Ob Krankheit, Unfall oder einfach das Alter – benötigen Angehörige plötzlich Pflege, verändert sich einiges. Familien stehen dann vor der Frage, ob die Pflege zu Hause überhaupt möglich ist. Wer kann helfen? Und welche Hilfsmittel erleichtern den Alltag mit einer pflegebedürftigen Person?

Pflegehilfsmittel als wichtige Voraussetzung für die häusliche Pflege

Wer im Alter immer häufiger auf Hilfe von anderen angewiesen ist, benötigt nicht selten auch Hilfsmittel wie einen Rollator oder auch Treppenlift. Kommt es allerdings zur Pflegebedürftigkeit, werden noch andere Hilfsmittel notwendig. Was in vielen Pflegeeinrichtungen als Nursecall bekannt ist, gibt es auch für zu Hause. Zudem sind Pflegebetten nicht nur für Pflegeheime eine durchaus sinnvolle Anschaffung, denn kein anderer Ort steht so sehr für Komfort und Sicherheit wie das eigene Bett. Zum Großteil sind es Familienmitglieder, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen pflegen.

Nursecall – die Vorteile moderner Schwesternrufsysteme

Aus Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen sind Schwesternrufsysteme nicht wegzudenken. Auch für zu Hause gibt es ähnliche Systeme, die als Hausnotruf bekannt sind. In der häuslichen Pflege erleichtern sie sowohl Angehörigen als auch Pflegebedürftigen das Leben und sorgen für mehr Sicherheit. Im Notfall kann damit schnell Hilfe gerufen werden. Ermöglicht dem Pflegebedürftigen – sofern er nicht bettlägerig ist – mehr Unabhängigkeit und Mobilität. Während der Pflegebedürftige dadurch länger allein zu Hause leben kann, müssen sich Angehörige nicht so viele Sorgen machen. Im Notfall lässt sich das Notrufsystem per Knopfdruck bedienen. In der Notrufzentrale nimmt geschultes Personal den Notruf entgegen und kann dann das weitere Vorgehen planen.

Das Pflegebett – bequem und sicher schlafen

Wenn ein Pflegebedürftiger aufgrund seines Alters oder krankheitsbedingt bettlägerig wird, ist das passende Pflegebett von großer Bedeutung. Denn dann ist das Bett nicht nur für die Nacht ein Rückzugsort, sondern muss noch andere Anforderungen erfüllen. Dank der besonderen Konstruktion und vieler praktischer Funktionen bildet ein Pflegebett eine wichtige Basis in der häuslichen Pflege.

Wer übernimmt die Kosten für Hilfsmittel

Die häusliche Pflege ist mit Kosten verbunden, die von Pflegebedürftigen und Angehörigen nicht immer bezahlt werden können. Vor der Anschaffung stellt sich daher meist die Frage, wer die Kosten übernimmt.

Kostenübernahme für den Hausnotruf

Für Senioren ist der Hausnotruf ein anerkanntes Hilfsmittel, das bei anerkannter Pflegebedürftigkeit ab Pflegegrad 1 von der Pflegekasse bezuschusst wird. Die Bereitstellung erfolgt durch einen Vertragspartner der jeweiligen Kasse.

Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Nutzungsgebühren mit einem Betrag von bis zu 30,35 Euro brutto pro Monat bezuschusst. § 40 Abs. 1 des Sozialgesetzbuches bildet hierfür die Grundlage. Demnach müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • der Pflegegrad muss bereits anerkannt sein,
  • der Betroffene muss allein oder mit einer Person zusammen leben, die im Notfall nicht in der Lage ist, Hilfe zu holen
  • der Pflegebedürftige kann aufgrund seines Zustands eigenständig keine Hilfe über das Telefon rufen.

Zusatzkosten (z. B. mobiler Notruf über Seniorenhandy, Sturzmelder) werden in der Regel nicht bezuschusst, fallen aber meist gering aus.

Kostenübernahme für ein Pflegebett

Pflegebetten gelten als Hilfs- und Pflegehilfsmittel und erfüllen folgende Zwecke:

  • Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und Sicherung des Erfolgs einer Krankenbehandlung
  • Erleichterung der Pflege und Ermöglichung einer selbstständigen Lebensführung.

