Die Aminosäure L-Arginin ist besonders bedeutend

ERGEBNISSE DER WISSENSCHAFTLICHEN FORSCHUNG UM L-ARGININ

L-Arginin ist eine von 200 bisher bekannten Aminosäuren und zählt zu den Proteinbausteinen, deren körperliche Funktion und medizinische Wirkung mittlerweile gut erforscht sind. Neben 21 weiteren Aminosäuren steht L-Arginin im Zentrum der wissenschaftlichen Forschung, denn sie bilden zusammen den grundlegenden Bestandteil der menschlichen Körpereiweiße (proteinogene Aminosäuren) und sind als Bausteine allesamt unentbehrlich. Forscher bewerten L-Arginin allerdings als besonders bedeutend, weil ihr Stickstoffanteil vergleichsweise einzigartig hoch ist und sich die Aminosäure deshalb gleich auf eine ganze Reihe von lebenserhaltenden Körperfunktionen auswirkt.

L-Arginin ist eine semi-essentielle Aminosäure (teilweise lebensnotwendig), denn der Körper kann einen Teil seines Bedarfs selbst aus anderen Aminosäuren oder komplexen stickstoffhaltigen Stoffwechselprodukten herstellen. Der Arginin-Anteil, den der Körper nicht selbst herstellen kann, muss ihm täglich über argininhaltige Lebensmittel in ausreichender Menge zugeführt werden. Der zuzuführende Anteil ist für den Körper aber essentiell (lebensnotwendig). Hohe Mengen der Aminosäure sind beispielsweise in Gelatine, Sojaeiweiß oder Pinienkernen enthalten.

Allerdings kann der Körper L-Arginin nur dann in ausreichender Menge selbst herstellen, wenn ausreichend notwendige Vorläufermoleküle dafür vorhanden sind. Die Vorläufersubstanz bildet dabei zu 70% die bedingt essentielle Aminosäure Glutamin. Ausreichende Mengen an Vorläufersubstanzen fehlen jedoch oft bei proteinarmen Diäten oder speziellen Erkrankungen, so dass es zu typischen Symptomen von L-Argininmangel kommt.

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Bedingt essentiell ist die Aminosäure L-Arginin aber immer bei Schwerstkranken, Säuglingen und Kleinkindern.

Ein besonderes Gewicht kommt L-Arginin als Ausgangsstoff für die Stickstoffherstellung zu. Nur mit dieser Aminosäure kann der Körper das gefäßaktivierende Molekül NO (Nitric Oxid/Stickoxid) bilden, das die Weitung der Gefäße und damit die Durchblutung und den Blutdruck steuert. Die Aminosäure ist aber nicht nur der Stickstofflieferant, sie wirkt auch steigernd auf die Eiweißherstellung und aktiviert natürliche Killerzellen. Gleichzeitig ist sie der Ausgangsstoff zur Produktion von Polyaminen, Histidinen und Nukleinsäure.

Die Forscher Ignarro, Murrad und Furchgott erhielten in Jahr 1998 den Nobelpreis der Medizin für ihre Forschungsergebnisse zu L-Arginin in Verbindung mit dem Stickstoffmolekül (NO).

Wirkung von L-Arginin

STEUERUNG DER GEFÄSSE

L-Arginin ist wesentlich an der Regulation der Gefäßspannung beteiligt und verbessert durch die Freisetzung von Stickstoff den Blutfluss. In der Folge erweitern sich die Blutgefäße und ermöglichen eine bessere Herzleistung. Weil erweiterte Arterien weniger schnell durch Ablagerungen verstopft werden können, kann diese Aminosäure dazu beitragen, vor Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Arteriosklerose zu schützen. Häufig werden l-argininhaltige Präparate gegen koronare Erkrankungen in Verbindung mit Myokardinfarkt und Hirninfarkt eingesetzt.

REGULIERUNG DES BLUTZUCKERSPIEGELS

L-Arginin unterstützt die Ausschüttung und Wirkung von Insulin und trägt zu einem normalen Blutzucker- und Blutfettspiegel bei. Die Aminosäure kann sich günstig auf die Insulinresistenz bei Diabetes Mellitus Typ 2 auswirken, weil sie die Insulinsekretion stimuliert und verhindert, dass Pankreaszellen zerstört werden. Sie zählt bei Diabetes Mellitus Typ 2 zu den Vitalstoffen, die begleitend zu den herkömmlichen Medikamenten das Krankheitsbild verbessern können.

