Ein Großteil der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland bezuschusst  Kursangebote zur Gesundheitsförderung, wenn sie den Voraussetzungen entsprechen, die im Sozialgesetzbuch (SGB V) festgelegt sind, darunter fallen auch die Kursangebote in Verbindung mit sogenannten Gesundheitsreisen. Gesundheitsreisen, auch als Präventionsreisen bezeichnet, sind in dieser Form für gesetzlich Versicherte geregelt.

Gesundheitsreisen bilden eine Mischung aus Kurzurlaub und Gesundheitsmaßnahme. Sie richten sich an keine bestimmte Altersgruppe. Anders als bei einer Kur, können auch gesunde gesetzlich Krankenversicherte einen Krankenkassenzuschuss für die Reise in Anspruch nehmen, wenn sie ein Interesse daran haben, vorsorglich etwas für ihre Gesundheit zu tun.

Müssen gesetzliche Krankenkassen Präventionsreisen bezuschussen?

Der Zuschuss bei Gesundheitsreisen bleibt freiwillig für die Kassen. Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland sind nämlich nicht verpflichtet, Präventionsreisen zu bezuschussen, so dass Versicherte keine Garantie auf die Übernahme von Kosten bei Gesundheitsreisen haben.

Ob die eigene Krankenkasse Präventionsreisen bezuschusst, sollten Versicherte vor der Buchung abklären und sich bei ihrer Kasse rückversichern.

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Jede Krankenkasse kann selbst darüber entscheiden, welche Leistungen und Förderungen sie schwerpunktmäßig im Bereich Vorsorge übernehmen will und nicht gerade jede gesetzliche Krankenkasse steht dem Thema Gesundheitsreisen auch offen gegenüber.

Während einige große Kassen, darunter die AOK Nord West sowie die AOK Rheinland Hamburg, DAK, Barmer GEK, BKK, BIG, Techniker Krankenkasse, KKH, HEK,Hkk, IKK classic, BIG, IKK Südwest, IKK Brandenburg und Berlin sowie die Knappschaft, die vorsorgliche Gesundheitsmaßnahme offen mit Angeboten unterstützen, machen es andere Krankenkassen ihren Mitgliedern deutlich schwerer.

Sie sehen sich nicht als Urlaubs-Kasse für Gesunde und üben sich deshalb bei der Bezuschussung von Präventionsreisen in Zurückhaltung. Diese Kassen setzen oft eher auf Gesundheitskurse zur Vorsorge, die Versicherte im Alltag in Wohnortnähe wahrnehmen können. Sie bezuschussen daher Gesundheitsreisen nur in Ausnahmefällen, etwa dann, wenn zum Beispiel ein Schichtarbeiter wegen seiner Arbeitszeiten sonst keine Vorsorgekurse wahrnehmen kann.

Die meisten großen gesetzlichen Krankenkassen vertreten jedoch den kundenorientierten Standpunkt, dass die bezuschusste Auszeit an einem geeigneten Urlaubsort das Gesundheitsbewusstsein gezielt fördert und ihre Versicherten dadurch länger gesund bleiben und somit auf Dauer eben auch weniger Behandlungskosten verursachen. Diese Kassen setzen außerdem auf den zusätzlichen Erholungseffekt bei Gesundheitsreisen, denn eine gesunde Auszeit kann erholsamer sein und nachhaltiger wirken, wenn gleichzeitig auch der Geist abschalten kann. Auf einer Gesundheitsreise profitiert nämlich nicht nur der Körper von der Auszeit, sie hat auch einen nachhaltigen positiven Effekt auf die Psyche, der bei der Gesunderhaltung eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Welche Kurse werden bei Gesundheitsreisen gefördert?

Gesundheitskurse sind aus verschiedenen Bereichen wählbar. Gesetzliche Krankenkassen fördern im Rahmen von Gesundheitsreisen solche Gesundheitskurse, die ihren Versicherten einen bewussten und nachhaltig gesünderen Lebensstil vermitteln und dadurch einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorbeugen oder entgegenwirken.

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Gesundheitsreisen deshalb beinhalten in aller Regel förderungsfähige zertifizierte Gesundheitskurse aus den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung oder Suchtreduktion.

Die Kursangebote decken verschiedene Bereiche der Gesundheit ab. Sie sind frei wählbar und reichen von Ernährungskursen über Wirbelsäulengymnastik und Yoga bis hin zu Kursen zur Entwöhnung von Suchtmitteln wie Zigaretten.

Zertifizierte Gesundheitskurse, die häufig im Urlaub von Veranstaltern angeboten werden, finden fast immer in Gruppen statt. Ein Gesundheitskurs umfasst meist 8 bis 12 Übungseinheiten.

Neben Ernährungs- und Bewegungskursen werden Kurse mit dem Schwerpunkt Anti-Stress und Suchtbewältigung angeboten.

