Kräutertee hat eine lange Tradition

Im Kräutertee stecken jede Menge gesunde Kräfte aus der Apotheke der Natur. Kräutertee und Früchtetee werden in fast allen Kulturen seit Jahrtausenden volksmedizinisch genutzt. Kräutertee und Früchtetee stammen sind nicht nur als schmackhaftes Aufgussgetränk im Handel, in Apotheken, Reformhäusern und spezialisierten Onlineshops erhältlich, sondern sie helfen können auch als Arzneitee bei vielen körperlichen Beschwerden die Heilung fördern. Die ältesten Teekulturen stammen aus Fernost, aber auch in Europa empfahlen Heilkundige wie die Klosterfrau Hildegard von Bingen schon vor mehr als 900 Jahren die wärmenden Pflanzenaufgüsse.

Heute ist es die moderne Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) die sich als anerkanntes Naturheilverfahren den heilenden Pflanzen, Früchten und Kräutern widmet. Zu den Teetrinkern zählen besonders oft ernährungsbewusste und gesundheitsbewusste Menschen.

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Hildegard von Bingen | Hildegardmedizin als ganzheitliches Heilsystem

Hildegard von Bingen: Hildegardmedizin als ganzheitliches Heilsystem

Nicht nur als sanftes Heilmittel, sondern auch als aromatisches Lebensmittel vermittelt uns Kräutertee und Früchtetee eine kräftige Portion Wohlgefühl.

Raffinierte Teemischungen und auch einfache Teesorten wie Hagebutte oder Pfefferminze bereichern die Ernährung.

2019 erzielte der Teekonsum einen Rekord

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 40.000 Tonnen Kräutertee und Früchtetee verkauft, wie der Deutsche Tee & Kräutertee Verband mitteilte.

Die Deutschen konsumierten insgesamt 47 Milliarden Tassen Tee und stellten damit einen neuen Rekord auf. Der Pro-Kopf-Umsatz lag bei 68 l konsumiertem Tee, davon entfielen allein 40 l pro Kopf auf Kräuter- und Früchtetees. Besonders Tee aus biologischem Anbau konnte zulegen und erreichte einen Anteil von über 10 Prozent. Neben Schwarztee und Grüntee zählten Pfefferminze, Fenchel, Kamille, Hagebutte und Roibusch zu den beliebtesten Teesorten.

Tee ist nicht gleich Tee

Die Bezeichnung Tee ist geschützt. Nach geltendem Lebensmittelrecht dürfen hierzulande tatsächlich nur solche Produkte als Tee bezeichnet werden, die vom Teestrauch Camellia sinensis stammen. Hierzu zählen ausschließlich Teearten wie Grüntee, Schwarztee, Oolongtee oder Pu-erh-Tee und die daraus hervorgegangenen Abwandlungen, z.B. Earl Grey Tee, dem eine Bergamotte-Note zugesetzt ist.

Bei teeähnlichem Kräutertee und bei Früchtetee werden zur Abgrenzung vom Tee üblicherweise die entsprechenden Inhaltsstoffe im Namen angegeben, damit ersichtlich wird, um welche Art von Aufgussgetränk es sich genau handelt, z.B. Pfefferminztee oder Lavendeltee.

Ist Tee ein Genussmittel oder ein Arzneimittel?

Einige aromatische Kräuter beinhalten gleichzeitig wissenschaftlich nachgewiesene, therapeutisch wirksame Bestandteile. Demnach können diese Kräuter gleichzeitig als Lebensmittel und als Arzneimittel genutzt werden.

Allerdings ist die Qualität von Kräutertee in Lebensmittelqualität nicht mit der Qualität von Arzneitee vergleichbar. Während Tee aus dem Lebensmittelhandel geringere Qualitätsansprüche erfüllen muss und die Bestandteile immer Schwankungen durch die Ernte unterliegen, sind die Vorgaben für einen Arzneitee wesentlich strenger und anspruchsvoller, trotzdem es sich teilweise um die gleichen Kräuter handelt.

Die Qualitätsstandards für Arzneitee sind im Europäischen und im Deutschen Arzneibuch festgeschrieben. Sie regeln nicht nur den Wirkstoffgehalt, sondern auch die Reinheit der darin aufgeführten Heilpflanzen. Arzneitees werden im Unterschied zu Kräutertees fast immer über örtliche Apotheken und Online-Apotheken verkauft.

Kräutertees bezeichnen Experten wegen des Trocknungsprozesses auch als Teedrogen. Der Name leitet sich ursprünglich vom niederländischen droog ab, was soviel wie „trocken“ bedeutet.

