Kletterhallen – Klettergärten – Klettertherapie

Kletterhallen – Klettergärten – Klettertherapie

Kletterboom in Deutschland

INDOOR-KLETTERN POPULÄR

Deutschland hat das Kletterfieber gepackt. Aber nicht nur Bergsteiger nutzen die Indoor-Trainingsmöglichkeiten, immer mehr Interessierte nehmen Schnupperkurse wahr und lassen sich für die Sportart begeistern. Daneben bescheren attraktive Angebote für Familien, Schulen und Firmen regelmäßig jede Menge Kletterspaß und gesunde Bewegung. Auch bei verschiedenen Krankheiten hat sich das Klettern als Therapieform bewährt und wird von gesetzlichen Krankenkassen unterstützt.

MEHR ALS 400 KLETTERHALLEN

Mittlerweile gibt es im Bundesgebiet neben vielen Klettergärten auch über 400 Kletterhallen. Einen großen Teil davon findet man in Bayern. Das Hallenklettern bietet bei schlechtem Wetter und über die Winterzeit eine optimale Ausweichmöglichkeit. Kletterhallen und Klettergärten sind für Ambitionierte ein geeigneter Einstieg in den Alpinismus. Künstliche Kletteranlagen bieten gleichermaßen Trainingsort und Treffpunkt für Gleichgesinnte.

Früher zählte Klettern zu den riskanten Extremsportarten. Heute gilt es durch die Optimierung von Sicherungstechniken und Materialien als sichere Sportart. Verletzungsgefahren lassen sich beim Sportklettern durch korrekte Anwendung der Sicherungstechniken nahezu ausschließen.

Klettern ist gesund

KLETTERN ALS GESUNDES GANZKÖRPERTRAINING

Klettern fördert viele Körperfunktionen und gilt als gesundes Ganzkörpertraining. Gleichzeitig nimmt es pädagogisch günstigen Einfluss, denn es fördert Verantwortungsbewusstsein, Selbstwertgefühl und gegenseitiges Vertrauen.

Klettern hat positive Einflüsse 

  • Verbesserung der  Körperspannung und Maximalkraft
  • Förderung von Koordination und Gleichgewicht
  • Förderung dynamisch fließender Körperbewegung
  • Abwechslungsreiche muskuläre Beanspruchung
  • Training kognitiver Fähigkeiten

KLETTERN ALS THERAPIEFORM

In den letzten 10 Jahren ist das Klettern als Therapieform entdeckt worden. Eingesetzt wird es in der Prävention, der Therapie und auch in der Reha. Therapeutisches Klettern hat sich bei Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten oder Autismus erfahrungsgemäß gut etabliert und findet beispielsweise auch bei ADS und ADHS Anwendung.

Als Teil einer Psychotherapie kann das therapeutische Klettern z.B. bei Angststörungen, Panikstörungen, Essproblemen oder Depressionen zum Einsatz kommen. Außerdem verhilft das Klettern Patienten mit neurologischen Schäden und Bewegungsstörungen, z.B. infolge von Schlaganfällen oder Multipler Sklerose zu einer besseren Körperwahrnehmung und Koordinationsfähigkeit.

Auch in der Orthopädie wird therapeutisches Klettern eingesetzt. Diese Bewegungsform fördert nicht nur die Ausdauer, sondern hilft auch, die Gelenke zu stabilisieren und ihre Beweglichkeit zu verbessern. Nebenbei schult therapeutisches Klettern die Sensibilität und Motorik.

Ungeeignet ist das Therapeutische Klettern etwa bei Osteoporose, künstlichen Gelenken, nicht vollständig abgeheilten Knochenbrüchen oder akuten Erkrankungen.

Auf Verordnung werden die Kosten für das Therapeutische Klettern von vielen gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ausführliche Informationen und Kontaktadressen von qualifizierten Physio- und Ergotherapiepraxen und Kletterhallen enthält unser Anbieterverzeichnis zum Beitrag.

Die Kletteranlage

KÜNSTLICH ANGELEGTE KLETTERANLAGE

Das Indoor-Klettern hat viele begeisterte Anhänger gefunden. Wo früher für Kletterer allein der Berggipfel das ersehnte Ziel war, ist heute für manchen modernen Kletterer die Bewältigung der Route am künstlichen oder echten Fels die Herausforderung.

Kletterhallen gibt es in unterschiedlichen Größen und Höhen von bis zu 20 Meter. Mit 7.800 Quadratmeter Kletterfläche und einem Innenbereich von 1.750 Quadratmetern ist die Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Münchner Stadtteil Thalkirchen die weltweit größte Kletterhalle.

Künstlich angelegte Kletteranlagen dienen nicht nur dem Freizeitvergnügen, sondern sind auch Veranstaltungsort für verschiedene Wettkämpfe. Ausgetragen werden in Kletteranlagen Sportkletter-, Boulder- und Speed-Wettkämpfe. Bouldern bezeichnet das Klettern in Absprunghöhe, so dass auf Anseilen und Sichern verzichtet wird. Beim Bouldern geht es darum, eine festgelegte Grifffolge ohne Sturz zu meistern. Schutz bei Stürzen bieten beim Bouldern in der Halle dicke Matten, während beim Bouldern in der Natur meistens eine tragbare Matte (Crashpad) verwendet wird. Die weltweit größte Boulderhalle, die „Boulderwelt“ befindet sich in München und bietet eine Kletterfläche von insgesamt 1.300 Quadratmetern.

