Maßschuhe von der Krankenkasse

KASSENLEISTUNGEN FÜR ORTHOPÄDISCHE SCHUHE

Gesetzlich Versicherte haben mit einer Verordnung vom Facharzt Anspruch auf maßangefertigte orthopädische Schuhe. In der Regel übernehmen gesetzliche Krankenkassen bei entsprechendem Rezept die Kosten für orthopädisches Schuhwerk. Nur die übliche gesetzliche Zuzahlung sowie die Zahlung eines gesetzlich festgelegten Eigenanteils müssen Versicherte selbst in entsprechender Höhe leisten.

Der Anspruch auf orthopädisches Schuhwerk besteht für gesetzlich Krankenversicherte nach § 33 SGB V. Danach haben Versicherte neben Hörhilfen, Körperersatzstücken und anderen Hilfsmitteln auch Anspruch auf orthopädische Hilfsmittel, die notwendig sind, um den Erfolg ihrer Krankenbehandlung zu sichern. Auch wenn einer drohenden Behinderung durch das orthopädische Schuhwerk vorgebeugt werden kann oder mit den Maßschuhen eine Behinderung ausgeglichen werden kann, müssen gesetzliche Krankenkassen leisten.

Maßschuhe gehören aber nur dann zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, wenn bei speziellen Krankheitsbildern oder Funktionsstörungen tatsächlich ein medizinischer Ausgleich für die Behinderung vom Fuß notwendig wird, der nicht ausreichend mit geeigneten Konfektionsschuhen oder einer entsprechenden orthopädischen Umarbeitung oder orthopädischen Einlagen beim eigenen, bereits vorhandenen Schuhwerk des Betroffenen erreicht werden kann. In solchen Fällen würden ansonsten lediglich die Kosten für Konfektionsschuhe, Einlagen oder für eine Umarbeitung des Schuhwerks nach Maßgabe von den Kassen übernommen.

Eigenanteil bei orthopädischem Schuhwerk

ZUZAHLUNG UND GESETZLICHER EIGENANTEIL

Bei orthopädischem Schuhwerk kommt derzeit zur gesetzlichen Zuzahlung in Höhe von 10 Euro, wie eingangs schon erwähnt, noch ein gesetzlicher Eigenanteil für Patienten hinzu. Während die gesetzliche Zuzahlung vom gesetzlich krankenversicherten Patienten nur dann bezahlt werden muss, wenn er nicht von den Zuzahlungen befreit ist, muss der gesetzliche Eigenanteil aber auch dann gezahlt werden, wenn eine Befreiung von der Zuzahlung vorliegt.

Einzige Ausnahme besteht für Patienten der Berufsgenossenschaft, denn Patienten der Berufsgenossenschaft sind bei der Erstausstattung mit orthopädischen Schuhwerk regelmäßig von den Kosten des gesetzlichen Eigenanteils befreit.

Ein Eigenanteil wird bei den meisten orthopädischen Schuhformen fällig, weil orthopädische Maßschuhe von Krankenkassen als Gebrauchsgegenstand eingestuft werden und das sonst übliche Schuhwerk ersetzen, das der Patient ansonsten auch aus seinen privaten Mitteln hätte bezahlen müssen.

Von der Zuzahlung befreit ist nur eine Form der orthopädischen Schuhe und zwar der orthopädische Interimsschuh. Bei einem Interimsschuh handelt es sich um einen orthopädischen Schuh mit hohem Schaft, der meist aus leichtem, preiswertem Textilstoff und Verschlüssen aus Klett, Ösen oder Haken besteht. Er wird für den vorübergehenden Einsatz angefertigt, etwa zur Rehabilitation oder in der frühen Phase einer Erkrankung.

Orthopädische Sicherheitsschuhe, wie sie etwa von Handwerkern für die Arbeit benötigt werden, übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel gar nicht, sie müssen komplett aus eigener Tasche gezahlt werden.

Wie hoch der gesetzliche Eigenanteil und die Höhe der Zuzahlung bei den anderen orthopädischen Maßschuhen ausfällt, hängt neben dem Alter auch von der Art des orthopädischen Schuhwerks ab und ergibt sich aus der folgenden Tabelle.

