Palmöl in Lebensmitteln ist riskant

IN PALMÖL UND PALMFETT LAUERN GESUNDHEITSGEFAHREN

Schon lange ist Palmöl durch die Zerstörung des Regenwalds in den Schlagzeilen, jetzt wird ein Fettsäureester des Palmöls in Verbindung mit Krebs und Erbgutschädigung gebracht. Das Öl wird aus Palmfrüchten gewonnen. Palmöl ist in großen Mengen verfügbar und gilt als unvergleichlich günstiges Fett auf dem Markt. Aus diesem Grund verwenden es viele Lebensmittelhersteller gerne in einer ganzen Reihe von Nahrungsmitteln. Fertigprodukte wie Babynahrung, Kekse oder auch Nuss-Nougat-Cremes enthalten oft größere Mengen davon.

PALMÖL IST ALS SCHÄDLICH EINGESTUFT

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schafft nach vorliegenden Untersuchungsergebnissen Klarheit und stuft Palmöl nach einer durchgeführten Studie als wahrscheinlich krebserregend und erbgutschädigend ein. Grund dafür ist der in hohen Mengen vorhandene Inhaltsstoff Glycidyl-Fettsäureester, der deutliche Hinweise darauf liefert, dass er das Erbgut schädigen kann und somit krebserregendes Potential besitzt. Forscher gehen davon aus, dass Glycidylester im Körper vollständig in Glycidol umgewandelt werden. Glycidol ist ein genotoxisches Karzinogen. Damit sind auch die Glycidyl-Ester nach Einschätzung der EFSA „wahrscheinlich krebserregend“. Eine weitere Substanz, die bei der Raffination von Palmöl entsteht, ist 3-MCPD-Fettsäureester. Diese Substanz hat die EFSA ebenso als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft.

SCHADSTOFF GLYCIDYL-ESTER ENTSTEHT BEI DER PALMÖLHERSTELLUNG>

Auch andere Speiseöle enthalten Glycidyl-Ester, jedoch in wesentlich geringeren Mengen. Vorstufen von Glycidyl-Ester können sich durch unsanfte Behandlung schon bei der Ernte oder beim Transport der Palmfrüchte bilden. Der größte Teil an Glycidyl-Estern entsteht in Palmfrüchten allerdings erst bei der Raffinierung mit Temperaturen von oft mehr als 200 °C. Hohe Temperaturen sind bei der Palmölherstellung notwendig, um die Geruchsstoffe und die rote Farbe des Palmöls zu neutralisieren.

Glycidyl-Ester gelten auch nach Einschätzung des Bundes für Risikobewertung (BfR) wegen des gesundheitsschädigenden Potentials als unerwünscht in Lebensmitteln. BfR und EFSA sehen besonders für jüngere Bevölkerungsgruppen ein Gesundheitsrisiko durch Glycidyl-Fettsäureester in Lebensmitteln.

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SCHADSTOFFE IN PALMÖLHALTIGEN LEBENSMITTELN

Marktcheck hat eine Laboruntersuchung zum Gehalt von Glycidyl-Estern in palmölhaltigen Lebensmitteln beauftragt. Nach aktuellen Ergebnissen fand sich in 4 von 10 zufällig ausgewählten Markenprodukten der Schadstoff Glycidol. Palmöl war enthalten in Lebensmitteln wie Keksen, Crackern, Chips und Margarine. Gemessen wurden Glycidol-Gehalte von 0,1 bis 0,6 mg/kg gemessen.

Daneben hat eine österreichische Untersuchung im Auftrag von Greenpeace 11 Lebensmittel auf gesundheitsgefährdende Stoffe hin untersuchen lassen, darunter 8 palmölhaltige Lebensmittel. Untersucht wurden Tütensuppen, Tortenglasuren, Schokoladen, Margarinen und Nougatcremes. In allen palmölhaltigen Lebensmittel wies man Schadstoffe nach. Nur 1 der palmölfreien Lebensmittel enthielt keine Schadstoffe, ein anderes in sehr geringen Mengen.

