FSME ist die geläufige Abkürzung für die Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Virusinfektion, die durch das FSME-Virus übertragen wird. Häufige Überträger der FSME sind infizierte Zecken der Gattungen Ixodes ricinus (Holzbock) und Dermacentor reticulatus (Wiesenzecke). Beide Zeckenarten sind in ganz Europa weit verbreitet. Der Holzbock und die Wiesenzecke, die sonst auch Auwaldzecke, Buntzecke oder Winterzecke genannt wird, halten sich bevorzugt in dichten Grünzonen, Wäldern mit dichtem Unterholz oder in losem Laub auf.

Meistens warten die Blutsauger in einer Höhe zwischen 10 und 50 Zentimetern über dem Boden auf ihren Wirt. Zecken zählen zur Familie der Milben und können in milden Wintern das ganze Jahr über aktiv sein, wobei die größte FSME-Übertragungsaktivität zwischen April und November registriert wird.

Nicht jeder Zeckenbiss löst FSME aus

Beim FSME-Virus handelt es sich um ein RNA-Virus, das der Familie der Flaviviren zugeordnet wird. Nach einem Zeckenstich kann es zu einer Infektion kommen, wenn das Virus in die Blutbahn gelangt.

Zecke in vollgesogenem Zustand

Zeckenkörper nach dem Blutsaugen

© Catkin auf Pixabay

Doch nur etwa 10 Prozent der Stiche, die von mit FSME infizierten Zecken stammen, führen tatsächlich zu einem Ausbruch der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Nach Zeckenbissen, die eine FSME-Infektion auslösen, beträgt die Inkubationsphase, nach der sich erste Symptome zeigen, zwischen 2 und 14 Tage. Äußerst selten wird FSME aber durch verzehrte Rohmilch von Küchen, Schafen oder Ziegen auf den Menschen übertragen.

Eine weitere erstzunehmende Infektion, die in Deutschland von vielen Zecken übertragen wird, ist die Lime-Borreliose. Ursächlich dafür ist der Erreger Borrelia burdorferi, der unbehandelt verschiedene chronische Schäden an Organen und Gelenken auslösen kann. Andere Erkrankungen durch Zecken wie die Babesiose, Rickettsiosen oder die humane granulozytäre Anaplasmose sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI)  in Deutschland bislang gar nicht oder nur sehr selten beobachtet worden.

Symptome der FSME

FSME kann in zwei Krankheitsphasen auftreten. Die Symptome sind jeweils von der Krankheitsphase abhängig, in der sich der Betroffene befindet.

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In der ersten Phase, die von Medizinern als Generalisationsstadium bezeichnet wird und zwischen 2 und 4 Tage andauert, können grippeähnliche Symptome und Fieber auftreten. Weitere mögliche Anzeichen sind neben Kopfschmerzen auch Gelenk – und Muskelschmerzen sowie Atemwegsbeschwerden.

Nicht immer schließt sich daran eine zweite Phase an, bei den meisten Betroffenen ist die Erkrankung bereits nach der ersten Phase beendet.

Symptome der zweiten Krankheitsphase

Betroffene, bei denen sich nach der ersten Krankheitsphase eine zweite Phase ergibt, leiden oft nach einem kurzen fieberfreien Intervall wiederholt unter Fieber, das von unterschiedlichen Anzeichen begleitet wird. Die zweite Phase geht mit den Symptomen einer eitrigen Hirnhautentzündung (Meningitis) einher oder in schweren Fällen auch mit Symptomen einer Gehirnentzündung (Enzephalitis). Typisch sind Psychosen, Schlafstörungen und Sensibilitäts- oder Bewusstseinsstörungen. Es kann darüber hinaus zu Krämpfen und Hirnnervenausfällen kommen sowie zu einer krankhaft gesteigerten Beweglichkeit (Hyperkinese).

In sehr seltenen Fällen entzündet sich in Folge der FSME Infektion das Rückenmark (myelitische Verlaufsform) und innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen treten Lähmungen und neurologische Ausfälle auf. Manche Betroffene verlieren das Bewusstsein und fallen ins Koma. Wenn eine Atemlähmung auftritt, ist die künstliche Beatmung unumgänglich.

