Der Mineralstoff Kalzium (Ca) ist ein lebensnotwendiger Baustoff im menschlichen Körper und Teil des körpereigenen Regulationssystems. Kalzium ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt und nicht zuletzt als Elektrolyt zusammen mit Natrium, Magnesium und Kalium für einen funktionierenden Elektrolythaushalt verantwortlich. Störungen im Elektrolythaushalt können sogar lebensgefährlich werden und medizinische Notfälle verursachen.

Kalzium muss in ausreichender Menge über die Ernährung aufgenommen werden, damit alle Prozesse problemlos ablaufen. Nicht nur ein Kalziummangel, sondern auch ein Kalziumüberschuss können sich durch bestimmte Symptome bemerkbar machen und das Wohlbefinden und die Gesundheit beeinträchtigen.

Funktionen von Kalzium

Kalzium übt zahlreiche wichtige Funktionen aus und ist unersetzbar für die Stabilität von Knochen und Zähnen und die Blutgerinnung, aber auch für die Funktion von Muskeln und Nerven ist es unverzichtbar. Daneben aktiviert es verschiedene Hormone und Enzyme.

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Kalziumhaushalt

Der Kalziumhaushalt wird im Darm, in den Nieren und den Knochen geregelt. Die Regulation erfolgt durch die Hormone Parathormon, Calcitonin und Vitamin D. Während der Darm die Kalziumaufnahme und Kalziumausscheidung übernimmt, wird es in den Knochen zwischengespeichert.

Die Nieren steuern neben der Kalziumaufnahme durch den Darm auch die Synthese von Vitamin D. Überschüssiges Kalzium wird ausgeschieden.

Mit circa 1 Kilogramm Gewicht ist Kalzium das Elektrolyt, das im Körper mengenmäßig am meisten gespeichert wird. Dabei wird 99 Prozent des Kalziums in Knochen und Zähnen gespeichert, während nur 1 Prozent im Blut und anderen Geweben nachweisbar ist.

Kalziummangel

Ein Mangel an Kalzium kann verschiedene Ursachen haben und durch eine Reihe von Faktoren begünstigt werden. Kommt es zum Kalziummangel, ist das Gleichgewicht zwischen den Elektrolyten im Körper gestört. Oft ist unausgewogene Ernährung für eine verminderte Kalziumaufnahmefähigkeit, einen erhöhten Kalziumbedarf oder einen vermehrten Kalziumverlust verantwortlich. Ein Kalziummangel kann aber auch genetisch bedingt sein.

Häufige Ursachen von Kalziummangel

Zu den typischen Ursachen für einen Kalziummangel zählen neben einer Mangel- und Fehlernährung ein erhöhter Konsum von Kaffee oder Alkohol.

Es kommen als Auslöser ebenfalls bestehende Erkrankungen wie eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse (Parathormon-Mangel) oder Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht in Betracht. Ursächlich können außerdem Erkrankungen des Darms, der Bauchspeicheldrüse oder der Nieren mit Abnahme der Nierenfunktion sein. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion kann verantwortlich sein.

Auch Nährstoffmängel können einen Kalziummangel auslösen. Neben einem Vitamin D-Mangel kann auch ein Magnesiummangel den Kalziumhaushalt beeinträchtigen.

Weitere mögliche Faktoren bilden eine Glutenunverträglichkeit, eine Hyperventilation und entwässernde Medikamente.

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Risikogruppen für Kalziummangel

Typische Risikogruppen für Kalziummangel sind Schwangere und Stillende sowie Menschen mit Lactoseintoleranz. Aber auch ältere Menschen sowie Veganer und Menschen, die keine Milchprodukte mögen, zählen zu den gefährdeten Gruppen.

Ein höheres Risiko tragen Jugendliche im Wachstum und Menschen mit hohem Kaffeekonsum oder hohem Alkoholkonsum. Menschen mit unausgewogener Ernährung zählen trifft ebenfalls ein Risiko.

Symptome bei Kalziummangel

Ein Kalziummangel äußert sich insbesondere durch Symptome wie die Übererregbarkeit der Muskeln und Nerven, Fühlstörungen und ein Kribbeln in Händen und Armen.

Folgen von Kalziummangel

Kommt es zu einem Kalziummangel, können Muskelkrämpfe im Darm und Blasenbereich auftreten, die von Durchfall begleitet sind. Aber auch Bauchschmerzen oder starker Harndrang sowie die Entkalkung von Knochen und Zähnen, ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche sowie Knochenverformungen mit Rückenproblemen zählen zu den Folgeerscheinungen.

Weitere Folgen können motorische Störungen sein (tetanischer Anfall mit Pfötchenstellung, Spitzfuß oder Formen eines Karpfenmundes) oder die Verkrampfung der Kehlkopfmuskulatur bis hin zur lebensbedrohlichen Atemnot.

Zur Osteoporose kann es bei anhaltendem Kalziummangel kommen.

