Lautlose Feinde im Körper

ANTIOXIDANTIEN BEKÄMPFEN FREIE RADIKALE

Freie Radikale sind aggressive Sauerstoffverbindungen, die bei ganz alltäglichen Stoffwechselprozessen im menschlichen und pflanzlichen Organismus entstehen. Antioxidantien verhindern als Gegenspieler der Freien Radikale, dass diese die Zellen angreifen und zerstören. Antioxidantien sind in besonders hohen Anteilen in vielen Sorten Obst und Gemüse, Kräutern und Gewürzen enthalten.

Besonders viele Schädlinge produziert der Körper in bestimmten Situationen. Zu den Auslösern zählen beispielsweise:

Mögliche Auslöser für die Entstehung von Freien Radikalen

  • Stress
  • Verschiedene Medikamente
  • Ungewohnt starke körperliche Belastung
  • Luftverschmutzung
  • Hohe Ozonwerte
  • Fieberhafte Erkrankungen
  • Chronische Entzündungen
  • Rauchen
  • Sonneneinstrahlung

WIRKUNG VON FREIEN RADIKALEN

Freie Radikale greifen beim Prozess der Reaktion eines Stoffes mit Sauerstoff (Oxidation) verschiedene Körperstrukturen an und zerstören sie. Betroffen sind Strukturen wie Zellhüllen, Enzyme oder Eiweißbausteine.

Neben Freien Radikalen lässt der reaktionsfreudige Sauerstoff bei der Energieabgabe noch eine weitere außer Kontrolle geratene Substanz entstehen, den Singulett-Sauerstoff. Diese beiden äußerst aggressiven Substanzen reagieren nun mit Substanzen der Umgebung und verändern deren Ladung.

Beispielsweise greifen die aggressiven Substanzen die Fettsäuren der Zellmembranen an und ihre freie Bindungsstelle entreißt der Fettsäure ein Elektron, wodurch die Fettsäure nun selbst ein Freies Radikal wird, nämlich ein Fettsäureradikal.

Während Freie Radikale und Singulett-Sauerstoff selbst durch das Eingehen der benötigten Bindung ruhig gestellt sind, lösen dennoch die von ihnen angegriffenen Substanzen, die jetzt auch neue Reaktionspartner benötigen, eine unkontrollierte Kettenreaktion aus, in deren Verlauf viele Verbindungen und Stoffe im Körper zerstört werden.

Leider lässt sich die Bildung Freier Radikaler nicht im Vorfeld verhindern.

Einige Abwehrzellen des Immunsystems machen sich dagegen Freie Radikale sogar zunutze, in dem sie die Eindringlinge mit einem Freien Radikal im Verbund angreifen und zerstören.

Antioxidantien – zelleigener Schutzmechanismus

WAS SIND ANTIOXIDANTIEN?

Antioxidantien sind natürlich vorkommende Substanzen, die dem Angriff durch Freie Radikale entgegen wirken können. Als Antioxidans wird das Vitamin C, Vitamin E und das Provitamin A (Betacarotin) bezeichnet. Diese Vitamine bilden einen zelleigenen Schutz und sind fähig, die Strukturen vor Freien Radikalen zu sichern.

Neben Antioxidantien gelten auch einige menschliche Enzyme wie die Gluthation-Peroxidase und einige sekundäre Pflanzenstoffe als Radikalfänger, die sowohl den Singulett-Sauerstoff, wie auch die Freien Radikale neutralisieren und so die entstandenen Kettenreaktionen abbrechen. Sekundäre Pflanzenstoffe sind unter anderem fähig, Viren und Bakterien zu bekämpfen, so dass einige von ihnen das Risiko für einige Krebsarten verringern.

ANTIOXIDANTIEN SIND NUR IM VERBUND WIRKSAM

Die Vitamine übernehmen im Kampf gegen die Zerstörer zwar verschiedene Aufgaben, sind jedoch teilweise voneinander abhängig, um die Kettenreaktionen erfolgreich unterbrechen zu können. In diesem Verbund stellt Vitamin E, das als kettenabbrechendes Antioxidans gilt, dem Freien Radikal oder Fettsäureradikal ein freies Elektron zur Verfügung und setzt es damit außer Gefecht. Nun wird das Vitamin C benötigt, das dem Vitamin E ein freies Elektron bietet. Vitamin C dagegen wird selbst nicht zum Freien Radikal – es ist notwendig, um Vitamin E zu regenerieren.

