Ein Testament kann einige Probleme vermeiden

DER LETZTE WILLE: DEN NACHLASS GEREGELT VERERBEN

Mit einem Testament lässt sich nach dem eigenen Tod der Erbfall regeln. Man kann in einem notariellen oder eigenhändigen Testament seinen Nachlass verteilen, Rechte und Pflichten weitergeben und auch über den eigenen Tod hinaus beliebige Wünsche und Bestimmungen verfügen. Wenn der „Letzte Wille“ ungeregelt bleibt, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge ein. In vielen Familien führt ein ungeregelter Nachlass zu Problemen und Unfrieden zwischen den Angehörigen.

Wer sich schon frühzeitig per Testament um Vermögensfragen kümmert und einen geeigneten Nachfolger bestimmt, kann viel Ärger, steuerliche Nachteile und böse Überraschungen vermeiden. Ein Grund, sich mit der Nachfolge zu beschäftigen, kann auch eine ungünstige Krankheitsprognose sein.

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Auch niedergeschriebene Wünsche zur Form der eigenen Bestattung helfen den Hinterblieben im Todesfall sehr weiter. Der letzte Wille lässt sich rechtlich durch ein Testament oder einen Erbvertrag normalerweise problemlos regeln. Wenn es zu Erbstreitigkeiten und Erbauseinandersetzungen kommt, sind Fachanwälte für Erbrecht darauf spezialisiert, zu beraten und führen bei Bedarf außergerichtliche und gerichtliche Verhandlungen.

Welches Testament ist gültig?

FORM BEACHTEN

Ein gültiges Testament muss eine bestimmte Form aufweisen. Geregelt werden die Bestimmungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Es kann eigenhändig oder durch einen Notar verfasst werden.

Das notarielle Testament

BEURKUNDUNG DURCH DEN NOTAR

Bei der Beurkundung des Testaments durch den Notar kann der Erblasser zu Lebzeiten noch Einfluss darauf nehmen, dass über seinen Nachlass wunschgemäß verfügt wird. In den Kosten für ein notarielles Testament ist bereits die Anpassung eines Standardtestamentsentwurfs durch den Notar enthalten. Eine Notargebühr wird fällig, sobald man sich damit einverstanden erklärt hat, dass der Notar einen Testamentsentwurf zusendet.

Wenn ein notarielles Testament besteht, können Erben die Kosten für den Erbschein sparen. Der Erbschein ist ein amtliches Dokument und muss von den Erben beantragt werden, wenn rechtsverbindlich bestimmt werden soll, wer die Rechte und Pflichten des Erblassers übernimmt und Vermögen und Schulden erbt und zu welchen Teilen ein Anspruch besteht. Die Kosten für den Erbschein richten sich nach dem vorhandenen Vermögen und sind vom Antragsteller zu zahlen. Die Höhe wird auf Basis des Gerichts- und Notarkostengesetzes (GNotKG) § 40 ermittelt. Bei einem Vermögen von 50.000 Euro würden beispielsweise für den Erbschein Kosten in Höhe von 330 Euro anfallen.

WAS KOSTET EIN NOTARIELLES TESTAMENT?

Die Kosten für ein notarielles Testament richten sich nach dem Geschäftswert und den Notargebühren für ein Einzeltestament oder ein Gemeinschaftliches Testament. Der Geschäftswert entspricht dem zu vererbenden Vermögen. Möglicherweise vorhandene Schulden werden abgezogen.

Bei einem Geschäftswert von beispielsweise 50.000 Euro betragen die Notarkosten beim Einzeltestament etwa 300 Euro, während sich die Notarkosten für ein Gemeinschaftliches Testament auf etwa 520 Euro belaufen. Die Beurkundungskosten bei Testamenten richten sich ebenfalls nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG). Enthalten sind in den Notarkosten nicht nur die Kosten für den Testamentsentwurf und die Beurkundung, sondern auch die Kosten für Auslagen, Schreibauslagen und die Registrierungsgebühr für das Zentrale Testamentsregister.