Eine spektakuläre Kletteranlage findet man etwa in Mönchengladbach. Dort wurde die ehemalige Pfarrkirche St. Peter mit 1.300 Quadratmeter Kletterfläche zur ersten „Kletterkirche“ Deutschlands umgebaut.

Klettterhallen bieten auch Hobbysportlern in der Regel zahlreiche Angebote, sich mit der Sportart vertraut zu machen ohne eine Ausrüstung kaufen zu müssen oder gleich am Berg zu üben.

KLETTERGÄRTEN

Klettergärten sind Klettergebiete natürlichen Ursprungs, die entsprechend zum Klettern ausgebaut sind. Sie befinden sich meist unter freiem Himmel. Für Klettergärten, benötigt man mitunter andere Techniken und sie bergen andere Gefahren als Kletterhallen. Die meisten Anbieter schreiben regelmäßig Kurse für Neueinsteiger und Fortgeschrittene aus, in denen man alle notwendigen Techniken erlernen kann und mit den speziellen Risiken vertraut gemacht wird.

KLETTERHALLEN – VERSCHIEDENE FORMEN VON KLETTERWÄNDEN

Kletterhallen verfügen oft über verschiedene Formen von künstlichen Wänden, die in Deutschland bestimmte sicherheitstechnische Anforderungen erfüllen müssen. Die Kletterwände bestehen dabei etwa aus Beton, Holz, Mauerwerk oder künstlichen Materialien und können sich daneben durch viele weitere Faktoren unterscheiden. Dazu zählen z.B.:

  • Wandstruktur
  • Winkel des Überhangs
  • Materialeigenschaften
  • Art der Griffe

Die Schwierigkeit einer Route ergibt sich aus der Charakteristik der Wand, der Art und dem Abstand der Griffe und aus ihrer Länge. Man unterscheidet verschiedene Klettergriffe, wie etwa Löcher, Schalen, Noppen, Sloper, Leisten oder Zangen, die fast ausschließlich aus Kunststoff bestehen. Die Kletterrouten und die damit verbundenen Schwierigkeitsgrade lassen sich durch farblich gekennzeichnete Griffe einfach unterscheiden.

Die Routenbewertung

KLETTERROUTEN NACH SCHWIERIGKEITSGRADEN 

Verschiedene Schwierigkeitsgrade liefern immer neue Herausforderungen für Kletterer. Der Erstbegeher, bzw. der Routenschrauber entscheiden zunächst über den Schwierigkeitsgrad einer Route. Erst nach mehrfacher Wiederholung der Route und mehrfach bestätigter Bewertung gilt sie als anerkannt.

Zur Bewertung von Routen dienen verschiedene Skalen. Den wichtigsten Einfluss auf die Bewertung nehmen Routenlänge, Steilheit, bzw. Überhang, Griffstrukturen, Abstand zwischen den Griffen und Gestaltung der Schlüsselstellen.

BEWERTUNGSSKALEN FÜR SCHWIERIGKEITSGRADE

Im Klettersport gelten abhängig von der Region unterschiedliche Bewertungsformen, die auch beim Hallenklettern Anwendung finden.

Die internationale UIAA-Skala hat sich in Deutschland durchgesetzt. Sie gilt für die Alpinrouten. Für das Bouldern, das das Klettern ohne Seil bezeichnet, gibt es eigene Bewertungsskalen, von denen die Fontaine Bleau Skala die geläufigste ist. Zu den Bewertungsformen zählen:

  • UIAA-Skala
  • USA Skala
  • Französische Skala
  • Elbsandstein Skala (Sachsen)
  • Fontaine Bleau Skala (Boulder)
  • V-Scale (Boulder)
  • B-Scale (Boulder)

Klettergrade

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Klettern & Bouldern

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Ausrüstung

KLETTERGURT & CO. – SICHERE AUSRÜSTUNG IST WICHTIG

Auch beim Klettern in Hallen oder Klettergärten hat die Sicherheit oberste Priorität, wenn es höher hinaus gehen soll. Zu den wichtigsten Teilen der Ausrüstung zählen Klettergurt und Seil. Zum korrekten Anlegen des Klettergurts gibt es zu Beginn eine Einweisung, die Pflicht ist.

Der Klettergurt besteht aus verschiedenen Einzelteilen wie der Hüftschlaufe, der Anseilschlaufe, den Beinschlaufen, den Materialschlaufen und dem Verschluss. Kletterschuhe unterscheiden sich je nach Anforderung. Sie sind mit Klettverschlüssen oder Schnürung erhältlich. Kletterschuhe sitzen eng am Fuß und ihre Sohle bietet eine gute Haftung.

