Wann wird ein kleines Blutbild bestimmt?

KLEINES BLUTBILD IST DIE HÄUFIGSTE BLUTUNTERSUCHUNG

Das kleine Blutbild ist eine Methode der Blutzellenanalyse, bei der verschiedene Laborwerte standardmäßig bestimmt werden, um den Gesundheitszustand zu untersuchen oder Krankheiten zu diagnostizieren. Auch vor Operationen, zur Verlaufskontrolle und um die Reaktion auf eine Behandlung zu überprüfen, wird das kleine Blutbild routinemäßig bestimmt. Zur Bestimmung entnimmt der Arzt eine Blutprobe aus der Vene.

Das kleine Blutbild wird bei Verdacht auf verschiedene Erkrankungen genutzt und gibt Hinweise auf bestehende Infektionen, Entzündungen oder Mangelerscheinungen im Körper. Diese Methode zählt zu den Blutuntersuchungen, die Ärzte am häufigsten in einem medizinischen Labor durchführen lassen.

Besonders bei unspezifischen Symptomen ordnet der Arzt in der Regel ein kleines Blutbild an. Zu solchen unspezifischen Symptomen zählen neben Schlafstörungen, Müdigkeit, Energielosigkeit, Schwächegefühl, Konzentrationsproblemen etwa auch Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, blasse Haut oder Appetitlosigkeit.

Für die medizinische Diagnose ist das Blut besonders aufschlussreich. Der Blutkreislauf transportiert nicht nur Nährstoffe und Sauerstoff zu den Organen und Körperzellen, er dient zusammen mit den Nervenzellen auch als Informationsleiter und steuert so lebensnotwendige Prozesse. Wenn spezielle Blutwerte zu hoch oder zu niedrig sind, bieten diese Werte meist schon einen Anhaltspunkt dafür, dass bestimmte Körperfunktionen nicht in Ordnung sind.

Auf dem Weg zur Diagnose kann ein zusätzliches Differentialblutbild das kleine Blutbild ergänzen. Zusammen mit dem Differentialblutbild ergibt das kleine Blutbild dann das große Blutbild.

KLEINES BLUTBILD LIEFERT ERSTE HINWEISE AUF BESTIMMTE KRANKHEITEN 

Die Blutzellen werden im Knochenmark produziert. Bei der Analyse der Blutzellen können die im kleinen Blutbild ermittelten Blutwerte entsprechende Anzeichen auf Erkrankungen des Knochenmarks und Bluterkrankungen geben. Erhöht sich die Zahl der weißen Blutkörperchen, deutet das auf eine verstärkte Aktivität des Immunsystems hin, die mit Entzündungen oder Infektionen in Zusammenhang gebracht werden kann.

Auch ernährungsmedizinisch liefert ein kleines Blutbild wichtige Anhaltspunkte bei Blutveränderungen, die durch spezielle Nährstoffmängel entstanden sind.

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Bei Verdacht auf folgende Krankheiten dient das kleine Blutbild regelmäßig als erste Untersuchungsmethode :

  • Autoimmunkrankheiten
  • Blutkrankheiten
  • Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • Erkrankungen der Lunge
  • Erkrankungen der Leber
  • Erkrankungen der Nieren
  • Infektionskrankheiten
  • Knochenmarkserkrankungen
  • Krebserkrankungen

Auswertung beim kleinen Blutbild

HINWEIS AUF GESCHWÄCHTES IMMUNSYSTEM

Eine auffällig geringe Anzahl von weißen Blutkörperchen weist auf ein geschwächtes Immunsystem hin, für das es verschiedene Ursachen geben kann. Neben einer Fehlernährung kann auch eine Infektion oder Chemotherapie zu einem schwachen Immunsystem führen.

HINWEIS AUF VITAMINMANGEL

Wenn die roten Blutkörperchen stark vergrößert sind, deutet die Veränderung auf einen Vitaminmangel hin, der sich durch ein großes Blutbild näher bestimmen lässt.

HINWEISE AUF INFEKTIONEN UND ENTZÜNDUNGEN

Bei Infektionen oder Entzündungen ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen stark vermehrt. Bei weißen Blutkörperchen, die in verschiedenen Arten im Körper vorkommen, deutet die vermehrt vorkommende Art auf die Ursache hin. Während eine hohe Anzahl von Neutrophilen auf eine bakterielle Infektion hindeutet, kann bei einer hohen Anzahl von Eosinophilen eine allergische Reaktion ursächlich sein. Zur weiteren Eingrenzung kommen in der Regel Immunfunktionstests und Untersuchungen zum Nachweis von Mikroorganismen zur Anwendung.

