Aminosäuren wie L-Arginin sind für die Gesundheit unentbehrlich

L-ARGININ IN DER WISSENSCHAFTLICHEN FORSCHUNG 

Mittlerweile ist der Proteinbaustein L-Arginin medizinisch in Bezug auf Wirkung und Mangel vielseitig erforscht. L-Arginin bildet eine von über 200 bislang bekannten Aminosäuren, von denen aber nur 22 als proteinogene Aminosäuren im Interesse der Forschung stehen. Aminosäuren sind als Grundbausteine in der Lage, Gewebe, Organe, Muskeln, Haut und Haare zu bilden. Etwa ein Fünftel des menschlichen Körpers besteht aus Aminosäuren und Proteinen, die einem ständigen Auf- und Abbau unterliegen.

AMINOSÄUREN – WAHRE ALLESKÖNNER

In ihrer Funktion als Vorstufe von Enzymen (Stoffwechselkatalysatoren) und Neurotransmittern (Botenstoffen) regulieren Aminosäuren zusammen mit L-Arginin fast alle Stoffwechselprozesse im Organismus. Deshalb sind sie für die Gesundheit unentbehrlich.

Auch die Mehrzahl der Hormone, die Nährstoffe und Sauerstoff durch den Körper transportieren, werden von Aminosäuren gebildet.

MANGEL AN AMINOSÄUREN SCHWÄCHT DEN KÖRPER

Weil auch Antikörper hauptsächlich aus Aminosäuren bestehen, macht sich ein Mangel schnell durch ein schlecht funktionierendes Immunsystem bemerkbar.

Aminosäuren sorgen nicht nur für Wachstum, sondern auch für die dauernde Erneuerung von Körpergewebe. Haut, Muskeln und Knochen sind besonders proteinhaltig und ein Mangel wirkt sich deshalb durch typische Anzeichen, wie etwa schlechte Wundheilung oder ein schlechtes Wachstum von Nägeln, Haut und Haaren aus.

Wirkung von L-Arginin

L-ARGININ FÖRDERT MEHR ALS NUR POTENZ UND DURCHBLUTUNG

Die semi-essentielle Aminosäure L-Arginin, die nur teilweise selbst vom Körper aus anderen Aminosäuren und Vitaminen hergestellt werden kann, wird als die Wertvollste betrachtet, weil sie über den höchsten Stickstoffanteil unter allen Aminosäuren verfügt und sich auf viele Körperfunktionen auswirkt.

Nur aus L-Arginin kann der Körper das gefäßaktivierende Molekül NO (Nitric Oxid/Stickoxid) bilden, das die Weitung der Gefäße und damit die Durchblutung und den Blutdruck steuert. Die drei Forscher Ignarro, Murrad und Furchgott erhielten 1998 den Nobelpreis der Medizin für ihre Forschungsergebnisse über L-Arginin und das Molekül NO.

STEUERUNG DER GEFÄSSE

L-Arginin ist wesentlich an der Regulation der Gefäßspannung beteiligt und verbessert durch die Freisetzung von Stickstoff den Blutfluss. In der Folge erweitern sich die Blutgefäße und ermöglichen eine bessere Herzleistung. Weil erweiterte Arterien weniger schnell durch Ablagerungen verstopft werden können, kann L-Arginin helfen vor Gefäßerkrankungen wie HerzinfarktSchlaganfall oder Arteriosklerose zu schützen. Häufig wird L-Arginin gegen koronare Erkrankungen in Verbindung mit Myokardinfarkt und Hirninfarkt eingesetzt.

REGULIERUNG DES BLUTZUCKERSPIEGELS

L-Arginin unterstützt die Ausschüttung und Wirkung von Insulin und trägt zu einem normalen Blutzucker- und Blutfettspiegel bei. Es kann sich günstig auf die Insulinresistenz bei Diabetes Mellitus Typ 2 auswirken, weil es die Insulinsekretion stimuliert und verhindert, dass Pankreaszellen zerstört werden. Es zählt bei Diabetes Mellitus Typ 2 zu den Vitalstoffen, die begleitend zu den herkömmlichen Medikamenten das Krankheitsbild verbessern können.

FETTVERBRENNUNG

L-Arginin steigert nicht nur indirekt den Muskelaufbau, sondern hemmt gleichzeitig die Anreicherung von Fett. L-Arginin steigert den Energieumsatz des Körpers und fördert die Fettverbrennung. Gleichzeitig führt es auch zur verbesserten Verbrennung von Eiweißen und kann unterstützend bei Diäten eingesetzt werden.

