Kollagen (Collagen) ist ein Strukturprotein, das im menschlichen Körper für die Festigkeit und Elastizität von Haut, Haaren und Nägeln sorgt. Außerdem ist es für die Festigkeit und Elastizität der Gelenkknorpel und des Bindegewebes verantwortlich. Von den über 50 Prozent Protein, aus denen menschliche Köperzellen bestehen, entfallen allein 30 Prozent auf Kollagen. Damit bildet das Strukturprotein einen bedeutenden Faktor im Proteinhaushalt.

Mit steigendem Alter nimmt der Kollagenspiegel kontinuierlich ab. Der Abbau beginnt bereits im Alter zwischen 20 und 25 Jahren. Grund dafür sind zahlreiche innere und äußere Einflüsse, die im Laufe der Zeit zur Schädigung der körpereigenen Kollagenstrukturen beitragen. Hinzu kommt, dass sich ab dem 40. Lebensjahr die Fähigkeit des Körpers deutlich zurückbildet, Kollagen aufbauen zu können.

Der Kollagenabbau schreitet aber mit zunehmendem nicht nur in den oberflächlichen Strukturen von Haut, Haaren, Nägeln und Bindegeweben sichtbar voran, der Kollagenspiegel verringert sich zudem in den tieferen Hautschichten, so dass dadurch gleichzeitig die Wasserbindungsfähigkeit im Gewebe nachlässt. Das zunehmende Kollagendefizit im menschlichen Körper begünstigt sichtbar die Faltenbildung und Hautalterung.

Der Schutz gegen Haarausfall und Haarschädigung wird durch den Kollagenabbau genauso beeinträchtigt wie das Haarwachstum. Es kommt neben dem zunehmenden Haarverlust auch zu brüchigen Haaren und Nägeln.

LESETIPP

Nährstoffmangel Test: Allgemeinbefinden und Immunsystem

Nährstoffmangel Test: Allgemeinbefinden und Immunsystem

Kollagenaufbau

Für den körpereigenen Aufbau von Kollagen ist eine aminosäurereiche Ernährung unverzichtbar. Ebenso wichtig ist die ausreichende Versorgung mit den Nährstoffen Kupfer, Zink, Vitamin A, Vitamin B6 und Vitamin C, denn auch diese bilden die Basis für den Kollagenaufbau.

Zum Aufbau kollagener Strukturen in den Hautzellen benötigt der Körper außerdem die essenziellen Nährstoffe Folsäure und Vitamin B12.

Die Kollagensynthese erfolgt innerhalb und außerhalb der Zellen. Vitamin C in Form von L-Ascorbinsäure übernimmt eine wichtige Funktion bei der Kollagenbiosynthese, dabei erfolgt im Bindegewebe unter dem Einfluss von L-Ascorbinsäure eine Umwandlung der Aminosäuren Prolin zu Hydroxyprolin und von Lysin zu Hydrolysin. Vitamin C ist auch verantwortlich für die Vernetzung von Kollagen im Gelenkknorpel und für die antioxidative Abwehr.

Negativen Einfluss auf die körpereigene Kollagenproduktion nimmt eine Vielzahl von verschiedenen Faktoren. Zum einen wird die Produktion durch den Mangel von Nährstoff gestört, die zur Kollagenproduktion notwendig sind. Dazu zählen insbesondere ein Mangel an Aminosäuren, an den beteiligten Vitaminen sowie ein Mangel an den beteiligten Mineralstoffen.

Weitere negative Einflüsse auf die Kollagenproduktion im Körper nehmen verschiedene äußere Einflüsse, darunter eine übermäßige UV-Strahlung und Umweltgifte sowie andere Schadstoffbelastungen. Einen beeinträchtigenden Faktor bildet aber auch starke Hitze.

Eine ungünstige Ernährung und Lebensweise wirkt ebenfalls ungünstig auf die körpereigene Produktion von Kollagen. Auch durch übermäßigen Alkohol- und Nikotinkonsum sowie durch zu viele Transfette in der Ernährung und zu wenige ungesättigte Fettsäuren geht die Synthese zurück.