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Diagnose

Den Hinweis auf eine zugrunde liegende Frühsommer-Meningoenzephalitis liefert in der Regel ein Zeckenstich, der sich im Vorfeld in einem ausgewiesenen Risikogebiet ereignet hat. Weitere Hinweise ergeben sich durch die spezielle Fieberkurve und das klinische Bild.

FSME ist nicht allzu leicht nachzuweisen, denn der Nachweis der Erreger im Serum ist nur innerhalb der ersten Krankheitsphase möglich, in der sich spezifische IgM-Antikörper gegen die Viren bilden.

Keine Therapie bei FSME möglich

Bei einer FSME steht keine antivirale Therapie zur Verfügung, so dass lediglich die begleitenden Symptome behandelt werden können. Der Hauptteil der Betroffenen besitzt nach Expertenangaben in der Regel keine oder nur eine unvollständige FSME-Schutzimpfung.

Krankheitsverlauf der FSME

Bei etwa 90 Prozent der Patienten ist die Erkrankung nach der ersten Krankheitsphase bereits beendet. Diese erste Phase dauert gewöhnlich zwischen 2 und 4 Tage an.

Eine zweite Phase kann sich dagegen über einen Zeitraum zwischen 8 und 12 Tagen erstrecken. In den Fällen, in denen es zu einer Enzephalitis gekommen war, gehen Mediziner von einem verzögerten Gesundungsprozess aus, wodurch die Symptome erst später abklingen.

Schäden nach ausgeprägten Lähmungen sind oft bleibend, so dass die Muskelkraft kaum wieder hergestellt werden kann.

Etwa 10 Prozent der Betroffenen leiden in Folge der FSME-Infektion unter verschiedenen Spätfolgen. Betroffene können plötzlich versterben. Die Sterberate liegt bei 1 Prozent.

Karte der FSME Risikogebiete in Deutschland

(Quelle: Robert-Koch Institut)

FSME Risikogebiete

Mit etwa 85 Prozent hält sich der Großteil der infizierten Zecken hierzulande immer noch in den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg auf.

Immer mehr infizierte Zecken finden ihren den Weg auch in nördlichere und östlichere Regionen, wo es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in manchen Gebieten zu steigenden Fallzahlen kommt. Wie aus dem Epidemiologischen Bulletin 9/2024 hervorgeht, waren im Frühjahr 2024 bereits 180 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiet eingestuft.

Darunter befinden sich mittlerweile Risikogebiete im Südosten von Thüringen, in Südhessen, in Mittelhessen und im Südosten von Brandenburg. Auch in Teilen Niedersachsens, wie dem Emsland, und in Teilen Nordrhein-Westfalens sowie auch in dem Kreis Solingen, finden sich FSME-übertragende Zecken, weshalb ebenfalls die Bereiche mittlerweile als Risikogebiete gelten.

Die FSME-Übertragung durch infizierte Zecken beschränkt sich aber nicht allein auf die ausgewiesenen Risikogebiete. Vereinzelte Fälle werden in ganz Deutschland registriert. Ebenso in europäischen Nachbarländern wie Österreich, den Niederlanden, Schweden, Polen oder Ungarn, Litauen und der Türkei kommt es zur Übertragung von FSME durch Zecken.

Risikogruppen für FSME

Ein besonders hohes Risiko, an FSME zu erkranken, tragen Waldarbeiter, Jäger, Förster und Laboranten, die beruflich mit dem Virus in Kontakt stehen. Infizierte Zecken lassen sich außerdem durch überfliegende Zugvögel oder streunende Wildtiere in Grünflächen von Städten oder in Hausgärten eintragen. Durch als Wirt dienende Haustiere wie Hunde oder Katzen können die Zecken ebenfalls in Häuser, Wohnungen oder Betriebe eingetragen werden, so dass es auch ohne direktes Betreten des eigentlichen Lebensraums der Zecken zum Zeckenstich und damit zu Infektionen kommen kann.

Häufig beeinflusst zudem das Alter des Betroffenen die Entwicklung einer FSME-Erkrankung. Ab dem Alter von 40 Jahren sehen Experten nach dem Zeckenstich ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Komplikationen werden besonders bei Senioren verzeichnet, so dass grundsätzlich auch ältere Menschen zur Risikogruppe zählen.