HINWEISE AUF BLUTARMUT

Eine Blutarmut (Anämie) kann vorliegen, wenn die Anzahl der roten Blutkörperchen oder die Hämoglobinkonzentration zu gering ist. Über die Art der Blutarmut gibt die Größe der roten Blutkörperchen Auskunft. Bei einer Blutarmut, die durch einen Eisenmangel verursacht ist, finden sich kleine, farblose Blutkörperchen. Bei Eisenmangel reagiert der Körper kurzfristig aber auch mit einer Erhöhung der roten Blutkörperchen, um das Sauerstoffdefizit auszugleichen.

Zur genauen Bestimmung der Ursache sind weitere Untersuchungen in Bezug auf die chemische Zusammensetzung notwendig. Insbesondere bestimmt man bei Blutarmut den Status der Vitamine und Mineralstoffe, die zur Blutbildung notwendig sind. Es kann festgestellt werden, ob die Blutarmut auch Folge eines Vitamin-B-12-Mangels oder eines Folsäuremangels ist. Auch bei einer Nierenschwäche ist die Anzahl der roten Blutkörperchen niedrig.

HINWEIS AUF POLYGLOBULIE 

Bei der Polyglobulie, die auch als Erythrozytose oder Polyzythämie bezeichnet wird, erhöht sich Anzahl der roten Blutkörperchen und das Blut wird zähflüssig. Verursacht wird  eine Polyglobulie durch längeren Sauerstoffmangel, wie er durch Doping, Rauchen, Lungenerkrankungen, Nierenerkrankungen oder Schlafapnoe entsteht.

Gefährlich werden kann eine Polyglobulie, weil sie Durchblutungstörungen begünstigt und in der Folge ein Blutgerinnsel (Thrombose), Schlaganfall oder Herzinfarkt entstehen kann.

HINWEIS AUF LEUKÄMIE

Wenn unnatürlich viele weiße Blutkörperchen vorhanden sind, kann eine Knochenmarkserkrankung (Leukämie) ein Grund dafür sein.

HINWEIS AUF STÖRUNGEN DER BLUTGERINNUNG

Wenn ein Mangel der Blutplättchen analysiert wird, deutet das auf Störungen der Blutgerinnung hin. Es kann vermehrt zu blauen Flecken auf der Haut kommen und abhängig vom Mangelzustand auch zu inneren Blutungen.

Welche Laborwerte liefert das kleine Blutbild?

KLEINES BLUTBILD ZEIGT ANZAHL UND GRÖSSE DER BLUTZELLEN

Beim kleinen Blutbild werden die Blutzellen eingefärbt und analysiert. Blutzellen lassen sich in drei wichtige Zelltypen einteilen.

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) transportieren mit Hilfe des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin Sauerstoff aus der Lunge in die Körperzellen und bringen den verbrauchten Sauerstoff in Form von Kohlendioxid in die Lunge zur Ausatmung zurück. Hämoglobin ist ein spezielles Protein, dass über seine Eisenionen Sauerstoff und auch den verbrauchten Sauerstoff in Form von Kohlendioxid binden kann. Rote Blutkörperchen bestehen zu etwa 90 % aus Hämoglobin.

Die Vorstufe der roten Blutkörperchen sind die Retikulozyten, die nach 2 Tagen ausgereift sind. Erythrozyten haben eine Lebensdauer von etwa 120 Tagen.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) bilden einen Teil des Immunsystems und sind für die Krankheitsabwehr wichtig. Zu den verschiedenen Leukozytenarten zählen Lymphozyten, Monozyten und  Granulozyten, die sich aufteilen in Neutrophile, Stabkernige, Segmentkernige, Eosinophile und Basophile. Aber nur beim Differentialblutbild werden die einzelnen Leukozytenarten schwerpunktmäßig bestimmt.

Blutplättchen (Thrombozyten)

Blutplättchen (Thrombozyten) sind kleine Kugeln mit tentakelähnlichen Verästelungen. Blutplättchen sind für die Blutgerinnung notwendig und sorgen so für freie Adern und Blutgefäße.