Im Wesentlichen unterscheidet man zwei Produktgruppen:

Produktgruppen

  • Kräutertee und Früchtetee zur Verwendung als Lebensmittel. Diese fallen unter das Lebensmittelgesetz.
  • Arzneitee, der unter das Arzneimittelgesetz fällt. Arzneitee muss auf der Verpackung entsprechend gekennzeichnet sein. Ergänzend muss Arzneitee Dosierungshinweise, Wirkungsweisen und Gegenanzeigen enthalten

Inhaltsstoffe von Kräutertee & Früchtetee

Kräutertee und Früchtetee sind zum täglichen Verzehr geeignet. Ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sind nahezu kalorienfrei, koffeinfrei, aber dennoch reich an wertvollen Inhaltsstoffen. Sie werden deshalb im Rahmen einer gesunden Ernährung von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) für alle Altersgruppen regelmäßig als fester Bestandteil zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs empfohlen.

Viele Kräuter- und Früchtetees, die sich zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs eignen, enthalten wohlschmeckende Bestandteile. Je nach Sorte setzt sich ein Kräuter- oder Früchtetee beispielsweise zusammen aus Wurzeln, Kraut, Stielen, Rinde, Blüten, Früchten, Knospen, Blättern oder Samen einer Pflanze, daneben gibt es auch zahlreiche Teemischungen.

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Kräuter & Gewürze: Wirkung und volksmedizinische Anwendung

Kräuter & Gewürze: Wirkung und volksmedizinische Anwendung

Die bestimmenden Geschmacksrichtungen sind von der Pflanze abhängig. Ein Tee kann etwa fruchtig, blumig, würzig, sauer, scharf oder herb schmecken.

Inhaltsstoffe

Gesundheitliche Wirkungen von Kräutertee: Arzneitee aus Kräutern

Die Einsatzgebiete von Arzneitee sind zahlreich. Bei vielen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt ein Arzneitee aus speziellen Kräutern zum Einsatz, der leichte Beschwerden lindern und die Selbstheilungskräfte im Körper anregen kann. Heilpflanzen werden üblicherweise bei unkomplizierten Beschwerden vorübergehend eingesetzt. Bei bleibenden Beschwerden sollte Rat beim Arzt oder Heilpraktiker eingeholt werden.

Diese Heilkräuter kommen häufig als Arzneitee bei folgenden Beschwerden zum Einsatz:

  • Nervöse Unruhe: z.B. Baldrian, Johanniskraut, Rosmarin, Lavendel
  • Entzündungen, Atemwegsbeschwerden, Erkältungen, Husten: z.B. Salbei, Spitzwegerich, Bitterfenchel, Thymian, Kamillenblüten
  • Beschwerden des Magen- Darmtrakts: z.B. Brennnessel, Melisse, Frauenmantel, Löwenzahn, grüner Hafer, Kümmel
  • Stärkung des Immunsystems: z.B. Anis, Hagebutte, Holunder, Lindenblüten
  • Stärkung Haut, Haare, Nägel: z.B. Brennnessel, Schachtelhalm
  • Menstruations- u. Wechseljahrbeschwerden: z.B. Frauenmantel, Ingwer, Pfefferminze
  • Unterleibsbeschwerden: z.B. Goldrute, Liebstöckel
  • Entgiftung, Entschlackung: z.B. Klettenwurzel, Birke
  • Gicht, Rheuma: z.B. Birke, Brennnessel, Holunder, Liebstöckel, Wacholderbeeren
  • Kopfschmerzen, Migräne: z.B. Eisenkraut, Liebstöckel
  • Kreislaufbeschwerden, nervöse Erschöpfung: z.B. Rosmarin

Nebenwirkungen von Kräutertee

Kräutertee kann Nebenwirkungen auslösen. Einige Inhaltsstoffe der im Kräutertee verwendeten Pflanzen können bei Unverträglichkeiten oder Überdosierungen Nebenwirkungen auslösen, andere sind für die Daueranwendung nicht geeignet. Vor der Anwendung eines Produktes sollte man sich über mögliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten informieren.

Teeaufguss & Ziehzeit von Kräutertee, Früchtetee und Arzneitee

Es gilt bei der Teezubereitung unterschiedliche Ziehzeiten zu beachten. In der Regel beträgt die Ziehzeit für den Aufguss von üblichem, losem Kräutertee und Früchtetee 8 Minuten, höchstens aber 10 Minuten. Für Teebeutel gilt häufig eine kürzere Ziehzeit. Üblicherweise gibt der Hersteller die empfohlene Ziehzeit auf der Produktverpackung an. Kalkarmes Wasser eignet sich am besten für den Teeaufguss.

Tee aus frischen Kräutern benötigt weniger Ziehzeit, als aus getrockneten Kräutern.

Standardmäßig kommen auf einen Viertelliter Arzneitee etwa 2 gehäufte Teelöffel Heilpflanzen. Die Heilpflanzen sollten mit kochendem Wasser übergossen werden. Abgedeckt sollte der Arzneitee vor dem Abgießen zwischen 5 und 10 Minuten ziehen. Arzneitees werden in der Regel frisch zubereitet und ohne Zucker getrunken.

