Definition und Beschreibung

CHRONISCHE VERHÄRTUNG VON LEBERGEWEBE 

Die Leberzirrhose ist eine diffuse chronische Lebererkrankung mit fortschreitender narbig-bindegewebiger Umwandlung des Lebergewebes (Nekrose). Die Leber schrumpft im Verlauf ein, weil gesunde Leberzellen absterben und durch narbiges Gewebe ersetzt werden, das zunehmend verhärtet. In der Folge sind wichtige Stoffwechsel- und Entgiftungsfunktionen, die das Organ im Körper übernimmt, beeinträchtigt.

Häufigkeit

VERHÄRTUNG DES ELASTISCHEN LEBERGEWEBES

In Deutschland leiden mindestens drei Millionen Menschen an Lebererkrankungen. Man geht davon aus, dass etwa 0,7% bis 1% an einer Leberzirrhose erkrankt sind.

Symptome

VERSCHIEDENE SYMPTOME BEI LEBERZIRRHOSE MÖGLICH

  • Leistungsminderung
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Appetitlosigkeit
  • Mangelernährung
  • Völlegefühl
  • Gewichtsverlust
  • Blähungen
  • Spinnenartige Gefäßzeichnungen in der Haut (Spider naevi)
  • uncharakteristische Beschwerden im Oberbauch
  • Bauchbeschwerden
  • Rötung der Handinnenflächen (Palmaererythem)

Mögliche Ursachen

ALKOHOL FÜHRT IN UNGEFÄHR DER HÄLFTE DER FÄLLE ZUR LEBERZIRRHOSE 

Betroffene mit regelmäßig hohem Alkoholkonsum bilden mit etwa 50% den größten Anteil, wenn es um die Ermittlung der häufigsten Ursachen für Leberzirrhose geht. Es gilt als gesichert, dass Männer die über 10 Jahre täglich regelmäßig mehr als 60 Gramm reinen Alkohol trinken gefährdet sind, an einer Leberzirrhose zu erkranken. Für Frauen gilt dagegen schon ein täglicher Genuss von mehr als 20 Gramm als riskant.

Nach Angaben des Deutschen Aerzteblatts (2012; 109/17) entwickeln dagegen viele schwere Trinker keine Leberzirrhose – man geht nach bisherigen Studienergebnissen davon aus, das für dieses Ergebnis genetische Ursachen verantwortlich sein können.

LEBERZIRRHOSE DURCH VIREN 

In etwa 25% der Fälle ist eine Leberzirrhose die Folge einer nicht ausgeheilten Virusentzündung (Virushepatitis), die einen chronisch-agressiven Verlauf genommen hat. Verantwortlich dafür sind verschiedene Viren, die Hepatitis auslösen.

LEBERZIRRHOSE DURCH AUTOIMMUNHEPATITIS

Mitunter wird die ernsthafte Lebererkrankung auch durch Autoimmunkrankheiten, wie die Autoimmunhepatitis ausgelöst, bei der das eigene Immunsystem die Leberzellen angreift. Auch eine chronische Gallengangsentzündung (primär biliäre Zirrhose) unklarer Ursache kann auslösend sein.

WEITERE MÖGLICHE URSACHEN

  • Chronische Gallenwegserkrankungen mit Gallenstau
  • Stoffwechselkrankheiten wie Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) oder Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
  • Vergiftungen (Tetrachlorkohlenstoff)
  • Medikamente

Diagnose

AUCH URSACHEN KLÄREN UND KOMPLIKATIONEN ERFASSEN

Neben der Diagnose, die durch Bluttest, Sonographie (Ultraschall) und Leberbiopsie (Gewebeentnahme) gesichert werden kann, sollen weitere Untersuchungen die Ursachen klären und Komplikationen erfassen. Bei Leberzirrhose findet sich im Blut eine verminderte Menge an Albumin (Protein aus der Gruppe der Plasmaproteine) und ein verminderter Quick-Wert (Test zur Diagnose von Störungen der Blutgerinnung), während der BSG (Blutkörper-Senkungsgeschwindigkeit zum Nachweis von entzündlichen Vorgängen) und die Transaminasen erhöht sind, die im Gewebe und im Blut nachgewiesen werden können, wenn Zellmembranen Undichtigkeiten aufweisen.

