Häufigkeit

VIELE DEUTSCHE VERTRAGEN NUR GERINGE MENGEN FRUCHTZUCKER

Die Zahl der Betroffenen, bei denen eine Fructosemalabsorption diagnostiziert wird, steigt seit längerer Zeit kontinuierlich. Viele Menschen vertragen scheinbar nur kleine Mengen des Fruchtzuckers, der nach dem Verzehr bestimmter Früchte und Lebensmittel leicht Beschwerden im Magen-Darmsystem auslösen kann.
Man geht davon aus, dass mehr als 30% der westeuropäischen Bevölkerung Fruchtzucker nicht richtig aufnehmen kann, jedoch leidet nur etwa die Hälfte davon unter Verdauungsbeschwerden. Über 25% der Betroffenen sollen gleichzeitig von einer Lactoseintoleranz betroffen sein.

Definition

HEREDITÄRE FRUCTOSEINTOLERANZ UND FRUCTOSEMALABSORPTION 

Man unterscheidet zwei Formen von Fructoseunverträglichkeit:

Hereditäre Fructoseintoleranz

Die hereditäre Fructoseintoleranz ist eine erblich bedingte Stoffwechselstörung und erfordert einen lebenslangen Verzicht auf Fruchtzucker. Sie ist angeboren und kommt nur äußerst selten vor, aber meistens auch schon bei Babys, die mit Erbrechen und Durchfall reagieren können. Dem Körper fehlt ein spezielles Enzym zum Fructoseabbau, so dass sich der Zucker in der Darmwand, den Nieren und der Leber ablagert. Diese Art der Fructoseintoleranz kann zu Unterzuckerung, Leber- und Nierenschäden führen. Feststellen lässt sich die hereditäre Fruchtzuckerunverträglichkeit durch einen Bluttest.

Fructosemalabsorption

Die Fructosemalabsorption basiert auf einer gestörten Aufnahmefähigkeit von Fruchtzucker im Dünndarm.

Ursachen

STÖRUNG DES TRANSPORTERSYSTEMS

Verursacht wird eingeschränkte Fruchtzuckeraufnahmefähigkeit durch eine Störung des Transportsystems (GLUT-5). Ein spezielles Transporteiweiß sorgt beim gesunden Menschen dafür, dass die Fructose aus dem Dünndarm aufgenommen und ins Blut geschleust wird.
Wenn die Aufnahmefähigkeit gestört ist, erreicht der zugeführte Fruchtzucker zusammen mit der Nahrung tiefere Darmabschnitte, in denen er von Bakterien abgebaut wird. Beim Abbau bilden sich große Mengen an Kohlendioxid, Wasserstoff und kurzkettigen Fettsäuren, die zu verschiedenen Beschwerden führen können.

GENAUE URSACHEN BISLANG NICHT EINDEUTIG GEKLÄRT

Es wird grundsätzlich vermutet, dass die Funktion des betreffenden Darmtransporters altersbedingt nachlassen kann.
Außerdem geht man davon aus, dass die betroffenen Menschen einfach zu hohe Mengen Fruchtzucker mit der Nahrung aufnehmen, weil es nicht nur natürlich in Obst vorhanden ist, sondern in vielen Getränken und Fertiggerichten als Süßungsmittel beigemengt wird. Es befindet sich unter anderem in Backwaren, Fruchtsäften, Softdrinks, Light-Produkten, Süßigkeiten und Grillsaucen.

ÄUSSERE FAKTOREN ZUSÄTZLICH WIRKSAM

Neben den körperlichen Ursachen können auch mangelnde Bewegung, Stress und Ärger negativen Einfluss auf die Darmfunktion nehmen.

Symptome

SYMPTOME NICHT IMMER EINDEUTIG

Die Anzeichen der Fructoseunverträglichkeit sind nicht immer unbedingt eindeutig und äußern sich bei den Betroffenen unterschiedlich stark. Einfluss auf die Stärke der Beschwerden nimmt dabei die verzehrte Fructosemenge, die verbliebene Leistungsfähigkeit der Transporteiweiße und die Art und Anzahl der Darmbakterien. Zu den möglichen Anzeichen zählen:

  • Blähungen
  • Durchfall
  • Zeitweise Verstopfung
  • Laute Darmgeräusche
  • Aufstoßen

OHNE BEHANDLUNG KÖNNEN ANTIBIOTIKA NÖTIG WERDEN

Unbehandelt kann das zunehmende Bakterienwachstum und die Gasbildung im Dickdarm den Mechanismus der Schließklappe zwischen Dick- und Dünndarm beeinträchtigen, so dass Bakterien in den Dünndarm gelangen und die Fehlbesiedlung dort zu anhaltenden Beschwerden führen kann, sogar, wenn keine fructosehaltigen Lebensmittel verzehrt werden. In diesem Fall wird unter Umständen eine Behandlung mit Antibiotika notwendig.

