Mangan – essentielles Spurenelement

LEBENSWICHTIGER MINERALSTOFF

Mangan zählt zu den lebenswichtigen Mineralstoffen, die vom menschlichen Körper über die tägliche Nahrung regelmäßig aufgenommen werden müssen. Als Spurenelement kommt Mangan nur in sehr geringen Mengen vor, im menschlichen Körper finden sich etwa zwischen 10-40 mg. Gespeichert wird es in  Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse sowie in Hirnanhangdrüse (Hypophyse), dem Knochenmark und den Haaren.

Die Manganaufnahme erfolgt über den Dünndarm, transportiert wird der Mineralstoff über das Blutplasma. 99% des Mangans scheidet der Körper über die Galle aus, den Rest über den Urin.

Funktionen von Mangan

VIELE STOFFWECHSELPROZESSE SIND VON MANGAN-ENZYMEN ABHÄNGIG

Das Spurenelement Mangan ist an vielen wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt. Neben dem Aufbau von Knochen, Knorpelgewebe und Bindegewebe benötigt der Körper es zudem für die Bildung wichtiger Enzyme. Das Mineral wirkt am Insulinstoffwechsel und Fettstoffwechsel mit und ist auch an der Produktion von Cholesterin, Sexualhormonen, Pigmenten und Neurotransmittern beteiligt. Eine weitere Rolle spielt Mangan bei der Spermienbildung und dem Aufbau des zentralen Nervensystems. Mangan ist unverzichtbarer Bestandteil oder Aktivator von über 60 Enzymen.

Das Enzym mit der Bezeichnung Mangan-Superoxiddismutase bildet Schutz vor körperschädigenden Freien Radikalen und gilt als wichtiges Antioxidans. Manganabhängige Enzyme sind ebenfalls für den Abbau von Histamin unverzichtbar. Zudem unterstützen sie den Aufbau von Kollagen. Manganabhängige Enzyme beteiligen sich auch an der Aktivität von Nerventrägersubstanzen (Neurotransmittern) und unterstützen zusammen mit Vitamin K die Bildung des Proteins Prothrombin, das mit der Blutgerinnung in Verbindung steht.

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Manganvorkommen

VORKOMMEN UND VERWENDUNG

Mangan hat einen Anteil an der Erdrinde von 0,8 % und kommt in der Natur in Form von Erzen wie Braunstein, Braunit, Hausmannit, Manganit oder Manganspat am häufigsten vor. Besonders oft nutzt man Mangan in Legierungen aus Kupfer und Eisen. Ansonsten kommt der Mineralstoff häufig in der Färberei und in Malerfarben zum Einsatz. In Form von Permanganat wird es zur Desinfektion, zum Bleichen oder Oxidieren genutzt.

Mangan in Lebensmitteln

MANGANHALTIGE LEBENSMITTEL

Mangan ist in vielen Lebensmitteln in mehr oder weniger hohen Mengen natürlich enthalten. Nur geringe Anteile finden sich in den meisten Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs. Auch nur wenig Mangan findet sich in Fischen, Meeresfrüchten und Obst, während Getreide und Nüsse dagegen hohe Mangananteile aufweisen.

Die Bioverfügbarkeit von Mangan aus Lebensmitteln ist sehr unterschiedlich. Sie beträgt zwischen 5 % – 60 % und richtet sich danach, wie viele und welche Begleitstoffe vorhanden sind, die eine Manganaufnahme behindern können. Zu den behindernden Begleitstoffen zählen Phosphate, Kalzium, Zellulose und Phytate.