Eigenhändiges Testament

DEN LETZTEN WILLEN SELBST ZU PAPIER BRINGEN

Ein eigenhändiges Testament ist dann mit Kosten verbunden, wenn man sich vor der Errichtung anwaltlich, steuerberaterlich oder notariell beraten lässt. Welche Form das eigenhändige Testament haben muss, damit es gültig ist, regelt der § 2247 BGB.

Danach muss das handgeschriebene Testament des Erblassers von ihm selbst im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte geschrieben und mit Vornamen und Familiennamen unterschrieben worden sein. Unterschreibt er in anderer Weise, ist das Testament nur dann gültig, wenn die Urheberschaft zweifelsfrei festgestellt werden kann.

Die Urkunde muss zum Zeitpunkt der Errichtung die genaue Zeitangabe auch die genaue Ortsangabe enthalten. Mit der Zeitangabe ist das genaue Datum gemeint, das Tag, Monat und Jahr der Errichtung enthält. Im eigenhändigen Testament sollten bestimmte Erben unbedingt mit vollständigem Namen, Geburtsdatum und aktueller Anschrift aufgeführt sein. Üblich ist neben der Überschrift „Testament“ auch die Überschrift „Mein letzter Wille“. Für die Inhalte bestehen sonst keine weiteren Vorschriften, außer, dass sie vom Erblasser eigenhändig niedergeschrieben werden müssen.

Ehegatten können ein Gemeinschaftliches Testament errichten. Bei Ehegatten genügt es, wenn einer den gemeinschaftlichen „Letzten Willen“ formgerecht handschriftlich verfasst, aber beide Ehegatte müssen gemeinschaftlich unterschreiben. Wenn ein Ehegatte mitunterzeichnet, verlangt die Form, dass er ebenfalls das genaue Datum und den Ort zu seiner Unterschrift zufügt.

Nottestament

DAS NOTTESTAMENT VOR DEM BÜRGERMEISTER

Wenn ein Erblasser oder einer der Ehegatten nicht mehr rechtzeitig vor seinem Tod ein notarielles Testament errichten lassen kann, kann der Bürgermeister der Gemeinde oder sein Stellvertreter zusammen mit zwei neutralen Zeugen das Testament unter Einhaltung bestimmter Vorschriften stellvertretend für den Notar beurkunden. Einzelheiten sind im § 2249 BGB geregelt.

DAS NOTTESTAMENT VOR DREI ZEUGEN

Für den Fall, dass ein Erblasser oder einer der Ehegatten sich unter außerordentlichen Umständen an einem Ort befindet, an dem er sein eigenhändiges Testament nicht mehr errichten kann, kann der Erblasser seinen letzten Willen vor drei Zeugen mündlich erklären. Die Zeugen müssen das Testament schriftlich niederschreiben. Einzelheiten finden sich im § 2250 BGB.

Auch auf See kann ein Erblasser nach § 2251 sein Nottestament mündlich vor drei Zeugen errichten.

Wie lange ist ein Testament gültig?

VERSCHIEDENE UMSTÄNDE MACHEN EIN TESTAMENT UNGÜLTIG

Ein Testament ist bis auf Widerruf gültig, allerdings kann der Erblasser auch den Widerruf widerrufen, so dass in dem Fall automatisch die letzte Verfügung wieder wirksam ist. Einen Widerruf kann der Erblasser beispielsweise durch ein später datiertes Testament vornehmen, das widersprüchliche Verfügungen hat. Der Erblasser kann seinen letzten Willen außerdem durch Vernichtung des Dokuments widerrufen. Auch eine im Testament enthaltene einzelne Verfügung kann er jederzeit widerrufen oder verändern. Bei nachträglich vorgenommenen Veränderungen, die erkennen lassen, dass der Erblasser das Testament aufheben wollte, geht der Gesetzgeber davon aus, dass es ungültig ist.