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Bei einem Kalziummangel, der durch einen Mangel an Parathormon entsteht, können außerdem verschiedene Organe verkalken. Betroffen sind häufig Augen und Gehirn. In der Folge kann sich die Augenlinse trüben und das Sehvermögen verschlechtert sich.

Es kann zu Kopfschmerzen, Demenz oder Bewegungs- und Sprachstörungen kommen. Bei Kindern können Minderwuchs und Zahnentwicklungsstörungen auftreten.

Diagnose und Therapie bei Kalziummangel

Bei Verdacht auf Kalziummangel (Hypokalzämie) ist es wichtig, einen Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen, der die Ursache feststellen kann. Ob ein Kalziummangel vorliegt, kann eine Blutuntersuchung ergeben.

Eine Hypokalzämie liegt bei einem Blutkalziumspiegel unter 2,2 mmol/l vor.

Zur Therapie werden bei Kalziummangel regelmäßig Präparate mit Kalzium und Vitamin D eingesetzt, dadurch erhöht sich die Kalziumkonzentration im Blut.

Weil es schnell zu einem Kalziumüberschuss kommen kann, empfehlen Experten, hochdosierte Kalziumpräparate nur nach ärztlicher Anweisung einzunehmen.

Wenn die Ursache in einer Ernährungslücke liegt, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) eine vollwertige Ernährung, die Nährstoffmängeln vorbeugt.

Folgen erhöhter Kalziumzufuhr (Hyperkalzämie)

Erhöhte Kalziumzufuhr kann bei einigen Menschen zum Problem werden. Üblicherweise scheidet der Körper gesunder Menschen überschüssiges Kalzium wieder aus. Erblich bedingt kann es aber bei einigen Menschen durch einen Kalziumüberschuss (Hyperkalzämie) zu Nierensteinen kommen. Besonders bei Dialysepatienten wird der Kalziumspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert. Mögliche Anzeichen einer Kalziumüberversorgung können sein:

Symptome einer Hyperkalzämie

Bei einem Kalziumüberschuss kann es neben Appetitlosigkeit, Leistungsabfall und Übelkeit auch zu Nierensteinen und einer krankhaft erhöhten Urinausscheidung kommen.

Auch Symptome wie krankhaft gesteigerter Durst, Muskelschwäche, Erbrechen und Verstopfung können sich einstellen. Zu den weiteren typischen Anzeichen für Kaliummangel zählen auch Lähmungserscheinungen und Herzrhythmusstörungen sowie Bluthochdruck oder Müdigkeit.

Folgen bei Entgleisung

Wenn die Hypokalzämie entgleist, kommt es zur hyperkalzämischen Krise, die lebensbedrohlich ist.

Mögliche Folgen sind eine Verstärkung der Symptome bis hin zu einer Dehydration, Bewusstseinsstörungen und Koma.

Ursachen für Kalziumüberschuss

Die Gründe für einen Kalziumüberschuss können in einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen oder bösartigen Tumoren liegen. Doch auch Medikamente, besonders Vitamin D und Entwässerungspräparate (Thiaziddiuretika) sind in der Lage, einen Kalziumüberschuss zu verursachen.

Diagnose und Therapie

Eine Hyperkalzämie liegt vor, wenn der Blutkalziumspiegel mehr als 2,6 mmol/l beträgt.

Neben der Therapie der Grunderkrankung können weitere Maßnahmen erfolgen, darunter die Einschränkung der Kalziumzufuhr und eine medikamentös herbeigeführte Harnausscheidung. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die Gabe von Glukokortikoiden, Biphosphonaten oder Kalzitonin sowie gegebenenfalls eine Hämodialyse.

Referenzmenge für Kalzium

Der Tagesbedarf für Kinder und Erwachsene ist unterschiedlich hoch. Die empfohlene Kalziumzufuhr legt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) fest. Zur Deckung des Kalziumbedarfs werden altersabhängige Kalziummengen empfohlen.

Säuglinge im Alter von 4 bis 12 Monate sollten 330 Milligramm Kalzium täglich aufnehmen, während es Kinder im Alter zwischen von 4 und 7 Jahren 750 Milligramm empfohlen werden.

Im Alter von 13 bis 18 Jahren liegt die Tagesempfehlung bei 1200 Milligramm. Für beide Geschlechter ab 18 Jahre gilt dagegen eine Tagesempfehlung von 1000 Milligramm.

Kalzium in Lebensmitteln

Kalzium kommt in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln sowie in Mineralwasser vor. Der Kalziumgehalt ist in kalziumhaltigen Lebensmitteln unterschiedlich hoch. Frische und natürliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst, ungesalzene Nüsse, Getreide, Pflanzenöle, Milchprodukte, Muskelfleisch und Hülsenfrüchte enthalten nennenswerte Mengen an Kalzium.