HAARWACHSTUNM

Durch L-Arginin kann die Durchblutung in feinem Hautgewebe gefördert werden, was zu einer besseren Versorgung der Haarwurzeln mit Mikronährstoffen führen kann.

IMMUNSYSTEM

L-Arginin unterstützt und stärkt das Immunsystem.

MUSKELAUFBAU

Durch Freisetzung der Wachstumshormone Prolaktin und Glukagon steigert L-Arginin indirekt den natürlichen Muskelaufbau. Neben den Aminosäuren L-Leucin, L-Isoleucin, L-Valin (BCAA) und L-Carnitin benötigt der Körper L-Arginin, um für Sportler gezielten Muskelaufbau durch Krafttraining zu ermöglichen. Sportler verwenden hierzu manchmal spezielle aminosäurehaltige Nahrungsergänzungen.

POTENZSTEIGERUNG

L-Arginin kann Erektionsstörungen auf natürliche Weise mindern und die Potenz steigern. Verschiedene Studien belegten eine bessere Durchblutung und Regulierung der Gefäße bei einer Gabe von mindestens 3000 mg bis 5000 mg L-Arginin in hochwertiger Qualität. Besonders wirksam zeigte sich die Kombination mit Pinienrindenextrakt bei Erektiler Dysfunktion.

PROTEINSTOFFWECHSEL

Im körpereigenen Proteinstoffwechsel überführt L-Arginin anfallendes giftiges Ammoniak in Harnstoff. So kann das Ammoniak nicht in den Blutkreislauf gelangen und das Hirn kann vor schweren Schäden bewahrt werden.

L-Arginin wird besonders bei eingeschränkten Leberfunktionen, z.B. durch Leberzirrhose oder Formen von Hepatitis in hoher Menge vom Körper benötigt. Ein erhöhter Ammoniakspiegel ist häufig auch mit Einschlafproblemen und Schlafstörungen verbunden.

NEURONALE PROZESSE

L-Arginin ist für die Reizweiterleitung und die Aktivität der Nervenzellen verantwortlich.

STRESSVERARBEITUNG

L-Arginin verbessert die Fähigkeit, mit Stress umzugehen wird erfolgreich gegen Angsterkrankungen verwendet. Ursächlich ist die Erhöhung des Cortisolspiegels, der außerdem das Auftreten von Anspannungen vermindert.

TINNITUS

Nach einem Hörsturz können L-argininhaltige Mittel die Durchblutung verbessern und so natürlich den Heilungsprozess unterstützen.

L-ARGININ BEI BLUTHOCHDRUCK WIRKSAM

Die Aminosäure L-Arginin ist mittlerweile international sehr gut erforscht. Auch eine deutsche Studie an über 400 Patienten wies nach, dass durch eine Einnahme von täglich 3 Gramm L-Arginin in Verbindung mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure bei Personen mit Arteriosklerose der Blutdruck gesenkt werden konnte.

Daneben verbesserte sich die allgemeine Durchblutung und der Homocysteinspiegel konnte deutlich gesenkt werden. Bei der Hälfte der männlichen Probanden verbesserte sich durch die Einnahme die Potenz. Die Wissenschaftler Stühlinger und Bednarz legten dar, dass die Einnahme von L-Arginin bei Patienten mit Herz- Kreislauferkrankungen oder Personen mit einem erhöhten Risiko, zu einem Rückgang der klinischen Fälle führte.

Nach den gewonnenen Erkenntnissen sprechen sich die Wissenschaftler dafür aus, dass L-Arginin in Verbindung mit den speziellen Vitaminen B6, B12 und Folsäure im Rahmen einer diätischen Behandlung bei diesen Personengruppen eingesetzt werden sollte. Eine Therapie mit L-Arginin-Produkten ist nach Angabe der Forscher ohne Nebenwirkungen, sofern das angewendete Produkt hochwertig hergestellt ist.

HOHE MENGEN L-ARGININ KÖNNEN NUR SCHLECHT ÜBER DIE ERNÄHRUNG AUFGENOMMEN WERDEN 

Therapeutisch sinnvolle Dosen von mindestens 3 Gramm, die täglich zusätzlich zur empfohlenen Aufnahmemenge erforderlich sind, können aber kaum über die übliche Nahrung aufgenommen werden, denn der Mehrkonsum an argininhaltigen, sehr energiereichen Lebensmitteln wie z.B. Nüssen, würde dauerhaft eine erhebliche Gewichtszunahme fördern. Die Zufuhr erfolgt in der Regel über entsprechende Nahrungsergänzungsmittel mit L-Arginin.