Ein Nottestament ist ungültig, wenn es nicht innerhalb von 3 Monaten errichtet wurde oder wenn der Erblasser überlebt hat.

Ein eigenhändiges Testament, das vom Erblasser zur amtlichen Aufbewahrung gegeben wurde, aber auch ein notarielles Testament, das zur amtlichen Verwahrung hinterlegt wurde, ist dann automatisch ungültig, wenn der Erblasser die zur Aufbewahrung hinterlegte Urkunde zurückerhalten hat. Einzelheiten werden in § 2256 geregelt.

Ein Gemeinschaftliches Testament ist dann unwirksam, wenn die Ehe oder Verlobung vor dem Erbfall aufgelöst worden ist oder bereits die Voraussetzungen für die Ehescheidung gegeben waren, es sei denn, der Erblasser hat testamentarisch etwas anderes verfügt. Auch wenn der Erblasser sich geirrt hat oder in Verbindung mit der Errichtung bedroht wurde, ist seine letztwillige Verfügung unwirksam. Details finden sich in § 2268, § 2077 und den darauf folgenden Regelungen.

Amtliche Testamenthinterlegung

AUFBEWAHRUNG UND KOSTEN FÜR DIE AMTLICHE HINTERLEGUNG DES LETZTEN WILLENS

Wenn ein Erblasser es wünscht, kann er sein handgeschriebenes Testament bei amtlichen Behörden sicher in Verwahrung geben.

Während ein notarielles Testament automatisch amtlich hinterlegt wird, kann auch eine eigenhändige Verfügung für den Sterbefall beim örtlichen Amtsgericht in Verwahrung gegeben werden. Von dort aus wird es umgehend an das Nachlassgericht zur Testamentseröffnung übermittelt, sobald der Tod des Erblassers bekannt wird. Auch Angehörige oder andere Personen, die das Testament eines Erblassers verwahren oder wissen, wo es sich befindet, sind verpflichtet, das Testament umgehend an das Nachlassgericht übermitteln, wenn sie die Todesnachricht erhalten.

In der Regel meldet der Bestatter den Sterbefall beim Standesamt des Erblassers. Das Standesamt informiert das Nachlassgericht, das daraufhin ein bestehendes Testament eröffnet und die Erben und andere darin bedachte Personen benachrichtigt.

Ein notarielles Testament wird immer auch im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer eingetragen.

Um das eigenhändig erstellte Testament beim örtlichen Amtsgericht zu hinterlegen, muss der Verfasser einen persönlichen Termin vereinbaren und einen entsprechenden Antrag für die Testamenthinterlegung ausfüllen. Das Antragsformular ist bei vielen Gerichten online verfügbar, kann aber auch beim Termin ausgefüllt werden. Die Kosten für die Testamentaufbewahrung betragen einmalig pauschal 75 Euro sowie weitere 18 Euro für die Hinterlegung beim Testamentregister. Die Kosten für die Aufbewahrung von Testamenten sind deutschlandweit einheitlich. Zur Testamenthinterlegung benötigt der Erblasser neben seinem Testament auch seinen Personalausweis und seine Geburtsurkunde, die er zum Termin beim Amtsgericht unbedingt mitbringen sollte. Für das hinterlegte Testament gibt das Amtsgericht nach Erledigung der Formalitäten einen Hinterlegungsschein an den Erblasser aus.

Fragen rund um das Thema „Erben und Vererben“ hat das Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz in einer Broschüre zusammengefasst, die kostenlos per PDF-Download oder per Post abrufbar ist.

Link zur Webseite des BMJV: Erben und Vererben

Autor: Katja Schulte Redaktion | Datum: 09/2020

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Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte beachten Sie hierzu die weiteren Hinweise zu Gesundheitsthemen

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