Vorbeugende Maßnahmen gegen FSME

Nach statistischen Angaben des Robert-Koch-Instituts waren in den vergangenen fünf Jahren jährlich zwischen 424 und 718 Personen in Deutschland von einer Frühsommer-Meningoenzephalitis betroffen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO), die ihren Sitz am Robert-Koch-Institut hat, rät Bewohnern und Besuchern in den ausgewiesenen Risikogebieten, die sich in Umgebungen aufhalten, die von FSME-übertragenden Zecken besiedelt sein können oder die beruflich den FSME Viren ausgesetzt sind, zur vorbeugenden FSME-Impfung (Präexpositionsprophylaxe).

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Vorbeugend raten die Experten aber auch zu verschiedenen weiteren Maßnahmen zum Schutz vor einem Zeckenbiss. Neben geschlossener Kleidung, womit lange Ärmel, festes Schuhwerk, lange Hosen und Strümpfe gemeint sind, in die die Hosenbeine gestopft werden, sollte man auch Zeckenmittel auf die Kleidung und unbedeckte Hautstellen auftragen.

Geeignet sind dazu spezielle Anti-Insekten, beziehungsweise Anti-Zecken-Sprays oder Lotionen, die einige Stunden Schutz gewähren.

Anti-Zecken-Mittel befinden sich im Angebot der meisten Apotheken, Drogerien und sind ebenso in vielen Onlineshops erhältlich. Ätherische Öle wie Lavendel und andere sind bei Zecken ebenfalls unbeliebt.

Auf Reisen in Risikogebiete und in Bereiche in denen sich Zecken wohlfühlen, werden Antizeckenmittel als fester Bestandteil der Reiseapotheke empfohlen.

Sicher töten lassen sich Zecken in den Kleidungsstücken durch Temperaturen von über 60 Grad, die etwa ein Trockner gewährleisten kann und minus 30 Grad Celsius, wie sie Vereisungssprays entwickeln.

Wie entfernt man Zecken fachgerecht?

Man kann eine Zecke selbst entfernen oder sie vom Arzt entfernen lassen. Prof. Dr. med. Bettina Wiske und Dr. Volker Fingerle vom Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Borrelien am Max-von-Pettenkofer-Institut mit Sitz in München raten dazu, eine Zecke möglichst dicht über der Haut von der Einstichstelle zu entfernen. Empfohlen wird das vorsichtige Herausziehen mit einer spitzen Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte. Bei ihnen hat sich das vorausgehende behutsame Rütteln sowie das behutsame Hin- und Herdrehen bewährt, um das Herausziehen der Zecke zu erleichtern. Auch eine Lupe kann hilfreiche Dienste leisten.

Zeckenzangen oder Zeckenkarten sind in Apotheken und zahlreichen Onlineshops erhältlich. Ist kein geeignetes Mittel zur Hand, eignen sich auch die Fingernägel, jedoch ohne den Leib zu quetschen.

Versorgung der Einstichstelle

Die beiden Experten empfehlen, die Einstichstelle nach dem Herausziehen der Zecke zu desinfizieren. Außerdem sollte die Stelle am besten mit der Lupe auf Rückstände der Zecke hin untersucht werden. Befindet sich noch der Kopf oder ein Überrest des Stechapparates in der Wunde, sollte dieser vom Arzt chirurgisch entfernt werden. Zum Arztbesuch wird auch geraten, wenn sich an der Einstichstelle nach dem Entfernen eine auffällige Rötung entwickelt oder wenn typische Symptome auftreten.

Auf den Einsatz von betäubenden Substanzen verzichten

Vom Benetzen mit Öl oder anderen Mitteln wie Alkohol oder Klebstoff raten die beiden Experten unbedingt ab. Es ist möglich, dass gerade solche Mittel einen Impuls auslösen, wodurch Zecken die Erreger in den Körper abgeben, was zu einer leichteren oder schnelleren Übertragung der Erreger beitragen würde.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 31.03.2024
Bildquellen: Titelbild © Erik Karits auf Pixabay

Quellen und weiterführende Informationen:

Piper. Innere Medizin. Verlag Springer. Heidelberg. 2007

RKI Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken, zeckenstich, Infektion. RKI 

RKI Karte der FSME Risikogebiete

STIKO

Prof. Dr. med. Bettina Wilske und Dr. Volker Fingerle. Zeckenentfernung. Nationales Referenzzentrum (NRZ) für Borrelien am Max von Pettenkofer-Institut, München

Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

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