Vorliebe für Süßes ist genetisch bedingt

KINDER LIEBEN ZUCKER

Kein Wunder, dass süße Lebensmittel mit viel Zucker schon bei den Kids so gut ankommen – sie treffen nicht nur den Geschmack, sondern stellen dem Körper auch noch jede Menge schnelle Energie zur Verfügung. Begründet ist die Vorliebe für Süßes bereits in unseren Genen. Diese Vorliebe ist bei Kindern schon kurz nach der Geburt nachweisbar.

Problematisch wird es erst, wenn die süßen Portionen zu groß werden oder die Bewegung der Kinder auf der Strecke bleibt, denn dann wandelt der Körper die überschüssige Energie aus Zucker in Fett um, das in direktem Wege auf die Hüften geht. Auch dieser Mechanismus ist fest in unseren Genen verankert – dadurch schafft sich der Körper Energiedepots für schlechtere Zeiten.

ZU VIEL ZUCKER UND FETT FÖRDERN ÜBERGEWICHT 

Neben Zucker verfügen viele süße Lebensmittel gleichzeitig über hohe Mengen an energiespendendem Fett, dessen Überschüsse ebenfalls in die Fettdepots wandern und dort auf schlechte Zeiten warten. So entsteht bei zahlreichen Kindern schon früh Übergewicht, das zum Risikofaktor für spätere Volkskrankheiten werden kann.

Bietet Süßstoff Alternative für Kinder?

SÜSSSTOFFE RISKANT – BISLANG KEINE ERLAUBTEN HÖCHSTMENGEN FÜR KINDER 

Dass Süßstoff nicht für unerwünschte Kilos auf den Hüften sorgt und gleichzeitig als zahnschonend gilt, ist für viele Eltern Grund genug, regelmäßig zu den kalorienarmen Alternativen zu greifen. Kalorienreduzierte Lebensmittel gehören in den Supermärkten mittlerweile zum Standardprogramm – die Auswahl ist groß. Ob gesüßte Limonaden, Säfte oder Süßigkeiten, Salatdressings und Light-Produkte, auch Lebensmittel für Kinder sind nicht selten künstlich gesüßt.

Süßstoffe besitzen die 30- fache bis 3000- fache Süßungskraft von Haushaltszucker, an die sich unsere Geschmacksnerven gerne gewöhnen.

Die elf zugelassenen künstlichen Süßstoffe, die in Lebensmitteln derzeit verarbeitet werden dürfen, werden von Experten dennoch keineswegs als Freifahrtschein zum unkontrollierten Konsum  empfohlen. Denn auch bei Süßstoffen gilt eine tägliche Höchstgrenze für die Aufnahme, bis zu der keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Diese Höchstgrenze ist jedoch für Erwachsene festgelegt – für Kinder gibt es keine Höchstgrenzen, die helfen zu kontrollieren, ab wann ein übermäßiger Verzehr von Süßstoffen gesundheitsschädlich wird. Aus diesem Grund kann der tägliche Verzehr hoher Mengen von künstlich gesüßten Lebensmitteln und Süßstoff für Kinder riskant werden.

Zugelassene Süßstoffe/ Angabe der erlaubten Tagesdosis für Erwachsene

  • Acesulfam K (E 950): Erlaubte Tagesdosis 9 mg/kg Körpergewicht/Tag
  • Aspartam (E 951): Erlaubte Tagesdosis 40 mg/kg Körpergewicht/Tag
  • Cyclamat (E 952): Erlaubte Tagesdosis 7 mg/kg Körpergewicht/Tag
  • Saccharin (E954): Erlaubte Tagesdosis 5 mg/kg Körpergewicht/Tag
  • Sucralose (E 955): Erlaubte Tagesdosis 15 mg/kg Körpergewicht/Tag
  • Thaumatin (E 957): Erlaubte Tagesdosis „Acceptable“
  • Neohesperidin DC (E959): Erlaubte Tagesdosis 5 mg/kg Körpergewicht/Tag
  • Stevioglycoside (E 960): Erlaubte Tagesdosis 4 mg/kg Körpergewicht/Tag
  • Neotam (E 961): Erlaubte Tagesdosis 2 mg/kg Körpergewicht/Tag
  • Aspartam-Acesulfamsalz (E 962): Erlaubte Tagesdosis „Acceptable“
  • Advantam (E 969):Erlaubte Tagesdosis 5 mg/kg Körpergewicht/Tag

Alternative Zuckeraustauschstoff?