Diagnose

H2-ATEMTEST ZUR DIAGNOSE VON FRUCTOSEMALAPSORPTION

Beim Atemtest trinkt man auf nüchternem Magen eine Fruchtzuckerlösung und pustet nach bestimmten Zeitabständen in ein spezielles Gerät, das den im Dickdarm gebildeten Wasserstoffgehalt in der Ausatmeluft misst. Wenn das Gerät einen festgelegten Wert von mehr als 20 ppm übersteigt und gleichzeitig Beschwerden auftreten, kann beim Betroffenen von einer Fructosemalabsorption ausgegangen werden.

Um mögliche Zusammenhäng zwischen verzehrten Lebensmitteln und den auftretenden Anzeichen herstellen zu können, kann vom Betroffenen ein mehrtägiges Ernährungs- und Symptomprotokoll erstellt werden.

Therapie

SELBSTTHERAPIE NICHT RATSAM

Einige Betroffene verbannen nach der Diagnose den Fruchtzucker aus ihrem Speiseplan und riskieren damit auf Dauer unnötigerweise auch manchmal Nährstoffmängel, denn mit dem Verzicht auf Obst fehlen wichtige Nährstoffe wie Vitamin C, Folat, Kalium und Ballaststoffe.

Nur zu Therapiebeginn ist eine fructosearme und sorbitfreie Karenzzeit erforderlich, damit sich die Darmflora regenerieren kann und die Beschwerden abklingen. Die Ernährungsumstellung sichert die Nährstoffzufuhr durch ersatzweise Lebensmittel, die gut verträglich sind.

QUALIFIZIERTE ERNÄHRUNGSBERATUNG EMPFOHLEN 

Bei Unverträglichkeiten müssen fructosehaltige Lebensmittel nicht vollständig gemieden werden, sondern sie werden oft vom Körper in einer bestimmten Menge toleriert. Die individuelle Verträglichkeitsgrenze lässt sich bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten durch Ernährungsfachkräfte ermitteln, so dass die Einschränkung der Lebensqualität auf ein Mindestmaß reduziert wird.

Gleichzeitig wird das Risiko von Nährstoffmangel erheblich reduziert. Erlaubt ist, was vertragen wird. Die Verträglichkeitsschwellen können sich verändern und in einigen Fällen erholt sich das angeschlagene Transportersystem im Darm.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt bei der Ernährungsumstellung die Beratung durch eine Ernährungsfachkraft um Diätfehler zu vermeiden und die Beschwerden schnell und langfristig zu reduzieren.
Mit Hilfe der dreistufigen Ernährungstherapie lässt sich feststellen, welche Menge Fruchtzucker und welche Lebensmittel der Körper toleriert, so dass langfristig ein beschwerdefreies Leben im Rahmen einer vollwertigen Ernährung möglich werden kann ohne auf den süßen Genuss verzichten zu müssen.

AUSWEICHEN AUF GUT VERTRÄGLICHE LEBENSMITTEL MIT GERINGEREM FRUCTOSEANTEIL

Die Fructoseaufnahme im Darm kann außerdem durch das Beimengen kleiner Mengen Glucose (Traubenzucker) erleichtert werden. Zudem sollte Obst nur im Rahmen einer Mahlzeit oder zusammen mit Milchprodukten verzehrt werden, weil durch die enthaltenen Fette und Eiweiße eine langsamere Aufnahme des Fruchtzuckers erfolgt und der Darmtransporter so unterstützt wird.

BESONDERS SPARSAMER UMGANG MIT FRUKTOSEREICHEN LEBENSMITTELN

Auch Inulin, das unter anderem häufig Broten, Backwaren, Milcherzeugnissen oder Getränken zugesetzt wird, besteht zu 95% aus Fruchtzucker. Es empfiehlt sich deshalb, das Zutatenverzeichnis von Lebensmitteln auch auf Inulin hin zu prüfen.