Es ist beispielsweise in folgenden Konzentrationen enthalten in folgenden Nahrungsmitteln: 1 Glas Milch 1,5 % Fett (200 ml/ 246 mg), Grünkohl (200 g/ 424 mg), Emmentaler (30 g/ 309 mg), Joghurt (150 g/ 185 mg), Mandeln (100 g/ 252 mg), Spinat gekocht (100 g/ 126 mg).

Mythos: Zucker entzieht dem Körper Kalzium

Die Behauptung, dass Zucker dem Körper Kalzium entzieht, ist wissenschaftlich in neuen Untersuchungen nicht bestätigt worden. Die irrige Annahme aus dem Jahr 1926 beruhte auf einer Einzelstudie an Kaninchen, in der unter chronischer Zuckerfütterung Veränderungen an den Knochen festgestellt wurden. Nach neueren Erkenntnissen führen Forscher die Veränderung aber stattdessen darauf zurück, dass das verwendete Futter neben anderen fehlenden Nährstoffen insbesondere auch kein Vitamin D enthielt.

Kalzium in Nahrungsergänzungsmitteln

Nicht jede Kalziumverbindung ist gut verwertbar. Kalzium in Nahrungsergänzungsmitteln ist in organischer Form für den Körper wesentlich besser verwertbar als in anorganischer Form. Zu den besser verwertbaren (bioverfügbaren) organischen Kalziumverbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln zählen zum Beispiel Kalziumgluconat, Kalziumaspartat, Kalziumcitrat und auch Kalziumchelat.

Schlechter verwertbar sind dagegen anorganische Verbindungen wie Kalziumcarbonat, Kalziumphospat oder Kalziumsulfat. Besonders ältere Menschen haben bei ungenügender Magensäurebildung Schwierigkeiten mit der Aufnahme von anorganischen Kalziumverbindungen.

Die optimale Einnahmezeit für Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium ist die Einnahme während einer Mahlzeit. Experten empfehlen, die Kalziumdosis auf mehrere Einzeldosen über den Tag zu verteilen.

Nahrungsergänzungsmittel mit Kalzium sind zwar nicht rezeptpflichtig, aber dennoch sind einige Kalziumpräparate apothekenpflichtig. Kalziumhaltige Nahrungsergänzungen werden häufig von Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und über das Internet angeboten.

Erhältlich sind Kalziumtabletten, Kalziumkapseln, und Kalziumpulver in unterschiedlichen Dosierungen. Kalzium ist auch Bestandteil einiger flüssiger Nahrungsergänzungen in Form von Saft oder Liquids.

Kalziumpräparate werden häufig mit anderen Nährstoffen kombiniert, wie z.B. Magnesium oder Vitamin D3.

Ein natürlicher Kalziumlieferant ist die fein vermahlene Sangokoralle aus Okinawa, die meist in Pulverform angeboten wird. Die Sangokoralle enthält Kalzium und Magnesium in einem ausgewogenen Verhältnis von 2:1 und beinhaltet außerdem viele weitere Mineralstoffe und Spurenelemente.

Erlaubt sind verschiedene Kalziumverbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln. Neben Kalziumcarbonat, Kalziumchlorid und Kalziumsalzen der Zitronensäure (Kalziumcitrat) sind dieses Kalziumgluconat und Kalziumglycerophosphat.

Weitere für Nahrungsergänzung erlaubte Substanzen sind Kalziumlacetat sowie Kalziumsalze der Orthophosphorsäure, Kalziumhydroxid und Kalziumoxid.

Health Claims: Erlaubte Gesundheitsaussagen zu Kalzium

Kalzium in Nahrungsergänzungsmitteln darf mit folgenden Gesundheitsaussagen beworben werden, wenn der Hersteller die Mindestanforderungen nach EG Verordnung 1924/2006 erfüllt. Die Nummer, unter der Kalzium im EFSA Journal gelistet ist, lautet 2009; 7(9):1210.

Erlaubte Health Claims für Kalzium (Calcium)

Danach trägt Kalzium zu einem normalen Energiestoffwechsel, einer normalen Muskelfunktion und einer normalen Funktion von Verdauungsenzymen bei. Kalzium leistet außerdem einen Beitrag zur normalen Blutgerinnung und zu einer normalen Signalübertragung zwischen den Nervenzellen.

Daneben übt es eine Funktion bei der Zellteilung und -spezialisierung aus und wird für die Erhaltung normaler Knochen und normaler Zähne benötigt.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 07/2017 | aktualisiert 17.01.2024

Quellen und weiterführende Informationen:

Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates (PDF)

EFSA. L136/4 Amtsblatt der Europäischen Union

DGE. Gemüsen und Obst in der Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten

Die Nährstoffe-Bausteine für Ihre Gesundheit. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn 2015

MRI BUND. Nationale Verzehrsstudie

Burgerstein, Dr. Lothar. Burgersteins Handbuch Nährstoffe. Haug Verlag

H.K. Biesalski et al. Ernährungsmedizin.  Thieme. Stuttgart. 2010

H.K. Biesalski Taschenatlas der Ernährung. Thieme. Stuttgart. 2011

Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

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