GLEICHE SÜSSUNGSKRAFT WIE HAUSHALTSZUCKER

Auch ein Zuckerausstauschstoff wie Mannit, Maltit, Isomaltit, Lactit, Erythrit, Sorbit oder Xylit liefert im Gegensatz zum typischen Haushaltszucker weniger oder keine unerwünschten Kalorien und gilt dabei ebenfalls als zahnschonend. Verarbeitet werden Zuckeraustauschstoffe in Lebensmitteln wie Desserts, Speiseeis, Konfitüre, Süßwaren, Saucen, Senf oder Backwaren.

Mittlerweile enthalten viele diätische Lebensmittel diese Ersatzstoffe. Sie haben in etwa die gleiche Süßungskraft wie Haushaltszucker und unterliegen aber keiner Mengenbegrenzung. Zuckeraustauschstoffe regen die Darmtätigkeit an und können in höheren Mengen zu Blähungen und Durchfall führen. Für ungewöhnte Erwachsene gelten gewisse Toleranzwerte beim Verzehr, die nicht überschritten werden sollten. Für Kinder gibt es diese Toleranzwerte nicht, deshalb sind auch Zuckeraustauschstoffe mit Risiken verbunden.

Kohlenhydrate Zucker Süssstoff

Kohlenhydrate - Zucker - Süßstoffe

> Mehr erfahren

Gesunde Zucker und Zuckerersatzstoffe

Erfahren Sie mehr über gesunde und ungesunde Kohlenhydrate. Details zu Süßstoffen und Zuckerersatzstoffen.

> Zum Bericht auf Infothek-Gesundheit

Experten raten zum gesunden Umgang mit Zucker

KINDER SOLLEN MASSVOLL NASCHEN MIT ZUCKER

Weil für Kinder bislang gesicherte Höchstmengen beim Verzehr von Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen fehlen, halten Ernährungsexperten für den kindlichen Körper derzeit den maßvollen Konsum von Zucker für am unbedenklichsten. Zwar bleibt der Zucker energiereich, dafür ist er aber frei von Risiken und Nebenwirkungen, wie sie bei Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen möglich sind.

WHO senkt Empfehlung auch für Kinder

WHO AKTUALISIERT RICHTLINIE ZUM ZUCKERVERZEHR

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte am 4. März 2015 die aktualisierte Richtlinie zum Zuckerverzehr für Erwachsene und Kinder. Dabei bestätigte sie die seit 1989 bestehende Empfehlung für den Konsum freier Zucker (Glukose, Fruktose, Haushaltszucker, Honig, Sirup Fruchtsäfte, Fruchtsaftkonzentrate) unter 10% der Gesamtenergiezufuhr wegen folgender wissenschaftlicher Evidenzen:

  • Erwachsene mit niedriger Zuckerzufuhr haben ein niedrigeres Körpergewicht
  • Mit steigender Zuckerzufuhr steigt das Gewicht
  • Übergewicht bei Kindern wird mit dem Konsum zuckergesüßter Getränke in Verbindung gebracht
  • Die höhere Zufuhr freier Zucker von mehr als 10% fördert Karies

Die WHO rät weiter dazu, die Zufuhr von freiem Zucker auf unter 5% der Gesamtenergiezufuhr zu senken, da neuere Studien auf eine reduzierte Karieshäufigkeit hinweisen. 5% der Gesamtenergiezufuhr ergeben etwa 25 Gramm oder 6 Teelöffel freien Zucker täglich. Nach Angaben der WHO bezieht sich die Empfehlung nicht auf frisches Obst und Gemüse und in der Milch enthaltene Zucker. Für diese gibt es keine Hinweise auf nachteilige Gesundheitswirkungen.

Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung sollen Kinder im Alter von 4-12 Jahren, demnach nicht mehr als maximal 140 kcal bis 220 kcal täglich in Form von Süßigkeiten aufnehmen. Vergleichsweise entsprechen 10 Gummibärchen einer Menge von 20 Gramm mit etwa 40 kcal. o,2 Liter Limonade haben etwa 83 kcal, ein Teelöffel Nuss-Nougat-Creme besitzt etwa 42 kcal und eine Portion Chips von 25 Gramm etwa 134 kcal.

Naschregeln aufstellen

BEWUSSTER UMGANG MIT SÜSSIGKEITEN EMPFOHLEN

Allein auf den bewussten und genussvollen Umgang mit den süßen Leckereien kommt es nach Expertenmeinung an. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt Eltern darauf zu achten, das Kinder täglich nicht mehr Süßigkeiten aufnehmen, als sie in ihrer hohlen Hand aufnehmen können. Hierbei hat sich besonders die Aufstellung von „Naschregeln“, die gemeinsam mit dem Kind abgestimmt werden können, bewährt.

Auch gesüßte Limonaden, Säfte und Fruchtsäfte, die unverdünnt getrunken werden, enthalten oft hohe Mengen an Zucker oder Fruchtzucker, die meistens nicht in der Tagesbilanz des Zuckerkonsums berücksichtigt werden. Alternative Süßungsmittel, zu denen Honig, Vollrohrzucker oder Dicksäfte zählen, bieten bezüglich der Kalorien keinen Ersatz für den Haushaltszucker und sollten ebenfalls nur massvoll verzehrt werden.

Genießen aber Kalorien sparen

EXPERTEN-TIPPS ZUM GESUNDEN KALORIENSPAREN 

  • Süßigkeiten können teilweise gegen Obst und frische Gemüsesticks ausgetauscht werden, das liefert zudem wichtige Vitamine und Mineralstoffe
  • Fruchtsäfte sättigen nicht und löschen unverdünnt auch nicht den Durst, liefern aber jede Menge Kalorien. Es empfiehlt sich deshalb, sie nicht pur zu genießen sondern zu verdünnen, am besten mit drei Teilen Wasser
  • Süßigkeiten nicht zur Belohnung oder zum Trost einsetzen, das kann später zu falschen Essverhalten führen
  • Süßigkeiten nicht zu Zwecken der Bestrafung entziehen, das kann später zu falschen Essverhalten führen
  • Am besten weitgehend auf künstliche Süßstoffe verzichten – die Gewöhnung an die stärkere Süßungskraft lässt später sogar süßes Obst nicht mehr süß genug schmecken
  • Süßigkeiten in Verbindung mit Fernsehen, Langeweile oder beim Spielen können zu unkontrolliertem Verzehr beitragen
  • Süßigkeiten sollten keine Zwischenmahlzeit sein, sondern besser im Rahmen einer Mahlzeit genossen werden
  • Vergeichen lohnt sich – wenn beim Einkauf süße Produkte wie Kinderschokoriegel oder Kindermilchprodukte mit üblichen Schokoladenerzeugnissen verglichen werden, stellt sich bei einigen Produkten heraus, dass speziell für Kinder beworbene Artikel mehr Zucker und Fett enthalten als gewöhnliche Schokoladenerzeugnisse
  • Kalorienreiche Zuckerformen verbergen sich häufig auch noch unter anderen Namen in der Liste der Produktbestandteile und werden nicht immer gleich erkannt. Achten sollte man auf Bezeichnungen wie Maltose, Glucose, Fructose, Glucosesirup, Fruktosesirup, Lactose, Dextrose oder Saccharose

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat zusammen mit der Initiative InForm und der DGE ein Informationsblatt (PDF) herausgebracht, das über den empfohlenen Umgang mit Süßigkeiten ausführlich informiert. Den Link finden Sie in unseren Quellenangaben.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 09/2016

Suche