6 goldene Lebensregeln der Hildegardmedizin

HEILKUNDIGE UND VISIONÄRE KLOSTERFRAU HILDEGARD VON BINGEN

Als jüngstes von 10 Kindern einer Adelsfamilie wurde Hildegard von Bingen im Jahr 1098 geboren. Seitdem die Adelige 8 Jahre alt war, lebte sie im Benediktinerkloster Disibodenberg, wo sie im Jahr 1113 ihr Gelübde ablegte und 1137 zur Äbtissin wurde. Bevor die heilkundige Klosterfrau Hildegard 1179 auf dem Rupertsberg bei Bingen im Alter von 81 Jahren starb, hatte sie um 1150 ein eigenes Kloster gegründet und die Hildegardmedizin nach ihren 6 goldenen Lebensregeln praktiziert.

ERNENNUNG ZUR KIRCHENLEHRERIN DURCH PAPST BENEDIKT XVI. IM JAHR 2012

Hildegard hatte schon als Kind Visionen und war überzeugt davon, einen besonderen Zugang zu Gott zu haben. Aber erst ungefähr im Alter von 43 Jahren begriff sie ihre Visionen als göttlichen Auftrag und begann, sie zu verkünden und nieder zu schreiben. Das ganzheitliche Heilsystem der Hildegard von Bingen basiert auf dem christlichen Weltbild, das Körper, Geist und Seele des Menschen untrennbar verbunden sieht und als Teil der göttlichen Schöpfung betrachtet. Neben ihren Werken zur Theologie, Mystik und Musik verfasste Hildegard von Bingen verschiedene Schriften zur Gesundheit, Kräuterheilkunde und Ernährung.

  • theologisches Hauptwerk Scivias „Wisse die Wege“
  • Liber vitae meritorum „Das Buch der Lebensverdienste“
  • Diverse Lieder, Antiphonen und Hymnen
  • Naturheilkundliche Schrift Physica „Heilkraft der Natur“
  • Causea et Curore „Ursachen und Behandlung von Krankheiten“

LEBEN IN DER HILDEGARDMEDIZIN NACH 6 GOLDENEN LEBENSREGELN

In den Werken Physica und Causea et Curore finden sich Hildegards 6 goldenen Lebensregeln:

  • Natürliche Heilkräfte aller Lebensmittel nutzen
  • Natürliche Heilmittel aus der Schöpfung mit göttlichen Heilkräften verwenden
  • Ausleitende Verfahren
  • Harmonischer Rhythmus von Muße und Arbeit
  • Harmonie zwischen Schlafen und Wachen zur Regeneration von Körper, Geist und Seele
  • Stärkung der Seele durch spirituelle Psychotherapie, Reinigung durch Erkenntnis der 35 Tugenden und Laster

Ernährung in der Hildegardmedizin

GUTE LEBENSMITTEL HABEN NACH HILDEGARD VON BINGEN HEILKRÄFTE

In der Hildegardmedizin haben Lebensmittel in der Ernährung Vorrang vor Medikamenten. Aus ihrer Überzeugung heraus, das guten Lebensmitteln große Heilkräfte innewohnen, hat Hildegard die Lebensmittel in gute und schlechte unterteilt. Schlechte Lebensmittel nannte sie Küchengifte.

DINKEL IST DAS GRUNDNAHRUNGSMITTEL DER ERNÄHRUNGSLEHRE NACH HILDEGARD VON BINGEN

Das wichtigste Grundnahrungsmittel der Ernährungslehre nach Hildegard von Bingen ist der Dinkel, der täglich in Form von Korn, Schrot, Grieß oder Suppe empfohlen wird, weil er heilsam für eine Reihe körperlicher und seelischer Leiden sein soll. Daneben empfiehlt sie mehr als 100 weitere Lebensmittel, darunter Kräuter und Gemüsesorten wie Fenchel, Bohnen, Galgant, Möhren und Sellerie. Salate gelten dagegen nur in einer Marinade aus Essig und Öl als gesund. Der Verzehr von Fisch und Fleisch wird in der Ernährungslehre nach Hildegard von Bingen jahreszeitenabhängig in Maßen empfohlen.