Verlauf

SCHWERWIEGENDE FOLGEN MÖGLICH

Die am Organ entstandenen Gewebeschäden sind nicht wieder rückgängig zu machen und führen unbehandelt zum Leberversagen, Leberkrebs oder Nierenversagen.

HÄUFIGE KOMPLIKATIONEN

Aufgrund der Durchblutungsstörung in der Leber steigt der Pfortaderdruck (portale Hypertension) an und es kommt zur Ausbildung von Umgehungskreisläufen (Krampfadern).

Mögliche Auswirkungen

  • Zunehmende Leberfunktionsstörung
  • Innere Blutungen aus Krampfadern (Ösophagusvarizen)
  • Wasseransammlungen im Gewebe, meist im Bauchraum (Aszites)
  • Erweiterung der Bauchhautvenen (Caput medusae)
  • Beeinträchtigung der Gehirnfunktion durch Verwirrtheit, Koordinationsstörungen, Tremor, Apathie, Koma, Benommenheit, typischer Atemgeruch nach frischer Leber (portosystemische Enzephalopathie)
  • Milzvergrößerung
  • Hormonelle Störungen
  • Mangelernährung

Therapie

MÖGLICHE THERAPIEN

Neben der Behandlung der Grundkrankheit wird den Patienten allgemein zur körperlichen Schonung und zur Führung eines geregelten Lebens geraten. Es gilt ein absolutes Alkoholverbot. Die Behandlung richtet sich ansonsten nach dem Einzelfall:

  • Bei Vitaminmangel erfolgt eine entsprechende Vitaminzufuhr
  • Behandlung von Gerinnungsstörungen mit Gerinnungsfaktoren
  • Lebertransplantation in Einzelfällen
  • Behandlung bei Aszites: ggf. Aszitespunktion

ERNÄHRUNGSTHERAPIE

Im Rahmen der Ernährungstherapie erhalten die Betroffenen mit Ausnahme der Enzephalopathie (krankhafte Gehirnveränderung) eine fettarme, aber eiweiß- und kalorienreiche Kost, die die optimale Versorgung mit Nährstoffen und Energie sichert. Zur Verbesserung der Nahrungsaufnahme soll eine individuell abgestimmte Ernährungsberatung eingesetzt werden. Individuelle Intoleranzen oder Unverträglichkeiten sind zu berücksichtigen. Die Patienten haben täglich einen um 25% höheren Energiebedarf – das entspricht 35 kcal/kg Körpergewicht. Wegen der teilweisen Mangelernährung und des eingeschränkten Appetitverlusts sind Trinkzusatz-Nahrungen erforderlich. Auch der tägliche Eiweißbedarf ist erhöht. Dieser steigt auf 1 – 1,2 g/kg Körpergewicht.

Die Ernährungstherapie soll die Leberregeneration unterstützen und sowohl eine Mangelernährung als auch den Abbau des körpereigenen Eiweißes verhindern. Daneben hat sie das Ziel, vorhandene Abweichungen im Flüssigkeits- und Elektrolytehaushalt auszugleichen und eine Enzephalotpathie zu verhindern.

  • Ernährung bei heaptitischer Enzophalopathie: Verminderung der Eiweißzufuhr, Gabe von Laktulose, Einsatz von Diäten mit erhöhtem Anteil verzweigtkettiger Aminosäuren
  • Ernährung u. Behandlung bei Aszites:  Reduzierung der Zufuhr von Flüssigkeit und Natrium, evt. Aszitespunktion
WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Biesalski, H.K.: Ernährungsmedizin: Nach dem Curriculum der Bundesärztekammer und der DGE. 2010. Verlag Thieme

Eiter Josefa, Eder Gerlinde, Mair, Maria: Ernährungslehre und Diätetik. 8.Auflage. 2008. Trauner Verlag.

Innere Medizin. 7. Auflage. Weisse Reihe Band 4. 2004. Elsevier GmbH. Urban & Fischer Verlag.

http://www.aerzteblatt.de/archiv/125182/Gastroenterologie-Wie-sich-Therapien-fortentwickeln

Plauth M., Schütz T., Pirlich M. et al.: S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE und der DGVS Klinische Ernährung in der Gastroenterologie (Teil 1) – Leber. AWMF-Register-Nr. 073/024

Bildquelle im Impressum
Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 10/2016