Lecithin ist ein wichtiger Bestandteil vieler Körperbereiche

IN EUROPA UND USA WIRD OFT ZU WENIG LECITHIN AUFGEMOMMEN

Lecithin zählt zu den fettähnlichen Substanzen (Phospholipiden) und übernimmt als Bestandteil von Zellwänden und Nervengewebe viele wichtige Funktionen im Körper. Lecithin findet sich zwar in vielen Lebensmitteln, dennoch ist die tägliche Zufuhr seines wichtigen Bausteins Cholin in Westeuropa und den USA gering. Die tägliche Zufuhrempfehlung für Lecithin beträgt zwischen 3-4 g, aber nur 0,2-1 g werden aufgenommen. Bei Lecithinmangel kommt es zur Störung im Cholin-Haushalt, die gesundheitlichen Folgen können verschiedene Körperbereiche betreffen.

Lecithin, das auch als Phospatidylcholin bezeichnet wird, wird durch Veresterung aus Glycerol, Fettsäuren, einem Phosphorrest und Cholin gebildet.

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Funktionen

FUNKTIONEN VON LECITHIN IM GEHIRN

In weiten Teilen des Gehirns übernimmt Lecithin wichtige Funktionen. Lecithin ist auch der Vorläufer des Botenstoffes (Neurotransmitters) Acetycholin, zu dem er im Gehirn umgewandelt wird.

Das lecithinabhängige Acetylcholin zählt zu den wichtigsten Neurotransmittern, weil es eine zentrale Rolle bei der Regulation verschiedener Körperfunktionen übernimmt.

Als Teil eines Netzwerks im Nervensystem wirkt der Botenstoff auch bei der Regulierung von Schlaf und Gemütsverfassungen mit. Es bestimmt Emotionen und das Verhalten im Gehirn.

Acetylcholin spielt eine entscheidende Rolle für das vegetative Nervensystem, das alle nicht willentlich beinflussbaren Körperfunktionen steuert. Daneben übernimmt es eine wichtige Funktion an der Schnittstelle zwischen Skelettmuskulatur und den motorischen Nerven.

Den Abbau von Acetylcholin im Gehirn bringen Forscher mit der Alzheimer-Krankheit in Verbindung, denn im Gehirn von Alzheimer-Patienten finden sich reduzierte Mengen Acetylcholin. Einige zugelassene Alzheimer-Medikamente beinhalten Wirkstoffe, um den Abbau des Neurotransmitters zu verlangsamen. Es handelt sich bei diesen Medikamenten um sogenannte Cholinesterasehemmer, die etwa unter den Namen Donepezil, Galantamin und Galantamin erhältlich sind.

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Zudem beeinflusst Acetylcholin die Steuerung von Aufmerksamkeit, die Weiterleitung sensorischer Reize, das Lernen und die motorische Entwicklung im Sport.

FUNKTION VON LECITHIN IN DER DARMSCHLEIMHAUT

Phospatidylcholin ist auch Hauptbestandteil des Schleims der Dickdarmschleimhaut und trägt zur Entstehung der schützenden Schleimbarriere bei. Bei der Darmerkrankung Colitis ulcerosa stellten Forscher eine stark verminderte Konzentration an Phosphatidylcholin fest.

FUNKTION VON CHOLIN BEI DER ENTGIFTUNG UND AUSSCHEIDUNG VON CHEMIKALIEN

Cholin übernimmt eine wichtige Funktion bei der Entgiftung und Ausscheidung von Chemikalien, in dem es das Enzymsystem in der Leber unterstützt. Über das Enzymsystem wird nicht nur das Blut entgiftet, sondern auch Medikamente und giftige Umweltchemikalien ausgeschieden.

FUNKTION VON CHOLIN BEIM FETTSTOFFWECHSEL

Im Fettstoffwechsel der Leber sorgt Cholin dafür, dass Triglyceride und andere Fette aus der Leber ins Gewebe transportiert werden. Wenn der Status von Cholin niedrig ist, häuft sich Fett in den Leberzellen an, was zu einer gestörten Leberfunktion führen kann.

FUNKTION VON CHOLIN BEI DER ZELLWANDSTRUKTUR

Cholin ist erforderlich, um im ganzen Körper die Zellwände aufzubauen. Außerdem wird es benötigt, um die Markscheide der Nervenbahnen herzustellen (Myelin).

Gesundheitliche Wirkungen von Lecithin

SOJALECITHIN WIRD THERAPEUTISCH EINGESETZT

Für Sojalecithin (Lecithinum vegetabile) besteht eine Positivmonographie der Kommission E. Sojalecithin zeigt eine therapeutische Wirkung bei leichteren Fettstoffwechselstörungen, besonders bei Hypercholesterolämie. Die mittlere Tagesdosis entspricht 3,5 g Phosphatidylcholin.