Schon ab einer kleinen Blutmenge von 0,5 Milliliter lässt sich die Werte für das kleine Blutbild bestimmen.

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Während die Auszählung früher regelmäßig unter dem Mikroskop erfolgte, zählen heute vollautomatisierte Laborgeräte beim kleinen Blutbild die Anzahl und Größe der Blutzellen aus.

Im Detail wird die Anzahl der enthaltenen weißen und roten Blutkörperchen sowie der Blutplättchen nach ihrer Zellgröße in 1 Kubikmilliliter Blut ermittelt. Auch die Konzentration des Blutfarbstoffs Hämoglobin in den roten Blutkörperchen. Außerdem erfasst die Blutuntersuchungsmethode auch das Hämatokrit, das den Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtvolumen ergibt.

Normwerte beim kleinen Blutbild

MÄNNER UND FRAUEN HABEN ZUM TEIL UNTERSCHIEDLICHE NORMWERTE

Je nach Laborbefund können die Normalwerte abweichen. Ausschlaggebend ist der Referenzwert des Labors.

Laborwerte – Kleines Blutbild Normwert Frauen Normwert Männer
Erythrozyten (Ery) 4,0-5,2 Mio/µl  4,5-5,9 Mio/µl
Leukozyten (Leuko)  4500-11.000/µl 4500-11.000/µl
Thrombozyten (Thrombo) 150.000-350.000/µl 150.000-350.000/µl
Hämatokrit (Hkt) 36-46 % 41-53 %
Hämoglobin (Hb) 12-16 g/dl 13,5-17,5 g/dl
Hämoglobinmenge (MCH) 28-34 pg 28-34 pg
∅ Hämoglobinkonzentration (MCHC) 31-37 g/dl 31-37 g/dl
∅ Erythrozyten Volumen (MCV) 78-1o2fl 78-100 fl
Retikulozyten (Retis) 0,5-2,5 % rote Zellen 0,5-2,5 % rote Zellen

Kosten und Kostenübernahme beim kleinen Blutbild

ÜBERNAHME DER KOSTEN SIND BEI DEN KASSEN ABHÄNGIG VON VERORDNUNG

Die Kosten beim kleinen Blutbild richten sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und bestehen aus verschiedenen Positionen. Eine Position entfällt auf den Betrag, den das Labor für die Bestimmung erhält. Die anderen Positionen decken die ärztlichen Kosten je nach erbrachter Leistung und Behandlungsaufwand mit einem einfachen oder erhöhten Faktor ab.

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die gesamten Kosten, wenn ein kleines Blutbild ärztlich verordnet wird. Gesetzlich Versicherte tragen auch dann keine Kosten, wenn es sich um einen von der eigenen Krankenkasse angebotenen Gesundheits-Check handelt, der ein kleines Blutbild beinhaltet.

HONORARBERECHNUNG BEI VORSORGELEISTUNGEN UND WUNSCHLEISTUNGEN

Wenn keine Beschwerden bestehen und das kleine Blutbild aus medizinischer Sicht nicht notwendig ist, tragen sowohl gesetzlich Versicherte wie auch privat Versicherte die Kosten dafür selbst. Dieses ist fast bei allen Vorsorgeleistungen und Untersuchungen auf eigenen Wunsch der Fall.

Übersicht der Kosten beim kleinen Blutbild

ALLGEMEINE LEISTUNGEN

Leistung Ziffer GOÄ einfach Faktor Gebühr
Blutentnahme 250 2,33 1,8 4,19 €
Wertbesprechung 1-10 min 1 4,66 2,3 10,72 €
Wertbesprechung ab 10 min 3 8,74 2,3 20,10 €
Stand 1996

LABORLEISTUNGEN 

Leistung Ziffer GOÄ 1-fach Faktor Gebühr
Blutbild klein 3550 3,50 1,15 4,03 €
Stand 1996

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 07/2020 | aktualisiert 06.04.2022

Quellen und weiterführende Links:

  • Gebührenordnung Ärzte (GOÄ)
  • Piper. Innere Medizin. Verlag Springer Heidelberg. 2007
  • David R. Goldmann. Praxishandbuch Medizin & Gesundheit. Verlag Dorling Kinderley. 2002
  • Innere Medizin. Band 4. Urban & Fischer. Auflage 7. 2004

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