Erstausstattung für orthopädisches Schuhwerk

KOSTEN FÜR ZUZAHLUNG UND EIGENANTEIL BEI ORTHOPÄDISCHEN SCHUHEN

Eigenanteil für orthopädisches Schuhwerk Kinder Erwachsene
Eigenanteil für orthopädische Straßenschuhe 45 € 76 €
Eigenanteil für orthopädische Hausschuhe 20 € 40 €
Eigenanteil für orthopädische Sportschuhe 20 € 31 €
Eigenanteil für orthopädische Badeschuhe 14 € 14 €
Eigenanteil für orthopädische Interimsschuhe 0 € 0 €
Gesetzlicher Zuzahlungsbetrag 10 € 10 €
Erstausstattung für BG Patienten 0 € 0 €

Preise pro Paar/Stand 03/2022 | Kinder bis zur Vollendung des 16. Lebensjahrs

KONFEKTIONSSCHUHE KÖNNEN AUF KOSTEN DER KRANKENKASSE ANGEPASST WERDEN

Für Menschen mit weniger ausgeprägten körperlichen Beeinträchtigungen erachten Krankenkassen eine Maßanfertigung nicht unbedingt als notwendig. Bei ihnen kann deshalb alternativ eine entsprechende Zurichtung am Konfektionsschuh vorgenommen werden. Die Zurichtung von handelsüblichem Schuhwerk ist eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkasse und die Kosten dafür werden entsprechend übernommen.

Kassenleistungen in Verbindung mit orthopädischem Schuhwerk sind bei gesetzlichen Krankenkassen regelmäßig an verschiedene Beschränkungen und Bedingungen geknüpft. Dazu zählen:

Erstausstattung

Die Erstausstattung hat in der Regel folgenden Umfang:

  • Zwei Paar orthopädische Straßenschuhe
  • Ein Paar orthopädische Hausschuhe
  • Ein Paar orthopädische Sportschuhe
  • Ein Paar orthopädische Badeschuhe

Nach ärztlicher Verordnung leisten Krankenkassen orthopädisches Schuhwerk in Form von Halbschuhen oder Stiefeln bis 15 cm Schafthöhe mit entsprechender Bettung. Die Fertigung erfolgt individuell aus Holz, aus formstabilem Kunststoff oder aus bearbeitbarem Kunststoff.

Auch bei Hilfsmitteln wie orthopädischem Schuhwerk arbeiten Krankenkassen in der Regel mit ausgewählten Vertragspartnern zusammen, über die der Patient das verordnete Hilfsmittel bestellen muss. Informationen zu Vertragspartnern finden sich bei den meisten Krankenkassen auf der Website im Internet oder lassen sich sonst bei der eigenen Krankenkasse erfragen.

Nachversorgung und Änderung von orthopädischem Schuhwerk

Eine Änderung von orthopädischem Schuhwerk erfolgt nur für den funktionsgestörten, bedürftigen Schuh. Wenn orthopädisches Schuhwerk umgestellt werden soll, ist dafür eine neue ärztliche Verordnung nötig. Genehmigt wird eine Umstellung aber auch nur dann, wenn der Fuß eine Abweichung von mindestens 1,5 cm zeigt. Die Abweichung kann in der Dicke, Länge oder Breite entstanden sein.

Bei der Nachversorgung fällt für Patienten der Berufsgenossenschaft ein Eigenanteil an, der sich auf einen verletzten Fuß bezieht. Sofern beim Patienten der Berufsgenossenschaft aber beide Füße aufgrund einer Verletzung behandlungsbedürftig sind, entfällt der Eigenanteil.

Eigenanteil für BG Patienten:

  • Orthopädische Straßenschuhe 38 Euro
  • Orthopädische Sportschuhe 15 Euro
  • Orthopädische Hausschuhe 20 Euro

(Stand 03/2019)

Notwendige Ersatzbeschaffung

Bei Maßschuhen ist ein Ersatz grundsätzlich erst nach 2 Jahren möglich, sofern nicht aus medizinischen Gründen ein früherer Ersatz erforderlich wird.

Optische Anpassung

Bei Maßschuhen ist eine optische Anpassung für den anderen Fuß möglich, der nicht versorgungsbedürftig ist. Modetrends finden bei der Anfertigung von Maßschuhen keine Berücksichtigung.