Auch der Lecithinbestandteil Cholin wird in der Liste der zulässigen gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) mit verschiedenen gesundheitlichen Wirkungen verbunden. Cholin findet sich oft in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln. Ab einer täglichen Menge von mindestens 8,25 mg Cholin je 100 g oder ml Lebensmittel trägt Cholin in Nahrungsergänzungs- oder Lebensmitteln zu einem normalen Homocysteinspiegel, sowie zu einem normalen Fettstoffwechsel bei. Cholin unterstützt in der enthaltenen Mindestmenge außerdem eine normale Leberfunktion.

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Lecithinmangel

STÖRUNG DES CHOLINHAUSHALTS

Chronische Erkrankungen wie AIDS, Arthritis oder entzündliche Darmerkrankungen erhöhen das Risiko für einen Cholinmangel, der durch einen Lecithinmangel entsteht.

Auch Verdauungsstörungen in Verbindung mit Bauchspeicheldrüse und der Fettverdauung erhöhen das Risiko für einen Cholinmangel, weil sich wegen der schlechten Aufnahmefähigkeit Mangelerscheinungen entwickeln können.

Sinken kann der Cholinspiegel auch durch regelmäßigen, hohen Alkoholkonsum. Weitere Ursachen für einen niedrigen Cholinspiegel sind niedrige Zufuhren von Vitamin B12 und Folsäure, denn sie erhöhen den Cholinbedarf stark. Ein erhöhter Cholinbedarf besteht auch während der Schwangerschaft und Stillzeit.

Folgen von Cholinmangel

ZU WENIG LECITHIN KANN SCHWERE FOLGEN HABEN

Die Folgen einer zu geringen Aufnahme von Lecithin können sich auf viele Körperbereiche auswirken. Betroffen sein können alle Bereiche, in denen die Lecithin-Substanz Cholin nicht ausreichend vorhanden ist.

Mögliche Folgen können sein:

  • Hoher Blutdruck
  • Lernstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Gestörtes Wachstum
  • Störungen im Carnitin-Stoffwechsel
  • Unfruchtbarkeit
  • Gestörte Nierenfunktion
  • Fetteinlagerung in der Leber
  • Erhöhtes Risiko für Leberkrebs
  • Eingeschränkte Produktion roter Blutkörperchen

Anwendungsgebiete für Lecithin und Cholin

ALZHEIMER UND DEMENZ

Lecithin und Cholin können die Alzheimer Krankheit und andere Formen von Demenz beeinflussen, indem sie den Acetylcholin-Spiegel im Gehirn anheben.

BEWEGUNGSSTÖRUNGEN

Bewegungsstörungen können durch Störungen im Acetylcholin-Haushalt im Gehirn ausgelöst werden. Bei der Huntington-Krankheit und anderen Nervenstörungen, bei denen abnormale Bewegungen auftreten, können verabreichte Nahrungsergänzungsmittel mit Lecithin oder Cholin positiven Einfluss nehmen.

GEHIRNFUNKTION

Acetylcholin ist beteiligt, wenn es um die Speicherung von Erinnerungen geht. Nahrungsergänzungsmittel mit Lecithin und Cholin können besonders bei älteren Menschen die Gedächtnisleistungen steigern.

HERZ- KREISLAUFERKRANKUNGEN

Durch Nahrungsergänzungsmittel mit entsprechender Menge an Lecithin können nicht nur die guten HDL-Cholesterinwerte erhöht, sondern gleichzeitig auch die negativ beeinflussenden Triglyceridwerte und das LDL-Cholesterin gesenkt werden. Dadurch sinkt das Risiko für Arteriosklerose, die zu verschiedenen Herz- Kreislauferkrankungen führen kann.

LEBERENTZÜNDUNG (HEPATITIS)

Bei Leberentzündungen, die wie bei Hepatitis durch Viren verursacht werden, können sich durch unterstützende Gaben von Cholin und Lecithin die Symptome abschwächen. Außerdem lässt sich durch die Substanzen die Dauer reduzieren und Rückfällen kann vorgebeugt werden.

ENTGIFTUNG DER LEBER

Cholin regt Enzyme in der Leber zur Entgiftung an und nimmt auch positiven Einfluss auf die Entgiftung des Blutes. Die Ausscheidung belastender Substanzen wie z.B. Alkohol, Medikamentenrückstände, belastende Umweltgifte, Schwermetalle, Lebensmittelzusätze und Pflanzenschutzmittel wird durch Cholin unterstützt.

GALLENSTEINE

Gallensteine, die durch Ablagerung von Cholesterin entstehen, lassen sich durch Lecithin verhindern. Durch Nahrungsergänzungsmittel mit Lecithin oder Cholin kann das Risiko für die Entstehung von Cholesterinsteinen gesenkt werden.

HOHER ALKOHOLKONSUM

Weil Alkoholkonsum den Cholinspiegel im Blut und in der Leber senkt, kann es bei schwerem Alkoholmissbrauch zu einer Fettleber und Leberstörungen kommen. Nahrungsergänzungsmittel mit Cholin können in Verbindung mit Methionin und Inositol den Heilungsprozess beschleunigen und die Schäden reduzieren, die durch den Alkohol entstanden sind.