Lebensmittel mit Kollagen

Hohe Gehalte an Kollagen befinden sich in Lebensmitteln wie Fisch und Fleisch, Milchprodukten und Hülsenfrüchten. Kollagenreich ist aber auch Gelatine, die Bestandteil vieler verarbeiteter und auch industriell gefertigter Lebensmittel ist. Als Bindemittel und Füllmittel wird das Strukturprotein außerdem zahlreichen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt.

Für eine normale Kollagensynthese lassen sich normalerweise alle Nährstoffe über eine ausgewogene Ernährung zuführen. Kollagendefizite können durch unzureichende Ernährung oder einen ungedeckten Mehrbedarf entstehen. Neben Ernährungslücken kann auch das fortgeschrittene Alter zu Defiziten in der Kollagensynthese führen. In diesen Fällen unterstützen verschiedene freiverkäufliche Kollagenpräparate in Form von Nahrungsergänzungsmitteln den Ausgleich im Körper.

Anwendungen und Wirkungen von Kollagen in Studien

Bei Arthrosepatienten ergaben sich in mehreren Studien nach der Anwendung von oral verabreichtem Kollagenhydrolysat positive Wirkungen auf das Beschwerdebild.

LESETIPP

Proteine & Aminosäuren | Aufbau, Funktionen & Lebensmittel

Proteine & Aminosäuren: Aufbau, Funktionen & Lebensmittel

Der Knorpelabbau wurde nicht nur gehemmt, gleichzeitig wurde auch die Knorpel-Regeneration gefördert. Kollagenhydrolysat gilt als vielversprechender Nährstoff zur Vorbeugung und Therapie bei Knorpelverschleiß in den Gelenken. Für den Gelenkknorpelstoffwechsel ist er deshalb bedeutend, weil er als Quelle für Aminosäuren wie Glycin und Prolin dient, die ein wichtiger Bestandteil der Knorpelproteine sind. Besonders hohe Bioverfügbarkeit zeigten in einer Studie bestimmte Kollagenhydrolysate mit kurzkettigen Kollagen-Peptiden.

Verschiedene klinische Studien untersuchten auch die Wirkungen von Kollagen auf Hautstrukturen. Es zeigten sich dabei durchgehend starke Effekte in Verbindung mit der Hautfeuchtigkeit, Hautregeneration und Hautelastizität. Die Forscher ermittelten unter anderem eine nachhaltige Verbesserung der Faltentiefe sowie eine Verbesserung des Hautbildes. Auch der altersbedingte Rückgang beim Kollagenaufbau wurde positiv beeinflusst. In diesen Studien kamen Trinkkollagene in Form von Kollagen-Peptiden und Oligo-Peptiden zum Einsatz. Oligo-Peptide sind Eiweißbausteine, die aus mehr als 10 Aminosäuren bestehen.

Experten empfehlen Sportlern die Anwendung von Kollagen nicht nur in den Phasen vor dem Training, sondern auch nach dem Training, denn während des Trainings und danach besteht bei Sportlern der höchste Proteinbedarf. Insbesondere nach dem Training füllt der Körper die beanspruchten Proteinspeicher dadurch wieder auf.

Kollagen ist außerdem ein beliebter Inhaltsstoff in vielen Kosmetikprodukten. In Form von wasserlöslichem Kollagenhydrolysat verbessert es beispielsweise in Haarpflegemitteln die Kämmbarkeit der Haare und fördert den Haarglanz. In Haarfärbemitteln verbessert es dagegen die Aufnahmefähigkeit der Haarfarbe. In Pflegecremes kann es die Feuchtigkeit länger in der Haut binden.

Nahrungsergänzungsmittel mit Kollagen

Im Gegensatz zur schwerlöslichen Gelatine bestehen zellgängigere Nahrungsergänzungsmittel aus Kollagen-Peptiden in Form von Kollagenhydrolysat. Durch die Aufbereitung mit Enzymen werden diese Peptide wasserlöslich und erhöhen dadurch ihre Verfügbarkeit am Wirkort stark. Bei Kollagen-Peptiden handelt es sich im Gegensatz zu den langkettigen Proteinsubstanzen nur um kurze Aminosäureketten.

