.a. iodiertem Speisesalz künstlich zugesetzt. Im Ausland setzt man Folsäure dem Mehl zu.

Die Biosythese von Folat kann nur durch Pflanzen und einige Bakterien erfolgen und wird dem Körper normalerweise in ausreichender Menge über die Nahrung zugeführt. Das Vitamin ist wasserlöslich und empfindlich gegen UV-Strahlung. Folat ist außerdem hitzeempfindlich und somit kann beim Kochen über 60 % des Folats zerstört werden.

FOLAT IN INTERAKTION MIT VITAMIN B12

Folat ist Bestandteil einer Gruppe von B-Vitaminen, die aus insgesamt 8 verschiedenen B-Vitaminen besteht, die oftmals eng zusammenwirken. So sind Folat, Vitamin B12 und Vitamin B6 gemeinsam am Abbau des schädlichen Homocysteins beteiligt. Homocystein ist ein Stoffwechselprodukt, das schädliche Ablagerungen in den Blutbahnen begünstigen kann. Es besteht eine weitere wichtige Interaktion zwischen Vitamin B12, und Folat, denn sogar bei ausreichender Versorgung, kann es deshalb durch einen Vitamin-B12-Mangel zu einem Folat-Mangel kommen.

Aufgaben von Folat

FOLAT ERFÜLLT WICHTIGE FUNKTIONEN IM KÖRPER

Folat ist maßgeblich an wichtigen Wachstumsprozessen und dem Stoffwechsel beteiligt. Es spielt u.a. eine große Rolle bei der Zellteilung, der Blutbildung, der Ausbildung des Nervensystems beim Fötus und der Ausbildung des Gehirns.

Tagesbedarf von Folat

EMPFOHLENE TÄGLICHE VERZEHRSMENGE VON FOLAT

Die empfohlene Aufnahmemenge beträgt nach Empfehlungen der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) täglich:

  • Säuglinge von 0 bis unter 4 Monate 60 mcg
  • Säuglinge von 4 bis unter 12 Monate 85 mcg
  • Kleinkinder von 1 bis unter 4 Jahre 120 mcg
  • Kinder von 4 bis unter 7 Jahre 140 mcg
  • Kinder von 7 bis unter 10 Jahre 180 mcg
  • Kinder von 10 bis unter 13 Jahre 240 mcg
  • Jugendliche ab 13 Jahre und Erwachsene bis 65 Jahre und älter 300 mcg
  • Schwangere Frauen 550 mcg
  • Stillende Frauen 450 mcg

In Absprache mit dem Arzt wird Frauen mit Kinderwunsch und schwangeren Frauen Folsäure in Form von Tabletten empfohlen.

Faktoren aus Umwelt, Lebensweise, Krankheit und einseitige Ernährung könnten sich negativ auf die Aufnahme des Vitamins beim Menschen auswirken und den Folatbedarf vorübergehend oder dauerhaft erhöhen. Dazu zählen z.B. Reizungen des Darms, hoher Alkoholkonsum, Vorerkrankungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten. Personen, die empfängnisverhütende Mittel einnehmen, haben ebenfalls einen erhöhten Folatbedarf.

Vorkommen von Folat

FOLATHALTIGE LEBENSMITTEL 

Folat befindet sich in unterschiedlich hohen Mengen in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln, wie Innereien, Fleisch, Fisch, Hefen, Hülsenfrüchten, Getreideerzeugnissen, Gemüse, Kohl, Blattgemüse, Eigelb, Nüssen und Obst. Tierische Folate werden vom Körper besser verwertet als pflanzliche Folate.

Folat-Vorkommen werden in Mikrogramm ermittelt und liefern immer nur ungefähre Angaben, weil das Vorkommen in jedem Lebensmittel in Abhängigkeit von individuellen Umweltbedingungen, Nährstoffgaben und anderen Faktoren unterschiedlich beeinflusst sein kann.

Hohe Folatwerte finden sich in Roggen/Vollkorn (140mcg/100g), Kalbs-und Geflügelleber (100 mcg/100g), Rosenkohl (182 mcg/100g), geringere Anteile finden sich in Obst, z.B. Orange (42 mcg/100g) oder Weißbrot (20 mcg/100g). 

EMPFEHLUNGEN ZUR VERARBEITUNG & LAGERUNG

Wegen der Hitzeempfindlichkeit des Folats empfiehlt sich eine schonende Garung von der Lebensmittel. Gemüse sollte nicht zerkleinert werden. Außerdem sollte man zum Garen wenig Wasser verwenden und bei möglichst geringer Hitze garen. Auch lange Lagerzeiten und UV-Strahlung verringern die Haltbarkeit von Folat.

Folgen erhöhter Folataufnahme

ÜBERDOSIERUNG

Negative Auswirkungen durch die übermäßige Aufnahme von Folat aus natürlichen Lebensmitteln sind nicht bekannt. Für synthetische Folsäure steht derzeit eine vollständige systematische Untersuchung aus. Nach Verabreichung größerer Mengen der synthetischen Folsäure werden diese zum Großteil unverändert über den Urin ausgeschieden.

Das Max-Rubner-Institut für Ernährung und Lebensmittel weist darauf hin, dass eine Überversorgung mit Folsäure einen Mangel an Vitamin B12 überdecken kann, aus der eine Schädigung des Nervensystems folgen kann.

Die Zufuhr von mehr als 1.000 mcg Folsäure täglich hat keinen zusätzlichen gesundheitlichen Effekt und führt lediglich zu einem Kreislauf von nicht umsetzbarer Folsäure im Körper.