SCHWANGERSCHAFT UND ENTWICKLUNG DES FÖTUS

Lecithin beeinflusst die Gehirnentwicklung positiv und senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte. Schwangere haben einen stark erhöhten Cholinbedarf und können in den letzten Phasen der Schwangerschaft im Blut einen niedrigen Cholinspiegel entwickeln. In der Folge erhöhen sich die Fettablagerungen in der Leber.  Nahrungsergänzungsmittel mit Lecithin oder Cholin können die Leber schützen, in dem sie die leeren Cholinspeicher auffüllen.

Tagesbedarf Lecithin

BIS ZU VIER GRAMM LECITHIN SOLLEN ES TÄGLICH SEIN

Zwar wird Lecithin auch in der Leber gebildet, doch diese Mengen reichen allein nicht aus, um den empfohlenen Tagesbedarf an Cholin zu decken. Zur Deckung des Tagesbedarfs von Cholin wird eine tägliche Menge von 3-4 Gramm Lecithin empfohlen.

Referenzwerte für Cholin

EMPFOHLENE TÄGLICHE AUFNAHMEMENGEN HÄNGEN VOM ALTER AB

Das Gremium für Diätische Produkte, Ernährung und Allergien (NDA) ermittelte 2016 Werte für eine angemessene tägliche Aufnahme von Cholin. Empfohlen werden täglich:

  • 400 mg für Jugendliche von 15-17 Jahren und für Erwachsene
  • 140 bis 340 mg für Kinder im Alter von 1-14 Jahren
  • 160 mg für Kleinkinder im Alter von 7-11 Monaten
  • 480 mg für Schwangere
  • 520 mg für Stillende

Überdosierungen von Cholin

BIS ZU 10 GRAMM SIND UNBEDENKLICH

Niedrige Dosierungen von Cholin, die sich zwischen 1-10 g pro Tag bewegen, stufen Experten bei Erwachsenen als unbedenklich ein und es konnten keine Nebenwirkungen festgestellt werden. Bei der Zufuhr von mehr als 20 g pro Tag über den Zeitraum von mehreren Wochen kann es zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen kommen, auch reagieren einige Anwender auf hohe Dosen mit Depressionen. Die Körperausdünstung kann einen Fischgeruch annehmen.

Lebensmittel mit Lecithin

RINDERLEBER HAT DEN HÖCHSTEN CHOLINGEHALT

Lecithin kommt in tierischen und pflanzlichen Zellen vor. Ernährungsexperten gehen davon aus, dass Menschen, die regelmäßig Lebensmittel mit hohen Lecithingehalten essen, ausreichend mit Lecithin versorgt sind. Hohe Mengen enthalten besonders Rinderleber, Eier und Erdnüsse. Während in 100 g Rinderleber 520 mg Cholin enthalten sind, befinden sich in 100 g Rinderfilet aber nur 66 mg Cholin. Auch Sojabohnen haben einen hohen Lecithin-Gehalt, der bei 2% liegt. Ein mittelgroßes Hühnerei besitzt 270 mg. Erdnüsse enthalten 95 mg Cholin pro 100 g. In der gleichen Menge Kartoffeln finden sich dagegen nur 8 mg. 100 g Blumenkohl enthalten 43 mg Cholin, in 100 g Vollkornbrot sind es 13 mg.

In der Lebensmittelindustrie wird Lecithin zur Stabilisierung von Gemischen aus Fett und Wasser eingesetzt. Auf der Zutatenliste erscheint es unter dem Namen Lecithin, Sonnenblumenlecithin, Sojalecithin oder als Lebensmittelzusatzstoff E 322. Reines Sojalecithin besteht zu 95% aus Phospahtidylcholin.

Lecithin in der Säuglingsnahrung

LECITHIN IST BIS ZU BESTIMMTER MENGE UNBEDENKLICH

Lecithin (E 322) sind innerhalb der EU als Lebensmittelzusatzstoff in der Säuglingsnahrung für Säuglinge unter 16 Wochen zugelassen. Zugelassen sind sie außerdem in Diät-Lebensmitten für bestimmte medizinische Zwecke. Die minimale und maximale Menge ist bei Säuglingen auf 25 bis 50 mg/100 kcal beschränkt.

H.K. Biesalski et al. Ernährungsmedizin. 4. Auflage. 2010. Verlag Thieme

EFSA Verordnung (EU) Nr. 609/2013

EFSA Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: EFSA veröffentlicht Empfehlungen zu Cholin. Wesite EFSA abgerufen 12.02.2021

Verordnung EG Nr. 1333/20082 Anhang II Teil E

Amtsblatt der EU L 136/4 Health Claims

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Positivmonographie der Kommission E für Sojalecithin. 

Deutsche Morbus Cron/Colitis ulcerosa Vereinigung DCCV e.V.

Burgersteins Handbuch Nährstoffe. 11. Auflage vollständig neu bearbeitet und erweitert. Verlag Haug. 2007

G. Schneider, K. Hiller. Arzneidrogen. 4. Auflage. Verlag Spektrum Akademischer Verlag. Heidelberg. Berlin 1998.

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 12.02.2021

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

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