Die Beantragung der Kostenübernahme erfolgt bei der zuständigen Kranken- oder Pflegekasse. Bei Vorliegen eines Pflegegrades müssen sich Betroffene an den Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK) wenden, ohne Pflegegrad erfolgt eine Verordnung durch einen Arzt.

Pflegebett

Ein Pflegebett ist eine enorme Erleichterung für pflegende Angehörige

Wenn der Pflegefall eintritt – das ändert sich

Für Familienangehörige und Pflegebedürftige ändert sich extrem viel, wenn die Pflege im häuslichen Umfeld übernommen wird:

  • Es ist eine Neustrukturierung und Neuordnung des gesamten Tagesablaufs erforderlich.
  • Die Tages- und Nachtpflege sowie der Pflegedienst müssen koordiniert werden.
  • Pflegende Angehörige haben deutlich weniger Zeit für sich selbst. Mitunter entsteht ein schlechtes Gewissen, nicht ausreichend für den Pflegebedürftigen zu tun und gleichzeitig die Familie (Partner und Kinder) zu vernachlässigen.
  • Pflegende Angehörige sind nicht mehr spontan.
  • Mit der häuslichen Pflege geht häufig eine erhöhte finanzielle Belastung einher.

Es kann zu gravierenden Veränderungen im Verhältnis zwischen Pflegebedürftigem und Pflegeperson kommen. Mitunter entwickelt sich auf beiden Seiten eine Depression aufgrund der belastenden Situation.

Da sich Pflegebedürftige (vor allem bei Demenz) teils stark in ihrem Wesen verändern, kann es zu einer Überbelastung kommen.

Wird ein Partner zum Pflegefall, muss der pflegende Partner dessen Aufgaben ebenfalls übernehmen (z.B. im Haushalt), was zusätzlich zur Pflege mehr Arbeit bedeutet.

Hilfe für pflegende Angehörige

Angehörige möchten ihren Partner oder ihre Eltern im Alter oder bei Krankheit möglichst lange zu Hause unterstützen und pflegerische Leistungen selbst erbringen. Ein Pflegekurs für Angehörige kann auf diesen Fall vorbereiten. Die Kosten dafür werden von Pflege- und Krankenkassen übernommen.

Angehörige lernen in einem solchen Kurs Gleichgesinnte kennen und bekommen hilfreiche Tipps aus der Praxis. Da die Pflege von Angehörigen psychisch und physisch eine Herausforderung ist, die Zeit und vor allem Kraft erfordert, sollten sich bestenfalls mehrere Personen aus der Familie um die Pflege kümmern.​

Mithilfe eines Pflegedienstes, einer Haushaltshilfe oder einer Tagespflegeeinrichtung kann eine individuelle Pflegestrategie aufgebaut werden. So werden hervorragende Voraussetzungen für die Pflege zu Hause geschaffen.

Auch mit zunehmender Pflegebedürftigkeit zu Hause wohnen

Viele rüstige Senioren können dank einer altersgerechten Wohnung und Unterstützung in einem gut organisierten Alltag recht lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Und auch bei zunehmender Pflegebedürftigkeit muss es nicht zu einem Umzug ins Pflegeheim kommen. Inzwischen gibt es zahlreiche Pflegedienste, welche die häusliche Pflege auch bis zur intensiven ambulanten Versorgung übernehmen. Die Leistungen sind dabei individuell in Abstimmung mit den pflegenden Angehörigen und in Abhängigkeit vom Pflegegrad buchbar. Mit ausreichend Planung und Organisation ist also auch bei steigender Pflegebedürftigkeit die Pflege zu Hause möglich.

Pflege zu Hause – eine Selbstverständlichkeit für Angehörige

Für den Großteil der Angehörigen ist die Pflege ihrer Familienmitglieder im häuslichen Umfeld eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland werden etwa 1,8 Millionen pflegebedürftige Menschen nur von ihrem Familienangehörigen gepflegt. Inwieweit diese Pflege realisiert werden kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Generell sollte aber niemand sich schlecht fühlen, wenn er die Pflege seiner Angehörigen nicht stemmen kann.

Autor: Marcel Meinert
Datum: 27.10.2021

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