Ernährungskurse zur Änderung falscher Essgewohnheiten

Ernährungskurse dienen zur Bewusstmachung und Änderung falscher Ernährungsgewohnheiten. Heute weiß man, dass eine ungünstige Ernährung zahlreiche Erkrankungen auslösen kann und außerdem Gewichtsprobleme fördert. Die Kursinhalte zielen auf eine ausgewogene Ernährungsweise ab, die der Kursteilnehmer in seinen Alltag integrieren kann.

Anti-Stress-Kurse für ein besseres Stressmanagement

Stress fördert zahlreiche Erkrankungen psychischer und körperlicher Art. Kurse für den Umgang mit Stress bieten das Erlernen bewährter Entspannungsmethoden, darunter das fernöstliche Qigong oder die progressive Muskelentspannung (PME). Auch autogenes Training und Yoga zählen zu den Methoden, die dabei helfen, Stress besser bewältigen zu können.

Bewegungskurse gegen Rückbeschwerden oder Herz-Kreislaufbeschwerden

Auch gesunde Bewegung hilft dabei, vorzeitige Erkrankungen zu vermeiden. Kurse zur gesunden Bewegung haben häufig Schwerpunkte wie die Rückenschule, Yoga oder Nordic Walking oder Walking. Auch Aqua-Fitness-Kurse und Joggingkurse werden im Rahmen der Vorsorgekurse angeboten.

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Kurse mit Verhaltenstraining zur Suchtprävention

Kurse zur Suchtprävention richten sich hauptsächlich an Raucher und unterstützen die Rauchentwöhnung.

Viele Krankenkassen haben eigene Kooperationspartner, wenn es um anerkannte Vorsorgekurse geht. Einige Kassen prüfen aber kulanterweise auch solche Kurse auf Förderungsfähigkeit, die von Versicherten vorgeschlagen werden. Es kommt auf einen Versuch an.

Wie hoch ist der Zuschuss bei Gesundheitsreisen?

Der Zuschussbetrag ist von der eigenen Krankenkasse abhängig. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen unterstützen den gesetzlich Versicherten pro Jahr mit 75 Euro bei einer Gesundheitsreise. Abhängig von der jeweiligen Krankenkasse, können für Kurse in Kombination mit Gesundheitsreisen aber auch bis zu 200 Euro erstattet werden.

Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach der Anzahl der absolvierten Gesundheitskurse. Bucht der Versicherte beispielsweise einen Kurs im Bereich Ernährung und einen anderen im Bereich gesunde Bewegung, so verdoppelt sich der Krankenkassenzuschuss.

Günstige Pauschalangebote für Gesundheitsreise

Eine Gesundheitsreise wird nicht nur direkt von manchen Krankenkassen angeboten, sondern lässt sich auch direkt über Pauschalreisanbieter buchen. Verschiedene Anbieter von Pauschalreisen haben sich auf Gesundheitsreisen spezialisiert und können in Verbindung mit dem Krankenkassenzuschuss vergleichsweise sehr günstige Angebote machen. So lässt sich bei manchem Pauschalanbieter von Präventionsreisen oft mehr als 50 Prozent im Vergleich zum normalen Preis für die gleiche Leistung sparen.

Die Angebote reichen von äußerst preiswerten mehrtägigen Gesundheitsreisen mit Halbpension oder Vollverpflegung bis hin zu preisattraktiven kompletten mehrwöchigen Urlaubs-Reisepaketen. Von der einfachen Pension bis zum Sternehotel mit Seeblick, Sportplatz und Wellnessbereich ist alles buchbar.

Passende Urlaubsorte für Gesundheitsreise wählen

Im Angebot sind Pauschalreiseanbietern Gesundheitsreisen oft in deutschen Urlaubsorten am Meer, im Mittelgebirge, im Hochgebirge und auch in den Bergen. Das Angebot ist groß. Aber auch im benachbarten Ausland wie zum Beispiel der Schweiz, Österreich, Ungarn oder Tschechien sind attraktive Präventionsreisen sind buchbar.

Förderungsfähige Gesundheitskurse findet man bei Pauschalanbietern teilweise auch unter der Rubrik Medical Wellness.

Gesundheitsreisen werden für alle Personengruppen angeboten. Abgestimmt sind sie beispielsweise auf Familien mit Kindern, aktive Paare, aber auch auf gesundheitsbewusste Singles, Menschen ab 50 oder Senioren. Außerdem gibt es verschiedene Präventionsreisen, die Unternehmen für ihre Mitarbeiter organisieren können, etwa um Stress abzubauen. Ebenso abgestimmt sind andere Gesundheitsreisen speziell auch auf Menschen mit Diabetes, Asthma oder weiteren Erkrankungen.

