Wasser ist nicht gleich Wasser

VERBRAUCH VON MINERALWASSER DEUTSCHLAND – BELIEBTER DURSTLÖSCHER

Mineralwasser zählt zu den beliebtesten Durstlöschern der Deutschen – gefördert wird es aus mehr als 820 anerkannten Quellen, die über Deutschland verteilt sind. Im Jahr 2018 trank nach Angaben der Informationszentrale Deutsches Mineralwasser jeder Deutsche 150,5 Liter Mineralwasser und Heilwasser.

MINERALWASSER IST QUELLWASSER VON URSPRÜNGLICHER REINHEIT

Wenn Wasser auf seinem Weg in die Tiefe durch Erde- und Gesteinsschichten gefiltert wird und am Ende in eine unterirdische, vor Verunreinigungen geschützte Quelle sickert, entsteht ursprüngliches reines Mineralwasser. Es kann aus einer oder mehreren natürlich oder künstlich erschlossenen Quellen gewonnen werden. Je nach geographischer Lage und Beschaffenheit der Gesteinsschichten reichert die Quelle das Wasser dabei mit mehr oder weniger Mineralstoffen wie Natrium, Kalzium, Magnesium, Kalium und Spurenelementen wie Lithium an. So gewinnt das Wasser ernährungsphysiologische Bedeutung.

Um die unterirdische Quelle vor Verunreinigungen zu schützen, muss mindestens eine Erdschicht zwischen Grundwasser und Quelle liegen.

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MINERAL – UND TAFELWASSERVERORDNUNG

Jedes Mineralwasser unterliegt der Deutschen Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTV) und benötigt eine amtliche Anerkennung. Per Definition ist es weiterhin ein Grundwasser mit besonderen Eigenschaften, dessen Inhaltsstoffe und Quelltemperatur nur geringfügig natürlich schwanken dürfen.

Mineralwasser muss zudem aus einer unterirdischen Quelle stammen und von ursprünglicher Reinheit sein. Die Abfüllung erfolgt zur Bewahrung der Reinheit direkt am Gewinnungsort. Der Begriff „ursprüngliche Reinheit“ bezieht sich dabei nicht auf natürliche Verunreinigungen wie sie etwa durch Arsen oder radioaktive Mineralien ins Mineralwasser eingebracht werden können, sondern auf Verunreinigungen die durch menschliche Aktivitäten in die Umwelt eingebracht werden (anthropogene Verunreinigung).

Dazu zählen Verunreinigungen aus Industrie, Landwirtschaft, Mülldeponien, Krankenhäusern, Bergbau oder Haushalten. Näher erläutert werden die Begriffe „ursprüngliche Reinheit“ und „vor Verunreinigung geschützt“ jedoch in der Mineral- und Tafelwassserverordnung nicht.

NUR EINGESCHRÄNKTE BEHANDLUNG BEI MINERALWASSER ERLAUBT

Auf Grundlage der Deutschen Mineral- und Tafelwasserverordnung gelten im Genehmigungsverfahren strengere mikrobiologische Grenzwerte als beim Trinkwasser. Diese Grenzwerte werden am Ort der Abfüllung durch die Lebensmittelüberwachung kontrolliert.

Gemäß Art. 4 der EG-Richtlinie darf Mineralwasser nur eingeschränkt behandelt werden. Beispielsweise darf Kohlensäure hinzugefügt oder entfernt werden, auch dürfen unerwünschte Bestandteile wie Arsen, Mangan oder Fluorid mit genehmigten Verfahren reduziert bzw. entfernt werden. Darüber hinaus können auch unbeständige Stoffe wie Eisen oder Schwefel mit physikalischen Verfahren entfernt werden.

Rechtlich ungeregelt sind jedoch in der MTV bislang konkrete Grenzwerte für verunreinigende Stoffe, wie sie durch menschliche Aktivität nach der Genehmigung ins Mineralwasser eingebracht werden können.