FETTVERBRENNUNG

L-Arginin steigert nicht nur indirekt den Muskelaufbau, sondern hemmt gleichzeitig auch die Anreicherung von Fett. Die semiessentielle Aminosäure steigert den Energieumsatz des Körpers und fördert die Fettverbrennung. Gleichzeitig führt sie zur verbesserten Verbrennung von Eiweißen und kann unterstützend bei Diäten eingesetzt werden.

HAARWACHSTUM

Durch L-Arginin wird außerdem die Durchblutung in feinem Hautgewebe gefördert, was zu einer besseren Versorgung der Haarwurzeln mit Mikronährstoffen führt.

IMMUNSYSTEM

L-Arginin unterstützt und stärkt auch das Immunsystem. Es sorgt für mehr Aktivität der natürlichen Killerzellen im Immunsystem.

MUSKELAUFBAU

Durch Freisetzung der Wachstumshormone Prolaktin und Glukagon steigert L-Arginin indirekt den natürlichen Muskelaufbau. Neben den Aminosäuren L-Leucin, L-Isoleucin, L-Valin (BCAA) und L-Carnitin, benötigt der Körper die Aminosäure für den Muskelaufbau. Sportler nutzen diese Aminosäuren in speziellen Nahrungsergänzungsmitteln für einen gezielten Muskelaufbau in Verbindung mit Krafttraining.

POTENZSTEIGERUNG

Daneben kann L-Arginin Erektionsstörungen auf natürliche Weise mindern und die Potenz steigern. Verschiedene Studien belegten eine bessere Durchblutung und Regulierung der Gefäße bei einer Gabe von mindestens 3000-5000 mg in hochwertiger Qualität. Besonders wirksam zeigte sich in Studien die Kombination mit Pinienrindenextrakt bei Erektiler Dysfunktion.

PROTEINSTOFFWECHSEL

Im körpereigenen Proteinstoffwechsel überführt L-Arginin anfallendes giftiges Ammoniak in Harnstoff. So kann das Ammoniak nicht in den Blutkreislauf gelangen und das Hirn wird vor schweren Schäden bewahrt.

Die Aminosäure wird besonders bei eingeschränkter Leberfunktion, z.B. durch Leberzirrhose oder Formen von Hepatitis in hoher Menge vom Körper benötigt. Ein erhöhter Ammoniakspiegel ist häufig auch mit Einschlafproblemen und Schlafstörungen verbunden.

NEURONALE PROZESSE

Außerdem ist L-Arginin für die Reizweiterleitung und die Aktivität der Nervenzellen verantwortlich.

STRESSVERARBEITUNG

L-Arginin verbessert die Fähigkeit, mit Stress umzugehen und wird auch erfolgreich bei Angsterkrankungen eingesetzt. Ursächlich für die Wirkung ist die Erhöhung des Cortisolspiegels, der außerdem das Auftreten von Anspannungen vermindert.

TINNITUS

Nach einem Hörsturz können l-argininhaltige Mittel die Durchblutung verbessern und so natürlich den Heilungsprozess unterstützen.

INFEKTIONEN UND ENTZÜNDUNGEN: KEIN EINSATZ BEI KRITISCH-KRANKEN PATIENTEN

Die Bedeutung und das Verhalten von Stickstoff während einer Entzündung, Infektion oder Blutvergiftung ist noch nicht ausreichend geklärt. Forscher vermuten, dass nicht nur günstige, sondern auch ungünstige und schädliche Einflüsse von der Stickstoffkonzentration abhängen. Vom Einsatz von L-Arginin bei kritisch kranken Patienten wird daher abgeraten. Etwa bei einer Blutvergiftung kann eine stärkere Gefäßerweiterung durch Arginingabe zum Schock führen.

TUMORERKRANKUNGEN

L-Arginin hat krebshemmende Eigenschaften und kann das Tumorwachstum bei solchen Tumoren verlangsamen, die durch Viren und Chemikalien verursacht sind. Diese Wirkung führen Forscher darauf zurück, das Arginin das Immunsystem zur Abwehr von krebsauslösenden Stoffen anregt.

Für den Einsatz von L-Arginin bei chirurgischen Patienten vor großen Tumoreingriffen besteht eine starke Empfehlung.

L-ARGININ ERWIES SICH BEI BLUTHOCHDRUCK MEHRFACH ALS WIRKSAM

Auch eine deutsche Studie an über 400 Patienten zeigte, dass durch eine Einnahme von täglich 3 g L-Arginin in Verbindung mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure bei Personen mit Arteriosklerose der Blutdruck gesenkt werden konnte.