TABELLE – LEBENSMITTEL MIT HOHEN UND GERINGEN ANTEILEN AN MANGAN

Lebensmittel

Mangan µg/100 g

Hafer 3000
Reis  2100
Mais Korn 396
Nudel roh 584
Weizenvollkornbrot 1500
Rosinen 464
Orangensaft frisch gepresst 30
Mandarine 37
Aubergine 112
Blumenkohl 180
Steinpilze roh 112
Birkenpilz roh 740
Milch 0,1% Fett 0,5 – 6,8
Joghurt 3,5% Fett 3
Emmentaler 45% Fett 29
Hering Atlantik 20-120
Ostseehereing 21
Garnele 30
Zander 75
Huhn 14
Kalbsleber 280
Rindfleisch 17
Rinderniere 102
Hühnerei 71
Butter 2,5-40
Erdnüsse 1600
Kokosnuss 1300
Paranuss 600
Bierhefe 530

REAKTIONEN MIT ANDEREN LEBENSMITTELN

Die Aufnahme von Mangan wird durch Alkohol erhöht, während sie durch Kalzium gehemmt wird. Bei Eisenmangel kann sich die Manganaufnahme um den 2-3 fachen Wert steigern. Eisen in pflanzlichen Nahrungsmitteln vermindert die Manganaufnahme und behindert die Ausnutzung.

REAKTIONEN MIT ANDEREN NÄHRSTOFFEN

Die Manganaufnahme ist bei folgenden Nährstoffen vermindert:

  • Kalzium
  • Kupfer
  • Phosphat
  • Eisen

Zink erhöht dagegen die Manganaufnahme im Plasma.

Tagesbedarf Mangan

REFERENZWERTE GESCHÄTZT

Der empfohlene tägliche Manganbedarf beträgt nach Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE):

  • Säuglinge bis 4 -12 Monate: 0,6-1,0 mg
  • Kinder von 1-4 Jahre: 1,0-1,5 mg
  • Kinder von 4-7 Jahre: 1,5-2,0 mg
  • Kinder von 7-10 Jahre: 2,0-3,0 mg
  • Kinder von 10-15 Jahre: 2,0-5,0 mg
  • Jugendliche, Erwachsene: 2,0-5,0 mg

Der tatsächliche Manganbedarf liegt bei 1 mg/Tag. Da der Körper Mangan schlecht aufnehmen kann, ist die empfohlene aufzunehmende Manganmenge entsprechend höher.

Manganaufnahme

HOHE MANGANAUFNAHME BESONDERS BEI VEGANERN 

Sowohl das US Food and Nutrition Board (US-FNB) als auch der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU (SCF) gehen nach Datenlage davon aus, dass Verbraucher in westlichen Ländern täglich bis zu 10,9 mg Mangan über Ernährung und Getränke aufnehmen. Bei Veganern kann es pro Tag sogar zu einer Aufnahme zwischen 13 bis 20 mg Mangan kommen.

Manganmangel

AUSREICHENDE MANGANAUFNAHME IN DEUTSCHLAND

In Deutschland wird die Aufnahme von Mangan generell als ausreichend eingeschätzt und der tägliche Bedarf kann durch eine ausgewogene Ernährung gedeckt werden, so dass allgemein kein Manganmangel besteht. Aber besonders bei Menschen, die einen Großteil Ihrer Ernährung mit Lebensmitteln aus Weißmehl und hohem Zuckeranteil decken, kann es zu Defiziten in der Manganversorgung und auch zu Manganmangel kommen. Grund dafür ist, dass etwa die Hälfte des Mangans bei der Verarbeitung dieser Lebensmittel verloren geht.

ZUSÄTZLICHE EINNAHME VON NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTELN MIT MANGAN NICHT ALLGEMEIN EMPFOHLEN

Es ist bekannt, dass zu hohe Manganzufuhren bei Menschen und bei Tieren nachteilige Effekte auslösen können. Da aktuell keine Obergrenze für die sichere orale Aufnahmemenge von Mangan festgelegt wurde und Wissenschaftler davon ausgehen, dass der Abstand zwischen der täglich tatsächlich aufgenommenen Menge über Lebensmittel und dem Dosisbereich, in dem unerwünschte Wirkungen auftreten, eher gering ist, sehen sie keinen Nutzen in einer zusätzlichen Manganzufuhr über Nahrungsergänzungsmittel.