Amtlich anerkannte Quellen für Mineralwasser

GEPRÜFTE WASSERQUALITÄT

Alle amtlich anerkannten Quellen werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bekannt gegeben. Der Link leitet auf eine entsprechende Liste des BVL im PDF-Format weiter.

Qualität von Mineralwasser in Gefahr?

MELDUNGEN ÜBER VERUNREINIGTES MINERALWASSER HÄUFEN SICH

Seit Jahren sorgen Testergebnisse diverser Mineralwässer wegen Verunreinigungen immer wieder für Schlagzeilen und Kritiker sehen die ursprüngliche Reinheit gefährdet. Auch Inhaltsstoffe von Verpackungen sorgten für Unruhe. Viele gefundene Substanzen sind zwar gesundheitlich nicht bedenklich, aber Verunreinigungen verschiedener Art belasten mehr oder minder stark einige deutsche Brunnen und Mineralwässer und damit deren ursprüngliche Reinheit.

Normalerweise ist das Grundwasser weitestgehend durch intakte Erd- und Gesteinsschichten vor Verunreinigungen geschützt. Nicht immer reicht die natürliche Schutzfunktion dieser Schichten aber aus. Gefährdet wird das Grundwassser beispielsweise durch die Entfernung schützender Schichten bei baulichen Eingriffen, Rohstoffabtragungen, flächenhaften Einträgen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und die Freisetzung anthropogener Stoffe, die nicht natürlich zurückgehalten oder abgebaut werden können.

BELASTENDE STOFFE

Süßstoffe 

Künstliche Süßstoffe wie Acesulfam, Saccharin, Sucralose und Cyclamat sind hochgradig wasserlöslich und ähnlich wie Silikone sehr stabil. Sie gelangen über den Urin in die Kläranlagen, wo sie zumeist unverändert wieder ausgeleitet werden und sich dabei in einigen Quellgebieten anreichern. Zwar sind die als Lebensmittel zugelassenen Süßstoffe nicht gesundheitsschädlich, dennoch gilt ihr Eindringen in Quellen mittlerweile als Indikator für Reinheit und Ursprünglickeit einer Quelle und macht deutlich, dass zukünftig auch andere unerwünschte Stoffe auf dem gleichen Wege das Mineralwasser der Quelle verunreinigen könnten. Erst seit 2007 lassen sich die Süßstoffe durch ein spezielles Verfahren nachweisen.

Bisphenol A (BPA)

Bisphenol A steht lange schon im Verdacht, auch beim Menschen hormonähnlich wirken zu können. Es findet sich unter anderem als „Weichmacher“ in Kunststoffen, die als Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden. Viele Abfüller sind deshalb bereits dazu übergegangen, Mineralwasser alternativ in Kunststoffflaschen aus PET abzufüllen. Auch bei Kunststoffverschlüssen von Glasflaschen wird häufig schon auf BPA verzichtet. Ob eine Verpackung noch BPA enthält, kann beim Abfüller erfragt werden.

Nach neuen Bewertungsergebnissen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wird es als weniger wahrscheinlich eingestuft, dass durch Bisphenol A im Niedrigdosisbereich  Effekte auf Fortpflanzung und Entwicklung auftreten oder schädliche Wirkungen auf das Nerven-, Stoffwechsel-, Immun- und Herzkreislaufsystem ausgeübt werden. Wenig wahrscheinlich schätzt die EFSA auch das Risiko ein, das Bisphenol A erbgutverändernd oder krebserregend wirkt. Bis zur Auswertung weiterer laufender Langzeitstudien bestimmte die EFSA eine neue tolerable Aufnahmemenge, die lebenslang ohne Gesundheitsrisiko aufgenommen werden kann – sie liegt derzeit bei 4 Mikrogramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht.