Folatmangel

MANGELERSCHEINUNGEN BEI FOLAT NICHT SELTEN

Die menschlichen Folatspeicher können zwar für ca. 3-4 Monate Reserven einlagern, aber trotzdem kommt Folatmangel auch in Deutschland nicht selten vor. Lt. DGE liegt die durchschnittliche Folataufnahme zurzeit in Deutschland mit etwa 200 mcg täglich immer noch unter dem Referenzwert von 300 mcg für Jugendliche und Erwachsene. Dies bedeutet zwar noch keinen Mangel, erhöht aber das Risiko für eine Unterversorgung. Die Folgen eines Folatmangels können vielfältig sein.

FOLGEN VON FOLATMANGEL BEI SCHWANGERSCHAFT & STILLZEIT

Durch Folatmangel kann die Entwicklung von Föten, Babys, und Jugendlichen gestört sein und beim ungeborenen Kind können Geburtsfehler, bzw. Fehlbildungen begünstigt werden, vor allem sogenannte Neuralrohrdefekte. Eine ausreichende Folsäureversorgung während der Schwangerschaft und Stillzeit scheint positiven Einfluss auf die Sprachentwicklung des Kindes zu nehmen. Weiterhin zeigte eine prospektive Beobachtungsstudie aus Norwegen zudem einen Zusammenhang zwischen Folsäuremangel und Autismus auf. Folsäuremangel soll außerdem Einfluss auf eine Frühgeburtlichkeit haben und scheint an der Entwicklung von angeborenen Herzfehlern beteiligt zu sein.

FOLGEN VON FOLATMANGEL

  • Leistungsschwäche
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwächung des Immunsystems
  • Blutarmut
  • Entzündung von Schleimhäuten im Mund, Magen und Darm
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • Reizung des Zentralnervensystem
  • Gedächtnisschwäche
  • Ängste
  • Depressionen
  • Reizbarkeit

VEGANER UND VEGETARIER SIND MEIST GUT MIT FOLAT VERSORGT

Veganer und Vegetarier haben häufig keine Probleme, den Tagesbedarf an Folat zu decken, denn es stehen viele folathaltige Lebensmittel, wie Kohl, Blattgemüse oder Spinat auf dem Speiseplan.

Falls durch eine Veränderung der Lebensumstände oder eine Schwangerschaft der erhöhte Bedarf nicht aus Lebensmitteln gedeckt werden kann, sind entsprechende Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Veganer sollten bei der Auswahl der Produkte darauf achten, dass sie keine nicht-veganen Zusatzstoffe enthalten, wie Gelatine, Laktose, Magnesiumstearat und Stearinsäure, die sich häufig in Tabletten finden. Vegane Produkte sind regelmäßig als vegan ausgewiesen.

Folatmangel feststellen

FOLATSTATUS ÄRZTLICH ÜBERPRÜFEN

Die Folatversorgung im Körper kann im Serum oder im Blutplasma (Erythrozyten) gemessen werden. Die Folatkonzentration im Serum spiegelt die kurzfristige Versorgungssituation wieder, während durch die Messung der Folatkonzentration in den Erythrozyten der langfristige Versorgungsstatus zuverlässig beurteilt werden kann.

Bei normaler Ernährung liegt der Serum-Folatspiegel eines Erwachsenen zwischen 5-15 ng/ml. Die Folatkonzentration in den Erythrozyten ist mit 200-500 ng/ml dagegen ca. 40 mal höher als im Serum. Die Messung der Homocysteinkonzentration im Plasma ist als alleiniger Marker ungeeignet, da sie z.B. durch genetische Faktoren, Alkoholmißbrauch oder durch Vitamin-B6 oder B12-Mangel beeinflusst sein kann.

Mögliche Gegenmaßnahmen bei Folatmangel

WIRKSTOFF FOLSÄURE IN VIELEN FOLAT-PRÄPARATEN 

Wegen der hohen Stabilität und kostengünstigen Herstellung wird zur Anreicherung, in > Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten fast ausschließlich Folsäure verwendet. Folsäure kommt in der Natur nicht vor. Es hat im Organismus keine Funktion, wird dort aber in einige aktive Wirkformen überführt. Die synthetisch hergestellte Folsäure ist stabiler als das natürliche Folat und auf nüchternen Magen eingenommen ist sie zu fast 100 % bioverfügbar. Unter dieser Bedingung entspricht lt. DGE 1 mcg Folat-Äquivalent einem Mikrogramm Nahrungsfolat und 0,5 mcg Folsäure.

FOLATMANGEL AUSGLEICHEN

Mängel können je nach Schwere durch entsprechend dosierte Nahrungsmittelergänzungen, Arzneimittel oder Injektionen ausgeglichen werden.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

MRI: Nationale Verzehrsstudie II

https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/5-am-tag/

https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/stellungnahme/DGE-Stellungnahme-Gemuese-Obst-2012.pdf – Gemüse und Obst in der Prävention ausgewählter chronischher Krankheiten
Ernährung in der Stillzeit – kindergesundheit-info.de: unabhängiges Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Die Nährstoffe-Bausteine für Ihre Gesundheit. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn 2015.
Burgerstein, Dr. Lothar: Burgersteins Handbuch Nährstoffe. Haug Verlag
Hans Dietl, Gerhard Ohlenschläger: Handbuch der Orthomolekularen Medizin. Haug, Heidelberg 1994
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Folsäure auch gut gegen Sprachverzögerung. Meldung der Ärzte Zeitung vom 15. Oktober 2011.
http://www.bfr.bund.de/cm/350/verwendung_von_vitaminen_in_lebensmitteln.pdf
Ärzteblatt: Folsäure im Mehl vermeidet Herzfehler.
https://dsg.uni-paderborn.de/fileadmin/evb/materialien/07_03_DGE-Folat.pdf

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016

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