Daneben verbesserte sich bei den Probanden die allgemeine Durchblutung und der Homocystein-Sspiegel konnte deutlich gesenkt werden. Bei der Hälfte der männlichen Teilnehmer verbesserte sich durch die Einnahme die Potenz. Die Wissenschaftler Stühlinger und Bednarz konnten zeigen, dass die Einnahme von l-argininhaltigen Mitteln bei Patienten mit Herz- Kreislauferkrankungen oder Personen mit einem erhöhten Risiko, zu einem Rückgang der klinischen Fälle führte.

Nach den gewonnenen Erkenntnissen sprechen sich die beiden Wissenschaftler dafür aus, dass L-Arginin in Verbindung mit den speziellen Vitaminen B6, B12 und Folsäure im Rahmen einer diätischen Behandlung bei diesen Personengruppen eingesetzt wird. Eine Therapie mit l-argininhaltigen Produkten ist nach Angabe der Forscher ohne Nebenwirkungen, sofern das angewendete Produkt hochwertig hergestellt ist.

Therapeutische Mengen nur über Nahrungsergänzungsmittel möglich

KEINE HOHEN MENGEN L-ARGININ ALLEIN AUS LEBENSMITTELN AUFNEHMBAR

Therapeutisch sinnvolle Dosen von mindestens 3 g, die täglich zusätzlich zur empfohlenen Aufnahmemenge erforderlich sind, können nach Expertenmeinung aber kaum über die übliche Nahrung aufgenommen werden, denn der Mehrkonsum an argininhaltigen, sehr energiereichen Lebensmitteln wie z.B. Nüssen, würde dauerhaft eine erhebliche Gewichtszunahme fördern. Die Zufuhr erfolgt in der Regel über entsprechend dosierte l-argininhaltige Nahrungsergänzungsmittel.

In Verbindung mit einer stark erhöhten Einnahme von Proteinen, wie sie etwa bei Bodybuildern üblich ist, wurde in verschiedenen Untersuchungen eine erhöhte Nierenbelastung durch das Abbauprodukt Harnstoff festgestellt.

Nahrungsergänzungsmittel mit L-Arginin

UNTERSCHIEDLICHE QUALITÄTEN VON L-ARGININ VERFÜGBAR

Als Nahrungsergänzungsmittel sind zwei unterschiedliche Arginin-Qualitäten im Handel. Die L-Arginin-Base und das L-Arginin-Hydrochlorid. Beide Qualitäten sind in Form von Pulver, Kapseln oder Tabletten erhältlich und werden neben dem üblichen Einsatz als Nahrungsergänzungsmittel auch ernährungsmedizinisch eingesetzt.

L-ARGININ-BASE

Die L-Arginin-Base im Nahrungsergänzungsmittel ist die hochwertigere Argininqualität und zumeist auch teurer. L-Arginin-Base besteht aus reinem L-Arginin, das in dieser Form einen Reinheitsgrad von 98-100% besitzt. L-Arginin-Base ist wegen ihrem hohen basischen pH-Wert von 10,5-12 gut bekömmlich und wirkt außerdem entsäuernd. Die Base weist im Vergleich zum L-Arginin-HCl aber eine verzögerte Wasserlöslichkeit auf und ist weniger geruchsneutral.

Das basische Arginin, das genau wie das Arginin-Hydrochlorid in der Regel aus tierischen Bestandteilen gewonnen wird, ist mittlerweile auch in veganer Form erhältlich. Gewonnen wird es etwa aus Mais.

L-ARGININ-HYDROCHLORID (HCl)

L-Arginin Hydrochlorid befindet sich mit einem pH-Wert von 6,5 im sauren Bereich. Es wird wegen seiner schnelleren Wasserlöslichkeit und dem günstigeren Preis häufiger verwendet als die basische Qualität. Der enthaltene L-Argininanteil im Hydrochlorid beträgt aber nur 65-85%, so dass eine Kapsel mit dem Inhalt von 1.100 mg L-Arginin-HCl im Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich nur einer Menge von 750 mg L-Arginin-Base entspricht. Die L-Argininbase ist im Gegensatz zur Hydrochlorid-Form zu 100% vom Körper verwertbar.

ÜBERDOSIERUNG

Hohe Dosen von Nahrungsergänzungsmitteln mit L-Arginin können wegen der schlechten Aufnahmefähigkeit Durchfall auslösen. Dosen von 1-6 g/ Tag können gesunde Erwachsende in der Regel ohne Nebenwirkungen oder unerwünschte Wirkung vertragen.

L-Arginin Tagesbedarf

L-ARGININBEDARF

Der tägliche Mindestbedarf von L-Arginin wird mit 2-5 g angegeben.