Pflanzenschutzmittel

Schädlingsbekämpfungsmittel, Biozide und Pilzbekämpfungsmittel sowie ihre Zersetzungsprodukte (Metaboliten) gelangen von den bewirtschafteten Äckern ins Grundwasser und können mitunter auch Mineralwasserquellen erreichen. Produkte dieser Art sind Zulassungsverfahren unterworfen, denn sie und ihre Abbauprodukte dürfen bei sachgemäßem Gebrauch weder Anwender noch Umwelt schädigen und auch keine Rückstände in Lebensmitteln und Trinkwasser hinterlassen, die die Gesundheit der Verbraucher gefährdet. In der Regel sind nachgewiesene Metaboliten nach dem Abbau ohne Einfluss auf die menschliche Gesundheit.

Korrosionsschutzmittel

Korrosionsschutzmittel können Rückstände chemischer Substanzen sein, die aus Geschirrspülreinigungs-Tabs stammen und in Kläranlagen nicht abgebaut werden.

Acetaldehyd

Acetaldehyd kommt häufig in PET Flaschen vor und ist für den Menschen schon als fruchtiger Beigeschmack wahrnehmbar, wenn es nur in minimalsten Mengen aus dem aus dem Plastik der Flasche ins Getränk übergeht. Auch wenn von geringen Mengen der Substanz  kein gesundheitliches Risiko ausgeht, ist nach geltenden Vorschriften eine Geruchs- oder Geschmacksveränderung nicht erlaubt und stellt einen Qualitätsmangel dar. Derart belastete Getränke können zurück gegeben werden. Hersteller von PET Flaschen sind aufgefordert, das Acetaldehyd im PET zu binden oder die Flaschen mit einer glasartigen Innenbeschichtung zu versehen.

Arzneimittel

Durch Ausscheidungen gelangen regelmäßig menschliche und tierische Arzneimittel über diffuse Quellen in das Grundwasser und so auch in Mineralwasser. Sowohl tierische Arzneimittelrückstände aus der Gülle, wie auch menschliche Rückstände, die im Klärschlamm verbleiben, gelangen mit der Düngung landwirtschaftlicher Flächen von dort aus teilweise in das Grundwasser. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist aus heutiger Sicht ein toxikologisches Risiko für den Menschen auszuschließen und Verhaltensänderungen von Tierzüchtern, Ärzten, Apothekern und Verbrauchern sollen langfristig den Eintrag von Arzneimittelrückständen in die Umwelt reduzieren.

Uran

Erhöhte natürliche Uranvorkommen, die sich mancherorts auch im Grundwasser nachweisen lassen, finden sich in den deutschen Mittelgebirgsregionen. Betroffen sind Teile von Thüringen, Nordbayern und dem südlichen Sachsen. Daneben kann Uran auch über die Landwirtschaft in die Umwelt gelangen, nämlich dann, wenn Phosphatdünger eingesetzt werden, die aus mit Schwermetallen belasteten Rohphosphaten hergestellt werden.

Uran kann bei anhaltender Aufnahme höherer Konzentrationen durch seine chemische Giftigkeit die Nieren schädigen, besonders die von empfindlichen Bevölkerungsgruppen wie Säuglingen. Für den Urangehalt in abgepackten Wässern wie Quellwasser, Tafelwasser und natürliche Mineralwasser, die die Aufschrift tragen „Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ gilt rechtsverbindlich ein Höchstwert von 2 Mikrogramm Uran pro Liter.

Zwar stellt Uran nach Auffassung des Bundes für Risikobewertung (BfR) nach heutigen Erkenntnissen kein nennenswertes Gesundheitsrisiko dar, dennoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass Verbraucher über Trinkwasser und Mineralwasser gesundheitlich bedenkliche Mengen an Uran aufnehmen, wenn dieses aus Regionen mit hohen natürlichen Uranvorkommen stammte. Auf europäischer Ebene wurde bislang weder für Trinkwasser noch für Mineralwasser ein Höchstwert von Uran festgelegt. Für Trinkwasser besteht jedoch eine Empfehlung des Umweltbundesamtes, nach der 10 Mikrogramm Uran pro Liter als lebenslang duldbarer Leitwert einzuhalten sind. Eine anderslautende Empfehlung kommt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ihren Berechnungen nach kann ein Mensch von 60 Kilogramm Gewicht täglich 36 Milligramm Uran zu sich nehmen, ohne gesundheitliche Schäden befürchten zu müssen. Die WHO empfiehlt einen Höchstwert von 15 Milligramm Uran pro Liter.