SYMPTOME VON MANGANMANGEL

Bei Personen, bei denen der Manganhaushalt durch verminderte Manganzufuhr gestört ist, kann es zu unterschiedlichen Symptomen kommen. Die Anzeichen können verschiedene Bereiche betreffen, darunter das Blut, das Hormonsystem, Haut, Knochen oder Knorpel sowie Immunsystem und zentrales Nervensystem.

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MÖGLICHE URSACHEN FÜR MANGANMANGEL

MÖGLICHE FOLGEN VON MANGANMANGEL

Mögliche Mangelerscheinungen von Mangan sind bislang nur aus Tierstudien bekannt, wo sie künstlich durch manganfreie Diäten erzeugt werden konnten. Dort beobachtete man neben Skelettveränderungen auch Gerinnungsstörungen und eine gestörte Spermienbildung. Wissenschaftler bringen Manganmangel insgesamt mit folgenden möglichen Folgen in Verbindung:

  • Blutgerinnungsstörungen
  • Störungen der Gewebestruktur
  • Verlust der Haarpigmentierung
  • Verminderte Antikörperbildung
  • Störung der Nervenreizübertragung auf die Muskelzelle
  • Verminderte Produktion von Sexualhormonen
  • Wachstumsverzögerungen
  • Verminderte Fortpflanzungsfähigkeit
  • Immunschwäche
  • Epilepsie
  • Schizophrenie

Mangel an Mangan kann bei Kindern neben Strukturproblemen in Knochen auch Wachstumsstörungen hervorrufen. Durch Manganmangel kann außerdem das Innenohr, das mit dem Gleichgewichtssinn in Verbindung steht, in einer frühen Entwicklungsphase beeinträchtigt werden. Kleine Kinder, die schlecht laufen lernen, können gegebenenfalls zusätzliche Mengen an Mangan benötigen.

Manganmangel feststellen

ÄRZTLICHE UNTERSUCHUNG

Ob ein Manganmangel vorliegt, wird meist im Blut oder im Urin überprüft. Bei Manganmangel können erhöhte Blutwerte von Kalzium, Phosphor und Glucose auftreten. Das HDL-Cholesterin kann abgesunken sein.

Auch ein Selbsttest, bei dem Haare oder Fingergnägel an ein Analyse-Labor gesendet werden, kann Auskunft über den Manganstatus geben.

BESTIMMUNG MANGANSTATUS – REFERENZWERTE

  • Vollblut 0,11 – 0,20 µmol/l (6,0 – 11,0 µg/l)
  • Serum 5-20 nmol/l (0,3 – 1,1 µg/l)
  • Urin < 27 nmol/l (< 1,5 µg/l)

Die Normalwerte von Mangan im Haar betragen 0,06 – 0,25 µg/g. Graues Haar weist niedrigere Konzentrationen auf.

Neben der Schwangerschaft findet man bei folgenden Erkrankungen erhöhte Mangankonzentrationen im Blutserum:

Bei Arteriosklerose ist eine erhöhte Mangankonzentration im Serum feststellbar, aber eine erniedrigte Konzentration in Gefäßwand, Myokard und Leber.

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THERAPEUTISCHE DOSIERUNGEN

Ernährungsmedizinisch wird Mangan in der Regel im Bereich von 5 – 20 mg pro Tag dosiert. Bei starken Mangelzuständen, aber auch in der Psychiatrie können die Mangangaben höher sein.

Nach therapeutischen Gaben von Mangan kann es gelegentlich zu Blutdruckerhöhungen kommen.

Als bevorzugte Formen von Mangan gelten bei der Supplementierung (Nahrungsergänzung) organische Manganverbindungen wie z.B. Mangangluconat oder chelatierte Manganverbindungen. Diese Verbindungen kann der Körper besser aufnehmen als Mangansulfat.