Wie erhalten Versicherte den Zuschuss bei pauschalen Gesundheitsreisen?

Bei Gesundheitsreisen fordern die bezuschussenden Krankenkassen ein bestimmtes Procedere. Zunächst wählen Versicherte eine passende Gesundheitsreise. Es darf sich bei der Auswahl allerdings nur um eine Reise handeln, die mit einem förderungsfähigen Kurs kombiniert ist. Ob es sich um einen grundsätzlich erstattungsfähigen Kurs handelt, geht in der Regel aus der Beschreibung hervor. Vor einer Buchung sollte man bei der eigenen Krankenkasse kurz schriftlich anfragen, ob das Programm bezuschusst wird.

Bei einer positiven Rückmeldung kann der Versicherte das ausgewählte Gesundheitsreiseangebot buchen. Die gesamten Kosten der Gesundheitsreise muss in der Regel im Vorwege der Versicherte zahlen. Wenn der Gesundheitskurs besucht wurde, erhält der Versicherte bei Reiseende eine entsprechende Bestätigung, die er dann bei seiner Krankenkasse mit der Bitte um Erstattung vorlegt.

Komplettangebote für Urlaub mit Gesundheitskurs durch die Krankenkasse

Auch Krankenkassen bieten Komplettangebote, wenn es um eine Kombination von Urlaubs- und Gesundheitsreise geht. Aber nicht nur spezialisierte Anbieter von Präventionsreisen, sondern auch gesetzliche Krankenkassen bieten Versicherten Komplettangebote für Urlaub und Gesundheitskurse an. Krankenkassen übernehmen bei Gesundheitsreisen zwar nicht die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung, bieten aber gegen einen günstigen Zuzahlungsbetrag neben Gesundheitskursen manchmal Extras wie Massagen und Schwimmbadnutzung im Paket mit an.

Voraussetzungen für Gesundheitsreisen mit Krankenkassenzuschuss

Bestimmte Voraussetzungen sind für die Anerkennung erforderlich. Gefördert oder gegebenenfalls komplett erstattet werden je nach Kasse nur anerkannte Gesundheitskurse, die im Rahmen der Gesundheitsreise von Versicherten gebucht werden. Um von Krankenkassen als förderungsfähig anerkannt zu werden, muss ein Kurs bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Gewährleistet ist dieses auf jeden Fall bei Gesundheitsreisen mit zertifizierten Präventionskursen, die das Prüfsiegel der „Zentralen Prüfstelle Prävention“ tragen. Diese Kurse gewährleisten sicherlich qualifizierte Inhalte und qualifizierte Kursleiter, die von den Krankenkassen anerkannt werden. Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Bezuschussung, beziehungsweise Erstattung ist darüber hinaus die regelmäßige Teilnahme, die man sich vom Kursleiter bestätigen lassen muss.

Der Teilnehmer muss in der Regel nachweisen können, dass er mindestens 80 Prozent des Kursprogramms absolviert hat. Zum Nachweis für die Krankenkasse ist eine entsprechende Bescheinigung des Kursleiters notwendig, die sich der Kursteilnehmer für die Erstattung des Kostenzuschusses bei Kursende ausstellen lassen muss.

Kostenzuschuss vor Buchung der Gesundheitsreise klären

Eine Rücksprache mit Krankenkasse ist in vielen Fällen empfehlenswert. Vor der Buchung der Gesundheitsreise empfiehlt sich auf jeden Fall die Rückversicherung bei der zuständigen Krankenkasse, wenn man sicher gehen möchte, dass die gewünschte Maßnahme auch anerkannt und am Ende entsprechend anerkannt und bezuschusst wird. Es können so alle Fragen zur Genehmigung der Bezuschussung und zur Zuschusshöhe auch bei pauschalen Gesundheitsreisen vorab sicher geklärt werden.

Detaillierte Informationen zur Bezuschussung von Gesundheitsreisen bieten viele gesetzliche Krankenkassen schon auf ihrer Website.

Bezuschussung von Gesundheitsreisen für Privatversicherte

Auch verschiedene private Krankenversicherungen bezuschussen nach Maßgabe ihre Mitglieder bei Gesundheitsreisen. Die Bedingungen und die Höhe der Zuschüsse richten sich dann nach dem abgeschlossenen Tarif. Auch für Privatversicherte empfiehlt sich vor der Buchung der Gesundheitsreise die Rücksprache mit dem Versicherer.

Text: Katja Schulte Redaktion
Datum: 03/2017 | aktualisiert 06.01.2023
Bildquelle: © Bild von stokpic auf Pixabay.com

Quellen und weiterführende Informationen:

SGB V Prävention

GKV Spitzenverband: Leitfaden Prävention

RKI: Prävention

AOK. Gesundheitsangebote der AOK bei Präventionsreisen

Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

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