Inhaltsstoffe und Gehalte von Mineralwasser checken

ABFRAGE BEI ABFÜLLER – WASSERVERSORGER – GESUNDHEITSAMT

Wer mehr über sein täglich konsumiertes Mineralwasser erfahren möchte, wird häufig schon auf der Homepage des Abfüllers fündig. Dort sind nicht selten detaillierte Angaben zu Inhaltsstoffen und Verpackungen hinterlegt – alles andere lässt sich sicherlich beim Abfüller erfragen. Auskunft über Werte zu Uran-, Nitrat- und anderen Gehalten im Mineralwasser oder Leitungswasser geben ansonsten auch die örtlichen Wasserversorger oder Gesundheitsämter der Region, bzw. Quellregion.

Was geschieht mit verunreinigten Quellen?

BISLANG DARF BELASTETES MINERALWASSER ABGEFÜLLT WERDEN 

Trotzdem einschlägige EU-Richtlinien existieren, nach denen beispielsweise Orientierungswerte für Höchstkonzentrationen (0,05 Mikrogramm/Liter) von belastenden Pflanzenschutzmitteln und Arzneimitteln in Bezug auf die ursprüngliche Reinheit von Mineralwasser festgesetzt wurden, dürfen Brunnenbetreiber derzeit weiter belastetes Mineralwasser abfüllen und in den Verkehr bringen, auch wenn ihre Werte noch oberhalb der Höchstgrenzen liegen.

So entschied der Verwaltungsgerichtshof (VGH) 2013, als das Land Baden-Württemberg einigen Brunnenbetreibern wegen Verunreinigungen durch Pflanzenschutzmetaboliten die amtliche Anerkennung entzogen hatte und diese gegen die Aberkennung Klage einreichten. Zur Begründung hieß es von Seiten des Gerichts, dass die Versagung der amtlichen Anerkennung als „Natürliches Mineralwasser“ wegen der Feststellung von Metaboliten von Pflanzenschutzmitteln in die grundgesetzlich geschützte Berufsausübungsfreiheit des Mineralwasser-Unternehmens eingreife. Nach der MTV sei nicht bereits jeglicher anthropogene Eintrag als Verunreinigung anzusehen, der einer amtlichen Anerkennung entgegensteht, es sei auch verfassungsrechtlich keine absolute Abwesenheit von Schadstoffen gefordert, sondern nur eine normative Reinheit. Um dem Unternehmer die Anerkennung und damit verbundene grundrechtlich zugesicherte Berufsausübung versagen zu können, müssten die Grenzziehungen zu anthropogenen Einflüssen in der Rechtsverordnung selbst normativ erfolgen. Das sei bisher nicht der Fall.

Fazit

Solange in der MTV keine Höchstgrenzen für verunreinigende Stoffe in Mineralwasser festgesetzt werden, können belastete Mineralwässer weiterhin in den Handel gelangen.

Nach Ansicht des Landes Baden-Württemberg müssen klare Regelungen und konkrete Werte zu anthropogenen Verunreinigungen in Natürlichem Mineralwasser rechtsgültig verankert werden. Anthropogen verunreinigtes Brunnenwasser, das den Vorgaben für „Natürliches Mineralwasser“ nicht entspricht, würde dann nach Ausführungen von Dr. Gerhard Thielert vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen (CVUA) nicht verboten, sondern könnte weiterhin für Tafelwasser, Schorle oder Limonade genutzt werden, da die Verunreinigungen nicht gesundheitsschädlich sind. Die Behörden möchten den Verbraucher vor Irreführung und Übervorteilung schützen, denn schließlich erwarte er von einem natürlichen Mineralwasser zu Recht eine gehobene Qualität und bezahle dafür auch einen entsprechenden Preis.

WICHTIGE HINWEISE ZU GESUNDHEITSTHEMEN

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: 02/2018 | aktualisiert 01/2019

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