Zusätzliche Sicherheit bietet dem Kletterer Magnesia (Chalk). Das weiße Puder wirkt schwach basisch und neutralisiert den sauren Handschweiß. Es fördert, wie beim Turnen, eine festeren Griff und wird vom Kletterer im „Magnesiabag“ oder „Chalkbag“ auf der Route mitgeführt.

Auch Karabiner zählen zur Ausrüstung. Sie sind in vielen Ausführungen erhältlich. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwischen Normalkarabiner und Verschlusskarabiner. Ein Normalkarabiner ist nicht zur direkten Sicherung geeignet, da sich der Schnapper nicht feststellen lässt. In der Regel werden sie zur Zwischensicherung genutzt. Der Verschlußkarabiner ist für die direkte Sicherung geeignet und kann zugeschraubt oder per Spinball-Sicherung oder Twist-Lock verschlossen werden.

Sicherungstechniken

GRUNDWISSEN VOR DEM KLETTERSTART

Vor dem Kletterstart ist das Erlernen von Grundsicherungstechniken und einigen Knoten, wie z.B. dem Achterknoten, für den Anfänger unerlässlich. Viele Anbieter haben halten hierfür spezielle Angebote bereit und informieren auf ihrer Webseite darüber.

BEGEHUNGSSTIL TOP-ROPE

Der häufigste Begehungsstil, der in Kletteranlagen und bei Anfängergruppen angewendet wird, ist das Top-Rope-Klettern. Top-Rope (engl. top „oben“ u. engl rope „Seil“) ist die einfachste und sicherste Art zu klettern und zu sichern. Bei dieser Methode klettert ein erfahrener Kletterer die Route vor und fixiert das Seil im obersten Haken, dem Umlenkhaken, so dass beide Seilenden nach unten hängen. Der Partner sichert den Kletternden vom Boden aus und nimmt ständig Seil ein. Die Sicherung kann auch von anderen Gruppenmitgliedern übernommen werden. Der Kletternde kann jederzeit ausruhen, indem er sich ins Seil hängt oder er kann wieder zum Boden abgelassen werden.

Der Begehungsstil eignet sich wegen der halben Seillänge nur für kurze Routen, die 25 Meter nicht übersteigen.

BEGEHUNGSSTIL VORSTIEG

Beim Klettern im Vorstieg nimmt der Kletterer das Sicherungsseil vom Boden mit nach oben. Die Sicherung beginnt erst, wenn er das Seil in die Zwischensicherungshaken eingehängt hat. Die Sicherung erfolgt von unten oder seitlich durch den Partner. Bei einem Sturz fällt der Kletterer bis zur letzten Zwischensicherung. Das größte Risiko besteht für den Kletterer bis zu dem Moment, bis die Zwischensicherung eingehängt ist.

Angebote & Preise

EINTRITTSPREISE

Die Eintrittspreise hängen vom Anbieter und der Nutzungsdauer des Angebots ab. Bei vielen Anbietern ist eine Nutzung stundenweise, tageweise oder auch im Abonnement möglich. Oft zahlen Kinder weniger als Erwachsene und fast immer gibt es u.a. ermäßigte Angebote für Gruppen oder Schulklassen, manchmal auch für Familien. Eintrittspreise für Kinder und Erwachsene finden sich in der Regel auf der Webseite des Anbieters. Sie können je nach Standort und Angebot stark voneinander anweichen.

SCHNUPPERANGEBOTE – EINSTEIGERKURSE

Einsteigerkurse können je nach Anbieter bereits um die € 20 bis € 40.- gebucht werden. Sie beinhalten neben theoretischem Wissen auch praktische Anwendungen zu Themen wie Ausrüstung, Knotenkunde, Sicherungstechnik, Seilkunde und Partnercheck. Ausrüstung und Sicherungsmaterial werden regelmäßig leihweise zur Verfügung gestellt.

Viele Anbieter benötigen eine Voranmeldung. Einige Angebote erfordern außerdem ein Mindestalter. Bei einigen Angeboten  mit höherem Schwierigkeitsgrad sind Vorkenntnisse erforderlich.

KOMPAKTKURSE KLETTERN

Im Angebot finden sich regelmäßig auch Kompaktkurse in der Halle und/oder dem Klettergarten.

Kompaktkurse beinhalten in der Regel alle Grundlagen einer soliden Kletterausbildung sowie eine Leihausrüstung. Je nach Angebot ist der Halleneintritt nicht im Preis inbegriffen. Kompaktkurse mit 10 Einheiten kosten pro Person z.B. je nach Anbieter rund um die € 300.-.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Deutscher Alpenverein e.V.: Indoor-Klettern: Das offizielle Lehrbuch zum DAV-Kletterschein. BLV Buchverlag. 4. Auflage. 2014.

Dieter Lazik et al. Therapeutisches Klettern. Verlag Thieme. 2008.

Deutscher Alpenverein (DAV): http://www.alpenverein.de/

http://www.bergaufbergab.com/de/kletterschule/

UIAA – International Climbing and Mountaineering Federation

Sozialverband VdK Bayern. Therapeutisches Klettern: http://www.vdk.de/bayern/pages/presse/vdk-zeitung/vdk-zeitung_archiv/25766/heilende_waende_beschwerden_einfach_wegklettern

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 04/2017

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