Auf den Zutatenlisten von Lebensmitteln, Nahrungsergänzungmitteln oder Medikamenten kann sich unter verschiedenen Bezeichnungen Fructose verbergen. Beim Kauf von losen Produkten kann man gezielt nach fructosehaltigen Bestandteilen fragen. Auf folgende Bezeichnungen hin sollten die Lebensmittel beim Einkauf geprüft werden:

  • Fructose
  • Fruktose
  • Fruchtzucker
  • Fructosesirup
  • Fruktosesirup
  • Zuckeraustauschstoff
  • Stärkesirup
  • Kunsthonig (Invertzucker)
  • Apfel- Birnenkraut

ZUCKERAUSTAUSCHSTOFFE MEIDEN

Zuckeralkohole, wie sie häufig in Lebensmitteln, Diabetikerprodukten, Nahrungsergänzungsmitteln, Mundkosmetika und zuckerfreien Produkten oder Kaugummis vorkommen, können zusätzlich die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Darm erschweren. Zu diesen Stoffen, die sich auch hinter E-Nummern verbergen können, zählen:

  • Xylit (E 967)
  • Isomalt (E 953)
  • Laktit (E 966)
  • Maltit (E 965)
  • Sorbit(E 420)
  • Mannit (E 421)

Lebensmittelgruppen nach Verträglichkeit

Lebensmittelgruppe Oft verträglich Oft weniger verträglich
Tierische Produkte Fleisch, Fisch, Eier, Schinken frisch oder tiefgekühlt Fertigsalate und Konserven mit tierischen Produkten, zuckerhaltige Wurstwaren
Gemüse Blattsalate, Fenchel, Karotten, Kartoffeln, Mangold, Sellerie, Spinat, Zuccini Ballaststoffreiche Kost, Kohlgemüse, Lauchgemüse, Rohkost, Sauerkraut, Zwiebel
Getränke Fruchtsäfte verdünnt oder mit Traubenzucker gesüßt, Kaffee, Tee, Wein in kleinen Mengen Bier, Fruchtsäfte pur, kohlensäurehaltige Getränke, Lightgetränke, Limonaden, Zichorienkaffee
Getreide Haferflocken, Hirse, Mais (Polenta), Quinoa, Reis, Roggen, Stärke, Weizenmehl Typ 450-480 Fertigbackwaren und Backwaren mit Zucker, Leinsamen, Vollkornprodukte, Weizenkleie
Milchprodukte Buttermilch, Dickmilch, Käse, Kefir, Naturjoghurt, Sahne, Sauerrahm, Topfen, Trinkmilch Viele Diätprodukte, Milchmischprodukte, gesüßte Milchprodukte, Speiseeis
Obst Ananas, Bananen, Beerenobst, Kiwi, Marmeladen mit Traubenzucker, Papaya, Rhabarber, Zitronensaft in kleinen Mengen, Zuckermelone Kernobst, Steinobst wie Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Trockenobst, Kompotte, Marmeladen mit Haushaltszucker, Ftruchtsäfte, Nüsse, fast alle gesüßten Light-Produkte
Süßungmittel Mischung aus Haushalts- und Taubenzucker 1:0,5, Traubenzucker, Milchzucker, sofern keine Lactoseunverträglichkeit vorliegt Fructose, Honig, Sorbit (420), E 491-495
Quelle: ÖGE – Österreichische Gesellschaft für Ernährung
WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Biesalski, H.K.: Ernährungsmedizin: Nach dem Curriculum der Bundesärztekammer und der DGE. 2010. Verlag Thieme

DGE: Essen und Trinken bei Fructosemalabsorption. 2. Auflage, 2. korrigierter Nachdruck 2014.

http://www.oege.at/index.php/bildung-information/diaetetik/allergien-unvertraeglichkeiten/55-bildung-information/diaetetik/allergien-unvertraeglichkeiten/1803-fruktosemalabsorption

Luc Tappy: Q&A: „Toxic“ effects of sugar: should we afraid of fructose? http://www.biomedcentral.com/1741-7007/10/42 BMC Biology 2012, 10:42 doi:10.1186/1741-7007-10-42

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016