Maßschuhe beugen bei Diabetikern Amputationen und Fehlhaltungen vor

ORTHOPÄDISCHE SCHUHE VERRINGERN DAS RISIKO FÜR AMPUTATION UND FEHLHALTUNGEN

Wenn das diabetische Fußsyndrom frühzeitig behandelt wird und orthopädisches Schuhwerk getragen wird, kann man als Diabetiker sein Amputationsrisiko senken und im besten Fall eine Amputation ganz verhindern. Im Jahr werden bei Diabetikern durchschnittlich 40.000 Amputationen durchgeführt.

LESETIPP

Diabetes mellitus Diabetiker

Diabetes & Diabetisches Fußsyndrom

Moderne Messverfahren, umfassendes medizinisches Wissen und handwerkliches Können eröffnen dem Orthopädie-Schuhtechniker viele Möglichkeiten, gutes Schuhwerk zu schaffen, das bei orthopädischen Problemen günstige Entwicklungen fördern kann.

Auch Sportler und gesundheitsbewusste Menschen können durch individuell angepasste Maßschuhe Fehlhaltungen und Überbelastungen aktiv entgegen wirken.

Bei orthopädischen Schuhen wird Rücksprache mit Krankenkasse empfohlen

KOSTENFRAGE FÜR ORTHOPÄDISCHES SCHUHWERK AM BESTEN VORHER KLÄREN

Es gelten bei orthopädischen Schuhen die Preise der Vertragspartner, die mit der Krankenkasse vertraglich vereinbart sind und die den orthopädischen Schuh nach den Regelungen des § 127 SGB V herrichten müssen. Versicherten wird empfohlen, sich vor der Anschaffung, Änderung oder Ersatzbeschaffung von orthopädischem Schuhwerk bei der Krankenkasse zu informieren und ggf. eine Absprache zu treffen.

Individuelle Rechtsberatung leistet bei Problemen mit der Krankenkasse im Bedarfsfall ein Fachanwalt für Gesundheitsrecht.

Wann verordnet der Arzt orthopädische Schuhe?

SPEZIELLE ANGEBORENE ODER ERWORBENE SCHÄDEN KÖNNEN ORTHOPÄDISCHE MASSNAHMEN ERFORDERN

Orthopädische Schuhe können bei Verletzungen, nach speziellen Erkrankungen, Amputationen oder angeborenen Fehlstellungen dauerhaft oder vorübergehend geeignet sein, um den Patienten vor Schmerzen und Druckgeschwüren zu schützen, die Heilung zu unterstützen oder die Mobilität durch Stabilisierung der Gelenke zu erhalten. Je nach Situation der Patienten, kommen unterschiedliche Maßschuhe durch den Arzt zur Verordnung. Häufig bei:

  • Spätfolgen von Diabetes mellitus
  • Ausgleich der Beinlängen
  • Beinprothese
  • Verlust von Zehen oder Vorfußteilen
  • Fehlstellungen der Füße und Zehen
  • Sichelfuß
  • Hohlfuß
  • Knickfuß
  • Klumpfuß
  • Ballenfuß
  • Klauenfuß
  • Verletzungen nach Knochenbrüchen
  • Verletzungen der Sehnen
  • Arthrose und Pseudoarthrose
  • Elefantiasis
  • Rheumatisch bedingte Fußprobleme
  • Speziellen Lähmungen
  • Instabilen Gelenken

Welche Hauptarten von Orthopädischen Maßschuhen gibt es?

VIER ARTEN VON MASSSCHUHEN WERDEN HAUPTSÄCHLICH VERORDNET

  • Diabetische Fußbettungen zur Verhinderung von Druckgeschwüren
  • Schuhe zum Ersatz von Zehen oder Mittelfuß
  • Schuhe zum Höhenausgleich bei unterschiedlicher Beinlänge
  • Orthopädische Schuhe zur Stabilisierung bei Gelenkschäden, Sehnenschäden und Lähmungen

Autor: Katja Schulte Redaktion
Datum: zuletzt aktualisiert 07.03.2022

Quellen und weiterführende Links:

Suche