Kreisrunder Haarausfall ist eine Autoimmunerkrankung

Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) ist nach Expertenansicht eine Autoimmunerkrankung, bei der sich wohl fehlgesteuerte körpereigene Immunzellen der Haut gegen die Haarwurzeln richten. Eigentlich sollten diese Immunzellen krankmachende Keime abwehren. Kreisrunder Haarausfall tritt nach dem genetisch bedingten Haarverlust am häufigsten auf.

Typischerweise fallen die Haare im Bereich von Kopf oder Bart in einem scharf abgegrenzten Herd aus, die Kopfhaut bleibt glatt und blank. Die Haarzwiebeln sind von Entzündungszellen umgeben, die verhindern, dass das Haar weiter wächst. Es bricht ab und fällt aus. Die Haarfollikel bleiben jedoch lebendig und „schlafen“ oder lassen das Haar kleiner wieder nachwachsen. Auch schlafende Haarfollikel können wieder nachwachsen. Betroffen sind Männer und Frauen gleichermaßen.

Die Alopecia areata kann in jedem Alter auftreten, findet sich aber am häufigsten bei jüngeren Menschen zwischen 20 und 30 Jahren. Etwa 25 % der Patienten erkranken vor der Pubertät. Die Autoimmunerkrankung kommt ab dem 50. Jahr seltener vor. Die Erkrankung tritt ohne Vernarbungen oder Gewebeschwund auf.

Experten unterscheiden zwischen der Form Alopecia areata totalis, bei der der Haarverlust alle Kopfhaare betrifft und der Alopecia areata univeralis, bei der nicht nur die Kopfhaare, sondern alle Körperhaare ausfallen, sogar die feinen Haare in Ohren und Nase.

LESETIPP

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Entstehung des kreisrunden Haarausfalls

Die Ursachen der Entstehung des kreisrunden Haarausfalls sind bislang weitgehend ungeklärt. Deutsche Forscher vermuten die Ursachen im Immunsystem. Bislang ist ebenfalls noch nicht eindeutig erwiesen, ob ein kreisrunder Haarausfall nicht auch genetisch veranlagt ist.

Zwar gibt es einige mögliche Zusammenhänge durch gleichermaßen betroffene Eltern und Kinder, diese werden derzeit noch näher untersucht.

Wissenschaftler diskutieren auch die Möglichkeit, dass die Erkrankung Folge eines seelischen Schocks oder Traumas sein kann, das in Verbindung mit Stress etwa durch einen Schicksalsschlag wie Tod oder Trennung ausgelöst wird. Bei manchen Betroffenen tritt ungefähr 3 Monate nach einem derartigen Ereignis ein kreisrunder Haarausfall auf. Bei der Mehrzahl der Kinder, die an Alopecia areata erkranken, entsteht die Krankheit z.B. nach schulischen Misserfolgen, Wohnortwechsel oder einer elterlichen Trennung. Behandelt werden die betroffenen Patienten von speziellen psychosomatischen Dermatologen.

Verlauf und Begleitsymptome bei kreisrundem Haarausfall

Der Haarausfall bei Alopecia areata beginnt schlagartig in einem oder auch in mehreren Bereichen, die flächenmäßig groß oder klein sein können. Er kann sich  auf die gesamte Kopfhaut ausweiten und sogar ein Kahlwerden über Nacht kann auftreten. Etwa 80 % der Betroffenen leiden unter der gewöhnlichen Form, während sich bei 10 % ein totaler Haarausfall entwickelt.

Bei der Form gewöhnlichen Form entwickeln sich nur vereinzelt kahle Stellen, die oft ohne Behandlung nach einigen Monaten wieder abheilen. Zwischen dem Zuwachsen und einem erneuten Haarverlust kann ein Zeitraum zwischen 6 Monaten und mehreren Jahrzehnten liegen. Bezeichnend ist, dass das Haarwachstum im Zentrum der Kahlstelle beginnt, an der die Haare zuvor zuerst ausgefallen sind.

Nachgewachsene Haare, die anfangs farblos und dünn sein können, nehmen mit der Zeit die normale Farbe an.