Mit einer stark erhöhten Einnahme von Proteinen, wie sie z.B. bei Bodybuildern manchmal üblich ist, geht eine erhöhte Nierenbelastung durch das Abbauprodukt Harnstoff einher.

L-Arginin – Bedarf in der Ernährung

TAGESBEDARF L-ARGININ

Der tägliche Mindestbedarf wird mit 2 – 5 Gramm angegeben. Die kleine Menge an L-Arginin, die der Körper selbst im Harnstoffwechsel natürlich erzeugt, reicht jedoch nicht dazu aus, um den bestehenden Bedarf zu decken. Deshalb muss die Aminosäure zusätzlich über die Nahrung aufgenommen werden.

L-Arginin findet sich hauptsächlich in Produkten tierischen Ursprungs, in etlichen  GetreidenNüssen und Samen, aber weniger in Obst und Gemüse. Zudem nimmt der L-Arginin-Gehalt mit der Verarbeitung, z.B. Garung der Lebensmittel ab.

ERHÖHTER BEDARF

Das proteinogene L-Arginin, das neben der Bildung von Enzymen und Neurotransmittern auch Körpergewebe wie Haut, Haare und Nägel bildet, muss besonders dann in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, wenn der Körper erhöhten Beanspruchungen ausgesetzt ist.

  • Erkrankungen der Gefäße
  • Bluthochdruck
  • Stress
  • Wachstum
  • Dauerhaft schwere körperliche Arbeit
  • Bei Verletzungen oder nach schweren Operationen
  • Sport

Vorkommen in Lebensmitteln

Lebensmittel L-Arginin g/100 g
Gelantine 5,4
Sojaeiweiß 6,2
Pinienkerne 4,5
Nüsse frisch 3,2
Hülsenfrüchte 2,2
Rindfleisch 1,9
Schweinefleisch 1,7
Putenfleisch 1,7
Lebensmittel L-Arginin g/100 g
Hefe 1,7
Krebstiere 1,5
Zander 1,3
Vegetar. Bratlinge 1,2
Hühnerei, Eigelb 1,1
Weizenvollkornmehl 0,5
Schokolade 0,5
Heilbutt 1,4

Nahrungsergänzungsmittel mit L-Arginin

UNTERSCHIEDLICHE QUALITÄTEN VON L-ARGININ

Als Nahrungsergänzungmittel werden im Handel zwei unterschiedliche Qualitäten von L-Arginin angeboten – die L-Arginin-Base und das L-Arginin-HCl. Beide sind in Form von Pulver, Kapseln oder Tabletten erhältlich und werden neben der Nahrungsergänzung zu ernährungsmedizinischen Zwecken eingesetzt.

L-ARGININ-BASE

Die L-Arginin-Base gilt im Nahrungsergänzungsmittel als die hochwertigere Form und ist zumeist teurer. Sie besteht aus reinem L-Arginin, das in der Regel einen Reinheitsgrad von 98% – 100% besitzt. L-Arginin-Base ist aufgrund des hohen basischen ph-Wertes von 10,5 – 12 gut bekömmlich und wirkt entsäuernd. Die Base weist im Gegensatz zum L-Arginin-HCl eine verzögerte Wasserlöslichkeit auf und ist weniger geruchsneutral.

L-ARGININ-HCl

L-Arginin Hydrochlorid befindet sich mit einem ph-Wert von 6,5 im sauren Bereich. Es wird auch aufgrund seiner schnelleren Wasserlöslichkeit häufiger verwendet. Der enthaltene Anteil an L-Arginin beträgt aber nur 65% – 85%, so dass eine Kapsel mit dem Inhalt von 1.100 mg L-Arginin-HCl im Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich nur einer Menge von 750 mg L-Arginin entspricht.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Uwe Gröber: Orthomolekulare Medizin: Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte. 2.Auflage 2002. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Andreas Hahn, Maike Wolters: Nahrungsergänzungsmittel und ergänzende bilanzierte Diäten. 2006. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Klaus Arndt, Thorsten Albers: Handbuch Proteine und Aminosäuren. 3. Auflage 2004. Verlag Novagenics

Universität  Hohenheim L-Arginingehalt in Lebensmitteln: https://www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/interaktives/search.htm

Burgersteins Handbuch Nährstoffe. Haug Verlag. 11. vollständig neu und überarbeitete Auflage. 2011.

Magret Jordan Halter. Varcarolis´ Foundations of Psychatric Mental Health Nursing. 2013. Verlag Elsevier.

V.B. Patel, V. R. Preedy, R. Rajendram: L-Arginine in Clinical Nutrition. Humana Press. 2016. London

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016 | aktualisiert 6/2018

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