Im Test befand sich eine Milka-Erdbeer-Schokolade, die so hohe Anteile an 3-MCPD-Ester (0,993 mg/kg Körpergewicht) enthielt, dass bereits 2 Stückchen davon die täglich tolerierbare Menge für ein Kleinkind überschritten. Die untersuchte Schokolade enthielt außerdem hohe Konzentrationen an Glydidyl-Ester (0,377 mg/kg Körpergewicht). Ebenfalls hohe Schadstoffkonzentrationen ließen sich auch in der getesteten Bio-Margarine von Alsan nachweisen (Glycidyl-Ester 0,689 mg/kg Körpergewicht/ 3-MCPD-Ester 0,810 mg/kg Körpergewicht). Gleichfalls ergab die Untersuchung der Margarine Rama in Würfelform hohe Schadstoffwerte (Glycidyl-Ester 0,220 mg/kg Körpergewicht und 3-MCPD-Ester 0,691 mg/kg Körpergewicht). Danach genügten schon 2 Rama Margarine dünn bestrichene Brötchenhälften, um den Toleranzwert zu erreichen. Greenpeace rät vor allem bei Kindern vom Verzehr dieser Produkte ab.

Grenzwerte für Glycidyl-Ester und 3-MCDP-Ester

EINFÜHRUNG VON GRENZWERTEN NOCH IN PLANUNG

Bereits 2016 legte die EFSA für 3-MCPD-Ester als Höchstgrenze einen täglichen Wert von 0,8 µg/kg Körpergewicht fest. Dieser Wert gilt als tolerierbare tägliche Aufnahmemenge.

Nur wenige Hersteller und Lebensmittelhändler in Europa reagierten bislang auf die Studienergebnisse der EFSA und nahmen Produkte aus dem Handel oder wollen zukünftig auf Palmöl verzichten. Lediglich in Norwegen senkten Firmen den Palmölverbrauch freiwillig um zwei Drittel. In Deutschland plant die Lebensmittelbranche keine besonderen Maßnahmen zur Reduzierung des Öls. Nur der Discounter Lidl stellte einzelne Produkte um.

Ein generelles Verbot von Palmöl und Palmfett in Lebensmitteln ist in Europa nicht geplant, aber die Europäische Kommission plant eine Verordnung für pflanzliche Öle, die neben den bestehenden Höchstwerten für freies 3-MCPD weitere Höchstwerte von 3-MCPD-Estern und Glycidyl-Estern für verschiedene Lebensmittelgruppen vorsieht. Höchstgehalte sind nicht nur für pflanzliche Öle und Fette geplant, die direkt verzehrt werden, sondern auch für die, die in Lebensmitteln zur Verarbeitung kommen. Daneben soll es Höchstwerte für Babynahrung und Folgenahrung in flüssiger Form und in Pulverform geben.

Voraussichtlich gilt für pflanzliche Öle, die als Zutat in Lebensmitteln enthalten sind, ein Grenzwert von 1 mg/kg Glycidyl-Ester. Für Säuglingsnahrung ist ein strengerer Grenzwert vorgesehen. Das ganze Produkt darf für Säuglinge nicht mehr als 0,075 mg/kg Glycidyl-Ester enthalten.

ZWEIFEL AN AUSREICHENDER SCHUTZFUNKTION DER GRENZWERTE

Gegenüber Marktcheck äußerte der Toxikologe Prof. Edmund Maser von der Uniklinik Kiel, dass er in den Grenzwerten keinen ausreichenden Schutz für Verbraucher sehe. Es sei sehr schwierig, eine zulässige Höchstmenge zu definieren, da theoretisch schon ein einzelnes Molekül des Schadstoffes die DNA schädigen und Krebs auslösen könne. Das Risiko wäre möglicherweise langfristig nur durch ein Verbot der Substanz auszuschalten.

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