Anerkanntes Naturheilverfahren

VON DER KÜSTE BIS IN DIE BERGE

Die Klimatherapie ist eine natürliche Therapie und zählt zu den wissenschaftlich anerkannten Naturheilverfahren. Bei der Klimatherapie kommen natürliche klimatische Umweltreize in Form von Schonklima oder Reizklima zum Einsatz. Durchgeführt wird diese Therapieform innerhalb von Deutschland in heilklimatischen Kurorten, Seebädern und Seeheilbädern. 

Heilklimatische Kurorte

  • Mittelgebirge
  • Alpenvorland
  • Oberbayerische Hochlagen und Gebirgstäler
  • Allgäuer Hochlagen und Gebirgstäler

Seebäder und Seeheilbäder

  • Nordsee
  • Ostsee 

In Seebädern und Seeheilbädern wendet man neben der Klimatherapie oft auch die Thalassotherapie zur Anwendung. Bei der Thalassotherapie nutzt man Bestandteile des Meeres zur Behandlung verschiedener Krankheiten. Heilende Wirkung haben neben Meeresluft kaltes und erwärmtes Meerwasser, Meersalz, Schlick, Algen und auch Sand.

Klimatische Bedingungen

REIZKLIMA ODER SCHONKLIMA

Klimatische Bedingungen unterscheiden sich je nach Lage des Kurortes voneinander. Im Hochgebirge und am Meer herrscht überwiegend ein Reizklima, während Lagen zwischen 300 und 1000 Höhenmetern den Organismus eher entlasten und schonen. Zu den schonenden Lagen zählt das waldreiche Mittelgebirge.

Welches Klima für einen Patienten geeignet ist, richtet sich in der Regel nach den vorliegenden Beschwerden. Höhen über 1500 Meter sind besonders für Menschen mit Bronchialasthma oder Neurodermitis geeignet, da dort Hausstaubmilben, die als häufigster Auslöser gelten, nicht lebensfähig sind.

Klimatherapeutische Wirkungen

GESUNDHEITSFÖRDERNDE FAKTOREN DER KLIMATHERAPIE

Verschiedene Klimafaktoren haben im Rahmen der Klimatherapie gesundheitsfördernde Eigenschaften, deren Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde:

Kühle und Wind

Training zur Regulation des Wärmehaushaltes. Verbesserung des > Immunsystems durch Abhärtung. Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit. Nachgewiesener Trainingseffekt der Klimatherapie auch ohne Trainingsleistung (training en repos)

UV-B Sonnenstrahlung

Synthese von Vitamin D3. Das Vitamin ist notwendig für Haut, Knochen, Leistungsfähigkeit und das Immunsystem. Vitamin D3 wirkt antikanzerogen, blutdrucksenkend und schützt vor Autoimmunkrankheit

Sichtbares Licht

Bildet das Hormon Melatonin, das für den Schlaf-Wach-Rhythmus im Körper sorgt

Luftreinheit und Allergenreduktion

Saubere Luft entlastet die Atemwege und vermindert eine Überempfindlichkeit der Bronchien

Anwendungen

METHODEN DER KLIMATHERAPIE

Der Patient erhält Anwendungen nach ärztlicher Verordnung. Ein Klimatherapeut betreut die Patienten und setzt die Vorgaben des Arztes praktisch um.

  • Terrainkur – Körperliche Betätigung wird mit klimatischen Reizen verbunden
  • Heliotherapie – Erkrankte Hautbereiche werden dem gesundheitsfördernden Sonnenlicht ausgesetzt
  • Liegekur – Entspanntes Liegen mit teilweiser Besonnung
  • Thalassotherapeutische Anwendungen – Heilbehandlungen durch Meerwasser und Elemente des Meeresmilieus
  • Gymnastik
  • Kneipp-Therapie
  • Entspannung – Stressbewältigung durch Meditationen, Atemübungen, QiGong

Einsatzbereiche

VORSORGE UND REHABILITATION

Die Klimatherapie kann sowohl zur Vorsorge als auch zur Rehabilitation nach Operationen, Unfällen oder einem Herzinfarkt eingesetzt werden. Sie kommt häufig bei folgenden Erkrankungen und Beschwerden zum Einsatz:

  • Herzerkrankungen
  • Gefäßerkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • Hauterkrankungen, z.B. Atopien, Neurodermitis, Psoriasis
  • Rheumatische Erkrankungen
  •  Osteoporose
  • Depressionen

Gegenanzeigen

ANWENDUNG NICHT UNEINGESCHRÄNKT MÖGLICH

Die Klimatherapie wird nicht uneingeschränkt bei allen Erkrankungen und Beschwerden angewendet. Für folgende Fälle wird die Anwendung ausgeschlossen, bzw. nach ärztlicher Rücksprache vorgenommen.

  • Schwere Leber-und Nierenerkrankungen
  • Stark entwickelte Infektionskrankheiten
  • Akute und chronische Krankheiten des  Herz-Kreislaufsystems
  • Behandlungsbedürftige psychiatrische Erkrankungen
  • Lichtdermatosen
  • Allgemeine  und hochgradige Lichtüberempfindlichkeit

Kurorte erfüllen Qualitätsstandards

PRÜFUNG IM ANERKENNUNGSVERFAHREN

Damit ein Kurort das Prädikat „heilklimatischer Kurort“, „Seebad“ oder „Seeheilbad“ erhält, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt und Qualitätsstandards eingehalten werden. FolgendeDie Bedingungen werden in einem Anerkennungsverfahren geprüft:

  • Klimaanalyse zur Eignung des Klimas
  • Bewertung der Luftqualität
  • Medizinisch-klimatologische Begutachtung

Entsprechende Prädikate vergibt der Deutsche Tourismusverband und der Deutsche Heilbäderverband e.V. (Vorgängerorganisationen Deutscher Bäderverband und Deutscher Fremdenverkehrsverband).

Klimatherapien kommen regelmäßig in Sanatorien, Rehakliniken oder in ambulanten Kuren zur Anwendung. Die Betreuung der Patienten übernehmen Kurärzte für Klimatherapie und Thalassotherapie, Klimatherapeuten, Sporttherapeuten und Physiotherapeuten. In der Regel ist am Ort auch eine medizinische Akutversorgung gegeben.

Kostenübernahme der Klimatherapie durch Krankenkassen

ÄRZTLICHE VERORDNUNG NOTWENDIG

Stationäre und ambulante Kosten der Klimatherapie werden in der Regel von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn die medizinische Notwendigkeit festgestellt wurde und eine entsprechende ärztliche Verordnung vorliegt. Auskunft erteilt der zuständige Arzt, die Krankenkasse oder der zuständige Kostenträger. Nähere Informationen zur Kostenübernahme und zum Eigenanteil bei Reha und Alternativen Heilbehandlungen hier.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Angela Schuh. Klima- und Thalssotherapie: Grundlagen und Praxis. Verlag Hippokrates. 2004

Karin Kraft, Rainer Stange: Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates Verlag. 2010

Deutscher Heilbäderverband e.V.: http://www.deutscher-heilbaederverband.de/

Deutscher Tourismusverband: Prädikatisierung: https://www.deutschertourismusverband.de/service/touristische-informationsnorm-tin/praedikatisierung.html

BGM. Präventionsgesetz: http://www.bmg.bund.de/themen/praevention/praeventionsgesetz.html

BGM. Rehabilitation: http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/leistungen/rehabilitation.html

Text: Katja Schulte Redaktion
Datum: 11/2016

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