Hergestellt wird enzymatisch hydrolisiertes Kollagen hauptsächlich aus tierischen Bestandteilen.

LESETIPP

Vitamin C und Vitamin-C-Mangel: Funktionen, Symptome, Ursachen

Vitamin C und Vitamin-C-Mangel: Funktionen, Symptome, Ursachen

Für Veganer und Vegetarier ist ein Kollagen im Handel verfügbar, das eine „vegane Mixtur“ aus mehreren einzelnen Aminosäuren bildet, darunter Lysin, Prolin, Glycin und Hydroxyprolin. Die Verbraucherzentrale hält den Begriff Kollagen in Verbindung mit vegetarischen Produkten zwar für irreführend, weil Kollagen grundsätzlich von Tieren stammt, dennoch können auch fermentierte Peptide in Form mehrerer verbundener Aminosäuren aus pflanzlichen Rohstoffen in einem veganen Produkt enthalten sein.

Kollagen-Hydrolysat ist in Apotheken, Reformhäusern, vielen Drogerien, gut sortierten Supermärkten und spezialisierten Internetshops erhältlich. Angeboten werden Nahrungsergänzungsmittel mit Kollagen oft in Form von Kapseln, Proteinriegeln oder Trinkampullen. Am häufigsten kommt Kollagenhydrolysat aber in Getränken aus Proteinpulver sowie in Multinährstoffprodukten zum Einsatz.

Trotzdem Forscher bislang in verschiedenen Untersuchungen nach oraler Verabreichung von Nahrungsergänzungsmitteln mit Kollagen verschiedene positive Wirkungen, beispielsweise auf Gelenkknorpel oder die Hautbeschaffenheit feststellen konnten, reichen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die bisher erbrachten Forschungsergebnisse aktuell nicht aus, um bei Nahrungsergänzungsmitteln mit einer Wirkung von Kollagen werben zu dürfen.

Können bei der Anwendung von Kollagen Nebenwirkungen auftreten?

Nebenwirkungen sind bei der Einnahme von Kollagen in Form von Unverträglichkeiten möglich. Insbesondere bei Kollagen aus Fisch und Fischbestandteilen kann es Menschen mit einer Fischallergie, beziehungsweise einer Allergie gegen Meerestiere treffen. Diese allergieträchtigen Inhaltsstoffe unterliegen jeweils der Kennzeichnungspflicht und müssen auf dem Warenetikett oder dem Beipackzettel für den Verbraucher ersichtlich sein.

Allergien treten nach Expertenangabe nur sehr selten auf, sind aber möglich, da grundsätzlich alle Eiweiße ein allergisches Potential besitzen. Das Allergierisiko hängt dabei insbesondere von der Kollagenquelle ab. Wegen der Ähnlichkeit zum menschlichen Kollagen besitzt das Protein aus Huhn, Rind und Schwein ein wesentlich geringeres Allergiepotential als das Kollagen aus Fisch oder Qualle.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 19.03.2023
Bildquelle: © Bild von Dana Tentis von auf Pixabay.com

Quellen und weiterführende Informationen:

H.K. Biesalski et al: Ernährungsmedizin. Verlag Thieme. 4. Auflage 2010.

T.E. Mc Alindon et al. Change in knee osteoarthritis cartilage detected by delayed gadolinum enhanced magnetic resonance imaging following treatment with collagen hydrolysate. A pilot randomized controlled trial. Osteoarthrítis Cartilage 19 (4): S.399-405. 2011

Oeseer et al: Oral administration of 14 C labeled gelatin hydrolysate leads of accumulation of radioactvity in cartilage of mice. In J Nutr 129 1999: S. 1891-1895

Burgersteins Handbuch Nährstoffe. 11. vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Haug. 2007

Proksch et al: Oral Intake of Specific Bioactive Collagen Peptides Reduces Skin Wrinkles and increases Dermal Matrix Synthesis. In: Skin Pharmacol Physiol 2014: 27: S. 113-119

Verbraucherzentrale. Herkunft Kollagen-Peptide. 30. August 2021

Wichtige Hinweise zu Gesundheitsthemen

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Suche