Betacarotin, die Vorstufe von Vitamin A, arbeitet unabhängig. Betacarotin übernimmt die Energie des Singulett-Sauerstoffs, der sich bei Sonneneinstrahlung entwickelt und leitet sie in Form von Wärme ab. So deaktiviert es die aggressive Substanz.

Antioxidantien in der Ernährung

ANTIOXIDANTIEN SIND NATÜRLICHE RADIKALFÄNGER IN LEBENSMITTELN

Der Körper ist regelmäßig auf  Vitamine aus der Nahrung angewiesen. Die Palette der Antioxidantien als natürliche Radikalfänger findet sich nahezu in allen Obst- und Gemüsesorten sowie in den meisten anderen pflanzlichen Produkten, die natürliche Abwehrstoffe gegen Sonneneinstrahlung, Fressfeinde und Pilze bilden.

Nach Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) sind im Rahmen einer vollwertigen Ernährung etwa 5 Portionen Obst und Gemüse täglich geeignet, um den Organismus mit ausreichend gesundheitsfördernden Stoffen auszurüsten, die er nicht allein im Kampf gegen Freie Radikale und Singulett-Sauerstoff verwendet sondern auch für ein intaktes Immunsystem benötigt. Besonders frische Kräuter und einige Gewürze können mit zusätzlichen Radikalfängern dienen.

Antioxidantien-Mangel

URSACHEN FÜR UNTERVERSORGUNG MIT ANTIOXIDANTIEN

FOLGEN VON ANTIOXIDANTIEN-MANGEL

Sobald es zu einem Missverhältnis zwischen der Anzahl Freier Radikale und den zur Verfügung stehenden Antioxidantien kommt, kann die Entstehung von Erkrankungen begünstigt werden. Dieses Missverhältnis, bei dem ein Mangel an Antioxidantien vorliegt, wird allgemein als oxidativer Stress bezeichnet.

Trotzdem bei der Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Verkalkung der Herzkranzgefäße, Grauer Star, Alzheimer, Parkinson oder HIV regelmäßig mehrere Faktoren beteiligt sind, gehen Wissenschaftler davon aus, dass allen Krankheiten gemeinsam ist, dass immer die Schädigung der Zellwände und anderer lebenswichtiger Substanzen durch aggressive Sauerstoffe vorausgeht.

Anders herum zeigte sich, dass Antioxidantien besonders Krankheiten wie Krebs und die Verkalkung der Herzkranzgefäße positiv in ihrem Verlauf beeinflussen können.

Zum Schutz vor Erkrankungen durch Freie Radikale & Co. kann man auf natürliche Weise für eine ausreichende Versorgung mit frischen gehaltvollen pflanzlichen Lebensmitteln sorgen. Angeraten wird daneben, die auslösenden Faktoren entsprechend zu minimieren oder auszuschalten.

Antioxidantien in Nahrungsergänzungsmitteln

ANTIOXIDANTIEN IM NATÜRLICHEN VERBUND EMPFOHLEN

Grundsätzlich wird die Aufnahme von Antioxidantien über die natürliche Ernährung empfohlen. Grund dafür ist, dass Antioxidantien im natürlichen Verbund von vielen bioaktiven Stoffen begleitet werden, die eine synergetische Wirkung im Körper ausüben. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind weder Nahrungsergänzungsmittel (NEM) noch mit Vitaminen angereicherte Lebensmittel allein dazu geeignet, eine unzureichende Ernährung zu ersetzen.

Nahrungsergänzungsmittel  sind frei im Handel erhältlich und gelten als konzentrierte Nährstoffquellen, die physiologische oder ernährungsspezifische Wirkung haben. Sie sind dazu bestimmt, die normale Ernährung zu ergänzen oder Mängel auszugleichen.

Weil zu hohe Aufnahmemengen von einigen Vitaminen und Mineralstoffen aus NEM unerwünschte Nebenwirkungen zeigten und sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken können, sind die zulässigen Höchstmengen für sie nach Vorschriften der Europäischen Kommission geregelt.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Prof. Dr. med. Heinz-Konrad Biesalski: Vitamine. Aktiver Gesundheitsschutz. Bedarf-Mangel-Risiko. Verlag Trias

D-A-CH: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2. Auflage. 1. Ausgabe. 2015

EFSA: Richtlinie 2002/46/EG

Bildquelle im Impressum
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016

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