ERHÖHTER L-ARGININBEDARF BEI STARKER BELASTUNG

Das proteinogene L-Arginin, das neben der Bildung von Enzymen und Neurotransmittern auch Körpergewebe wie Haut, Haare und Nägel bildet, muss besonders dann in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, wenn der Körper erhöhten Beanspruchungen ausgesetzt ist.

  • Erkrankungen der Gefäße
  • Bluthochdruck
  • Stress
  • Wachstum
  • Dauerhaft schwere körperliche Arbeit
  • Bei Verletzungen oder nach schweren Operationen
  • Sport

L-Arginin in Lebensmitteln

ARGININ-GEHALTE IN LEBENSMITTELN

L-Arginin findet sich hauptsächlich in Produkten tierischen Ursprungs, in verschiedenen Getreiden, Nüssen und Samen, aber weniger in Obst und Gemüse. Zudem nimmt der Gehalt mit der Verarbeitung, z.B. dem Garen der Lebensmittel ab.

Lebensmittel L-Arginin g/ 100g
Gelatine 5,4
Sojaeiweiß 6,2
Pinienkerne 4,5
Nüsse frisch 3,2
Hülsenfrüchte 2,2
Rindfleisch 1,9
Schweinefleisch 1,7
Putenfleisch 1,7
Lebensmittel L-Arginin g/ 100g
Hefe 1,7
Krebstiere 1,5
Zander 1,3
Veget. Bratlinge 1,2
Hühnerei, Eigelb 1,1
Weizenvollkornmehl 0,5
Schokolade 0,5
Heilbutt 1,4

Aminosäuren steuern fast alle Stoffwechselprozesse im Körper

AMINOSÄUREN SIND WAHRE ALLESKÖNNER

In ihrer Funktion als Vorstufe von Enzymen (Stoffwechselkatalysatoren) und Neurotransmittern (Botenstoffen) regulieren Aminosäuren zusammen mit L-Arginin fast alle Stoffwechselprozesse im Organismus. Deshalb sind sie für die Gesundheit unentbehrlich. Auch die Mehrzahl der Hormone, deren Aufgabe es ist, Nährstoffe und Sauerstoff durch den Körper zu transportieren, werden von Aminosäuren gebildet.

Aminosäuren sind als Grundbausteine des Körpers in der Lage, Gewebe, Organe, Muskeln, Haut und Haare zu bilden. Etwa ein Fünftel des menschlichen Körpers besteht aus Aminosäuren und Proteinen, die einem ständigen Auf- und Abbau unterliegen. Aminosäuren sorgen nicht nur für Wachstum, sondern auch für die dauernde Erneuerung von Körpergewebe. Haut, Muskeln und Knochen sind besonders proteinhaltig und ein Mangel wirkt sich deshalb durch typische Anzeichen, wie etwa schlechte Wundheilung oder ein schlechtes Wachstum von Nägeln, Haut und Haaren aus.

MANGEL AN AMINOSÄUREN SCHWÄCHT DEN KÖRPER

Weil auch Antikörper, die vor allen möglichen krankmachenden Einflüssen schützen, hauptsächlich aus Aminosäuren bestehen, macht sich ein Mangel an Aminosäuren schnell durch ein schlecht funktionierendes Immunsystem bemerkbar. Bei einem Mangel an L-Arginin treten daher auch alle typischen Symptome auf, die mit einem geschwächten Immunsystem in Verbindung stehen. Insbesondere steigt bei L-Argininmangel die Infektanfälligkeit.

Uwe Gröber. Orthomolekulare Medizin. Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte. 2. Auflage 2002. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Andreas Hahn, Maike Wolters. Nahrungsergänzungsmittel und ergänzende bilanzierte Diäten. 2006. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Klaus Arndt, Thorsten Albers. Handbuch Proteine und Aminosäuren. 3. Auflage 2004. Verlag Novagenics

Universität  Hohenheim L-Arginingehalt in Lebensmitteln. https://www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/interaktives/search.htm

Burgersteins Handbuch Nährstoffe. Haug Verlag. 11. vollständig neu und überarbeitete Auflage. 2011

H.K. Biesalski et al. Ernährungsmedizin. 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Verlag Thieme. 2010

Magret Jordan Halter. Varcarolis´ Foundations of Psychatric Mental Health Nursing. 2013. Verlag Elsevier

V.B. Patel, V. R. Preedy, R. Rajendram. L-Arginine in Clinical Nutrition. Humana Press. 2016. London

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016 | zuletzt aktualisiert 6/2021

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