GEMÜSE BESSER GEDÜNSTET

Hildegard stufte Rohkost grundsätzlich als ungesund ein, weil sie das Blut belaste und Gärungen im Darm auslöse. Nach der Ernährungslehre empfiehlt sie deshalb, das Gemüse zu dünsten.

KÜCHENGIFTE SIND ZU MEIDENDE LEBENSMITTEL

Die Lebensmittel, die Hildegard von Bingen unter dem Begriff Küchengifte zusammengefasst hatte, sollen bei Verzehr schädlich wirken. Demnach fördern sie die Verschleimung und bilden schlechte Körpersäfte. Der Verzehr dieser Küchengifte schwäche das Immunsystem und fördere Unverträglichkeiten und Entzündungen. Zu den schädlichen Nahrungsmitteln zählte sie auch Obst- und Gemüsesorten wie Lauch, Pflaumen, Pfirsiche und Erdbeeren.

BEURTEILUNG DER ERNÄHRUNGSLEHRE DER HILDEGARD VON BINGEN IN DER GEGENWART

Wissenschaftlich bestätigt ist heute etwa Hildegards positive Einschätzung des Dinkelgetreides. Leider waren zu Lebzeiten der Hildegard von Bingen einige heute weit verbreitete Lebensmittel für sie nicht verfügbar, so dass hierzu Einschätzungen fehlen. Darunter fallen beispielsweise Auberginen, Kartoffeln, Kiwi, Paprika und Tomaten. Wissenschaftlich anders eingeschätzt wird heute das Olivenöl, das nach Hildegard als ungesund gilt. Im Rahmen einer mediterranen Ernährung ist Olivenöl heute unbedingt empfehlenswert. Bestätigt hat sich heute, dass die von Hildegard als ungesund eingestuften Erdbeeren häufig allergische Reaktionen auslösen und auch der ebenfalls von ihr als ungesund eingestufte Lauch bei Rheumakranken einen Schub auslösen kann.

In Form einer differenzierten Diätetik wird heute die Ernährungslehre der Hildegard von Bingen in der Praxis immer noch gelebt. Sie ist in Form einer gesunden maßvollen Ernährung in Verbindung mit einer gesunden Lebensweise in naturheilkundliche Behandlungskonzepte integriert.

Hildegardmedizin in der modernen Praxis

ANWENDUNGSGEBIETE DER HEUTIGEN HILDEGARDMEDIZIN

Aus dem medizinischen Gesamtkonzept der überlieferten Hildegardmedizin sind folgende übergeordnete Anwendungsgebiete Bestandteil der Hildegardmedizin:

  • Abwehrkräfteaktivierung
  • Entgiftungen und Ausleitungen
  • Regulation des Hormonsystems
  • Verdauungsgeschehen
  • Herz- Kreislaufgeschehen
  • Beschwerden im Bereich von Hals, Nasen, Ohren
  • Psychotherapie

NEBENWIRKUNGEN DER HILDEGARDMEDIZIN

Nebenwirkungen der Hildegardmedizin sind bei fachlich versierten Anbietern in der Regel nicht zu erwarten. Bei Einnahme einiger Medikamente, Vorerkrankungen oder während der Schwangerschaft können einige Behandlungen mit nicht angezeigt sein. Hier empfiehlt sich ausführliche Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker.

Heidelore Kluge. Das große Hildegard von Bingen Buch. Ihre wichtigsten Lehren zur Ernährung, Gesundheit und Schönheit. 2009. Verlag Kosmet

AMS Autoren- und Mediensevice, Reute et al. Das große Buch der Hildegard von Bingen. Bewährtes Heilwissen für Gesundheit und Wohlbefinden. 2007. Verlag Naumann & Göbel.

BDU

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 02/2016 | aktualisiert 10/2020

Hinweis zum Heilmittel- Werbegesetz

Aus rechtlichen Gründen muss darauf hingewiesen werden, dass viele Methoden der Naturheilkunde im streng naturwissenschaftlichen Sinne noch nicht bewiesen sind und deshalb von der Schulmedizin abgelehnt werden, auch wenn sie sich in der Praxis bewährt haben. Aussagen zu den Methoden beruhen daher vorwiegend auf Erfahrungen der Therapeuten.

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