Wenn im Randbereich der kahlen Stellen bei der Alopecia areata die typischen Stummelhaare (Ausrufezeichenhaare) auftreten, gilt das als Signal für eine aktive Erkrankung, die weiter fortschreitet. Sie bedecken die Kopfhaut meist nur wenige Millimeter.

Mehr als 30 % der Betroffenen klagen in Verbindung mit der Alopecia areata über weitere Erkrankungen und Störungen des Immunsystems.

Folgende Symptome können den kreisrunden Haarausfall u.a. begleiten:

  • Beim Kämmen juckende, brennende oder empfindliche Kopfhaut (Trycodynie)
  • Angeschwollene Lymphknoten
  • Nägel mit Längsrillen, Grübchen, Verdickungen oder Tüpfelnägel
  • Neurodermitis
  • Weißfleckenkrankheit (Vitiligo)
  • Angststörungen
  • Phobien
  • Depressionen
  • Schilddrüsenerkrankungen (Hashimoto Thyreoiditis)
  • Rheuma
  • atrophische Gastritis

Behandlung von kreisrundem Haarausfall

In den meisten Fällen ist kein Auslöser beim kreisrunden Haarausfall zu ermitteln. Die Behandlung kann langwierig sein und viel Geduld erfordern, denn es gibt keine erfolgreiche Standardtherapie. Auch können durch einen schubweisen Verlauf der Alopecia areata trotz wirksamer Behandlung Verschlechterungen einsetzen. Betroffene haben gute Heilungschancen. Je eher die Behandlung einsetzt, desto günstiger bewerten Experten die Heilungsaussichten.

Zur Auswahl stehen u.a. verschiedene schulmedizinische und naturheilkundliche Therapien, die oft auch kombiniert angewendet werden:

  • Kortisongaben innerlich oder äußerlich zur Unterdrückung der Immunentzündung
  • Medikamentöse Behandlungen zur innerlichen, bzw. äußerlichen Behandlung, z.B. Sulfasalazin, Lamprene, Cyclosporin A, Minoxidil, Nicotinat
  • Laserbehandlungen
  • Reiztherapie
  • Infusionen mit Vitamin C
  • Botoxbehandlungen
  • Ätherische Ölkombinationen
  • Langfristige Basistherapie mit Vitaminen und Mineralstoffen
  • Haarersatz mit Haarteilen oder Perücke

Empfohlen wird besonders Betroffenen, bei denen ein traumatischen Erlebnissen krankheitsauslösend ist, immer auch ein geeignetes Stressmanagement, um ihren Stress besser bewältigen zu können. Geeignete Methoden sind u.a. etwa die Progressive Muskelentspannung, Yoga, Autogenes Training oder eine Atemtherapie.

Die Möglichkeit einer Spontanheilung ist bei solchen Betroffenen besonders groß, bei denen es vor einem neuen Ausbruch zu längeren krankheitsfreien Intervallen kommt. Bei dieser Form des kreisrunden Haarausfalls ist die Mehrzahl der Therapien erfolgreich.

Dagegen lässt sich kreisrunder Haarausfall in seiner permanenten und dauerhaften Form oft nicht so erfolgreich behandeln. Besonders dann nicht, wenn die Haare am Hinterkopf schnell ausfallen.

Autor: Katja Schulte (Redaktion)
Datum: 11.03.2022
Bildquelle: © Mikhail Nilov von Pexels (Creative Commons CCO)

Quellen und weiterführende Informationen:

  • Dr. David R. Goldmann. Praxishandbuch Medizin & Gesundheit. Verlag Dorling Kinderley. London, New York, München, Melbourne, Dehli. 2002
  • B. Tischer. Einfluss von Haarausfall auf Personalentscheidungen. EMNID-Institut. Healthcare. 1999
  • Burgerstein. Handbuch Nährstoffe. Verlag Haug. 11. Auflage. 2007
  • J. Latz. Wirksame Hilfe bei Haarausfall. Verlag Trias. 2007
  • P. Reuter. Springer Lexikon Medizin. Verlag Berlin Heidelberg, New York. 2004

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