Lediglich Tee aus Wurzeln benötigt oft eine längere Ziehzeit. Rindentees, wie z.B. der Lapachotee erfordern ganz besondere Prozeduren, um die wertvollen Inhaltsstoffe aus der Rinde zu lösen. In der Regel werden Rindentees wie der Lapachotee nach dem Aufweichen kurz aufgekocht und müssen lange ziehen, bevor sie abgeseiht und getrunken werden können. Die Gesamtdauer dieser Prozedur beträgt ungefähr 45 Minuten.

Anbau und Ernte von Kräutern und Früchten für die Teezubereitung

Die Anbaugebiete liegen oft in weit entfernten Teilen der Welt. Hauptsächlich werden die Pflanzen für die Produktion von Kräutertee in Südeuropa, Osteuropa, China, Südafrika, Südamerika, Ägypten und Deutschland auf kleineren Flächen angebaut. Einige Pflanzen, Pflanzenteile oder Früchte wie Hagebutten, Lindenblüten, Brennnessel oder Holunderblüten gewinnt man aus Wildsammlung.

Die Teeernte

Kräuter, die zur Trocknung bestimmt sind, werden in der Zeit geerntet, in der ihr Aroma am stärksten ist. Häufig findet die Ernte demnach vor oder während der Blüte statt. Während des Trocknungsprozesses fallen die Kräuter in der Regel durch den Wasserverlust stark zusammen.

Kräuter für die frische Zubereitung

Kräuter aus dem Garten oder der Wildsammlung können gewöhnlich solange geerntet werden, wie das Kraut grün ist, unabhängig von der Blüte oder anderen Faktoren.

Angestrebt werden bei Kräutertee und Früchtetee gleichbleibende Qualitäten

Auch im kontrollierten Anbau können Qualität und Ertrag der Pflanzen saisonabhängig unter dem Einfluss von Klima, Boden und Witterung variieren. Die Pflanzenteile werden im Anbauland unter strengen sensorischen und analytischen Qualitätskontrollen geerntet, getrocknet, geschnitten und aromageschützt verpackt. Der Anteil von Kräutertee aus biologischem Anbau beträgt unter zehn Prozent.

Teearten und Teesorten

Kräuter- und Früchtetees sind in verschiedenen Verarbeitungsformen im Angebot. Kräuter- und Früchtetee sind entweder als grob geschnittene, lose Ware oder im Teebeutel als Feinschnitt erhältlich. Unter den Früchtetees befinden sich auch kleinere Pflanzenteile, die wegen ihrer Größe nicht geschnitten werden müssen wie etwa Fenchelsamen oder Wacholderbeeren.

Aromatisierte Kräuter- und Frrüchtetees

Bestimmte Kräuter können durch die Zugabe von Aromen oder Gewürzen geschmacklich verändert oder verfeinert werden. Die einzelnen Zutaten lassen sich dem Zutatenverzeichnis auf der Verpackung entnehmen.

Teemischungen

Auch verschiedene Teemischungen von Kräutertee und Früchtetee sind eine Alternative. Auf den Markt kommen immer mehr feine und geschmacksintensive Arzneitee-Rezepturen, die nicht nur auf den Geschmack ausgerichtet sind, sondern gleichzeitig auch wirksame Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen im Verbund gegen körperliche Beschwerden haben.

Zu den außergewöhnlichen Teemischungen gehören auch viele ayurvedische Teeaufgüsse, die aus einer Mischung ganz besonderer Zutaten bestehen können und neben ihren Wirkungen gleichzeitig intensive Geschmackserlebnisse bieten.

Ayurveda-Teemischungen enthalten beispielsweise Zutaten wie Zitronengras, Jasminblüten, Koriander, Javanische Gelbwurzel, Thymian oder Eukalyptusblätter. Viele Ayurveda-Teemischungen sind speziell abgestimmt auf den Ayurvedatyp.

Aufbewahrung & Haltbarkeit von Kräutertee und Früchtetee

Tee sollte am besten luftdicht und dunkel gelagert werden. Denn einige Aromen und Inhaltsstoffe im Kräutertee oder Früchtetee können sich bei Luftkontakt oder Hitze verflüchtigen und somit ihre Wirksamkeit oder ihren Geschmack verlieren. Es ist ratsam, angebrochene Packungen luftdicht, kühl und trocken aufzubewahren und möglichst schnell zu verbrauchen. Auch bei ordnungsgemäßer Lagerung der Teesorten können Vitalstoffe nach längerer Lagerzeit verfallen.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016 | aktualisiert 04.01.2023
Bildquelle: ©Kristina Paukshtite@pexels.com (CCO Creative Commons Lizenz)

Quellen und weiterführende Informationen:

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