Anwendungsgebiete

VIELE KRANKHEITEN GEHEN MIT NIEDRIGEM MANGANSPIEGEL EINHER

Bei Epileptikern, deren Erkrankung nicht auf einem Trauma beruht, finden sich sowohl im Haar als auch im Vollblut deutlich erniedrigte Manganspiegel.

Diabetiker haben Manganspiegel, die um 50 % niedriger sind, als bei gesunden Menschen. Es ist bekannt, dass bei Manganmangel weniger Träger für den Transport von Glucose vorhanden sind. Ein Manganmangel kann zu gestörter Glucosetoleranz führen.

Auch Rückenbeschwerden und Bandscheibenbeschwerden sind oft von deutlich tieferen Mangankonzentrationen begleitet, die man in den Bandscheiben und Haaren nachweisen konnte.

Untersuchungen bei Asthmatikern ergaben, dass diese viermal niedrigere Manganwerte im Haar hatten, als gesunde Menschen. Experten vermuten, dass Manganmangel einer von verschiedenen Faktoren sein kann, die zur Entstehung von Asthma führen könnten.

Beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) und Menstruationsbeschwerden kann 1 – 6 mg Mangan pro Tag zusammen mit 600 – 1.300 mg Kalzium Stimmungsschwankungen und prämenstruelle Schmerzen vermindern.

Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, weisen häufig neben niedrigen Zinkwerten auch niedrige Manganspiegel im Haar auf.

Folgen erhöhter Manganaufnahme

ÜBERDOSIERUNG VON MANGAN

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Mangan zeigte bis zur Höhe von 50 g pro Tag keine Nebenwirkungen, während aber berufsbedingt schädliche Wirkungen beim Einatmen von Manganoxidstaub auftreten können. Betroffen können Arbeiter sein, die in der metallverarbeitenden Industrie oder im Bergbau arbeiten, wo sie Manganoxidstaub ausgesetzt sind. Personen, die langfristig hohen Mengen Mangan ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken.

Mögliche Symptome bei Überdosierungen/Manganvergiftungen

  • Aggressives Verhalten
  • Übermäßige Erregbarkeit
  • Störungen im Verdauungstrakt
  • Verlust der Koordinationsfähigkeit
  • Parkinson-ähnliche Symptome
  • Blutdruckerhöhungen
  • Lernschwierigkeiten
  • Psychosen
  • Atemwegsbeschwerden

Ein Selbsttest von Haaren oder Fingernägeln zur Feststellung des Manganstatus kann sich eignen, um Hinweise auf ein bestehendes Mangan-Überangebot zu erhalten.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

H.K. Biesalski, J. Köhrle, K. Schümann. Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Prävention und Therapie mit Mikronährstoffen. Georg Thieme Verlag. Stuttgart – New York. 2002

Prof. Dr. I. Elmadfa, W. Aign et al. Die große GU-Nährwerttabelle. Verlag Graefe Unzer. 2. Auflage 2012

Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV). Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte der Verwendung von Mineralstoffen und Vitaminen in Lebensmitteln. Teil I: Mineralstoffe (einschließlich Spurenelemente). Vorschläge für Regelungen und Höchstmengen zum Schutz des Verbrauchers vor Überdosierung beim Verzehr von Nahrungsergänzungsergänzungsmitteln (NEM) und angereicherten Lebensmitteln. 18. Januar 2002

MRI: NationaleVerzehrsstudie II

https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/5-am-tag/

https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/stellungnahme/DGE-Stellungnahme-Gemuese-Obst-2012.pdf – Gemüse und Obst in der Prävention ausgewählter chronischher Krankheiten

Die Nährstoffe-Bausteine für Ihre Gesundheit. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn 2015.

Burgerstein, Dr. Lothar: Burgersteins Handbuch Nährstoffe. 11. vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Haug Verlag. 2007

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 05/2016 | aktualisiert 01/2019

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